Yey, Kapitel 2. Ich habe mich sehr über meine ersten Reviews gefreut und natürlich auch, dass mich gleich welche auf die Favoritenliste gesetzt haben. Ich hoffe, ihr mögt auch Kapitel 2.

Disclaimer: Harry Potter gehört J.K Rowlings. Ich spiele nur ein bisschen und verdiene kein Geld damit.

Kapitel 2

Am nächsten Tag saß Hermine mit einem heftigen Brummschädel hinter ihrem Schreibtisch. „Ich wusste es, ich hätte die letzten beiden Gläser einfach nicht trinken dürfen, oder wenigstens einen Trank zur Ausnüchterung nehmen sollen", murmelte sie und schlug frustriert auf das Buch ein, das vor ihr auf dem Tisch lag. Den Absatz hatte sie jetzt schon zum dritten mal gelesen und immer noch kein Wort davon verstanden, dabei war sie normalerweise wirklich nicht schwer von Begriff.

Aber der Abend gestern war schön gewesen, sie hatten noch lange zusammengesessen und geredet, über alte Zeiten und über die neuen. Mit leisem Seufzen dachte sie an Ron und an Harry. Ron und sie waren nach dem Krieg ein Paar gewesen, aber es hatte nicht funktioniert, ihre Interessen waren so grundverschieden.

Ron hatte zusammen mit Harry die Aurorenausbildung angefangen, aber nach eineinhalb Jahren abgebrochen, als er das Angebot erhalten hatte, professionell in einem kleinen, aber engagiertem Team Quidditch zu spielen. So hatte er sich mit seiner Mannschaft langsam hochgearbeitet und war nun erster Hüter bei den Fiery Falcons, einer der Top Mannschaften der englischen Liga.

Dementsprechend kam das viele Reisen und natürlich die Frauen. Überall wo er hin kam, wurde Ron von jungen Frauen umschwärmt und er ließ sich nur allzu gerne bewundern. Ron versuchte eine Zeit lang wirklich sein Bestes, nahm Hermine mit zu den Spielen und auf die Feiern danach, aber es war nicht ihre Welt. Sie fand keine Befriedigung darin, am Spielfeldrand zu sitzen und ihrem Freund zuzujubeln oder anschließend Zeuge zu werden, wie ihm die weiblichen Fans um den Hals fielen. Hermine weigerte sich, ihren Freund ebenso anzuhimmeln oder gar ihm dabei zu zusehen, wie er angehimmelt wurde, und so blieb sie irgendwann einfach zu Hause und ließ Ron allein los ziehen. Dann aber ärgerte sie sich nur darüber, dass er immer öfter immer länger fort blieb und sie in den Zeitungen von seinen Siegen und vor allem den Feiern lesen durfte.

Nach einiger Zeit waren sie übereingekommen, dass es nicht funktionierte. Es war schwer gewesen, vor allem die erste Zeit, aber sie hatten zu viel zusammen erlebt, als dass sie auch noch auf ihre Freundschaft verzichten wollten. Es hatte gedauert, aber mittlerweile akzeptierte Hermine den Lebensstil ihres Ex, sie hatte sich damit abgefunden, dass es wohl eine andere Art von Frau brauchte, um ihn zu zähmen.

Und Harry? Harry hatte seine Ausbildung als Auror abgeschlossen und arbeitete nun für das Magical Law Enforcement. Die Erfahrungen des Krieges hatten ihn geprägt, hatten ihn besonnener gemacht, nachdenklicher. Nichtsdestotrotz war er ein außergewöhnlich starker Zauberer und wusste seine Kraft durchaus auch einzusetzen. Und wenn er nach Hause kam, wartete dort seine eigene kleine Familie auf ihn. Ginny hatte ihren Platz an Harrys Seite gefunden. Auch sie hatte die Aurorenausbildung abgeschlossen und war ebenso wie Harry ein sehr starker Auror gewesen, aber nach einer Weile schien sie genug davon gehabt zu haben und als James Sirius auf dem Weg war, hatte sie mit Freuden das Handtuch geworfen und sich aufs Hausfrauendasein beschränkt. Hermine verstand diese Entscheidung nicht wirklich, aber sie sah, dass Ginny glücklich war und gönnte es ihr.

Sie selbst war stellvertretende Leiterin des Archivs für seltene und potentiell gefährliche Schriften. Das klang hochtrabender als es tatsächlich war, das Archiv war nur eine kleine und in den Augen des Zaubereiministers leider auch unbedeutende Abteilung, was bedeutete, dass sie ständig unter Geld- und Personalmangel standen. Die Aufgabe des Archivs bestand nicht nur darin, alte und beinahe vergessene Schriften ausfindig zu machen, sondern auch neue Publikationen zu überprüfen, deren Inhalt auf potentielle Gefahren hin zu untersuchen und zu archivieren.

Im großen und ganzen mochte Hermine ihren Beruf. Sie war die meiste Zeit des Tages von Büchern umgeben, ja sie wurde sogar dafür bezahlt sie zu lesen, eigentlich hätte es ihr Traumberuf sein müssen. Aber es machte doch einen erheblichen Unterschied, ob man Bücher freiwillig las, weil sie einen interessierten, oder weil man sie lesen musste.

Sie hatte sich auf Zauberei spezialisiert, weswegen sie überwiegend mit Büchern mit Schwerpunkt auf diesen Themenbereich konfrontiert wurde. Wenn nur nicht soviel Stuss dabei gewesen wäre. Das Buch 'Zauberhafte Frisuren, Tipps und Anwendungen für ihr Haar' hatte sie ja noch mit einigem Interesse gelesen aber 'Zaubersprüche für ein zufriedenes Baby' oder '1001 Sprüche für das gelungene Weihnachtfest' in denen einem erklärt wurde, wie man eine Spieluhr verzauberte oder den Stern auf der Spitze des Weihnachtsbaumes zum Funkeln brachte, waren alles andere als … spannend. Nur ab und zu war mal eine Perle dabei, die wirklich mit etwas Neuem und Interessantem aufwartete. 'Nützliche Zauber zur Pflege von Obstbäumen', welches gerade vor ihr lag, gehörte leider auch nicht dazu.

Ächzend rieb sie sich die Schläfen und beschloss, das dumpfe Pochen in ihrem Schädel mit einer frisch aufgebrühten Tasse Tee zu bekämpfen. Sie erhob sich und marschierte in Richtung Teeküche - sie hoffte nur, dass sich Holly und ihre Klatschweiber nicht dort herum trieben.

Holly war eine Mittachzigerin, die sich selbst gern als junggeblieben bezeichnete, zu viel Make-up ins Gesicht schmierte und mit Vorliebe am sozialen Leben anderer teilnahm. Zu ihrem Leidwesen lieferte ihre eigene Abteilung wenig Material für Klatsch und Tratsch, weswegen sie häufiger in der Teeküche anzutreffen war als an ihrem Arbeitsplatz, um wenigstens dort die größtmögliche Menge an Informationen aufsaugen zu können.

Sie hatte vergeblich gehofft, schon von weitem hörte sie aufgeregtes Geschnatter und als Hermine die Küche betrat, wie sollte es auch anders sein, stand genau diese Holly prompt vor ihr und wedelte mit der gestrigen Ausgabe des Tagespropheten vor ihrer Nase herum.

„Hermine, Hermine, was sagst du dazu?" schrillte sie und knallte die Zeitung auf die Küchenablage.

Hermine brauchte gar nicht zu fragen, was die ältere Frau gemeint haben könnte.

„Holly, er kann es nicht sein", stöhnte sie und versuchte, sich in Richtung des Regals mit dem Tee zu schieben. Sie hatte keine Lust, die Diskussion von gestern zu wiederholen. „Der Mann auf dem Foto ist viel zu jung, und außerdem...", ihre Stimme fing an zu krächzen, „ich weiß genau, dass er es nicht sein kann." Sie versuchte, sich an Holly vorbei zuschieben, um zum Teeregal zu kommen, sie wollte doch nichts weiter als eine schöne Tasse heißen, dampfenden Tee.

„Vielleicht habt ihr euch ja geirrt damals", tat Holly ihren Einwand mit einer Handbewegung ab.

Hermine biss die Zähne zusammen und beschäftigte sich intensiver als notwendig mit ihrem Tee.

„Eigentlich war er gar nicht so übel", sinnierte jemand neben ihr. Sie fuhr herum und starrte die kleine Frau verständnislos an. „Wer?" „Na Snape, die alte Fledermaus."

Hermine erinnerte sich. Ihre Kollegin war damals im Hause Hufflepuff gewesen, drei oder vier Jahre über ihr, klar sie hatte Snape auch als Tränkelehrer erlebt.

„Er war ja nicht gerade nett zu uns, aber wenn wir gewusst hätten, was er alles durchmachen musste..."

„Oh ja", fiel die nächste ein, ebenfalls Hufflepuff, diesmal allerdings zwei oder drei Jahre jünger als Hermine. „Er hätte sich nur mal anständig die Haare waschen müssen, dann hätte er gar nicht mal so übel ausgesehen. Najaaa, bis auf die Nase vielleicht, und die Zähne...Könnt ihr euch das vorstellen, zwanzig Jahre trauert er seiner Jugendliebe hinterher. Ist das nicht romantisch?"

Ein mehrstimmiges Seufzen ertönte darauf hin in der Küche. Snape als romantisch verklärter Held, na der hätte sich gefreut. Hermine knirschte schon regelrecht mit den Zähnen, hoffentlich kochte das Wasser, bevor sie es tat.

„Er soll ja ein außergewöhnlich starker Zauberer gewesen sein", sagte Holly und die beiden Hufflepuffs nickten heftig mit den Köpfen.

„Hat er nicht einmal sogar Gilderoy Lockhart im Duell geschlagen?" fragte die jüngere Hufflepuff und Hermine rollte bei dem Gedanken daran mit den Augen; Kunststück bei diesem aufgeblasenen Gockel.
„Jaa, ich erinnere mich", fiel die ältere Hufflepuff nun wieder ein. „Damals wollte ich das gar nicht wahrhaben, aber jetzt im nach hinein ist ja klar, dass Lockhart gegen Snape nicht die Spur einer Chance hatte. Schade, dass ich nicht dabei war. Sag mal Hermine, war das nicht in deinem Jahrgang?"

Merlin sei Dank, das Wasser kochte endlich. „Ja, aber ich kann mich gar nicht mehr so genau erinnern." Hektisch goss sie das sprudelnde Wasser über den Tee in ihrer Tasse und verbrühte sich fast die Finger, dann wandte sie sich um und schenkte ihren Mitarbeiterinnen ein mühsam erzwungenes Lächeln. „So gern ich noch etwas plaudern würde, aber leider muss ich jetzt weiterarbeiten. Ihr wisst ja..." brachte sie hastig heraus und rauschte so schnell wie möglich an ihren Kolleginnen vorbei Richtung Tür.

Erleichtert, den Harpyien in der Teeküche endlich entkommen zu sein, ließ sich Hermine wieder hinter ihren Schreibtisch plumpsen und umschloss ihre so mühsam erarbeitete Tasse Tee mit beiden Händen. Sie sog begierig den Duft des frischen Tees ein und seufzte behaglich. Beinahe sofort merkte sie, wie sich ihre Muskeln entspannten und das dumpfe Pochen in ihrem Kopf langsam nachließ. Es ging doch nichts über eine gute Tasse Earl Grey. Sie schlürfte vorsichtig von der heißen Flüssigkeit.

'Also, weiter geht es...' dachte sie und wandte sich wieder ihrem Buch zu.

Nur mit Mühe schaffte es Hermine, ihre Gedanken für den Rest des Tages auf ihre Arbeit zu lenken und als sie endlich das Buch durchgegangen war und, wie zu erwarten, keine irgendwie potentiell gefährlichen Sprüche oder Flüche gefunden hatte, fühlte sie sich erschöpfter als gewöhnlich. Mit einem Seufzer klappte sie das Buch zu und schob es möglichst weit in eine Ecke ihres Schreibtisches. Als sie den Blick hob, sah sie, wie Mister McAllister, der Leiter des Archivs und somit ihr Chef, in ihrer Tür stand und sie beobachtete.

„Müde Kindchen?" Hermine warf ihm einen halb zornigen Blick zu. Sie konnte es nicht leiden, wenn er sie Kindchen nannte. Er wusste das genau, aber sie konnte diesem alten Herrn nie wirklich böse sein deswegen und so lächelte sie schließlich schwach und nickte.

McAllister schaute auf den Stapel neuer Bücher, die in der anderen Ecke ihres Tisches lagen. „Weist du was Hermine? Nimm dir endlich mal so richtig lange Urlaub."

Mehr aus Reflex heraus schüttelte Hermine den Kopf. „Das kann ich nicht, ich hab noch so viel zu tun, die schon bearbeiteten Bücher müssen noch ins Archiv eingefügt werden. Sam kommt morgen aus Ägypten zurück, die Bücher, die er mitbringt, müssen ebenfalls noch katalogisiert werden und dann gibt es wieder eine Reihe Neuveröffentlichungen..."

McAllister lachte leise. „Langsam Kindchen...", Hermines strafenden Blick überging er gekonnt. „Auch du brauchst einmal eine Pause. Du hattest in all den Jahren, seitdem du hier bist, noch nie einen längeren Urlaub, warst nie krank und dank dir arbeitet das Archiv so effektiv wie nie zuvor. Ich denke, für ein paar Wochen kommen wir auch ohne dich aus." Er sah sie milde an. „Du hast es dir verdient Hermine, es schadet nichts, wenn Holly und die anderen auch mal für ihre Galleonen arbeiten müssen."

Sie seufzte leise und schielte zu dem Bücherstapel hinüber, alles harmlos und trivial klingende Titel, wieder war kein einziger interessanter dabei. Es hatte etwas Verlockendes, alle diese Bücher auf Hollys Schreibtisch abzuladen und in ihr entsetztes Gesicht zu blicken, wenn sie realisierte, dass diese Bücher Arbeit für sie bedeuteten. „Ich denke darüber nach, Chef, versprochen", murmelte sie schließlich.