Kapitel 2

Die erste Woche verging wie im Flug und alle waren in Aufruhr ob der gewaltigen Veränderungen. Zusätzlich zu den Dingen, die Dolores Umbridge in Gang zu bringen gedachte, war da auch noch Viktor Krum, der sein letztes Schuljahr hier verbringen würde.

Bereits nach der ersten Unterrichtsstunde „Verteidigung gegen die dunklen Künste" war klar, dass das kein besonders anspruchsvolles oder spannendes Jahr werden würde. Einen Lichtblick gab es allerdings: der Freitag würde mit einer Doppelstunde Zaubertränke enden. Christy hatte nicht damit gerechnet, so schnell eine Gelegenheit zu bekommen um Professor Snape einen ersten Einblick in ihre Qualitäten zu geben. Sie beeilte sich um als eine der ersten in den Kerkerräumen zu sein und sicherte sich den Platz direkt vor seinem Pult. Doch von Beginn der Stunde an ging alles schief. Erst tauschte Dolores Umbridge auf und verzögerte den Unterricht und dann musste Christy mit ansehen, wie zwei Schüler einige Phiolen mit Zutaten vertauschten. Ehe sie auch nur daran denken konnte, ihren Professor zu warnen, gab es einen Knall und gewaltigen Qualm. Als er sich gelegt hatte, war Severus Snape verschwunden und der Großteil der Schüler hielt sich den Bauch vor Lachen.

Missmutig stopfte Christy ihre Sachen in die Tasche und marschierte in die Bücherei doch von der sonst so himmlischen Ruhe war hier keine Spur. Mehrere Schüler stritten lautstark zwischen den Regalen. Aus den Augenwinkeln sah sie auch schon Madame Pince heran rauschen und machte sich schleunigst vom Acker. Ehe sie es sich versah, war sie wieder in den dunklen Kerkergängen. Seltsam – hier hatte sie gar nicht her gewollt. Neugierig blickte sie sich um. Es war keine Menschenseele hier unten zu finden, was genauer betrachtet auch nicht weiter verwunderlich war. Wer würde schon freiwillig an einem warmen Freitagabend im September im Keller sein?

Das Geräusch einer Tür ließ sie zusammenzucken. Reflexartig drehte sie sich um und stand Auge in Auge mit einem äußerst verstimmten Tränkemeister. So hatte sie sich das allerdings nicht vorgestellt. Improvisation war also angesagt. Innerlich wappnete sich Christy gegen das Donnerwetter, welches jetzt zweifellos folgen würde.

„Miss Cooper! Hätten Sie die Güte, mir zu erklären, was – oder mit wem – sie hier unten treiben?" schnarrte er mit vor Hohn triefender Stimme.

„Ähm…" (Ohja, sehr geistreich und unheimlich eindrucksvoll, Christy!) schalt sie sich selbst, „Professor Snape! Ich hatte nicht damit gerechnet, Sie anzutreffen." Das entsprach zumindest der Wahrheit.

Sie haben nicht damit gerechnet, mich hier anzutreffen? Wen hatten Sie denn erwartet? Möglicherweise ein neuer Gespiele für eines Ihrer kleinen Stelldicheins?"

Seine Stimme war mehr ein Grollen doch je wütender er wurde, umso sicherer wurde Christy.

„Stelldichein? Ich weiß wirklich nicht, wovon Sie da sprechen, Sir! Ich bin lediglich ein bisschen umher gewandert, nachdem Ihre Stunde so schnell beendet war…" Die letzten Worte ließ sie bedeutungsvoll im Raum stehen und blickte dem großen Mann nun direkt in die schwarzen Augen. Das gefährliche Funkeln darin erinnerte sie an ein Raubtier, das sich zum Sprung bereit machte. Im nächsten Moment stockte ihr der Atem. Mit zwei schnellen Schritten hatte Snape sie mit dem Rücken an die kalte, feuchte Wand gedrängt und sich bedrohlich vor ihr aufgebaut. Seine Hände sperrten sie ein.

„MISS Cooper. Lassen Sie Ihre Spielchen! Sonst könnte es mir eines Tages in den Sinn kommen, die Regeln nach meinem Sinn zu ändern!" Mit diesen Worten ließ er von ihr ab und rauschte mit wehendem Umhang davon. Christy schluckte schwer und spürte noch seinen Atem auf ihrem Gesicht. Severus Snape war definitiv kein netter Mann. Das versprach noch sehr interessant zu werden. Ein leiser Schauer der Vorfreude und Erregung ließ ihre Haut kribbeln.

Später lag sie in ihrem weichen Himmelbett und dachte über den Verlauf des Freitagabends nach. Sie war kein ahnungsloses Mädchen und wusste die Gesellschaft von Männern durchaus zu schätzen. Doch sie war auch schnell gelangweilt – Liebe war in ihren Augen etwas für naive Träumer. Wer liebte wurde früher oder später verletzt und das war etwas, was ihr nicht passieren würde. Zudem war ihr Leben ausgefüllt – in jedem denkbaren Sinne. Willige Partner gab es zuhauf und Christy konnte es sich erlauben, wählerisch zu sein. Sie hatte hervorragende Noten und ein reiches Elternhaus – zweifellos stand ihr eine fantastische Zukunft bevor. Diese Dinge trugen dazu bei, dass die Schülerin von den Lehrern geachtet und von ihren Mitschülern gemieden wurde. Doch das war ihr nur recht da sie so nicht in die Verlegenheit kam, ihren muggelverachtenden Eltern Rechenschaft ablegen zu müssen, mit wem sie sich abgab. Ihre Familie war sehr stolz auf ihren Blutstatus und etwas anderes als ein „Reinblüter" kam selbstverständlich nicht für ihre Tochter in Frage. Schnaubend drehte Christy sich auch die Seite und lauschte dem Regen, der draußen gegen die Fensterscheibe trommelte. Es war in den letzten Stunden gewaltig abgekühlt. Nicht, dass sie das störte – im Gegenteil. Sie mochte den Regen und das raue Wetter im schottischen Hochland. Mit diesen Gedanken schlief Christy ein.

Am folgenden Morgen war sie eine der ersten beim Frühstück in der großen Halle. Außer ihr waren erst eine Handvoll Schüler da – das würde sie nie verstehen. Bereits jetzt war der Berg an Hausaufgaben riesig und sie war sich sicher, dass zumindest die ZAG und UTZ Jahrgänge ein ähnliches Pensum zu bewältigen hatten. Am Lehrertisch sah es ähnlich aus. Lediglich ihr Hauslehrer Professor Flitwick und Professor Snape saßen dort. Christy wusste aus Erfahrung, dass der Zaubertränkelehrer immer so früh aß um dem Ansturm der Schüler zu entgehen. Gedankenverloren starrte sie das Objekt ihrer Begierde an. Snape schien das zu spüren denn er hob den Blick von seinem Kaffee (den er sicher schwarz trank – haha) und blickte ihr direkt in die blauen Augen. Das Kribbeln vom Vorabend kam mit aller Macht zurück und ließ sie erstaunt aufkeuchen. So stark hatte sie noch nie auf einen Mann reagiert und verlegen musste sie den Blick abwenden um die Erregung, die mit aller Macht in ihr pulsierte, zurückdrängen zu können.

Nachdem sie sich sicher war, dass ihre Beine sie auch tragen würden, stand Christy auf und wanderte zu ihrem Lieblingsplatz am See. Sie setzte sich auf einen Felsen und beobachtete, wie der Regen kleine Wellen in dem sonst trügerisch stillen Wasser entstehen ließ. Es störte sie nicht im Geringsten, dass sie bereits jetzt völlig durchnässt war. Noch ein Vorteil der Zauberei – so schnell warf einen gesundheitlich nichts aus der Bahn. Sie atmete tief ein um den Geruch der nassen Erde in sich aufzunehmen und schweifte mit den Gedanken zurück zum Frühstück. Es war doch nicht normal, dass ihr Lehrer sie mit einem Blick derart aus der Bahn werfen konnte! Die Wildkatze in ihr räkelte sich träge und sorgte dafür, dass ihr Schoß schon wieder zu kribbeln begann. Unfassbar!

Langsam aber sicher wurde es Zeit, dass sie mit ihren Schularbeiten begann also stand sie auf und machte sich auf den Weg zurück zum Schloss.

Am Montag regnete es noch immer in Strömen doch Christy begann allmählich, die nächste Stunde Zaubertränke herbei zu sehnen. Auf dem Weg dorthin war sie in Gedanken versunken und wäre fast in die Schülerschar geprallt, die vor der verschlossenen Tür stand und ratlos umher blickte. Das war ja noch nie vorgekommen! Auf einmal flog die Tür auf und eine in Tränen aufgelöste Schülerin rannte an ihnen vorbei. Was bei Merlins karierten Unterhosen war denn hier los? Im Klassenzimmer stand ein wirklich übellauniger Professor Snape und blickte dem Mädchen mit undurchdringlicher Miene hinterher. Christy hatte das Gefühl, dass dies keine besonders angenehme Stunde werden würde. Sie sollte Recht behalten, er war sogar noch unausstehlicher als sonst. Ein paar Mal ging er so dicht an ihr vorbei, dass sich ihr die Nackenhaare sträubten. Und dann passierte es: Christy war derart abgelenkt, dass sie versehentlich die Temperatur erhöhte statt sie zu senken und mit einer nicht zu verachtenden Explosion flog ihr der Kessel samt Inhalt um die Ohren. Dummerweise stand Professor Snape genau vor ihr und zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage war er rußgeschwärzt und mit den Resten eines Trankes bekleckert. Bebend vor Zorn blickte er Christy an die sich kaum zu rühren traute.

„Miss Cooper!" knurrte er durch zusammengebissene Zähne, „Nachsitzen! Samstag, 15 Uhr!"

„Aber Sir!" begehrte Christy auf, „am Samstag dürfen wir hinunter ins Dorf."

„DANN SIND SIE VIELLEICHT ZUKÜNFTIG ETWAS UMSICHTIGER BEI DER ZUBEREITUNG IHRER TRÄNKE!" bellte er und wandte sich ab. Wäre sie nicht so überfahren gewesen, hätte sie sich über diese unverhoffte Gelegenheit gefreut.