5.15 Uhr – 9.15 Uhr

Während also Yazoo das ganze warme Wasser aufbrauchte, wahrscheinlich einfach nur, damit Reno keins mehr abbekam, liebäugelte besagter Turk mit einer weiteren Zigarette, entschied sich dann aber dagegen. Stattdessen zauberte er eine zerfranste Zahnbürste aus seiner ‚geheimen Ecke' hervor und stellte sich mies gelaunt über die Spüle, wobei er nebenbei auch gleich noch die Kaffeemaschine und den Wasserkocher anschmiss.

Nachdem er sich so halbwegs in seinen zerknitterten Anzug geschmissen hatte, der mindestens genauso zerknautscht aussah wie Reno selber und nicht besonders frisch roch (und alles nur, weil sich Yazoo weigern musste Wäsche zu waschen!), pflanzte sich der Turk auf einen Küchenstuhl der grad so rumstand und nichts zu tun hatte, und schlürfte seinen heißen Kaffee. Nebenbei lauschte er auf die Dusche in der Hoffnung, heute Morgen vielleicht doch noch zum Zuge zu kommen, aber es plätscherte nur ungerührt und sehr gleichmäßig weiter...

Ein fieser Stoß gegen seinen angekippten Stuhl ließ den eingepennten Turk unsanft zu Boden segeln.

„Wer wird denn da noch schlafen."

Yazoo thronte gegen die Arbeitsplatte gelehnt mit seiner Tasse heißen Wassers und hochgezogener Augenbraue und beobachtete amüsiert wie sich Reno von den Fliesen aufrappelte. Einen tödlichen Blick Richtung bessere Hälfte werfend, ordnete der Rothaarige seinen Anzug und knurrte sarkastisch „Dir auch nen WUNDERSCHÖNEN Morgen, yo."

„Hn," war alles was er zurück bekam und entnervt verzog sich der Turk ins Bad um endlich seine Mähne zu bändigen und ein paar üble Fitze rauszukämmen. Ehrlich, er hatte keinen Plan wie es Yazoo immer schaffte, dass seine langen Haare nicht aus einem einzigen Knotenknäuel bestanden, aber er vermutete stark, dass die Unsummen, die der andere für Spülung ausgab etwas damit zu tun hatten.

Als er wieder aus dem Bad heraus kam, war von Yazoo weit und breit nichts zu sehen, was seine Stimmung erheblich verbessert hätte, wäre sein Blick nicht zufällig an der Küchenuhr hängen geblieben.

Fluchend warf sich der Turk sein Jackett über die Schultern, grabschte nach den Schlüsseln und rannte die Treppe runter in die Tiefgarage.

NATÜRLICHhatte Yazoo nicht auf ihn warten können und war mit seinem Scheißmotorrad schon mal abgedüst. Reno konnte noch gerade so die Staubwolke erkennen, die der andere hinter sich herzog.

Eine lange und anstrengende Busfahrt später, (ehrlich, Shinra sollte endlich mal was in die öffentlichen Verkehrsmittel investieren oder wenigstens eins seiner Wundermittel erfinden mit dem man erfolgreich den Pissegestank übertünchen konnte) kam Reno abgehetzt in seinem Büro an.

Dort saß Yazoo schon hinter seinem Schreibtisch, geschniegelt und pünktlich wie eh und je und schlürfte unschuldig eine weitere Tasse heißes Wasser, während er sehr interessiert auf seinen Bildschirm starrte. Noch jemand anderes wartete neben seinem Schreibtisch, und diese Person wollte Reno noch weniger sehen, was schon was heißen wollte. Tseng lehnte mit verschränkten Armen und erhobener Augenbraue an seinem Arbeitsplatz und trommelte ungeduldig mit den Fingern auf seinem Arm rum.

„Yo. Morgen Boss." Reno lachte etwas gekünstelt und kratzte sich schuldbewusst am Hinterkopf, gleichzeitig einen bösen Blick in Richtung Freund werfend, den dieser geflissentlich ignorierte.

„Guten Morgen Reno," kam es ziemlich kühl zurück. Natürlich sah die gesamte Abteilung blutgeil von hinter ihren Bildschirmen auf, damit ihnen auch ja nix entging. Nicht, dass ihm mal einer zu Hilfe geeilt wäre oder so, nein!

„Du weißt wie spät es ist?" fragte Tseng noch kühler.

Reno sah zur Uhr rüber und leckte sich nervös über die Lippen. „Öh... 8 Uhr 25?"

„Sag bloß," erwiderte sein Boss bissig und schüttelte dann den Kopf „Das ist das dritte Mal diese Woche, Reno, und ich bin langsam geneigt, ernsthafte Konsequenzen daraus zu ziehen."

„Ja aber-" begehrte der Turk auf und wollte gerade erklären, wie gemein Yazoo gewesen war und ihn am pünktlich kommen gehindert hatte, aber Tseng schnitt ihm mit einer unwirschen Handbewegung das Wort ab.

„Unterbrich mich nicht! Und komm mir nicht mit einer deiner ominösen Ausreden. Yazoo schafft es doch auch immer pünktlich zu erscheinen! Wenn du dir nur ein einziges Mal ein Beispiel an ihm nehmen würdest, wäre mir und dir schon sehr geholfen."

Yazoo lächelte lieb hinter seiner Tasse rüber.

Reno wollte seinen morgendlichen Kaffee am liebsten vor Tseng´s Füße kotzen, wenn er nicht damit hätte rechnen müssen, dass die Laune seines Bosses dann noch unerträglicher geworden wäre.

Also murmelte er stattdessen ein zähneknirschendes „Yessir" und salutierte flapsig.

Tseng hatte offenbar genug von seiner Präsenz und stieß sich vom Tisch ab um den Raum zu verlassen, sagte aber noch beim hinausgehen für jeden gut hörbar „Noch einmal und ich schick dich auf Streife, verstanden?"

Der Rothaarige wurde etwas bleich um die Nasenspitze, nickte hastig und verkroch sich fix hinter seinem Schreibtisch um möglichst beschäftigt auszusehen.

Griesgrämig schaltete er den Computer an und beobachtete aus den Augenwinkeln Elena, die in sich reinfeixte und Rude, der ungerührt einfach weitertippte. Yazoo hatte sich ebenfalls wieder seinem Papierkram zugewendet, nachdem er das Interesse an Reno´s Misere verloren hatte und tippte stoisch mit langen Fingern auf der Tastatur rum. Sein dummer Bruder saß zwei Schreibtische weiter und beugte sich mit zusammengezogenen Augenbrauen und verzweifeltem Blick über den Monitor, den er ab und zu mit ein paar gezielten Schlägen zur Kooperation motivieren wollte.

Seufzend lehnte sich Reno in seinem Drehstuhl zurück und starrte auf den Bildschirm. Neben seinem Computer stapelten sich turmhohe Berge mit Papierkram, auf den er überhaupt keine Lust hatte... Vielleicht konnte er ein bisschen was davon Yazoo unterjubeln, später, wenn der andere Wasser holen ging oder so. Dessen ‚Stapel' bestand nämlich nur noch aus drei oder vier Akten, denn im Gegensatz zu Reno, der seinen Papierkram über Wochen hortete (einfach weil es so schön war) erledigte der Silberhaarige seine Arbeit immer gleich sofort.

Reno warf einen flehentlichen Blick rüber, aber Yazoo sah stur auf seinen Bildschirm, während er gleichzeitig tippte, und eine weitere Akte auf dem ‚erledigt' Stapel landete.

Ehrlich, er hatte keine Ahnung warum die Leute immer darauf bestanden dass sie ‚so ein schnuckeliges Paar' waren. Wäre er an diesem speziellen Abend nicht so furchtbar betrunken gewesen und hätte sich den Verkuppelungsversuche der gesamten weiblichen Belegschaft (inklusive Tifa Lockhart, in deren Bar sie sich zufällig befunden hatten) besser erwehren können, wäre er jetzt um einiges glücklicher. Aber so hatte er sich breitschlagen lassen, war zu Yazoo´s Tisch geschlurft und hatte ihn halt angemacht. Der Silberhaarige hatte absolut keinen Plan gehabt was Reno von ihm wollte, war aber auch zu faul gewesen sich großartig zu wehren und Renos Balzversuche hatten ihn irgendwie milde amüsiert.

Tja, irgendjemand, Reno hatte ganz stark Elena im Verdacht, hatte dem asozialen Silberhaarigen dann erklärt dass sie jetzt zusammen seien und der hatte es schulterzuckend akzeptiert. Bevor Reno eine Chance hatte, auch was dazu zu sagen als er wieder nüchtern war, hatte ihn Rufus auch schon zu sich ins Büro bestellt und ihm die Hand geschüttelt. Mr. Shinra hatte ihm dann in seiner ganz eigenen, abgebrühten Art erklärt, wie sehr er es schätzte, dass sich Reno des anderen angenommen hatte und wie viel er sich von ihrer Zusammenarbeit erhoffte. Dem Turk war daraufhin gar nichts anderes übrig geblieben, als die Tür aufzuhalten als Yazoo samt seinem Habchenpapchen am nächsten Tag auf der Matte gestanden hatte und gemeinsam mit Cloud seine Wohnung infiltrierte. Der Weltenretter war danach zum Glück wieder gegangen, wenn auch etwas widerwillig (offensichtlich traute er Reno nicht ganz, obwohl der Turk fand, dass das völlig unangebracht war, schließlich machte Yazoo IHN fertig und nicht umgekehrt!) aber Yazoo war dageblieben...

Seufzend startete Reno erstmal eine Partie Solitär. Das konnte ja ein Tag werden...

Eine halbe Stunde später hatte er sich immer noch nicht aufraffen können, den Akten auch nur einen gequälten Blick zuzuwerfen (dafür aber spektakuläre 115 Spiele verloren), aber aus den Augenwinkeln konnte Reno beobachten wie sich Yazoo aus seinem Stuhl erhob und mit seiner Tasse in die Büroküche verschwand.

Grienend griff sich der Turk einen Stapel Akten und verstaute sie unauffällig unter seiner Jacke. Dann schlenderte er völlig unbedarft rüber zu Yazoo´s Schreibtisch, tat so als würde er sich nur einen Anspitzer ausleihen wollen und jubelte dem Silberhaarigen blitzschnell und in gewohnter Reno-Manier seinen verhassten Papierkram unter. Unschuldig latschte er zurück zu seinem Stuhl, lehnte sich mit hinter dem Kopf verschränkten Armen zurück und fühlte sich gleich um einiges besser.

Bevor Yazoo aus der Küche zurück kam, tat er noch schnell so, als würde er sich intensiv mit einem Dokument auseinandersetzen, auch für den Fall, dass Tseng einen seiner gefürchteten Kontrollgänge machte.

Der Silberhaarige setzte sich mit seiner dampfenden Tasse wieder hinter den Monitor, griff abwesend nach einer Akte während er einen Schluck trank, und fing an zu tippen.

Reno feixte triumphierend in sich rein und kritzelte lauter kleine Penise vor sich hin. Irgendwann hatte er sich genug gefreut und entschied seufzend, dass es nun langsam an der Zeit war, dass er produktiv wurde. Also griff er nach der Maus, klickte auf sein Shinra-Zeichen links oben in der Ecke und ging erstmal ins Internet um zu checken ob die Auktion bei ebay für gefühlsechte Gummipuppen noch lief. Wenn er so ein Ding erstmal erstanden hatte, konnte Yazoo nämlich ganz schön sehen wo er blieb mit seinem rumgezicke, ha!

Seine Emails ergaben allerdings nichts bezüglich seiner Kaufwünsche. Nur eine einzige Nachricht von unbekanntem Absender wartete darauf, von Reno zur Kenntnis genommen zu werden, und nach kurzem Zögern klickte der Turk sie schulterzuckend an. War ja nicht sein Computer und wenn irgendwas kaputt ging weil er versehentlich ein Virus geladen hatte, hieß das im Endeffekt ja nur, dass er nicht weiterarbeiten konnte, ergo es auch nicht BRAUCHTE. Reno hoffte inständig, dass es ein Virus sei.

Es war keins, aber der Inhalt war trotzdem nicht weniger bösartig. Denn da stand:

Von: unbekannterAbsender

An

Betreff: kein Betreff

Ich werde jetzt noch einmal den Raum verlassen. Wenn ich wiederkomme, sind die Akten, von denen ich einmal annehmen möchte, dass sie rein irrtümlich und ohne verbrecherische Absicht auf meinem Schreibtisch gelandet sind, wieder an ihrem ursprünglichen Platz aufzufinden.

Wenn nicht - Paarungsfreie Zeit für die nächsten zwei Wochen.

Mit freundlichen Grüßen

Y.

PS: Ich habe soeben deine Kautschukfreundin erstanden, also denk nicht mal dran.

Ein leises „Bäng" erschallte im Raum, als Reno´s Stirn wiederholt mit der Schreibtischplatte kollidierte.


Reviews wären ganz toll, dann update ich nämlich auch schneller (aufgrund des Motivationsschubs) :)