Disclaimer: Siehe Kapitel 1. Was ich letztes Mal noch vergessen habe: Diese Geschichte enthält Spoiler auf den 5. Band. Außerdem möchte ich deathsoul danken, für seinen/ihren Review.

Riddle

Harry war völlig sprachlos. Er wusste nicht, sie er reagieren sollte.

Es war ein Schock für ihn, seinen Erzrivalen so plötzlich vor sich zu sehen, im gleichen Alter, wie er selbst. Es war kaum vorstellbar, dass dieser Junge eines Tages als Lord Voldemort die Zauberwelt terrorisieren und für den Tod zahlreicher Unschuldiger verantwortlich sein würde, darunter auch Harrys Eltern, Cedric Diggory und, in gewisser Weise auch... Sirius.

Innerhalb weniger Sekunden ging Harry durch den Kopf, was er von Riddle wusste.

Er war der Sohn einer Hexe, die sich in einen Muggle verliebte, der sie aber verließ, weil er keine Zauberei mochte. Riddles Mutter starb kurz nach seiner Geburt, gab ihm jedoch noch seinen Namen. Er wuchs in einem Waisenhaus der Muggle auf und lebte dort, bis er nach Hogwarts kam. Riddle konnte Parsel sprechen und war der letzte Erbe Salazar Slytherins. Durch die Schlangensprache konnte Riddle die Kammer des Schreckens öffnen, eine geheime Kammer, die Slytherin selbst errichtet hatte.

Harry konnte sich noch gut an die Ereignisse in seinem 2. Schuljahr erinnern, in welchem die Kammer durch Riddles Erinnerung aus einem Tagebuch geöffnet worden war. Er fragte sich, ob Riddle das Tagebuch bereits geschrieben und die Kammer des Schreckens bereits geöffnet hatte. Vielleicht konnte er ja das Tagebuch finden und vernichten, bevor die Ereignisse in seinem 2. Schuljahr eintrafen.

'Nein, das geht nicht', erinnerte er sich. "Man darf die Vergangenheit nicht ändern", das hatte Hermine gesagt. Das könnte furchtbare Konsequenzen haben. Und letztendlich war damals alles gut gegangen (oder würde alles gut gehen?).

Das bedeutete aber auch, dass Riddle auf gar keinen Fall wissen durfte, wer er war und dass er über ihn Bescheid wusste.

Und, dass er auch nicht versuchen durfte seinen Feind hier zu töten. Bei dem Gedanken lief ihm ein Schauer den Rücken hinunter.

Die Prophezeihung, die ihn als Schicksalsgegner Voldemorts (Riddles) auserkoren hatte und die nur er erfüllen konnte. Wenn er nicht zurückkehrte, würde Voldemort gewonnen haben.

Harry schüttelte diese Gedanken ab. Über solche Dinge konnte er auch noch ein anderes Mal nachdenken. Zunächst musste er sich um sein Überleben und um Riddle kümmern.

Riddle musterte die Beiden aufmerksam. "Ihr seid neu.", meinte er. "Woher kommt ihr?"

"Amerika", antwortete Malfoy schnell. "Wir sind Austauschschüler, aus Snakestone. Du weißt ja, die Privatschule für Zauberer aus reinblütigen Familien."

Harry hatte bisher nicht gewusst, dass es so eine Schule gab, aber Riddle schien der Name der Schule durchaus nicht fremd zu sein.

"Tatsächlich? Wie heißt ihr denn?"

"Mein Name ist Draco Malfoy und das hier ist Harry."

"Black", unterbrach ihn Harry von einer plötzlichen Eingebung geleitet.

Malfoy sah ihn einen Moment an und nickte dann. "Harry Black. Unsere Eltern waren der Meinung, dass wir einige Zeit nach Hogwarts gehen sollten, weil es so einen guten Ruf hat. Wir werden selbstverständlich in Slytherin sein, weil es das einzige Haus sein soll, das keine Schlammblüter aufnimmt."

Malfoy hatte das in seinem üblichen, arroganten Ton gesagt. Obwohl Harry diese letzte Bemerkung ärgerte, war er doch widerwillig beeindruckt, von Malfoys Schauspielkünsten. Harry hatte dennoch das Gefühl, dass Riddle ihm nicht glaubte.

Seine erste Occlumentik Stunde kam ihm in den Sinn, in der Snape ihm erklärt hatte, dass Voldemort immer wusste, wenn jemand ihn anlog. Möglicherweise hatte er diese Fähigkeit bereits als Schüler.

"Das ist ja großartig", sagte Riddle. "Ich bin auch in Slytherin, wahrscheinlich sogar in eurem Jahrgang. Mein Name ist übrigens Tom Riddle. Wenn ihr Hilfe braucht wendet euch also ruhig an mich. Seid ihr zufällig mit Nero Malfoy und Sirius Black verwandt?"

Harry starrte ihn einen Moment an und fragte sich betroffen, wie er von Sirius wissen konnte, der ja noch gar nicht geboren war, bis ihm einfiel, dass Riddle vermutlich Sirius Großvater gemeint hatte, der denselben Namen trug.

Auch Malfoy starrte Riddle an, überrascht, dass der seinen Großvater kannte. "Ähhm, ja, aber nur entfernt", sagte er ausweichend. "Nero Malfoy ist, ähhm... ein Cousin 2. Grades von meinem Vater."

"Aha. Na gut, ich muss jetzt nach vorne und mir die Anweisungen für die Vertauensschüler geben lassen. Wir sehen uns dann im Zug."

Mit einem letzten prüfenden Blick auf die Beiden ging er.

Malfoy starrte ihm einen Moment hinterher, dann wandte er sich an Harry. "Was sollte das mit Black?"

Harry zuckte die Achseln. "Was regst du dich auf? Ich habe damit sogar noch deine verrückte Geschichte unterstützt, oder glaubst du, du würdest da den Namen Potter finden? Die Blacks sind eine Familie von reinblütigen, schwarzen Magiern und waren zum Großteil alle in Slytherin." ‚Bis auf Sirius', dachte er. "Du hast ja gehört, dass Riddle den Namen kennt."

"Wer kennt ihn nicht", knurrte Malfoy. "Warum soll meine Geschichte übrigens verrückt sein?"

"Nun, Riddle hat sie dir auf jeden Fall nicht abgekauft."

"Woher willst du das wissen? Black?"

"Das weiß ich eben. Er hat uns die Geschichte nicht geglaubt und sie ist auch ziemlich undicht. Wir sind nicht angemeldet, wir haben keine Schulsachen, kein Geld und keine Kleidung, außer dem, was wir auf dem Leib tragen und das ist nicht besonders viel."

"Rate mal, wem wir das zu verdanken haben.", zischte Malfoy.

"Fang nicht schon wieder damit an! Wir sollten uns lieber überlegen, was wir jetzt tun. Um zurückzukehren in unsere Zeit, müssen wir erst einen Weg finden. Fragt sich nur, wo und wie. Hier weg zaubern können wir uns auch nicht, weil wir dann die Leute von der Beschränkung der Zauberei Minderjähriger am Hals haben."

"Kurz gesagt, wir befinden uns in einer hoffnungslosen Lage", meinte Malfoy zynisch. "Aber wir könnten natürlich auch jemandem erzählen, dass wir aus der Zukunft gekommen sind. Dann hätten wir wenigstens eine nette Unterbringung in St. Mungos."

Harry fragte sich, warum es ausgerechnet Malfoy sein musste, den der Trank getroffen hatte.

"Ich schlage vor, wir steigen erst mal in den Zug", meinte er. "In Hogsmeade haben wir bestimmt bessere Möglichkeiten, als hier auf einem Bahnsteig."

Malfoy zuckte die Achseln. "Von mir aus. Immer noch besser als hier rum zu hängen und doof angeglotzt zu werden."

Sie gingen also hinüber zum Zug. Kurz vor dem Einsteigen hielt Harry Malfoy an der Schulter fest. "Ach, noch was, Malfoy. Nenne mich ab jetzt bitte weiterhin Black. Nur zur Vorsicht. Vor allem dann, wenn man uns tatsächlich nach Slytherin stecken sollte."

Eine Viertelstunde später fuhr der Zug ab.

Malfoy und Harry hatten ein freies Abteil gefunden und saßen sich nun schweigend gegenüber, darauf bedacht sich nicht anzuschauen und jeder in seinen eigenen Gedanken.

Harry starrte aus dem Fenster. Bald hatte der Zug London hinter sich gelassen. Felder und Wiesen mit Kühen und Schafen zogen schnell an ihnen vorbei.

Doch Harry sah das alles nicht wirklich. Er war vollkommen in Gedanken.

Es gab so Vieles, was ihn bedrückte: Das Wissen, dass Riddle sein Schicksalsgegner war, er aber die Vergangenheit nicht ändern durfte und dass er vielleicht für immer in dieser Zeit festsaß.

Wenn er wenigstens Ron und Hermine bei sich gehabt hätte, anstatt ausgerechnet Malfoy. Wie sollte er bloß mit dem zusammenarbeiten? Wo sollten sie überhaupt anfangen, nach einem Rückweg zu suchen? Sie würden von irgendwoher Hilfe brauchen. Aber von wem? Denn Malfoy hatte Recht. Wenn sie jemandem erzählten, dass sie aus der Zukunft kamen, würde man sie bestenfalls auslachen und schlimmstenfalls nach St. Mungos stecken.

Also würden sie sich selbst helfen müssen. Das würde jedoch nicht einfach werden. Im Grunde besaßen sie nichts, außer ihrem Zauberstab und dem, was sie am Leib trugen. Sie waren noch nicht einmal volljährig. Was sollten sie tun, wenn sie in Hogsmeade waren?

Sirius Höhle fiel ihm ein. Vielleicht konnten sie dort leben. Und dann? Wie sollten sie einen Weg zurück finden?

Er bereute es, dass er im Unterricht so oft nicht richtig aufgepasst hatte. Vielleicht hatte einer seiner Lehrer mal etwas über Zeitreisen erwähnt.

Seine Gedanken wurden unterbrochen, als die Abteiltür sich öffnete und Riddle hereinkam.

"Die Besprechung der Vertrauensschüler ist vorbei. Und jetzt würde ich gerne die Wahrheit über euch hören. Denn diese Austauschgeschichte nehme ich euch nicht ab. Ihr habt ja nicht mal Gepäck. Also: Wer seid ihr und was macht ihr hier?"

Die letzten Worte hatte er sehr scharf gesprochen. Dennoch hatten sie etwas Zwingendes an sich, das einen fast automatisch antworten ließen.

"Unsere Namen kennst du ja schon.", hob Malfoy an. "Und was wir hier machen..." Er sah zu Harry hinüber.

Der zuckte die Achseln. Malfoy konnte es von ihm aus versuchen. Riddle würde ihnen vielleicht noch am Ehesten glauben. Und außerdem: Was hatten sie schon groß zu verlieren?

"Na, schön", meinte Malfoy. "Du wirst uns sowieso nicht glauben."

Also fing Malfoy an, die ganze Geschichte zu erzählen. Dass sie in Streit geraten waren (wobei er allerdings verschwieg, wie es dazu gekommen war), wie Snape das Sekret hatte in den Kessel fallen lassen, der Kessel explodiert war und wie sie sich schließlich auf dem Gleis wieder gefunden hatten.

Riddle hörte die ganze Zeit schweigend zu und sagte auch nichts, als Malfoy geendet hatte.

"Tja", sagte Malfoy nach drei Minuten Schweigen. "Ich habe ja gesagt, dass du uns nicht glauben würdest."

Riddle runzelte die Stirn. "Wer sagt denn, dass ich euch nicht glaube? Nein, ich denke, dass ihr zumindest in dieser Angelegenheit die Wahrheit sprecht."

"Aber..."

"Ja, ich weiß, eure Geschichte klingt ziemlich verrückt, aber das heißt nicht, dass sie nicht stimmt. Es gibt viele Mysterien in der Welt der Magie. Wer kann behaupten sie alle zu kennen? Allerdings könnte es für uns sehr schwierig werden, einen Weg zurück zu finden. Zeitreisen gehören nicht zu den Dingen, die man jeden studieren lässt."

Malfoy starrte ihn an. "Dann wirst du uns also helfen?"

Riddle zuckte die Achseln. "Ich will sehen, was ich tun kann. Auf jeden Fall müsst ihr zugeben, dass ich bessere Möglichkeiten habe, als ihr. Zunächst müssen wir aber den Schulleiter davon überzeugen, euch aufzunehmen. Das überlasst ihr am Besten mir. Ich kenne den alten Dippet am Besten."

Harry war misstrauisch. "Und was ist der Preis?"

Riddle hob die Augenbrauen. "Preis?"

Harry bemerkte aus den Augenwinkeln Malfoys warnenden Blick, doch er kümmerte sich nicht darum.

"Der Preis für deine Hilfe. Oder willst du ernsthaft behaupten, dass ein Slytherin jemandem helfen würde, ohne auf seinen eigenen Vorteil bedacht zu sein?"

Riddle grinste. "Gut erkannt, Black. Aber woher willst du wissen, dass mich nicht einfach nur eure Zeitreise interessiert? Immerhin trifft man nicht jeden Tag Leute aus der Zukunft."

Harry erwiderte nichts darauf. Riddle sollte nicht ahnen, dass Harry mehr über ihn wusste, als ihm wahrscheinlich lieb war. Deshalb versuchte Harry seinen Kopf von Gedanken zu leeren, wie Snape es ihm im Occlumentik Unterricht gezeigt hatte, für den Fall, dass Riddle bereits Legilimentik beherrschte.

Riddle wurde wieder ernst. "Du hast Recht. Für meine Hilfe erwarte ich auch eine Gegenleistung. Ich versichere euch aber, dass es nichts sein wird, was ihr nicht bezahlen könnt."

Harry war sich da nicht so sicher. Der Gedanke in Riddles Schuld zu stehen, gefiel ihm gar nicht. Er schwieg jedoch weiterhin.

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Da ich erst ein Review bekommen habe, sehe ich nicht ein, weshalb ich mich mit der Fortsetzung beeilen sollte. Fluffy