Als die Türen sich geschlossen hatten und der Turbolift abwärts glitt, entspannte sich Kirk etwas und schloss für einen Moment die Augen. Er war nun seit über 15 Stunden ununterbrochen im Dienst. In letzter Zeit wurden solche Doppelschichten bei ihm mehr und mehr zur Gewohnheit. Er hatte gehofft, sich mit einem Übermaß an Arbeit ablenken zu können, was leider nicht immer funktionierte. Im Augenblick fühlte er sich einfach nur erschöpft und ausgelaugt. Dass er nicht im Stehen einschlief, lag wohl nur an der Nachricht von Vulkan II, die ihn unterschwellig immer noch beschäftigte. Er verbot sich jedoch jede weitere Spekulation darüber und wollte einfach nur schnell in sein Quartier und erfahren, um was es ging.

Plötzlich kam der Lift zum Stehen. Kirk öffnete die Augen und sah auf die Anzeige. Krankenstation? 'Oh nein, bitte nicht jetzt', dachte er noch, als die Türen aufzischten und - natürlich - Bones vor ihm stand. Er war nicht besonders erstaunt, gerade ihn anzutreffen, auch wenn über 30 Leute auf dieser Station arbeiteten. Sein Freund besaß ein untrügliches Gespür dafür, wann bei ihm etwas 'im Busch' war, wie er sich auszudrücken pflegte.

Dass der Doktor eine überraschte Miene zog, überzeugte Kirk nicht vom Gegenteil. Es musste so etwas wie ein intuitiver, unbewusster Radar sein.

"Oh, hallo Jim! Gut, dass ich dich treffe. Ich wollte gerade auf die Brücke, weil..."

"Leider fahre ich in die andere Richtung und der Lift hätte hier gar nicht halten sollen, Bones. Nimm doch bitte einen anderen. Ich weiß nicht, was wieder mit dem Transportsystem los ist. Ich muss mal mit Scotty sprechen, es kommt immer öfter vor, dass die Logik der Turbolifte versagt."

McCoy ließ sich von seinem Ablenkungsmanöver nicht aus dem Konzept bringen und hielt den Lift weiter per Tastendruck auf. "Kein Problem, Jim, ich wollte sowieso zu dir. Es geht um..."

"Jetzt fang nicht wieder mit der Messe an, Bones! Nein, ich komme auch heute nicht mit. Und ja, ich habe schon etwas gegessen. Man sollte meinen, dass du als Chefarzt genug andere, richtige Patienten hast, um die du dich kümmern kannst!"

McCoys Augen verengten sich und es war unübersehbar, dass er ärgerlich wurde. "James Tiberius Kirk! Wenn du mich einmal ausreden lassen würdest, dann wüsstest du inzwischen, dass es ausnahmsweise nicht um dich geht, sondern um 'richtige' Patienten. Allerdings, jetzt wo du es erwähnst: wir sollten demnächst wirklich mal wieder über deine Ernährung sprechen." Er ignorierte Kirks Augenrollen und sprach weiter. "Aber momentan habe ich ein gravierenderes medizinisches Problem, über das ich mit dir reden möchte. Mit dir als Captain."

Kirk seufzte und verließ resigniert den Lift, um ihn für andere Besatzungsmitglieder freizugeben. "In Ordnung, aber fass dich bitte kurz, Bones, ich habe ein privates Gespräch in der Warteschleife."

McCoys Ärger legte sich wieder und er schüttelte gespielt entrüstet den Kopf. "Ich muss schon sagen, deine Liebschaften können doch wohl bis nach Dienstschluss warten."

Statt einer Antwort blitzte Kirk ihn nur an. Sein Freund wusste genau, dass er sich seit Monaten auf keine Flirts oder Affairen mehr einließ. Kurz nach der Trennung von Spock hatte er sich bei jedem Landgang in fremde Arme gestürzt - mehr aus verletzten Gefühlen heraus, als aus Verlangen oder gar Zuneigung. Jedesmal hatte er sich am nächsten Morgen nur noch einsamer gefühlt. Irgendwann war er zu der Erkenntnis gelangt, dass flüchtiger Sex ihn nicht weiterbrachte, ihn nicht von seinen Problemen ablenkte, sondern sie eher verstärkte.

Für eine neue ernsthafte Beziehung fehlte ihm dagegen Abstand zu Spock, im übertragenen und im wörtlichen Sinne. Wie sollte man jemanden vergessen, mit dem man so eng zusammenarbeitete? Tag für Tag sah er den Vulkanier auf der Brücke. Er beobachtete, wie Spock sich über seine Station beugte und die Sensoren überwachte, mit den anderen Offizieren Dienstpläne besprach oder konzentriert Padds ausfüllte... Sie blickten sich in die Augen, redeten - dienstlich - miteinander, verbrachten Stunden in der Gegenwart des anderen.

Es tat immer aufs neue weh, bei diesen Gelegenheiten auf privater Ebene völlig ignoriert zu werden. Spock verhielt sich so, als hätte es nie mehr zwischen ihnen gegeben als ihr berufliches Verhältnis. Es war, wie am gedeckten Tisch zu verhungern: immer aufs neue wurde ihm präsentiert, was er verloren hatte. Wobei Kirk im Grunde bezweifelte, dass er den Vulkanier überhaupt vergessen könnte, selbst wenn Spock morgen den Dienst kündigen und ans andere Ende der Galaxie ziehen würde. Schon allein, dass ihn diese Vorstellung immer noch so traurig stimmte, sprach dagegen.

"Hätte ja sein können", murmelte McCoy, der Kirks Gesichtsausdruck verfolgt hatte. Er wirkte seltsamerweise enttäuscht und wechselte schnell das Thema. "Wie auch immer. Worüber ich mit dir reden muss, ist folgendes: wir haben seit heute morgen zwei schwere Fälle von Gastroenteritis auf der Krankenstation. Wir konnten den Erreger bisher nicht identifizieren, er scheint keiner der bekannten Klassifizierungen zu entsprechen."

"Stopp mal, Bones, ich bin kein Arzt. Gastroenteritis... du redest von Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und so weiter, oder? Und dazu willst du meine Meinung als Captain hören?"

McCoy schnaubte. "Dazu natürlich nicht, Jim. Es ist nur sehr ungewöhnlich, dass ein Erreger nicht in der medizinischen Zentraldatenbank der Föderation geführt wird. Zumal wir in letzter Zeit nur auf gründlich erforschten Planeten gewesen sind. Außerdem haben die Leute ziemlich starke Beschwerden und die üblichen Medikamente schlagen nicht an. Wenn wir weitere solcher Fälle reinbekommen, müssen wir über eine Quarantäne nachdenken. Du weißt, was das bedeutet."

Kirk strich sich nervös durchs Haar. Langsam begriff er die Tragweite dessen, was McCoy ihm erzählte. Wenn die Enterprise unter Quarantäne gestellt würde, mussten sie unter Umständen wochenlang im Orbit von Vulkan II bleiben, ohne das Schiff verlassen zu können. Die nächste Mission würde sich verzögern, wovon das Sternenflottenkommando sicher nicht begeistert wäre. Von den regelmäßigen Desinfektionsduschen und dem Verbot aller Aktivitäten, bei denen größere Menschenmengen zusammentrafen, mal ganz zu schweigen. Nicht zuletzt würde jede Form von Weihnachtsfeier damit unmöglich werden. Ihn selbst traf das zwar nicht allzu sehr, ja er hatte sogar schon mit dem Gedanken gespielt, sich eine Ausrede zu überlegen, um einem öffentlichen Weihnachten ohne Spock zu entgehen. Aber die Moral der Crew hing davon ab und deshalb war es nun auch sein Problem.

"Um wen geht es denn eigentlich, Bones, wer sind die zwei Patienten?" Als Captain durfte er trotz ärztlicher Schweigepflicht diese Auskunft verlangen, dafür sorgte eine entsprechende Regelung in den Arbeitsverträgen der Sternenflotte. Das machte Sinn, denn im Weltraum hatte er nur begrenzte Möglichkeiten, Ersatz anzufordern, wenn jemand ausfiel und musste genau wissen, wie es um seine Mannschaft stand. Bones antwortete daher ohne zu zögern: "Es sind Fähnrich Myers und Leutnant Davis. Es geht ihnen, wie gesagt, ziemlich schlecht, aber sie sind in keinem lebensbedrohlichen Zustand."

Kirk überlegte kurz. "Myers ist doch bekannt dafür, dass er ständig irgendwelches Zeug auf den Landgängen sammelt und in seinem Quartier kultiviert. Und Davis ist seine Partnerin. Wahrscheinlich haben sie sich auf der letzten Mission eine exotische Delikatesse besorgt, sie jetzt erst gegessen und sich dadurch eine Lebensmittelvergiftung eingehandelt. Gib ihnen zwei Tage und alles ist wieder in Ordnung."

McCoy sah ihn skeptisch an. "Die beiden streiten vehement ab, in den letzten Tagen irgendetwas ungewöhnliches zu sich genommen zu haben."

"Dann war es wahrscheinlich ein Aphrodisiakum und deshalb rücken sie nicht damit heraus.", spöttelte Kirk. McCoy musste wider Willen grinsen. Myers war in der Tat für seine Experimentierfreude in allen Lebensbereichen bekannt und nicht zum ersten Mal aus dubiosen Gründen auf der Krankenstation. Davis schien allerdings normalerweise vernünftig zu sein.

Kirk sah die Zweifel im Gesicht seines Freundes, aber er musste mit dieser Sache nun langsam fertig werden. Da war diese Nachricht und auf der Brücke wartete man ebenfalls auf ihn. "OK Bones, ich schlag vor, dass wir erstmal abwarten. Wenn es den beiden morgen nicht besser geht oder neue Kranke bei dir auftauchen, sprechen wir nochmal darüber."

McCoy nickte. "Ich denke, du hast recht, Jim. Wahrscheinlich mache ich hier wirklich umsonst die Pferde scheu. Ich wollte mich nur absichern und mit dir über die Angelegenheit sprechen, bevor ich eine falsche Entscheidung treffe." Damit verabschiedete sich der Arzt von ihm und ging zurück auf die Krankenstation.

'Und bei wem kann ich mich absichern?', fragte sich Kirk flüchtig, während er den Lift erneut anforderte. Aber er sprach den Gedanken nicht aus und er empfand im Grunde auch nicht so, nicht oft jedenfalls. Es gehörte zu seinen Aufgaben als Captain, die letztendliche Verantwortung zu tragen, für seine Mannschaft und für alles, was an Bord geschah. Er hatte nur Berater, aber niemanden, der ihm Befehle erteilen und Entscheidungen abnehmen konnte, zumindest nicht hier auf dem Schiff. Er liebte diese Art zu arbeiten. Die Herausforderung der Selbstständigkeit. Wenn er seinen Beruf nicht als Berufung empfinden würde, hätte er die Brocken wahrscheinlich längst hingeworfen und seine Versetzung beantragt. Doch trotz der Spannungen zwischen ihm und seinem Ersten Offizier bedeutete ihm die Enterprise und ihre Besatzung viel zu viel, als dass er diesen Schritt gegangen wäre. Außerdem war da nach wie vor die irrationale Hoffnung, dass immer noch alles wieder gut werden konnte zwischen ihnen beiden.


Als Kirk endlich auf Deck D angekommen war, ging er zügig in Richtung seines Quartiers und vermied es, den entgegenkommenden Besatzungsmitgliedern ZU freundlich zu begegnen. Ein Nicken oder kurzer Gruß musste genügen, denn er hatte die Erfahrung gemacht, dass sein Lächeln die Leute dazu brachte, ihre Zurückhaltung aufzugeben und sich trotz seine Ranges mit ihren Sorgen und Nöten vertrauensvoll an ihn zu wenden. Diese Fähigkeit war für den Captain eines Raumschiffes im allgemeinen Gold wert - allerdings nicht, wenn er es eilig hatte. Also unterdrückte er seinen natürlichen Charme und setzte ein ernstes, beschäftigtes Gesicht auf.

Ein Mann ließ sich davon jedoch nicht abhalten, wie Kirk innerlich seufzend bemerkte. Es war Chekov. Er kam hinter ihm hergeeilt, bis er ihn eingeholt hatte und passte dann seinen Schritt dem des Captains an. "Was gibt es, Leutnant?", fragte Kirk schließlich und ließ die Ungeduld in seiner Stimme mitschwingen. Der junge Russe bemerkte davon offenbar nichts. "Captain, Sie haben vor über 15 Minuten die Brücke verlassen und keinen Stellvertreter bestimmt. Leutnant Uhura meinte, das würde dem Protokoll widersprechen und im Ernstfall..." Ohne weiter zuzuhören, ging Kirk zum nächsten Intercom und kontaktierte die Brücke. "Kirk an Sulu. Ich wurde aufgehalten. Bitte übernehmen Sie die Brücke, bis ich wieder eintreffe." Sulu bestätigte den Befehl und Kirk wandte sich wieder an Chekov. "Und deshalb sind Sie persönlich runtergekommen? Sie hätten mich über das Intercom ausrufen können."

Chekov errötete. "Nicht nur deshalb, Sir. Ich wollte Sie daran erinnern, dass Sie mir heute Nachmittag Unterricht im Ringen geben wollten. Es bleibt doch dabei, oder?"

Kirk musste über den eifrigen, bittenden Ausdruck in Chekovs Gesicht schmunzeln. In letzter Zeit hatte er das Gefühl, dass der junge Mann ein wenig für ihn schwärmte. Wobei - so jung war Chekov eigentlich nicht mehr, zumindest war er inzwischen dem Teenageralter entwachsen. Und ohnehin nur ein paar Jahre jünger als er selbst. Trotzdem konnte sich Kirk nicht vorstellen, mit ihm etwas anzufangen. Ja, Chekov war überaus intelligent und auf eine gewisse Art attraktiv mit seiner Lockenpracht und den blauen, runden Augen. Aber sobald er das sichere Terrain der Wissenschaft verließ, wirkte er immer noch sehr naiv und kindlich. Kirk brauchte jemandem, mit dem er sich messen, an dem er sich reiben konnte. Jemanden, der in seiner Liga spielte, keinen kleinen Jungen. Auch wenn es ein liebenswerter Junge war.

"Natürlich, Mr. Chekov. Falls nichts dazwischenkommt, treffen wir uns wie besprochen um 18:00 in Trainingsraum II.", antwortete Kirk. Chekov strahlte, nickte kurz und machte sich eilig auf den Rückweg zur Brücke. Dabei stolperte er fast über seine eigenen Füße, fing sich aber wieder und ging dann langsameren Schrittes weiter.

Kirk grinste. Was für ein Kindskopf. Aber ein brillanter Kindskopf, der sicher noch eine steile Karriere in der Sternenflotte vor sich hatte. Er war froh, ihn an Bord der Enterprise zu haben.

Etwas besser gelaunt ging er weiter bis zu seinem Quartier und öffnete mit dem persönlichen Autorisierungscode die Tür. Er trat ein und sein Blick fiel sofort auf den Monitor seines Computers, wo ein rotes Blinken den Eingang einer neuen Nachricht anzeigte.

Plötzlich kam die unterdrückte Nervosität mit aller Macht wieder hoch und etwas verkrampfte sich in seinem Magen. Unfug! Energisch setzte er sich an den Computer und rief die Daten ab.

Die Nachricht war wirklich von Spock. Sein Herz machte einen kleinen Sprung. Zwar war die Verbindung inzwischen wieder unterbrochen, aber der Vulkanier hatte die Rückruffunktion aktiviert und Kirk kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er jetzt höchstwahrscheinlich irgendwo kerzengerade dasaß und geduldig darauf wartete, zurückgerufen zu werden. Er sah ihn in Gedanken vor sich... und es brauchte nur einen Tastendruck, um ihn auch auf dem Bildschirm sehen und mit ihm sprechen zu können. Kirk wusste nicht, worum es ging, doch es musste wirklich etwas Privates sein. Spock war viel zu penibel, was Vorschriften betraf, als dass er diese Frequenz für dienstliche Angelegenheiten verwenden würde.

Kirk hatte seit Monaten auf eine Aussprache gewartet. Oder auch nur ein persönliches Wort von Spock. Und trotzdem zögerte er jetzt.

Er wollte sich keine Hoffnungen machen und machte sie sich doch. Aber was, wenn Spock wieder abblocken würde? Wenn es doch nur um irgendeine nichtige Kleinigkeit ging? Er wusste nicht, wie er mit so einer erneuten Enttäuschung umgehen sollte. Andererseits - so wie es jetzt war, konnte es nicht weitergehen. Kurzentschlossen drückte er die Rückruftaste und beobachtete mit angehaltenem Atem den Aufbau der Verbindung.

Als die Übertragung sich stabilisierte, sah er Spock wie erwartet aufgerichtet dasitzen, offenbar in einer leichten Meditation versunken. Dann bemerkte der Vulkanier die eingehende Nachricht und wandte sich dem Bildschirm zu. Für einen Außenstehenden hätte er so gelassen und emotionslos wie immer ausgesehen, aber Kirk bemerkte die Anzeichen. Das leichte Grün der Wangen, die angespannten Schultern. Spock war ganz und gar nicht so ruhig, wie er wirken wollte.

"Jim. Danke, dass du zurückrufst."

Kirk starrte ihn nur an. Dass Spock ihn nach all der Zeit so selbstverständlich wieder beim Vornamen nannte, machte ihn sprachlos.

"Geht es dir gut oder soll ich Dr. McCoy kontaktieren?" Der Vulkanier hob besorgt eine Augenbraue.

"Nein, schon gut, Spock.", krächzte Kirk. Er räusperte sich nervös. "Warum wolltest du mich sprechen? Ich muss gleich wieder auf die Brücke." Er hatte keine Ahnung, warum er das sagte, sein Kopf war wie leergefegt.

"Es tut mir leid, ich wusste nicht, dass du eine Doppelschicht übernommen hast, sonst hätte ich mich später gemeldet. Ein Versäumnis meinerseits. Als Erster Offizier sollte ich den aktuellen Dienstplan eigentlich kennen."

Kirk winkte ungeduldig ab. "Nun sag schon, um was geht es?"

Der Vulkanier zögerte für den Bruchteil einer Sekunde. Dann sagte er: "Wir möchten dich nach Vulkan II einladen, um das Weihnachtsfest mit uns zu begehen. Diese gemeinsame Tradition sollte nicht gebrochen werden, weil unsere intime Beziehung beendet ist. Zudem habe ich den Eindruck gewonnen, dass es wider Erwarten notwendig ist, dich über die Hintergründe meiner Entscheidung zu informieren".

Kirk starrte ihn erneut an. Das war weniger, als er erhofft, aber mehr, als er befürchtet hatte. "In Ordnung.", brachte er heraus. "Wo genau haltet ihr euch auf? Und bei wem bist du überhaupt? Werden wir mit deinem älteren Alter Ego unterm Tannenbaum sitzen?", versuchte er zu scherzen.

Was ihm nicht gelang, wie er in Spocks Augen lesen konnte. Das Gesicht des Vulkanier verschloss sich, als er antwortete. "Wir befinden uns im dritten Distrikt von Neu Shi'Kahr. Die genaue Adresse kannst du dem Anhang dieser Nachricht entnehmen. Es handelt sich dabei um meine Frau T'Pa-nosh, Sarek und mich selbst."

Kirk brauchte einen Moment, um das Gesagte zu erfassen. "Deine... Frau?"

Spock neigte nur bestätigend den Kopf.

"Aber wie kann das sein, du bist erst seit vorgestern auf Vulkan II und... "

Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Ein neues Puzzelteil fügte sich zu den anderen und plötzlich ergab sich ein klares Bild. Kurz bevor Spock sich so abrupt von ihm getrennt hatte, waren sie ebenfalls auf Vulkan II gewesen. Damals hatte er sich zwar gewundert, wie viel Zeit der Vulkanier ohne ihn auf dem Planeten verbrachte, es aber seinem Wunsch zugeschrieben, dort heimisch zu werden und die Überlebenden aus seiner Familie zu besuchen. Offenbar hatte er stattdessen diese Frau kennengelernt und ihn danach eiskalt abserviert. Und nun lud er ihn zu einem gemütlichen Weihnachtsfest ein, als wäre nichts gewesen.

"Du gefühlloser Bastard.", flüsterte Kirk. Er unterdrückte mit Mühe den Impuls, den Bildschirm gegen die nächste Wand zu werfen und hieb stattdessen nur auf eine Taste, worauf die Verbindung unterbrochen wurde und das Bild des nun auch für Außenstehende offensichtlich bestürzten Vulkaniers verschwand. Kirk sah, dass Spock versuchte, eine neue Übertragung aufzubauen, blockte sie jedoch sofort ab. Seine Finger zitterten vor Wut, als er Spock in seine persönliche Blacklist eintrug, so dass keine privaten Nachrichten mehr von ihm übermittelt wurden. Sollte er zum Teufel gehen mit seinen verspäteten Erklärungsversuchen, darauf konnte er jetzt dankend verzichten!

Tränen traten in seine Augen, aber er ließ sie nicht zu. Spock war es nicht wert, um ihn zu weinen, sich so klein zu machen. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Wut, die in ihm tobte, und davon war mehr als genug da.