Unter den erwartungsvollen Blicken seines Onkels und seiner Tante schaute Draco betreten zu Boden. Er konnte es einfach nicht sagen, wenn Bella dabei war. Sie würde ihn umbringen. Die beiden Erwachsenen warfen sich einen bedeutenden Blick zu und Rodolphus erklärte seinem Neffen sanft: „Draco, deine Mutter und dein Vater machen sich sicher große Sorgen und-"
Weiter kam der dunkelhaarige Mann nicht, da sein Neffe soeben aufgesprungen war und schrie: „Komm mir nicht mit Vater, den schert es doch einen Dreck, wo ich bin und ob es mir gut geht, er kümmert sich einzig und allein um seine Arbeit und sein Todesser-Dasein, Mutter und ich sind ihm doch völlig egal! Und überhaupt! Ich brauche euch gar nichts zu erzählen und es geht euch auch nichts an, warum ich hier bin!"
Der blonde Junge warf Onkel und Tante einen bösartigen Blick zu, stampfte zur Tür hinaus, schlug sie kräftig zu und polterte die Treppe hinauf.
Bella sprang wütend von ihrem schwarzen Sessel auf und schrie: „Draco! Komm sofort zurü-"
„Lass ihn, Bella.", sagte Rodolphus müde zu seiner Frau und nahm ihre Hand. „Es bringt vermutlich sowieso nichts."
Zwei Tage war es nun schon her, seit Draco so unerwartet vor der Tür gestanden hatte und Bellatrix und Rodolphus wussten noch immer nicht, was ihn dazu bewegt hatte.
Nach reichlichem Überlegen waren die beiden Erwachsenen zu dem Schluss gekommen, dass es wohl das Beste sei, Narzissa nichts davon zu erzählen, dass Draco bei ihnen untergekommen war und hatten dies ihrem Neffen sogleich mitgeteilt.
„Wir werden dich nicht verraten.", hatte Rodolphus versprochen und Draco hatte dankbar genickt. Das Gästezimmer war nun zu seinem Reich geworden und in London hatten sie alles für seinen „Urlaub" eingekauft.
Am dritten Morgen seit Dracos Ankunft, er saß gerade mit Onkel und Tante am Frühstückstisch, flog plötzlich eine kleine Schneeeule zum offenen Fenster herein, flatterte über den Tisch, ließ einen Brief auf Bellas Teller fallen und verschwand sofort wieder.
„Ein Brief von Narzissa…", murmelte Bella, riss schnell den Umschlag auf, nahm ein sauber gefaltetes Blatt Pergament heraus und las laut vor:
Liebste Bellatrix,
wie ich dir bereits mitgeteilt habe, ist Draco seit drei Tagen verschwunden und taucht nicht wieder auf. Bella, was soll ich nur tun? Ich komme fast um vor Sorge und niemand kann mir helfen, es ist ja nie jemand da! Lucius arbeitet den ganzen Tag und kommt oft erst sehr spät nach Hause. Wenn er dann merkt, dass ich geweint habe, sagt er, ich solle damit aufhören, unser Sohn sei es gar nicht wert. Ist das zu fassen? Ich weiß einfach nicht, was in letzter Zeit mit ihm los ist, er ist unausstehlich! Glaubst du, Draco ist weggelaufen? Oder entführt worden? Ich möchte gar nicht daran denken, was meinem Baby alles passiert sein könnte! Es ist so schrecklich! Ich vermisse ihn unglaublich, Tag und Nacht! Bitte hilf mir!
Narzissa
