°vom stuhl kipp° Mir scheint, ich habe euren Geschmack getroffen… Danke für die Reviews! Und weil ich sonst mit meinen anderen Storys durcheinander komme, gibt es die Antworten dieses Mal hier:
Angie Snape D: Zu einem gewissen Grad werden sich deine Fragen schon in diesem Kapitel beantworten – ich hoffe, zu deiner Zufriedenheit. ;)
Kamahashi Cocade: Dankeschön für das Lob! So was hört man gerne. :D
Tatze81: Hm, ich hoffe, das mit dem Dabeisein ist positiv gemeint. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dabei sein wollte, wenn die beiden sich an die Gurgel gehen. °gg°
Zephyr: Und ich freu mich, dir endlich mal richtig antworten zu können! Hoffe, es gefällt dir auch weiterhin.
anonym: Ich würde mich nicht davon abhalten lassen, dass es vieles schon mal gab. Irgendwie macht man doch immer was eigenes draus, wenn man nicht abschreibt. ;) Aber ich freu mich, dass diese Idee neu ist.
Eve: Hmm, ich mag deinen Optimismus! °umfall° Nein, noch bin ich ebenfalls guter Dinge und eigentlich sollte es bei diesem Update-Rhythmus kein großes Problem sein, genug Zeit zum Schreiben zu haben. Und was die Verwicklungen betrifft… warte ab! °hugs°
Mortianna's Morgana: Schön, dass die Story zum Weiterlesen verleitet. :D Hoffe, es gefällt dir wieder.
Padme: Och, ich hab so einiges geplant. Aber grundsätzlich hatte ich vor allem vor, den Humor nicht zu kurz kommen zu lassen. Es wird weniger ernst als bei ISEM. ;)
Eule: Noch so eine Optimistin… Irgendwie steckt das die Erwartungen verdammt hoch! °nägelkau° Aber immerhin hab ich die erste Hürde (Hermines vertrauter Umgang mit Snape) anscheinend zu deiner Zufriedenheit genommen. Hoffe, das bleibt dabei. ;)
Jenra: Schön, dass du dabei bist!
Kira: °hehe° Ich freu mich, dass ich dich neugierig machen konnte. Vielleicht kann ich ja mal ein bisschen für die schönen Stunden revanchieren, die ich mit deinen Storys immer habe. ;)
Kathi: Mit Falco liegst du gar nicht mal so falsch. Ich hab ‚Out of the dark' gehört, als ich nach einem Titel suchte. Aber irgendwie passte der Zusammenhang noch nicht für die ersten Kapitel, deswegen hab ich ein anderes Zitat genommen. Mir fehlte die Skepsis. ;) Oh, und formulieren bringt so viel mehr Spaß, wenn man aus Severus' Sicht schreibt. °fangirls°
So, und nun wünsche ich euch viel Spaß mit dem nächsten Kapitel!
- Kapitel 2 -
„Setz dich, Severus!" Der Schulleiter deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und der Tränkemeister folgte dem Wink widerwillig.
Widerwillig vor allem, weil er in den letzten beiden Tagen kaum eine Chance gehabt hatte, sich wieder einem normalen Alltag zuzuwenden (aus verschiedenen Gründen, über die es müßig war sich aufzuregen). Sein Körper machte noch nicht das, was er sollte, und die Standleitung zu Hermine machte das Ganze eher schlimmer als besser.
Er fragte sich inzwischen ernsthaft, warum sie sich auf diese Gefühle eingelassen hatte. Als angenehm würde er sie nicht gerade bezeichnen.
„Direktor?", brachte er sich dann allerdings in die Gegenwart zurück und hob fragend die Augenbrauen.
Der alte Mann auf der anderen Seite des Schreibtisches sah ihn mit einer Mischung aus Ernst und Erleichterung an, was an dem bohrenden Blick in Kombination mit dem Spielen mit der Süßigkeitenschüssel zu erkennen war. „Ich bin froh, dass der letzte Übergriff der Todesser so glücklich ausgegangen ist."
Severus konnte sich nur schwer ein Schnauben verkneifen. Natürlich war er das. Mal abgesehen davon, dass irgendjemand dumm genug gewesen war, Hermine mit einem brodelnden Zaubertrank, zu vielen Informationen und einem Dolch auf der Krankenstation alleine gelassen hatte.
„Aber ich frage mich, ob es wirklich richtig ist, dass du dich bereits jetzt wieder in die alte Routine begibst. Du solltest dir eine Pause gönnen, Severus."
„Macht der Lord eine Pause?", fragte er eher rhetorisch und Albus senkte den Blick.
„Natürlich nicht. Aber solange er sich still verhält und seine Wunden leckt, solltest du dies ausnutzen." Nun schob er die Schüssel mit den Bonbons zum Rand des Schreibtisches. Severus hob beinahe im selben Augenblick ablehnend die Hand. Ihm wurde schon ganz anders, wenn er nur an diesen Süßkram dachte.
„Das werde ich, Albus. Ich habe einige Dinge zu erledigen, die ich auf die lange Bank habe schieben müssen. Außerdem ist es dringend notwendig, dass Hermine und ich uns dem Projekt zuwenden, ohne dass sie laufend zum Kampftraining und ich zu Treffen gerufen werde." Oh ja, er hatte beschlossen, nicht wegzulaufen. Es waren nur Gefühle, es sollte nicht so schwer sein, damit umzugehen.
Albus sagte auf diese Ausführungen hin lange Zeit nichts, sondern schien Severus mit seinen Blicken zu durchbohren. Der Tränkemeister hasste es, diese Musterung erdulden zu müssen. Doch auf eine andere Art würde er ihn nie davon überzeugen, dass er sich nicht übernahm. Auch wenn er dies möglicherweise tat.
„Also gut. Ich überlasse es dir, was du in deiner Freizeit tust. Doch die nächsten zwei Wochen wirst du nicht unterrichten. Nach diesen zwei Wochen sehen wir weiter."
Severus unterband jegliche Reaktion auf diese Suspendierung. Es wäre ein zufriedenes Grinsen gewesen und dieses hielt er für äußerst unangebracht. Doch tatsächlich beflügelte ihn die Vorstellung, in Ruhe im Labor arbeiten zu können, ohne wegen des Unterrichts unterbrechen zu müssen. Und Hermine würde er schon irgendwie ertragen.
„Wie Sie meinen, Direktor." Er neigte einverstanden den Kopf.
„Gut. Und ich werde Alastor bitten, Hermine vorerst vom Kampftraining zu entbinden. Vermutlich ist es wirklich angebracht, diese Ruhe für die Forschung zu nutzen."
„Ganz meine Rede." Severus verschränkte zufrieden die Hände im Schoß und hoffte, dass sie dieses Gespräch nun bald beenden konnten.
„Wirst du ihr Bescheid sagen?"
Hier mühte er sich, das Gesicht nicht zu verziehen. Es behagte ihm nicht, in ihre Nähe zu kommen. Doch er hatte wohl keine andere Wahl, zumal er sie auch noch darüber in Kenntnis setzen musste, dass er nicht plante, die Zusammenarbeit zu beenden. Das konnten sie sich zu seinem Bedauern nicht leisten.
„Das sollte kein Problem sein", fügte er sich deswegen.
„Gut. Dann wär's das fürs Erste. Außer du hast noch Fragen?" Albus sah ihn abwartend an.
„Im Moment nicht." Der Tränkemeister stand auf und deutete ein schwaches Nicken an, das Albus erwiderte. Dann verließ er das bunte, surrende Büro.
---
Seine Schritte führten ihn in beinahe alter Sicherheit und Entschlossenheit quer durch das Schloss bis hinunter in die Große Halle. Hier fand er – wie er es erwartet hatte – den Grund für seine derzeitige Existenz.
Der Unterricht war im vollen Gange und so hatte Hermine die großen Tische beinahe komplett für sich. Severus ging zielstrebig zu ihr hinüber, doch sie war so sehr in ihr Buch vertieft, dass sie seine Schritte erst bemerkte, als er bereits dicht hinter ihr stand.
Das wiederum erlaubte es ihm, einen genaueren Blick auf ihre Gefühlswelt zu erhaschen – nicht dass er dies jemals hatte tun wollen. Gefühle waren etwas, dem er sich vor langer Zeit entzogen hatte. Zu oft war er wegen diesem Firlefanz misslichen Situationen ausgesetzt gewesen. Nun hingegen bereute er es, dass er sich niemals damit auseinandergesetzt hatte, denn dann hätte er möglicherweise besser damit umgehen können.
Auf jeden Fall glaubte er etwas wie Sehnsucht als momentan dominante Regung zu spüren. Und darunter… Er runzelte die Stirn, als er versuchte, es zu identifizieren. Aber in diesem Moment drehte Hermine sich zu ihm um und als sie erkannte, wer vor ihr stand, war plötzlich alles weg.
„Severus", grüßte sie ihn reserviert und klappte das Buch zu, allerdings nicht, ohne vorher einen kleinen Pergamentschnipsel an die richtige Stelle zu legen.
Er hob seine Augenbrauen über die Tatsache, dass sie Okklumentik anwandte, um die Verbindung zu beherrschen, sagte aber nichts dazu. „Albus hat mich für zwei Wochen vom Unterricht beurlaubt, die wir dafür nutzen sollten, an dem Projekt weiter zu arbeiten. Er wird auch mit Moody Kontakt aufnehmen, um dich vom Kampftraining zu entbinden."
Hermine schien ein wenig überrumpelt von seinen Worten und es war nicht zu übersehen, dass am Anfang ihres Verstehens die Erkenntnis darüber lag, dass er die gemeinsame Arbeit nicht aufgeben würde. „Okay", antwortete sie irgendwann.
„Komm morgen nach dem Frühstück ins Labor." Er fasste bereits seine Robe, um sich möglichst eindrucksvoll umdrehen zu können, als Hermine noch einmal Luft holte.
„Ich bin froh…", begann sie und hielt ihn so davon ab, davon zu rauschen, „Ich bin froh, dass die Zusammenarbeit nicht daran scheitert." Severus wurde das Gefühl nicht los, dass ihr Verstand sich aus freiem Willen ein Stück öffnete. Denn nun schlüpfte etwas in seinen Körper, das sein Herz schneller schlagen ließ und sogar ein Lächeln auf seine Lippen zerren wollte. Schrecklicher Zustand.
„Wir sind zwei erwachsene Menschen. Wir sollten dazu in der Lage sein, trotz allem gute und vor allem notwendige Ergebnisse zu erzielen." Mit einem letzten Nicken ihrerseits wandte er sich endgültig ab und verließ die Große Halle.
Als er draußen in der Vorhalle war, gab Hermine jegliche Okklumentik auf – entweder vergaß sie, dass diese Verbindung immer bestand, oder sie tat es absichtlich. Jedenfalls stockte Severus über dieses plötzliche Empfinden so vieler Emotionen, ehe er seinen eigenen Geist davor verschloss und die Stufen zu den Kerkern hinabstieg.
---
Am nächsten Morgen wirkte Hermine fremdartig distanziert und Severus konnte darüber nur erfreut sein. Sie redeten nicht viel, sondern machten sich bald an die Arbeit. Das Prinzip des Trankes war ihnen beiden hinreichend bekannt. Sie mussten nur noch einen Weg finden, die Mischung stabil herzustellen. Bisher war ihnen der fertige Trank immer nach spätestens zehn Minuten verdorben. Einmal war er ihnen sogar um die Ohren geflogen, als die dabei entstehenden Gase das Gefäß zu sehr unter Druck gesetzt hatten.
Doch neben dem Beobachten der Versuche fiel Severus an diesem Vormittag noch mehr auf. Hermines Gesichtsausdruck wurde immer verbissener und ihre Aufmerksamkeit immer oberflächlicher. Der Grund dafür war ihm durchaus bekannt.
Er hatte innerhalb der letzten Stunden nicht einmal den Ansatz von ihrem Gefühlsleben zu spüren bekommen. Sie übte sich in Okklumentik und er erinnerte sich noch gut daran, wie seine Anfänge ausgesehen hatten. Getrieben von dem Wunsch, niemals wieder irgendjemanden in seinen Geist zu lassen, hatte er sich tagelang verbissen darauf konzentriert, die Mauern aufrecht zu erhalten. Bis er irgendwann zusammengebrochen war.
Erst danach hatte Albus sich seiner angenommen und ihm mit einigen außerplanmäßigen Unterrichtsstunden gezeigt, wie man Okklumentik anwenden musste, wenn sie einen nicht zugrunde richten sollte (natürlich hatte er sich dazu erst bewegen lassen, als Severus ihm hinreichend klar gemacht hatte, dass er nicht von seinem Vorhaben abweichen würde).
Dennoch konnte er sich an diesem Vormittag und auch später nicht dazu durchringen, ihr dieses Angebot zu unterbreiten. Wenn ihre Mauern fielen, konnte er seine aufbauen. Ein gewisser Schutz war bei ihm ohnehin ständig vorhanden und es kostete ihn weder viel Zeit noch Anstrengung, dieses komplett aufzubauen.
Und zumindest das konnte er ihr anbieten. Denn als sie mit dem Messer abrutschte und die Alraune ziemlich unglücklich köpfte, ihrem Finger dafür allerdings entging, schloss sie seufzend die Augen und wischte sich mit zitternden Fingern über die schweißige Stirn. Es war nicht einmal warm im Labor.
Severus langte über den Tisch und nahm ihr das Messer aus der Hand. „Lass die Okklumentik sein", sagte er dann schlichtweg, woraufhin sie ihn ausdruckslos ansah.
„Das kann ich nicht."
„Doch, das kannst du. Deine Aufmerksamkeit taugt nicht viel, wenn du dich nebenbei auf diese Dinge konzentrierst. So kann ich mit dir nichts anfangen."
Sie schnaubte bitter. „Und wenn ich mit der Okklumentik aufhöre, kann ich mit dir nichts anfangen", gab sie den Ball zurück und stützte sich auf dem Tisch vor sich ab.
„Ich weiß, wie ich Okklumentik anzuwenden habe. Also tu bitte, was ich dir sage, und konzentriere dich auf diesen Trank." Seine Blicke waren stechend und schließlich beugte sie sich seiner Anweisung.
Severus spürte nichts davon, denn er hatte seine Mauern errichtet. Doch Hermine musterte ihn scheel von der Seite und schien auf eine Reaktion zu warten. „Du solltest auf deine Alraune achten. Sie ist dabei, vom Tisch zu hüpfen." Er feixte, als sie sich hastig umblickte und die Wurzel gerade noch zu fassen bekam. Dadurch, dass ihr Köpfen so missglückt war, war das nervige Ding noch immer zu Bewegungen in der Lage.
„Danke", sagte sie leise und Severus nickte, ohne sie anzusehen.
Danach arbeiteten sie bis zum Mittagessen ohne weitere Gespräche und Zwischenfälle.
---
Und dies taten sie auch in den darauf folgenden Tagen. Ihre Konversationen gingen nie über die Erkenntnisse der Experimente und die daraus folgenden Rückschlüsse hinaus und beide achteten sorgfältig darauf, sich nicht zu nahe zu kommen. Hermine ignorierte, dass Severus sie verstand, auch ohne dass sie ein Wort sagte. Und er hätte genau dies niemals freiwillig zugegeben. Aus einem Eingeständnis folgten Konsequenzen und besonders in diesem Fall war er nicht gewillt, diese zu tragen.
Also schwiegen sie.
Severus lernte die Verbindung zu Hermine jedoch aus einem sehr speziellen Grund zu schätzen: Es machte ihm Spaß zu beobachten, wie sie sich immer wieder an Okklumentik versuchte und bei der geringsten Ablenkung scheiterte. Die Freude darüber, schließlich doch noch Zeuge solch monumentaler Momente zu sein (Hermine Granger scheiterte an einer Aufgabe), rettete ihm gleich mehrere Tage.
Allerdings amüsierte es ihn nicht in dem Maß, wie es früher der Fall gewesen wäre, denn das, was er an Gedanken und Emotionen von ihr abbekam, war wenig angenehm. Generell war es genau das, was er unter Liebe verstand und deswegen hatte er sich auch seit seiner Jugend nicht mehr von solchen Dingen ablenken lassen. Nun wurde er unfreiwillig damit konfrontiert und stellte fest, dass sich seit früher nicht viel geändert hatte.
Obwohl er seinen Geist inzwischen selbständig verschloss, versuchte Hermine es immer wieder aufs Neue – zweifellos um Übung darin zu bekommen. Und das sorgte dafür, dass die gemeinsame Arbeit bisweilen sehr anstrengend wurde.
Severus bemühte sich wirklich, ein bisschen nachsichtiger als sonst zu sein. Doch am Freitagabend wurde es ihm dann zu viel. Sie schaffte es, einen sehr weit fortgeschrittenen Trank zu ruinieren, indem sie die falsche Zutat mehrere Sekunden zu früh hineinwarf. Das Gemisch schäumte wild, lief über den Rand des Kupferkessels und breitete eine weiße Lache auf dem Boden zu ihren Füßen aus.
Er holte tief Luft, hielt sie an und ließ sie dann langsam wieder entweichen. Hermine hatte schuldbewusst den Blick gesenkt und ließ den verhunzten Trank mit einem Zauber verschwinden – zumindest versuchte sie es. Stattdessen stiegen überall in dem Schaum dicke Blasen auf, die ihn beim Platzen noch mehr im Raum verteilten.
„Tut mir leid", murmelte sie hochrot im Gesicht.
„In mein Büro, sofort!", zischte Severus und deutete auf die Verbindungstür. „Du kannst recherchieren, während ich hier Ordnung schaffe."
Sie nickte schlicht und steckte den Zauberstab weg. Dann stakste sie durch das Chaos und verschwand in seinem Büro.
Severus drehte mit geschlossenen Augen den Kopf, um seinen Nacken zu lockern. So konnte es nicht weitergehen. Irgendeinen Weg musste es aus diesem Schlamassel geben. Möglicherweise sollte er die Pause vom Lord dazu nutzen, mit diesem Problem fertig zu werden.
Nachdem er die Reste des Trankes beseitigt hatte, räumte er die Zutaten und den Kessel an ihre Plätze zurück. Er brauchte noch ein paar Minuten für sich, damit er ihr nicht gleich an die Gurgel ging. Es waren drei Stunden vielversprechender Arbeit, die sie zunichte gemacht hatte. Er würde den Trank morgen frisch ansetzen und hoffte, dass er wirklich daran gedacht hatte, jedes Detail zu notieren.
Einige Minuten später rauschte er in sein Büro und wischte sich nach wie vor gereizt durch die Haare. Er sah kurz zu Hermine hinüber, die entgegen seiner Worte nicht begonnen hatte zu recherchieren. Stattdessen stützte sie sich mit beiden Händen auf der Rückenlehne des Sessels ab, der vor seinem Kamin stand. Ihr Kopf war tief zwischen den Schultern gesenkt und die Erschöpfung sprach aus ihrer gesamten Erscheinung.
„Ich habe deine Okklumentik-Übungen geduldet, solange sie unsere Arbeit nicht behindert haben. Aber wenn es in dieser Form ausartet, kann ich es nicht weiter verantworten. Hör' auf, deinen Geist mit Okklumentik zu verschließen!"
„Das kann ich nicht", nuschelte sie unverständlich zwischen ihren Armen hindurch.
„Was sollte dich daran hindern?" Seine Stimme war merklich schärfer geworden.
„Du!" Ihre Fingernägel gruben sich mit kratzenden Geräuschen in den Stoff des Sessels, ehe sie zu ihm herumwirbelte und ihn wütend ansah. „Meinst du, ich bin scharf darauf, dass du einen Dauereinblick in meine Gefühlswelt bekommst? Meinst du, ich will, dass du all das siehst, was ich sonst vor jedem geheim halte? Du bist derjenige, den ich am meisten aus meinen Gefühlen raushalten will, weil ich weiß, dass du nur darauf herumtrampeln wirst! Also sage mir nicht, dass ich aufhören soll, meinen Geist zu verschließen." Nach diesem Ausbruch sackte sie merklich in sich zusammen, fing sich aber, noch bevor Severus auf die Idee kommen konnte, sie zu stützen.
„So wie du es anstellst, machst du dich kaputt. Und nützen tut es nicht das Geringste. Ich bekomme trotzdem alles mit."
Hermine schnaubte. „Du bekommst noch nicht mal einen Bruchteil mit."
Er sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Ich denke, ich bekomme eine ganze Menge mit. Du scheinst gerne zu vergessen, dass diese Verbindung auch besteht, wenn wir uns nicht im selben Raum aufhalten."
Daraufhin verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Ich habe seit einer Woche meinen Geist nicht mehr vollkommen ungeschützt gelassen. Das, was du mitbekommst, sind Ansätze wenn ich abgelenkt werde oder kurz vorm Einschlafen bin. Nicht, dass ich in der letzten Zeit viel geschlafen hätte…" Er beobachtete, wie die Farbe aus ihrem Gesicht wich und tat vorsichtshalber einen Schritt auf sie zu. „Du weißt überhaupt nicht, wovon du sprichst", fügte sie schließlich noch leise hinzu und schloss die Augen.
„Dann zeig es mir", forderte er, fest davon überzeugt, dass sie es maßlos übertrieb. Oder dass sie einfach nicht wusste, wie löchrig ihre Abwehr wirklich war.
„Ich denk ja nicht mal dran." Ihre Hand rutschte von der Lehne und sie ging ein ganzes Stück in die Knie. Severus fasste sie an den Oberarmen und brachte sie in eine stehende Position zurück, wobei er ihr sehr nahe kam.
„Es ist deine Entscheidung. Dennoch befürchte ich, dass ich der einzige bin, der dir helfen kann. Zumindest wenn ich recht in der Annahme gehe, dass du Poppy oder Albus nicht unbedingt in unser kleines Problem einweihen möchtest."
„Sie ahnen ohnehin etwas. Irgendjemand muss den Trank ja vollendet haben", wandte sie leise ein, schien sich aber nicht großartig daran zu stören, dass er sie festhielt.
„Nun, wenn das so ist, dann geh' zu ihnen!", erwiderte er bissig und ließ sie los.
„Merlin bewahre…"
Severus verdrehte die Augen. „Entweder du lässt mich die Ausmaße unseres Problems sehen oder du wirst noch sehr lange deine Tränke verpatzen."
Hermine hob ihren müden Blick und fixierte seine schwarzen Augen. Für lange Momente trugen sie ein bissiges Duell aus, das er wie gewohnt als Sieger verließ. „Also gut. Aber ich habe dich gewarnt."
Er nickte mit überzeugtem Gesichtsausdruck.
Und die Mauern fielen.
TBC…
