Kapitel 1
mioboe - Erinnerung
Draußen
schien die Sonne und erwärmten den sauber gefegten
Straßenabschnitt. Die Wimpeln flatterten im lauen Lüftchen
während eine Schar Schüler schwatzend näher kam. Sie
hatten Schulschluss und wie immer gingen einige in Gruppen oder
allein durch die Straßen auf der Suche nach einer guten
Gelegenheit zum Essen. Leise Musik dudelte durch das
Restaurant, doch es war kaum zu hören, denn in "U-chans
Okonomyaki" Restaurant herrschte Hochbetrieb, denn immerhin war
es Mittagszeit.
Konatsu und sie hatten alle Hände voll zu tun
jeden Gast anständig zu bedienen. Da sein Gehilfe Konatsu noch
nicht so gut Okonomyakis backen konnte, hatte Ukyo, die Inhaberin des
Restaurants, ihn erstmal an die Kasse gestellt. Natürlich
achtete sie peinlich genau darauf dass der ehemalige Ninja auch ja
die richtigen Preise für die Speisen einnahm, aber er machte
seine Sache inzwischen schon ganz gut. Ukyo war zufrieden, vor allem
weil er genügsam war und kaum Geld für seine Dienste
verlangte.
„Frau
Ukyo, die nächste Bestellung ist viermal Okonomyaki mit viel
Käse und einer Schicht Peperoni und als Unterlage Tomatenmark."
dröhnte es über das Schwatzen der Kunden hinweg.
Wie
eine Weltmeisterin schwang Ukyo die Spatula und hatte bereits die
vier kreisrunden Teigfladen fertig, auf denen später die Zutaten
verteilt werden sollten.
„Schon verstanden, Konatsu!" rief sie zurück und in Windeseile heizte sie den Ofen an, riss das Tomatenmark aus seiner Verpackung und noch während sie es hoch in die Luft warf und die Schwerkraft es auf den Teig niederdrücken konnte, war Ukyo schon dabei den Käse zu raspeln und die Peperoni zu zerhacken. Das ganze dauerte nicht länger als ganze 20 Sekunden.
„In
fünf Minuten verfügbar!" rief sie zur Ladenzeile
zurück und schob die vier Okonomyaki mit ihrer Spatula in den
Ofen.
Hitze glühte auf ihrer Wange, die Geschäfte liefen
gut. Doch noch etwas anderes sollte an diesem Tag passieren, etwas
das ihr ganzes Leben noch mehr auf den Kopf stellen sollte als es
ohnehin schon war...
Auch Ranma und Akane hatten schon Schluss gehabt. Obwohl die beiden vor einigen Monaten ihre zugegebenermaßen missglückte Hochzeit hinter sich hatten, hat sich kaum etwas an ihrem Alltag geändert. So machten sich die beiden auf ihren gewohnten Heimweg, aber Ranma hatte noch etwas anderes vor.
„Ranma, bleib endlich stehen! Wo willst du eigentlich so schnell hin!", schrie Akane dem sichtlich gehetzten Jungen hinterher.
„Keine
Zeit für Erklärungen Akane! Ich habe etwas sehr Wichtiges
vergessen, mach dir mal keine Sorgen", erwiderte dieser knapp
und kurz angebunden, während er weiter über die Baumwipfel
sprang.
In Akane entbrannte dadurch aber wieder Mal in Wut, denn
wenn dieser Idiot ihres Beinahe-Ehemannes auch nur denken soll, er
bedeute ihr etwas, dann hatte er sich da ziemlich
geschnitten...Allerdings war sie sich da nicht mal so sicher, ob dies
auch der Wahrheit entsprach...
„RANMA!" brüllte sie ihm hinterher, „Wage es ja nicht zu denken..!" doch zu spät. Er war schon über alle Berge. Etwas enttäuscht machte sich Akane weiter daran ihrem Weg zu Folgen, als sie schließlich mit jemandem zusammenstieß. Beide fielen zu Boden und die junge Frau rieb sich den Kopf. Gerade wollte sie ihre Gegenüber ordentlich die Meinung sagen, da bemerkte sie, dass es der verloren Junge, ihr Freund Ryoga war.
„Ryoga, was machst du denn hier, in solcher Eile?", fragte sie diesen musternd.
"Ohh… Ähhm, Hallo Akane-chan", sagte dieser. Und auch er wirkte sichtlich in Eile.
Akane fragte sich wo er denn bloß so eilig hin müsste und irgendwie erinnerte sie dieses Verhalten an jemanden.
„Ryoga, du siehst aber total hungrig aus", stellte sie danach aber besorgt fest. "Willst du nicht mitkommen zu U-Chans. Ich war eigentlich auch gerade auf den Weg dorthin", log sie. Ryoga hatte der Schlag auf den Kopf nicht so wirklich gut getan und was er nun WIRKLICH in Nerima wollte, nämlich ein Duell mit seinem ärgsten Kontrahenten, zugleich aber besten Trainingspartner und Freund, ist ihm doch tatsächlich entfallen. Also willigte er ein und irgendwie freute er sich wie ein kleines Kind darauf seine gute Freundin Ukyo wieder zu sehen. Er war schließlich schon solange, eigentlich schon seit der Hochzeit nicht mehr in Nerima und die Zeit hatte er zum Nachdenken genutzt.
Langsam
ebbte der erste Ansturm auf U-chans Restaurant wieder ab, denn die
meisten Gäste, die nicht an den vielen bereitgestellten Tischen
essen wollten, waren bereits mit einem Okonomyaki zum Mitnehmen
gegangen. Nur noch drei Leute standen an der Kasse, doch Ukyo war
nicht sehr traurig darüber. Hier hinten am Ofen zu arbeiten, zur
Mittagszeit während es draussen sommerlich warm war und die
Hitze sogar durch das offene Fenster hereinstrahlte, obwohl es ja
eigentlich die Hitze aus dem Raum tragen sollte, war nicht sehr
angenehm.
Sie lehnte gegen die dicke Eisentür des Kühlraums,
das einzige was überhaupt noch kühl war in diesem
Hinterzimmer, und pustete erschöpft ein und aus während sie
ihre nun kühle Hand gegen die Stirn presste und wohlig
schnurrte. Genau das war es worauf sie sich nach Feierabend heute
Abend freuen würde, ein schönes Bad und dann endlich aus
diesen verschwitzen Klamotten heraus.
Ihr Blick wanderte wachsam
zum Ofen herüber, die Okonomyaki durften auf keinen Fall zu
lange backen, sonst würden sie Schwarz werden, aber so wie sie
es durch die saubere dicke Scheibe hindurch sehen konnte, war alles
in Ordnung.
Sie
gönnte sich kurz den Luxus durchs Fenster zu den
Kirschblütenbäumen hinaus zu blicken während eine Hand
gedankenverloren ihre Haare aus dem Gesicht wischte.
Irgendwie
wurde ihr bei diesem Anblick schwer ums Herz während sie den
Ästen beim tanzen im Wind zusah. Und schlagartig wurde ihr auch
bewusst warum sie so schwermütig wurde. Die Kirschblüten
erinnerten sie an die Beinahe-Hochzeit von Ranma und Akane...
Kirschblüten waren dort geworfen wurden und hatten den Weg für
die Braut geebnet. Sie selbst war höchstpersönlich
angereist und wollte den beiden ein Okonomyaki Spezial zur Hochzeit
schenken, aber am Ende war alles im Chaos versunken - wie schon so
oft im Hause Tendo.
Am Abend, als aller ärgster Chaos
beseitigt gewesen war, waren sie und ihr Okonomyaki, das wie durch
ein Wunder die Schlacht überlebt hatte, wieder Richtung
Restaurant gewandert in der merkwürdigen Gewissheit Ranma für
immer verloren zu haben. Wie durch einen merkwürdigen Zufall
stand dort unter der Laterne, direkt nur drei Häuser weiter
Ryoga voll bepackt und anscheinend bereit für eine lange Reise.
Er hatte seine Karte aufgeschlagen und hielt sie so dicht vor seine
Nase das Ukyo beinahe befürchtete er könnte in sie hinein
steigen und so auf einfacherem Wege an sein Ziel gelangen.
Sie
musste über diese Szene schmunzeln damals und auch jetzt glitt
ein Grinser über ihren Mund. Sie war damals näher
herangetreten, hielt ihr eingepacktes Okonomyaki bei sich und blieb
erst kurz vor ihm stehen. Er bemerkte sie zuerst gar nicht, redete
mit sich selbst oder vielmehr mit der Karte. Als Ukyo ihn dann
antippte sprang er hoch in die Luft und hielt sich schließlich
am Laternenmast fest, bibbernd und vollkommen erschrocken.
„Komm runter", hatte sie damals gerufen, "Ich tue dir bestimmt nichts...!"
Schließlich hatte er doch herunter geschaut und sie erkannt.
„Ach, du bist es Ukyo." meinte er und rutschte an der Laterne herab.
„Schade dass auf der Hochzeit alles schief gelaufen ist..." murmelte er nun doch.
Ukyo spürte dass hinter diesen Worten noch mehr stand und da er eigentlich etwas ganz anderes meine. Eigentlich ging es sie ja nichts an, aber so wollte sie ihn auf keinen Fall sehen. So schnappte sie ihn sich am Arm und zog ihn zur Bank, die gleich neben der Laterne stand.
„Bitte sei nicht traurig, du hast doch noch Akari." meinte sie dann und beide setzten sich.
„Ich
habe schließlich niemanden, ausser meinen Laden und meinen
Gehilfen."
Ryoga hatte damals beide Fäuste auf seine
Knie gestemmt und hatte mit den Tränen gekämpft als er
beinahe flüsterte: "Ja... nein... es ist... ich meine...
nun ja..."
Ukyo merkte, dass sie diesen Jungen nur noch mehr
in Verlegenheit brachte und schob stattdessen ihr Päckchen auf
seinen Schoß.
„Bitte nimm es an. Das was drauf steht ist zwar etwas unpassend, aber lass es dir trotzdem schmecken... es muntert dich vielleicht etwas auf." mit diesen Worten erhob sie sich und er blinzelte ungläubig und mit großen Augen hinterher.
„Na
komm schon... sei nicht so deprimiert!" Ryoga schaute noch immer
aus als würde er nicht so recht wissen was um ihn herum geschah
und Ukyo war es von Sekunde zu Sekunde unangenehmer geworden. So
sagte sie: „Also gut, wenn du aus Nerima raus willst, dann nimm den
Weg und wenn du vielleicht doch noch mal in meinen Laden kommen
willst, dann nimm den Weg." passend dazu wies Ukyo mit den
Fingern in die entsprechenden Richtungen ohne zu wissen dass sie
Ryoga damit nur noch mehr verwirrte.
Er blickte ihr immer noch
ungläubig in die Augen und Ukyo ertrug diesen Blick nicht mehr,
beugte sich hinab und zwickte ihm in die Wange. "Na komm...
jetzt lach doch mal!" befahl sie ihm damals und mit einer halb
zerkniffenen Wange hatte er gelächelt - und sie hatte
zurückgelächelt.
„So ist es schon besser..." grinste sie, ließ ihn los und erhob sich.
„Es ist spät...", meinte sie und blickte in den Sternenhimmel hinauf. Er tat es ihr gleich...
„Machs gut Ryoga und verlauf dich nicht...", war ein gut gemeinter Rat von Ukyo bevor sie ging...
„Fräulein
Ukyo, nur noch drei Kunden sind am Tresen und... Fräulein Ukyo
geht es ihnen gut?" meldete sich Konatsu, der kurz nach hinten
gegangen war um nach seiner Chefin zu schauen.
Diese rutschte
erschrocken ein wenig von der Eisentür weg und sah erst zu
Konatsu und dann zum Ofen herüber. Die Okonomyaki waren gerade
gut geworden und schnell griff sie nach der Spatula.
„Nein Nein, alles in Ordnung mit mir, geh nach vorne und bediene weiter die Kunden." beruhigte Ukyo ihn und scheuchte Konatsu aus der Küche heraus. Noch während sie den Ofen öffnete und ihr wieder ein Hitzeschwall ins Gesicht blies und sich ihren Kopf schüttelte fragte sie sich wieso sie gerade jetzt an diese Szene gedacht hatte...
Akane
nahm Ryoga an die Hand und führte in durch die ihr so bekannten
Straßen Nerimas. Sie ging diese Wege schließlich tagein
tagaus entlang, sei es morgens, wenn sie ihre gewohnten Runden lief
oder später am Tage, wenn Ranma ihr meist auf dem Zaun folgte.
Während sie Ryogas Hand hielt, musste sie daran denken, als
Ranma zuletzt ihre Hand gehalten hatte. Wie lange konnte das nur
jetzt schon her sein? ... Bei dem Gedanken seufzte sie leicht auf.
Ryoga, der zwar noch tief in seinen Gedanken war, blickte Akane
daraufhin leicht von der Seite an. Er fragte sich, was passiert war,
seit er gegangen ist. Ob sie und Ranma nun endlich zusammen gefunden
hätten? Ob sie ihre Hochzeit noch einmal wiederholt hätten?
... Er bemerkte nun noch stärker wie lange er eigentlich weg
gewesen ist. Irgendwie hatte er sie alle vermisst… Akane und den
Rest der Tendo Familie… und ja auch Ranma. Seine Einstellung
gegenüber ihm hatte sich geändert. War er damals nur noch
enttäuschter, als er merkte, dass Akane Ranma wirklich liebte,
so war er heute umso glücklicher darüber. Eines wusste er
mit Sicherheit, er wusste von Ranmas Gefühlen. Schließlich
war er doch irgendwie so etwas wie sein Gefährte geworden. Das
Wort Freund mochte nicht so Recht, selbst nicht in seinen Gedanken,
über seine Lippen kommen. Ranma war nämlich
zugegebenermaßen, wenn auch unfreiwillig ein ziemlicher
Frauenheld. Das störte ihn an sich nicht weiter, doch hatte er
früher oft genug in die leeren Augen eines Mädchens sehen
müssen, dass immer etwas zusammenschrak, als Akane und Ranma
sich näher kamen. Niemand bemerkte damals diese Reaktionen
ihrerseits, er selbst hatte das Gefühl wie sehr sie es
unterdrückte, doch er, er spürte es. Dies tat ihm so
weh...und wenn er daran dachte, dann brodelte beim Namen Ranma immer
etwas Wut in ihm auf.
Akane bog schließlich rechts in eine
kleine Gasse ein und nun waren die beiden höchstens einige Meter
von dem köstlichen Duft entfernt, der immer stärker in ihre
Nasen stieg. „Ryoga, wir sind da? He, Ryoga hörst du mich?",
fragte Akane ihren Begleiter.
Dieser wachte abrupt aus seinen Tagträumen auf und blinzelte etwas. An dieser Stelle war er schon einmal gewesen... Es war kurz vor seiner Abreise. Das machte ihm zu schaffen.
„Der
Laternenpfahl", wisperte er kaum hörbar, so leise, dass
nicht mal Akane es höre konnte. Akane zupfte dem Jungen nun
schon etwas entnervt am Ärmel. Ryoga kam nun allmählich
doch in die Realität zurück und schaute erneut in Akanes
leuchtend braune Augen. Doch dieser Anblick, das Gefühl dabei,
es hatte sich verändert, vollkommen... er fühlte auf keinen
Fall mehr dasselbe wie damals.
Mit dieser neuen aber unerwarteten
Gewissheit ging er nun auf das Restaurant zu. Akane folgte ihm und
war etwas überrascht, als Ryoga sich plötzlich schlagartig
von ihrer Hand löste. Sie fragte sich, was denn bloß los
sein könnte. Er wirkte so nachdenklich, fast nachdenklicher als
sie es ohnehin an diesem Tag schon war. Aber sie folgte ihm wortlos
hinein.
„Hallo Akane, guten Tag Ryoga!", strahlte ihnen ein freundlicher aber sehr beschäftigter Konatsu entgegen. "Lange nicht mehr gesehen hier."
An
der freundlichen und strahlenden Stimme Konatsus konnte Ukyo erkennen
dass jemand das Restaurant betreten hatte, den er gut kannte. Sie
hustete und wischte mit einer fächernden Handbewegung den Rauch
aus ihrem Gesichtsfeld. Ihr war warm, nein ihr war heiss und nichts
sehnlicher wünschte sie sich als jetzt ein Bad nehmen zu können.
Ein schönes, gemütliches Schaumbad, wo sie die Augen
schließen konnte und einfach dem plätschern des Wassers
lauschen konnte und endlich diese komischen Gedanken sie in Ruhe
lassen würden...
Sie verpackte die vier Okonomyakis und schob
sie durch die Durchreiche in den Verkaufsbereich. Gerne wäre sie
hinaus gekommen aus dem Hinterzimmer um die Bekannten zu begrüßen,
doch sie hatte noch drei Bestellungen zu erledigen.
Just in diesem
Augenblick rief auch noch Konatsu: „Zweimal Okonomyaki Spezial für
zwei gute Freunde von uns."
Ukyo schob die Spatula mit den
gerade fertigen Okonomyaki in den Ofen hinein und stellte die Zeit.
„Wer ist es denn?" rief sie zurück und ein Grinsen zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab...vielleicht war es ja Ranma, vermutlich in Begleitung von Akane, aber das störte sie schon lange nicht mehr - es hielt sie nicht davon ab Ranma noch immer schöne Augen zu machen, ganz gleichgültig was sie vorhin gedacht hatte.
„Komm
doch und schau selbst..." rief Konatsu und seine Chefin die
gerade die zwei Okonomyaki Spezial zubereitet hatte und sie noch in
den Ofen schob, streckte nun den Kopf aus dem Hinterzimmer hinaus in
den Vorraum. Sie platze beinahe vor Neugierde und rief: „Und wer
ist es...nun?"
Doch Konatsu stand allein am Tresen, ausser
ihm und der Registrierkasse war dort Niemand.
„Oh
tut mir Leid, du hast sie gerade verpasst... sie haben sich bereits
hingesetzt."
Entschlossen zogen sich Ukyos Augenbrauen
zusammen.
„Welchen
Tisch haben sie genommen?"
Konatsu sah auf das kleine
Zettelchen, dass er sich vorhin notiert hatte. „Tisch fünfzehn,
aber warum...?" setzte er an doch Ukyo hatte schon wieder ihren
ganz eigenen Blick und ballte entschlossen eine Hand zur Faust.
„Er wird ein Okonomyaki Spezial bekommen das ihn ganz hin und weg sein lässt." rief sie entschlossen und ehe Konatsu noch etwas sagen konnte war Ukyo schon wieder hinten in der Küchenzeile verschwunden. Doch schon im nächsten Moment hörte er die Stimme seiner Chefin: „Ich werde die Okonomyaki persönlich an den Tisch bringen."
„Chefin, willst du nicht erst wissen wer..." setzte Konatsu an der ja wusste wer den Laden betreten hatte.
„Sei
Still, sonst hören sie uns!" rief Ukyo zurück und
einige der Gäste im vorderen Teil des Ladens blickten sich
erstaunt um. Schon nach wenigen Minuten war das Okonomyaki
fertig und Ukyo, die ihre Spezialsauce angerührt hatte extra für
diesen Anlass, nahm die Spritztüte und schrieb in Schönschrift:
„Lieber
Ranma, bitte geh noch einmal mit mir aus und du wirst sehen dass ich
die einzige bin für dich. In Liebe, deine Ukyo" murmelte
sie zufrieden mit sich selbst vor sich hin. Vergessen war das was sie
vorhin gedacht hatte, vergessen war die immerhin misslungene Hochzeit
und wer wusste es schon? Vielleicht konnte sie ihn ja doch noch
umstimmen.
Sie schob die beiden Okonomyakis auf ein großes
Tablett und rief während sie die Tür aufstieß:
„Zweimal Okonomyaki Spezial für Tisch Fünfzehn!"
Schnell
glitt sie aus der Tür heraus, es war eine Schwungtür die
direkt in den hinteren Teil des Restaurants hinein wies. Kleine,
lauschige Nischen in denen sich verliebte oder Gruppen die ungestört
sein wollten, verkriechen konnten. Ukyos Blickfeld glitt herum und
erfasste Tisch Fünfzehn, doch was sie sah war so ganz und gar
nicht das was sie erwartet hatte. Ihre anfängliche Euphorie
verwandelte sich sofort in einen kleinen Klumpen und verschwand auf
nimmer Wiedersehen in ihrem tiefsten Inneren. Sie hatte sich aber
immerhin nur teilweise getäuscht, es war Akane die dort am Tisch
saß aber der den sie eigentlich noch mit erwartet hatte, saß
dort nicht... sondern... weiter kam sie mit dem Gedanken nicht, denn
die Schwungtür kam zurück. Das ganze hatte nicht mal ganze
drei Sekunden gedauert und jetzt war es zu spät zum ausweichen.
Die Tür traf Ukyo direkt ins Rückrad hinein und ließ
sie nach vorne Taumeln. Natürlich verlor sie dabei beide
Okonomyaki Spezial, die durch den Schwung der Tür eine ungeahnte
Karriere als Ufos antraten und einmal quer durch das ganze Restaurant
flogen mit direktem Landeanflug auf Tisch Fünfzehn während
Ukyo hilflos taumelnd dem Boden immer näher kam... Akane
und Ryoga blickten erstaunt zu Ukyo herüber, die von der Tür
angestoßen worden war und auf den Boden hinab segelte.
Irgendwie war es merkwürdig, die ganze Welt drehte sich auf
einmal. Ukyo hatte so einen harten Schlag auf den Kopf bekommen, dass
sie nicht einmal mehr beide Arme nach vorne strecken, doch den Boden
erreichte sie nicht... Die Okonomyaki flogen einmal quer
durch die Luft, ein weiterer Gast hatte just in diesem Augenblick den
Laden betreten und ging gemächlich direkt in die Wurfbahn der
Köstlichkeiten hinein, ohne es zu bemerken. Er drehte sich nur
herum, grinste und erblickte Akane die wie ein hypnotisiertes
Kaninchen an ihm vorbei starrte zu etwas was ihre ganze
Aufmerksamkeit auf sich zog.
„Hey, Akane, was ist denn los?"
meinte Ranma und drehte sich in die Richtung. Genau in diesem
Augenblick landete ein Okonomyaki direkt auf seinem Gesicht und er
taumelte zurück, riss beide Arme empor und ruderte hilflos damit
in der Gegend herum, empört über die plötzliche
Finsternis.
Akane war die die das Zweite Spezial abbekam. Etwas
heisses vor Fett triefend, traf ihr Gesicht und bedeckte auch dieses,
hüllte es in Finsternis ein.
„Oh Ranma, was hast du jetzt wieder gemacht?" schrie sie erbost und griff blind nach ihrem Verlobten, packte ihn am Schlaffitchen und riss ihn zu sich herunter.
„Ich
hab gar nichts gemacht!" rief dieser erbost zurück und
griff nach dem Teig auf seinem Gesicht während Akane hinter ihm
das gleiche tat.
Doch kaum hatten sie den Teig von ihren
Gesichtern bot sich ein anderer Anblick der die beiden sofort
verstummen ließ.
Ukyo, die sich gerade noch im Sturzflug befand, lag nicht auf dem Boden, sondern wurde von zwei kräftigen Armen gehalten, die die beiden sehr gut kannten.
„Ryoga...",
schluckte sie kurz, als sie langsam die ganze Situation wahrnahm, in
der sie sich nun ziemlich hilflos befand… Auch ihm war nicht
wirklich bewusste, was er gerade getan hatte. Er ist einfach aus dem
Affekt heraus auf das fallende Mädchen zugesprungen, doch nun
bemerkte auch er, dass dies ja Ukyo war. Diese hatte gerade in diesem
Moment ihre Arme etwas um ihn gelegt um nicht abzurutschen.
Akane
und Ranma blieb einfach die Spucke weg. Sie wollten sich gerade
natürlich wie immer gegenseitig an die Gurgel gehen, doch dieser
Anblick war zu ungewohnt.
Kontasu, der nun panisch hineingestürmt kam, lief sofort weinend zu seiner Chefin
„Oh Fräulein Ukyo! Was ist denn bloß passiert!" Die junge Frau lag immer noch schwer geschockt gefangen in dem Griff ihres Retters, der mittlerweile ziemlich rot geworden war und leicht zu zittern begann. Eine ganze Menschenmenge hatte sich nun um die beiden versammelt. Vorne dran natürlich ihre beiden besten Freunde Ranma und Akane. Die beiden beäugten sie von jeder Richtung oben unten recht links...
Als Ukyo nun in Ranmas Gesicht blickte erschrak sie. Er sollte sie doch nicht so sehen, und Ryoga ging haargenau dasselbe durch den Kopf!
„LASS
MICH AUGENBLICKLICH LOS!", keiften sich da die beiden
Hauptpersonen dieser Situation gleichzeitig an.
Mit einem Schwung
hatte sich Ukyo wieder auf die Beine gestellt und sah wütend zu
Ryoga hinunter. Auch er war zurückgesprungen und befand sich nun
in Ranmas Armen, der ihn halb aufgefangen hatte. Scher atmend, als ob
er gerade einen anstrengenden Kampf hinter sich hatte, keuchte der
Junge mit dem Stirnband da vor sich hin.
„Was
glotzt ihr denn alle so blöd!", fuhr Ukyo da sie
erstaunten Gäste an, die sich um den Ort des Geschehens
versammelt hatten. Es waren fast alles Personen, die sie kannte, ihre
Mitschüler, Freunde oder Stammkunden. Ihr war das alles zu
peinlich gewesen, dass sie sich vergessen hatte. Einfach so ihre
Kunden anzubrüllen war überhaupt nicht ihre Art und Akane
machte sich daran sie zu beruhigen. Nach diesem kleinen Faux-Pas
verabschiedete sich die eine Hälfte ängstlich und wortlos
und die anderen machten sich verwundert über das gerade Gesehene
wieder auf den Weg zu ihren Plätzen. Konatsu begriff, dass er
nun kurz das Ruder in die Hand nehmen musste und machte sich gleich
wieder an die Bestellungen. Die vier Freunde waren währenddessen
komplett verstummt uns starrten sich nur paarweise an.
Es war an
Ranma die Situation aufzulockern. Er blickte auf die Fetzen der
Okonomiyakis, die ihn und Akane getroffen hatten. Dabei entdeckte er
Schriftzüge auf ihnen, doch diese waren nun unkenntlich. Er
schnappte sich Ryoga, der noch immer an ihn gelehnt stand und zog ihn
ins Hinterzimmer mit sich.
„Putzlappen, Eimer!", sagte Ranma kurz angebunden und schon schupste er Ryoga wieder nach draußen.
„RANMA, was bildest du dir eigentlich ein!""", schrie ihn sein perplexer Freund an.
Akane
hatte Ukyo nun zu einem der nun freien Plätze des Restaurants
geführt, an dem noch vor wenigen Minuten Gäste gesessen
hatten. Sie Schämte sich und ärgerte sich auch gleichzeitig
doppelt über ihr Missgeschick, das alles so daneben gelaufen
war, dass sie die Gäste vergrault hatte und ... und dass sie so
gemein über Akane gedacht hatte die nun einen Arm um sie gelegt
hatte währen sie selbst zu Boden starrte.
Diese Szene die
sich gerade mitten in ihrem Restaurant abgespielt hatte ließ
ihre Hände hilflos zu Fäusten ballen und ärgerlich
knirschte sie mit den Zähnen während ihr die Schamesröte
unpassend ins Gesicht geschrieben stand.
„Schon
gut Ukyo... alles in Ordnung, es ist ja nichts weiter passiert...",
murmelte Akane nun beruhigend, doch Ukyo hätte sie am liebsten
von sich gestoßen und sie stattdessen beim Kragen gepackt, sie
angeschrien das überhaupt nichts in Ordnung war, das alles
schief gelaufen war was schief laufen konnte, das sie sich total in
etwas verrannt hatte, das ihr schönes Okonomyaki Spezial in den
Gesichtern ihrer Freunde gelandet war, ausgerechnet das mit den
Schriftzügen war in Ranmas Gesicht gelandet, das hatte sie noch
gesehen.
Das Restaurant war nun beinahe leer, bis auf ein paar
hartnäckige Gäste die sich nur durch ein Erdbeben von etwas
abbringen lassen konnten und die Freunde.
Ranma schubste nun Ryoga
wieder aus dem Putzraum heraus. Er schrie ihm irgendetwas zu, doch es
interessierte sie nicht was er schrie. Er hatte alles vermasselt, er
hatte sie aufgefangen und das vor Ranmas Augen, ach was, vor den
Augen aller Anwesenden. Sie glaubte das Ranma noch nie so in weite
Ferne gerückt war wie in diesem Augenblick.
Und jetzt saß
sie mit ihrer Erzfeindin an einem Tisch, ließ sich von ihr den
Arm um die Schultern legen und ihre Gedanken trudelten hin und her,
auf und ab, nach links und rechts, von oben nach unten und wieder
zurück.
„Alles wieder in Ordnung bei dir? Hast du dir auch nichts getan?" murmelte nun eine angenehme Stimme neben ihrem Ohr und erstaunt hob sie den Kopf, blickte nun Ranma direkt ins Gesicht. Aus den Augenwinkeln konnte sie Ryoga sehen der den Boden aufwischte unter den neugierigen Blicken der anderen Gäste.
„Er bringt wieder in Ordnung was er angerichtet hat..." meinte er. Ukyo öffnete den Mund, wollte protestieren, denn sie war es ja die den Okonomyaki hatte fallen lassen, aber dann schloss er sich wieder und ihr Blick wanderte zum Fenster herüber.
„Tut
mir Leid dass ihr die beiden Okonomyaki abbekommen habt... ich mache
euch neue, zum Mitnehmen, auf Kosten des Hauses." murmelte
sie.
Innerlich kochte sie vor Wut, aber sie hatte gelernt damit
umzugehen und sie nicht an guten Freunden auszulassen.
Akane nahm
ihren Arm herunter und lächelte ihr zu. „Nein ist schon Ok,
wir werden natürlich bezahlen."
Ranma legte nun
stattdessen seine Hand auf ihre Schultern und Ukyo drehte sich wieder
zu ihm herum. Blickte wieder in sein Gesicht hinein... ihr Herz
schlug schneller, ihr war zum Heulen zumute. Aus den Augenwinkeln
konnte sie sehen dass Ryoga zu ihnen herüberstarrte, er fegte
schon seit einer geraumen Zeit immer wieder dieselbe Stelle.
Genau
in diesem Augenblick betrat noch eine weitere Person den Laden und
steuerte auf die Freunde zu.
„Oh
Ryoga, mein Schatz, arbeitest du jetzt hier?" hörte man die
fröhliche Stimme von Akari und Ukyo sah wie sich sein Blick ihr
entgegen richtete. Sie legte einen Arm um ihn herum als wäre es
eine Selbstverständlichkeit und er lächelte hilflos.
Aus
irgendeinem inneren Reflex heraus griff Ukyo nun nach der Hand Ranmas
und wischte sie von ihrer Schulter.
„Lass... ist schon gut...", murmelte sie und erhob sich, glitt an Ranma vorbei ohne ihn anzusehen und ging zu Ryoga herüber. Ohne darauf zu achten was er mit Akari tat, griff sie nach dem Mopp und riss ihn aus seinen Händen.
„Nein
er arbeitet nicht hier, er beseitigt nur die Sauerei die er
angerichtet hat!" knurrte sie eisig. Natürlich wusste sie
dass es nicht stimmte, genauso wie auch Ranma, Akane und schließlich
auch Ryoga selbst, aber wenn man es von allen Seiten zu hören
bekommt, dann glaubte man schließlich das was alle sagen,
obwohl es in Wirklichkeit ganz anders ist. Ryoga wich ein Stück
zurück. Er öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch die
blitzenden Augen von Ukyo ließen ihn verstummen.
Sie nahm
nun ihren Mopp und stieß ihn in seine Kniekehlen.
„Verschwinde da, ich muss sauber machen!" knurrte sie und er ging ein paar Schritte während sich Akari mit einem irritierten Blick an Ryoga heftete und ihn langsam aus dem Laden heraus zog.
„Was ist mit der denn los?" flüsterte sie ihm erschrocken zu.
Ryoga
war mittlerweile ziemlich sauer geworden. Es kam einfach eines zu dem
anderen. Er hatte sich zum Gespött gemacht und das vor Ranma und
AKANE ! Dabei hatte er doch nur helfen wollen. Sicherlich hatte er
Ukyo nicht mit Absicht aufgefangen, nur weil SIE es war. Was denkt
Ukyo denn von ihm! Das er ein Perversling war, weil er sie so eng
in seinen Armen hielt! Könnte er alles Rückgängig
machen, so war er sich sicher, würde er sie ganz einfach fallen
lassen. Ja genau, das würde er. Und was fiel Ranma eigentlich
ein ihn für das Chaos verantwortlich zu machen! Das war ja wohl
die Höhe! Und während er dann die Drecksarbeit betreiben
musste, vergnügte sich Ukyo wieder mit Ranma. Er hatte seine
Hand auf ihrer Schulter genau bemerkt. Wütend biss sich der
Junge mit seinen Eckzähnen etwas in die Lippen. Glücklicherweise
war Akari ja nun da. Mit ihr hätte er zwar am wenigsten
gerechnet, doch es war so erleichtert sie zu sehen. Sie gab ihm
irgendwie Kraft und Ehre zurück. Sie stand zu ihm und war sein
Fels in der Brandung. Er war ihr so unendlich dankbar. Seine kleine
Akari...sehnsüchtig und verletzt drückte sich Ryoga nun an
seine Freundin. Er wurde seinen Gefühlen nicht mehr Herr und
fing an zu weinen. Er weinte sich seine ganze Wut, seine Anspannung,
seinen Frust von der Seele. Akari war ganz gerührt von dieser
Geste. Ryoga musste sie wirklich ziemlich vermisst haben. Wie er sich
nun an sie schmiegte. Das war einfach zu schön. Er hatte das
noch nie getan… Leicht seufzend nahm sie ihn in ihre Arme und
wollte ihn küssen. Doch genau in diesem Moment drehte sich Ryoga
weg. Er hatte ehrlich gesagt nicht einmal bemerkt, dass das Mädchen
zum Kuss ansetzte, er blickte einfach wieder dorthin wohin sein
tiefsten inneres ihn drängte. Seine Blicke fielen wie die eines
Falken wieder zurück ins Restaurant, führten an allen
Menschen vorbei und setzten bei Ukyo auf. Er starrte sie regelrecht
an. Akane, die sich inzwischen mit Ranma an einen nahe gelegen Tisch
gesetzt hatte, schweifte rüber und sie erschrak etwas bei dem
Gesichtsausdruck Ryogas. Auch Ranma bemerkte, dass etwas nicht in
Ordnung zu sein schien und er blickte in Akanes geschockte Augen. Er
folgte ihrem Blick und nun sah auch er Ryoga. So hatte er ihn noch
niemals gesehen. Seine Kampfaura schien wahrhaftig zu lodern, für
einen so erfahrenen Kampfsportler wie Ranma war dies leicht zu
erkennen. Er schluckte kurz auf, denn nun fiel sein Blick wieder auf
seine Freundin Ukyo. Er kannte sie schon seit Kindheitstagen, genauso
wie Ryoga und auch sie hatte er noch niemals so gesehen. Sie sah so
niedergeschlagen aus. Nicht einmal, als er sie damals mit seinem
Vater und dem Okonomiyaki-Wagen verlassen hatte, besaß ihr
Gesichtsausdruck solch eine Traurigkeit und Wut...
Akari blickte
etwas verdutzt drein, doch Ryoga hatte sich inzwischen wieder zu ihr
gewandt. Entschlossen nahm er ihre Hand und winkte Ranma und Akane
noch einmal zum Abschied ab. Dann machte er sich auf den Weg. „Akari,
gehen wir zu mir?", fragte er seine Freundin ganz behutsam und
liebevoll. Sie merkte nicht, dass trotz allem etwas nicht mit ihm
stimmte.
„Natürlich! Ich freue mich ja so" und schon hackte sie sich bei Ryoga ein und die beiden bewegten sich Richtung Horizont.
„Wo
denkst du gehen die beiden hin?", fragte Akane Ranma während
sie langsam ein kühles Glas Orangensaft trank. „Wenn sie zu
Ryoga wollen, dann ist es die falsche Richtung", sagte Ranma
platt. "Da geht es nämlich zu uns…"
Ukyo hatte
beim Anblick der beiden draußen ihren Mopp beinahe
durchgebrochen.
„Ryoga, du kannst etwas erleben", murmelte sie leise vor sich daher...
