2. Unangenehmes Erwachen
Mir tat der Kopf weh. Auch sonst fühlte ich mich ziemlich angeschlagen. Irgendwo piekste mich ein Stein in den Rücken. Ein Stein? Auf einmal war ich hellwach. Wieso stach mich ein Stein in meinen Rücken, wenn ich doch in meinem Bett lag? Ich tastete mit meiner Hand den Boden ab: Erde oder Sand. Ok, ich war also nicht in meinem Bett. Aber wo dann?
Vorsichtig öffnete ich die Augen: die Sonne schien.
‚Na, das ist doch schon mal gar nicht so schlecht' dachte ich. Es könnte ja auch regnen. Es schien ungefähr mittags zu sein, dem Stand der Sonne nach zu urteilen. Langsam setzte ich mich auf. Ich war auf einem Trockenen, staubigen und steinigem Boden gelegen, und der Rest der Gegend sah auch nicht gerade viel besser aus: Soweit das Auge reichte ein unfruchtbares Land aus roten Steinen und sandigem, roten Untergrund. Nirgends war etwas Lebendes zu sehen und Wasser war auch nirgendwo zu entdecken. Insgesamt sah es sehr einsam und trostlos aus.
„Entweder ist das ein schlechter Traum, oder ich sitze wirklich in der Scheiße" sagte ich zu dem Stein neben mir.
Ich kniff mich in den Arm. Autsch, das tat weh, also definitiv kein Traum.
„Fuck!" Warum landet Alice im Wunderland und ich in ‚Death Valley'?
Ich sah mich um und überlegte, was passiert sein könnte. Dann fiel mir alles wieder ein: die blöde Wette, auf die ich mich eingelassen hatte, das seltsame Rauschen, wie mir schwarz vor Augen wurde. Mist. Was war da in dieser Nacht nur passiert?
„Nie wieder mache ich mich über irgendwelche Geistergeschichten oder so lustig" stöhnte ich. Eins stand fest, ich war nicht mehr auf den Orkney Inseln. Die Landschaft war mir fremd, ich hatte so etwas noch nie gesehen. Es wirkte fremdartig, fast wie aus einem Science-Fiction Film.
‚Jetzt fehlt nur noch, dass Obi-wan Kenobi auftaucht.'
Eine Straße war nirgends zu sehen. Wie sollte ich hier nur wieder wegkommen?
Dann fiel mir mein Handy wieder ein und ich sah mich nach meinem Rucksack um. Glück gehabt. Da lag er, nur zwei Meter von mir entfernt, zusammen mit meiner Decke. Ich ging hin und kramte nach meinem Handy. Na Gott sei Dank, es war noch heil! Erleichtert schaltete ich es an, doch so sehr ich auch hin und her ging, ich bekam einfach keinen Empfang.
"Scheiße! Wie soll ich nur hier wegkommen?" Frustriert setzte ich mich auf meinen Stein und stopfte das Handy mit meiner Decke in den Rucksack.
Doch als ich sah, wie sich von weitem einige Gestallten näherten, schöpfte ich wieder Hoffnung. Aber je näher die Gruppe kam, desto mehr kam ich mir vor als wäre ich in einem Fantasy Film gelandet.
Es waren neun Personen und ein Pferd, fünf davon schienen Kinder zu sein, jedenfalls der Größe nach.
An vorderster Stelle ging ein alter Mann mit langen, grauen Haaren und Bart. Er trug ein langes, dunkelgraues Gewand mit Mantel und einen blaugrauen, spitzen Hut. Beim Gehen stützte er sich auf einen langen Stock und um seine Hüfte trug er ein Schwert.
An zweiter stelle ging eine seltsame Gestalt: Sie ging dem alten Mann nicht mal bis zu den schultern, trug einen Helm und hatte einen riesigen Vollbart. Er schien eine Art Rüstung zu tragen, mit einem Kettenhemd und beim Gehen stützte er sich auf eine enorme Axt. Alles in allem sah er fast aus wie einer der „Zwerge" aus ‚Time Bandits'.
Nach ihm kamen zwei kleine Personen, die fast schon wie Kinder wirkten. Sie waren vielleicht etwas über einen Meter groß und liefen barfuss. Ihre Hosen waren unterhalb der Knie abgeschnitten und unter ihrem Umhang trugen sie altmodische Hemden und Westen. Der eine hatte dunkle, lockige Haare und wirkte etwas weinerlich, der andere rotbraune, ebenfalls lockige Haare und war etwas fester gebaut.
Hinter ihnen ging ein gutaussehender Mann der auf dem Rücken eine Art Köcher mit Pfeilen zu tragen schien. Er trug Stiefel und eine dunkle Hose und über einem Hemd eine Art Lederweste, die ca. zehn cm über den Knien endete. Ebenso wie der erste trug auch er ein Schwert. Sein Umhang war ebenso wie der Rest seiner Kleidung von einem undefinierbaren braun-grün, und seine schulterlangen, leichtgewellten Haare waren von einem tiefen braun Ton.
Ihm folgte ein Mann mit helleren Haaren, der ein bisschen wie ein Ritter gekleidet war. Sein blau-graues Obergewand ging ihm bis halb über die Knie runter und darunter trug er etwas rotes und es schauten Teile eines Kettenhemdes hervor. Unter seinem dunkelbraunen Mantel konnte man ein Schwert erkennen, das an seinem Gürtel hing, neben einem großen, fremdartigen Horn.
Nach diesem Ritter kamen wieder zwei kleine ‚Kinder', die ein beladenes Pony führten. Sie waren ähnlich wie die ersten angezogen, nur hatten sie dunkelblonde bis hellbraune Haare, die jedoch auch lockig waren.
Und ‚last, but not least' kam ein großgewachsener, schlanker Mann mit langen blonden Haaren, der sich mit einer Grazie und Eleganz bewegte, dass es mir den Atem verschlug. Behände wie eine Katze ging er am Ende der Gruppe. Ich will ja nicht übertreiben, aber dieser Typ sieht einfach umwerfend aus! Und dieser Hintern! Seine Kleidung war ganz in grün und hellgrau gehalten und lag eng an seinem perfekten Körper an. Seine dunkelgrünen Stiefel schmiegten sich an seine wohlgeformten Waden. Die hellgraue Hose saß hervorragend, nur leider war das grüne, teilweise bestickte Obergewand, das sich über seine perfekten Brustmuskeln und Schultern spannte und seine schlanke Figur hervorhob, zu lang, um genaueres zu erkennen. Es reichte ihm ungefähr bis knapp oberhalb der Knie. Er trug grüne Unterarmschoner und auf seinem Rücken trug er einen eleganten Köcher mir reichverzierten Pfeilen, sowie einen schlanken, graziösen Bogen. Seine weichen, wunderschönen Haare trug er offen und nach hinten frisiert, so dass man seine etwas seltsamen, aber absolut süßen spitzen Ohren sah. Seine Gesichtszüge hatten etwas gebieterisches, fast königliches und weises an sich. Alles in allem, er sah besser aus als Johnny Depp, Mel Gibson, Orlando Bloom und was-weiß-ich-noch-wer zusammen.
Während ich beobachtete, wie die neunköpfige Gruppe näher kam, fragte ich mich, warum ich einen so geilen Typen wie den blonden Schnuckel da noch nie in einer Disco oder so getroffen hatte. Aber seitdem ich ihn gesehen hatte, schien mir meine Lage nicht mehr ganz so trostlos.
‚Ich weiß zwar nicht, wo ich bin und wie ich wieder heimkommen soll, aber immerhin kommt da vorne gerade Mr. Universum auf mich zu' dachte ich.
Als die Fremden nur noch einige Meter weg waren, stand ich auf und rief, dem Drang mich dem blonden Gott an den Hals zu werfen, widerstehend:
„Hey Leute! Könnt ihr mir vielleicht sagen, wie ich zur nächsten Stadt oder wenigstens zur nächsten größeren Straße komme? Ich hab' mich hoffnungslos verirrt!"
Sie hielten an und sahen mich erstaunt an. Der alte Mann, der eine Art Anführer zu sein schien, antwortete:
„Wer seid Ihr und was macht Ihr ganz allein und offensichtlich unbewaffnet in dieser Gegend?"
„Ähm, ich heiße Elena und ... ich war ja eigentlich nicht allein. Ich ... hatte eine äh ... Eskorte! Nur ... wir ... sind überfallen worden, ähm ... heute morgen. Nur ich habe mich äh, retten können" versuchte ich, eine Erklärung für mein Hier sein zu finden, während mir ein Stein vom Herzen fiel. Immerhin konnte ich sie problemlos verstehen; das hätte ja gerade noch gefehlt, wenn wir uns nicht verstanden hätten.
„Und warum seid Ihr so seltsam gekleidet?" warf der hellhaarige Krieger ein.
Ups, mir fiel ein, wie ich auf diese fast schon mittelalterlich gekleideten Typen wirken musste, mit meinen Cowboystiefeln, Blue Jeans, grünem Pulli und knielangen schwarzen Ledermantel, ganz zu schweigen von meinem violetten Eastpack, der neben mir am Boden lag. Na zum Glück fiel ich von der Größe her mit meinen 1,75 Metern nicht besonders auf, wenigstens etwas. Und meine roten Haare waren glücklicherweise auch nicht ganz so besonders, hoffte ich jedenfalls. Von den anderen hatte zwar keiner direkt rote Haare, aber wenigstens hatten sie nicht alle die gleiche Haarfarbe, das hätte eventuell Ärger geben können.
„Öhm ... na ja, da wo ich herkomme' trägt man so was halt." Lahme Antwort.
„Und wo soll das sein?" bohrte der Hellhaarige nach.
„Äh ... in Bayern" antwortete ich.
Gerade als de Skeptiker wieder etwas sagen wollte, unterbrach ihn der Alte mit dem spitzen Hut:
„Ihr habt also eure Eskorte verloren. Wohin wart Ihr denn unterwegs?"
Oh, shit. Jetzt war guter Rat teuer. Ein Königreich für eine gute Idee!
„Ich ... war auf dem Weg nach Hause zurück, nach Regensburg," improvisierte ich eher schlecht als recht.
„Woher wissen wir, dass sie kein Spitzel oder so ist? Sie sieht ja wirklich seltsam aus. Und ist ganz allein unterwegs, wofür sie nur eine fadenscheinige Erklärung hat!" warf der „Ritter" ein. Bevor der Grauhaarige antworten konnte, fuhr ich den Krieger an:
„Hallo, du brauchst nicht über mich zu reden, als ob ich nicht da wäre! Ich bin nicht taub! So was ist extrem unhöflich, hat dir das noch nie jemand gesagt? Außerdem bin ich kein 'Spitzel oder so'! Ich wüsste ja gar nicht von wem ich ein Spitzel sein sollte, vielleicht von der CIA?"
Erstaunt sahen sie mich an. Der blonde Traumtyp grinste, ebenso der dunkelhaarige Krieger mit der königlichen Ausstrahlung. Auch der alte Mann lacht und meinte: „Nun, ich glaube nicht, dass Ihr ein Spitzel seid. Ihr seid höchstens zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber der Weg zur nächsten Siedlung ist viele Tagesmärsche lang und führt durch gefährliche Gebiete. Es ist nicht ratsam in dieser Gegend allein herum zu wandern."
„Warum nehmen wir sie nicht mit nach Moria?" meldete sich plötzlich der Zwerg zu Wort. „Mein Cousin Balin würde sie bestimmt willkommen heißen und ihr eine Eskorte geben, die sie dort hinbringt, wo sie hin will."
Doch der Graugekleidete widersprach: „Moria ist zu gefährlich. Wir wissen nicht was uns in den Mienen erwartet."
„Oh, ich habe keine Angst. Moria klingt doch toll! Ich würde gerne mitkommen!" beeilte ich mich zu sagen, da ich mir keine Gelegenheit, den blonden Schnuckel-Typ genauer kennen zu lernen, entgehen lassen wollte. Außerdem hatte ich keine Lust, hier tagelang in der Wildnis herumzuirren. Ich hätte auch gar nicht genug zu Essen dabei. Doch mir hörte ja eh keiner zu.
Der Dunkelhaarige widersprach ebenfalls: „Ich weiß wie gefährlich es in Moria ist, wir können nicht noch jemanden mitnehmen, der uns eine Last ist."
„Hey, ich bin keine Last, ich kann sehr gut selbst auf mich aufpassen!" warf ich ein, doch niemand schien auf mich gehört zu haben.
„In Moria ist es sicherer als hier!" rief der Zwerg. „Mein Cousin Balin wird uns königlich empfangen!"
„Von Balin hat seit Jahren keiner mehr was gehört" stellte ‚Mister Spitz-Hut' fest. „Wer weiß, ob er überhaupt noch lebt."
Und so weiter. Sie stritten sich noch einige Zeit weiter, aber von dem was sie sagten, verstand ich nicht allzu viel; nur so viel, dass sie sich nicht einig waren. Ich stand eine Zeitlang genervt daneben, bis mir der Kragen platzte: „Hey! Ich bin auch noch da! Wie wär's, wenn ihr mich auch mal mit ins Gespräch einbezieht, um mich geht's ja eigentlich!"
Mit einem Schlag war alles ruhig und sie starten mich verblüfft an. Dann meldete sich der gutaussehende Blonde zu Wort: „Also, alleine hier lasen können wir sie nicht. Ich glaube auch nicht, dass sie eine allzu große Last ist."
Bei diesen Worten tat mein Herz einen Sprung. Er setzte sich für mich ein! Ich musste mich zusammenreißen, damit ich nicht wie ein Honigkuchenpferd grinste.
„Mm ... na gut, dann nehmen wir sie nach Moria mit" beschloss der Grauhaarige, „Obwohl ich der Meinung bin, dass uns in Moria etwas anderes erwartet, als wir glauben."
Er stellte mir alle vor: Der süße Typ hieß Legolas, was für ein geiler Name! Er passt zu ihm. Der alte war Gandalf, ein Zauberer. Die zwei Krieger hießen Aragorn (der dunkelhaarige) und Boromir. Gimli war der Zwerg und die Kinder, nein Hobbits hießen Frodo, Sam, Merry und Pippin.
Als wir uns aufmachten, um zu diesem Moria zu kommen, richtete ich es so ein, das ich neben Legolas ging.
Wir waren jetzt schon fast den ganzen Tag unterwegs. ‚Ich muss einfach irgendetwas sagen!' dachte ich. ‚na komm' schon, sag' einfach was. Irgendwas!' ich musste einfach eine Unterhaltung mit ihm anfangen, egal wie.
„Äh ... Tut mir leid, wenn ich zu aufdringlich bin, aber warum habt Ihr eigentlich spitze Ohren?"
Ung! ‚Warum habt Ihr eigentlich spitze Ohren?' Hilfe! Geistiger Tritt in den Arsch! Wie konnte ich nur! Hätte ich doch nur meine vorlaute Klappe gehalten! Doch er schien es mir nicht übel zu nehmen und sagte grinsend: „Nun, weil ich ein Elb bin. Habt Ihr noch nie einen Elben gesehen?"
„Nein, eigentlich nicht. Ich hab' auch noch nie 'nen Zwerg, Zauberer oder Hobbit gesehen. Ich hab' so was immer nur für Märchen gehalten."
„Jetzt wisst Ihr ja, dass es kein Märchen ist" meinte Legolas zwinkernd.
„Ja" antwortete ich mit einem verlegenen Grinsen. Ein peinliche Stille breitete sich aus, die zum Glück von Gandalf gebrochen wurde.
„Endlich sind wir da!" rief er und deutete nach vorne, wo man eine tiefe und enge Schlucht sehen konnte, die lehr und still war. Man konnte kaum das Plätschern des Wassers, das zwischen den braun-roten Steinen des Flussbettes floss, hören. Auf unserer Seite war ein Pfad; der war zwar nicht mehr im besten Zustand, aber immerhin noch begehbar.
„Hier floss einst der Sirannon, der Torbach. Aber was mit dem Wasser passiert ist, weiß ich nicht. Er war größer und lauter. Kommt! Wir müssen uns beeilen. Es ist spät!" Mit diesen Worten machte sich Gandalf auf und ging den Pfad am Rande der Schlucht entlang, der schon bald zu einem See führte.
„Die Mauern Morias!" rief Gimli und deutete nach vorne, wo jenseits des dunklen, stillen Sees in dem kein Licht reflektiert wurde, große Klippen zu sehen waren. Kein Eingang und kein Tor war zu sehen. Vorsichtig gingen wir am Rande des Sees entlang, während im Westen die Sonne langsam unterging. Wir hielten an einer Stelle an, an der im Abstand von ca. fünf Meter zwei große Stechpalmen standen, das einzige lebendige an diesem tristen Ort. Ihre mächtigen Wurzeln reichten von der Mauer bis zum Wasser.
„Hier ist das West-Tor von Moria, wo einst die Elben-Straße von Eregion endete" bemerkte Gandalf. Er fuhr mit der Hand über den Stein.
„Ithildin -- es reflektiert nur Sternen- und Mondlicht."
Der Mond kam hinter einer Wolke hervor und das Tor leuchtete auf: Oben war ein Bogen zu sehen, in dem sich buchstabenähnliche Zeichen befanden. Der Bogen wurde von zwei Säulen getragen, an denen jeweils ein Baum hochwuchs. Unterhalb des Bogens war eine Krone mit sieben Sternen, die oberhalb eines Hammers und eines Ambosses lag. Und zwischen den zwei Bäumen befand sich ein einzelner Stern mit vielen Strahlen.
„Dort sind die Zeichen Durins!" rief Gimli aus.
„Und da ist der Baum der Hochelben!" rief Legolas.
„Und der Stern des Hauses von Feanor" bemerkte Gandalf, „dort steht ‚Ennyn Durin Aran Moria: pedo mellon a minno' was übersetzt soviel heißt wie ‚Die Tore Durins, des Herrn von Moria: sprich, Freund und tritt ein'."
„Was soll das heißen?" fragte Merry, einer der Hobbits.
„Oh, das ist einfach. Wenn man ein Freund ist, sagt man das Passwort und das Tor öffnet sich." Er ging einen Schritt zurück und hielt seinen Stab an die Felswand.
„Annon edhellen, edro hi ammen! Fennas nogothrim, lasto beth lammen!"
Tor der Elben, öffne dich jetzt für uns! Tür der Zwerge, höre das Wort meiner Stimme!
Nichts tat sich.
„Die Tür geht nicht auf" stellte Pippin, ein weiterer Hobbit, fest.
„Zwergen-Türen sind nur zu öffnen, wenn man ihr Geheimnis kennt. Ist es einmal vergessen, können sie nicht einmal ihre eigenen Herren öffnen" belehrte ihn Gimli.
„Warum nur überrascht mich das nicht?" murmelte Legolas.
„Was wollt Ihr jetzt machen?" bohrte der Hobbit nach.
„Ich werde mit Eurem Kopf gegen das Tor schlagen, Peregrin Took" erwiderte Gandalf genervt, „und wenn es davon nicht aufgeht, und ich ein bisschen Ruhe vor dummen Fragen habe, werde ich nachdenken und versuchen die richtigen Öffnungsworte zu finden!"
Währendessen nahm Aragorn dem Pony sein Geschirr ab und tröstete Sam, der sich um Bill Sorgen machte: „Macht Euch keine Sorgen Sam, er kennt den Weg nach Hause. Die Mienen sind kein Platz für ihn. – Bringt das Wasser nicht in Unruhe!" warnte er Pippin, als dieser gerade einen weiteren Stein ins Wasser werfen wollte.
Nach einiger Zeit wurde mir das alles zu dumm. Bisher hatte ich nur auf einem Stein gesessen und abgewartet, aber jetzt stand ich auf und ging Richtung Tor.
„Sagt mal, kennt denn keiner von euch das Spielchen ‚Sag', wen liebst du'?"
„Was hat denn das jetzt mit dem Öffnen des Tores zu tun?" fragte Gandalf erstaunt.
„Ächzt. ‚Sag' Freund und tritt ein'. Ist doch ganz einfach, man muss nur ‚Freund' sagen!"
Plötzlich schien Gandalf verstanden zu haben, er sah mich anerkennend an und rief: „Mellon!" Freund!
Knirschend öffneten sich die zwei Flügel des Tores. Wir gingen in die Dunkelheit hinein, während Gimli zu Schwärmen begann: „Bald, Herr Elb, werdet ihr die berühmte Gastfreundschaft der Zwerge kennen lernen! Brüllende Feuer, Malzbier, gut durchgebratenes Fleisch! Dies mein Freund, ist das Heim meines Cousin Balins. Und sie nennen es eine Miene! Eine Miene!"
Inzwischen hatte Gandalf die Spitze seines Stabes zum Leuchten gebracht und erhellte den Gang.
Igitt! Überall waren halb vergammelte Zwergen-Leichen zu sehen. Jedenfalls nahm ich an, dass es Zwergen-Leichen waren, die Verwesung war ja schon ziemlich weit fortgeschritten und es sah eklig und etwas gruselig aus, ich kam mir fast vor wie in einen Vincent-Price-Film.
„Das ist keine Miene, das ist ein Grab!" flüsterte Boromir entsetzt.
Gimli schrie auf und alle wichen zurück, als Sam, nein Frodo plötzlich aufschrie und zu Boden stürzte.
Aus dem Wasser war ein langer, gewundener Tentakel gekrochen, der grünlich und nass war. Mit den Enden, an denen so etwas wie Finger saßen, hatte er Frodos Knöchel gepackt und zog ihn in Richtung See. Sam schrie um Hilfe und hackte mit seinem Schwert auf den Tentakel ein.
Plötzlich schossen ca. 20 weitere Arme aus dem Wasser heraus und der ‚Kopf' eines seltsamen und grauenvollen Wesens erschien. Ich war vor Angst wie gelähmt und drückte mich an die Wand, in der Hoffnung unsichtbar zu werden, während die anderen Frodo zu Hilfe eilten und die Kreatur attackierten. Lieber tote Zwerge als eine lebende Krake! Scheiße! Wo bin ich hier nur reingeraten! Erst lauter Leichen, jetzt dieses Monster! Was kommt als nächstes? Ich konnte gar nicht hinsehen. Doch Aragorn, Legolas und Boromir schienen nicht zum ersten mal in einer solchen Situation zu sein und konnten es anscheinend mit dem Ungetüm aufnehmen.
Als die anderen Frodo aus dem Griff der Bestie befreit hatten, rannten sie in die Miene, verfolgt von den Tentakeln, die versuchten sie aufzuhalten. Die Arme rissen die Torflügel heraus und mit einem fürchterlichen Krachen stürzte der gesamte Eingang ein.
Jetzt herrschte totale Dunkelheit, doch dann zündete Gandalf seinen Stab wieder an und erhellte die Miene.
„Wir haben jetzt nur noch eine Möglichkeit. Wir müssen uns der langen Dunkelheit von Moria stellen."
