Kapitel 2 – Zeitreise
„Dr. Plage, natürlich", sagte Gi, als sie ihr Flugzeug entdeckten.
„Dann lasst uns mal sehen, was sie jetzt wieder ausheckt", erwiderte Wheeler und sprang aus dem Shuttle, kaum dass Kwame es gelandet hatte.
Sie liefen zum Flugzeug hinüber und Wheeler brannte ohne Probleme ein Loch in die Wand.
Sie waren kaum eingestiegen, als MEL's Alarm losging.
„Wen haben wir denn da? Die Planetenpest", erwiderte Plage grinsend, als sie durch eine Tür eintrat.„Na, na. Keine Mätzchen!" Sie richtete eine Laserkanone auf die fünf, als sie ihre Ringhände hoben.
„Was haben Sie jetzt wieder vor Plage?" fragte Wheeler knurrend.
„Ich werde ein wenig die Zeit verändern. Die Welt wird schon am Ende sein, bevor ihr überhaupt geboren werdet," erwiderte sie lachend.„Und diesmal werdet ihr mich nicht aufhalten. MEL Liebling!"
„Bin schon da Dr.", ertönte eine vertraute Computerstimme und sein Gesicht erschien auf dem Bildschirm des Computers. Nur Sekunden später fanden die fünf Freunde sich mit einem Laserstrahl gefesselt wieder, die Arme an ihre Körper gepresst.
„Ihr könnt nicht entkommen, also versucht es gar nicht erst. Ein paar letzte Einstellungen und ihr werdet die Welt dort draußen nicht mehr wieder erkennen, wenn ich zurück bin." Erneut lachte sie, bevor sie durch die Tür verschwand und auch MEL's Bildschirm wurde dunkel.
„Ich fass es nicht. Sie hat uns noch nie so schnell überwältigt", sagte Ma-Ti fassungslos.
„Und all unsere Bemühungen werden bald umsonst gewesen sein", seufzte Gi.
„Wir können nicht mal unsere Kräfte vereinen, so wie unsere Hände gefesselt sind", stellte Kwame nun fest.
„Vielleicht doch", erwiderte Wheeler, nachdem er das Innere des Flugzeugs gründlich begutachtet hatte.„Die Wände sind alle gewölbt und verchromt. Wir könnten versuchen unsere Kräfte von den Wänden abzuleiten und sie über uns zusammentreffen zu lassen."
„Also dann los. Lasst uns unsere Kräfte vereinen. Erde!"
„Feuer!"
„Wind!"
„Wasser!"
„Liebe!"
Schnell hatte jeder den für sich richtigen Winkel gefunden.
„Durch eure vereinten Kräfte bin ich Captain Planet! Ich wusste ja schon immer, dass ich eine fesselnde Persönlichkeit bin, aber meint ihr nicht ihr übertreibt etwas?!" fragte der Captain, als er mit einem schnellen Ruck die Laserfessel auseinander riss.„Und jetzt werde ich unserer Frau Doktor mal einen Besuch abstatten." Ohne große Umwege, sprengte er ein Loch in die Wand und stellte sich zwischen ihr und dem Tor in den Weg.
„Aww, wie habt ihr das wieder geschafft?! MEL!" schrie sie aufgebracht.
Sofort begann MEL wild Laserstrahlen auf den Captain zu feuern, die ihn soweit ablenkten, dass Plage den Versuch starten wollte durch das Tor zu verschwinden.
Lenka sah es und reagierte sofort. Sie lief zu ihr und stieß sie beiseite, aber Plage versetzte ihr einen Stoß, der sie am Tor straucheln ließ. Sie wäre beinahe hindurch gefallen, wenn Wheeler nicht ihren Arm zu fassen bekommen und sie an sich gezogen hätte. Plages verschlagenes Grinsen sahen sie nicht, als ihr eine neue Idee kam. Sofort sprang sie vor und versetzte Wheeler einen Stoß in den Rücken. Sie strauchelten und fielen. Kwame sprang hinzu, aber es war zu spät. Er bekam sie nicht mehr zu fassen, verlor selbst das Gleichgewicht und folgte ihnen durch das Tor.
Gi und Ma-Ti sahen entsetzt auf das Tor. Der Captain war immer noch so mit MEL beschäftigt, dass er das Verschwinden der drei nicht bemerkt hatte, genauso wie Plages Lachanfall jetzt.
„Ohne die Fernbedienung werden eure Freunde nie wieder zurückkommen können. Das Tor schließt sich bereits. Nicht ganz, was ich wollte, aber besser wie nichts", wandte sie sich lachend an die zwei letzten Planetenretter.
„Dann werden wir sie ihnen halt bringen", zischte Gi böse und riss Plage die Bedienung aus der Hand, als sie an ihr vorbei lief, um dann durch's Tor zu springen.
Ma-Ti seufzte kurz, ehe er hinterher sprang. Der Captain hatte MEL mittlerweile im Griff, mit Plage würde er spielend allein fertig werden.
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„Aww, was war das denn?" stöhnte Wheeler, als er sich aufrappelte.
„Gute Frage, aber eine bessere wäre: Wo sind wir hier?" erwiderte Kwame und sah sich um.
Sie befanden sich mitten in einem Wald und fanden keine Spur von irgendwelchem Leben.
„Lasst uns in irgendeine Richtung gehen. Irgendwann müssen wir ja ein Dorf finden", schlug Ma-Ti vor und die anderen stimmten ihm zu, bevor sie sich auf den Weg machten.
Sie durchquerten den Wald und liefen über Wiesen. Stunden vergingen so, doch schließlich erreichten sie ein Dorf.
„Wer seid ihr, Fremde?" fragte ein großgewachsener Mann, der auf sie zukam, kaum, dass sie das Dorf betreten hatten. Ihm folgte eine Schar Männer, die sie genauso misstrauisch ansahen, wie der erste.
„Wir sind nur auf der Durchreise und wollen niemandem etwas böses", sagte Kwame freundlich.„Könnt ihr uns sagen, wo wir hier sind?"
„Was?" fragte der Anführer verwirrt und sah seine Kameraden verwirrt an.„Wie kommt es, dass ihr nicht wisst wo ihr seid?!"
„Wir sind gefangen und hier her gebracht worden, als wir unsere Wächter überwältigen und fliehen konnten", sagte Wheeler. Es schien ihm die beste Ausrede, die sie vorbringen konnten.
„Die Römer?!" stellte der Hüne fest und nickte knurrend.„Wir haben ja schon oft gehört, dass sie die ganze Welt einnehmen wollen und auch von den unterschiedlichen Menschen, die sie zu unterwerfen versuchen, aber ihr scheint zu beweisen, dass es keine Märchen sind. Ihr seid in Germanien. Im Land der Cherusker."
„Cherusker?!" fragte Ma-Ti verwirrt.
„Das sind wir. Das ist der Name unseres Volksstammes", sagte der Hüne und klopfte sich auf die Brust.„Mein Name ist Segimer und ich bin der Stammesführer. Folgt mir. In meinem Haus können wir ungestört reden."
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„Was glaubt ihr, in welcher Zeit wir sind?" fragte Ma-Ti, als sie die Hütte des Stammesführers verlassen hatten und auf dem Weg zum Stall waren.
„Keine Ahnung", erwiderte Kwame.„Aber es muss sehr früh sein, wenn die Römer noch dabei sind die Welt einzunehmen."
„Um genau zu sein, müssten wir im Jahr 9 n. Chr. sein", wandte Wheeler ein.
„Und wie kommst du darauf, Yankee?!"
„Der große Meister da drin", sagte er und deutete auf die Hütte hinter ihnen.„hat uns von seinem Sohn Arminius erzählt und von seinem geplanten Aufstand gegen die Römer, erinnert ihr euch?!"
„Ja, er sagte etwas davon, dass er ihn erwarte, um in den nächsten Tagen den Römern eine herbe Niederlage zu bescheren", erinnerte sich Gi an das Gespräch.
„Genau, Arminius wird den Statthalter Varus und seine Truppen in einen Hinterhalt locken und sie besiegen. Das ist die sogenannte Varusschlacht und die war im Jahr 9 n. Chr."
„Gut und schön, aber woher weißt ausgerechnet du davon?" fragte Lenka neugierig.
„Uhm, ich hab's mal im Fernsehen gesehen, glaube ich."
„Natürlich."
„Jetzt wissen wir zumindest schon mal wo wir sind, aber wie kommen wir hier wieder weg?" fragte Ma-Ti dann.
„Ich denke mal mit dem Ding hier", erwiderte Gi und holte Plages Fernbedienung aus der Tasche.
„Du hast die Fernbedienung?" fragte Kwame überrascht.„Wie funktioniert sie?"
„Woher soll ich das wissen?! Ich hatte leider keine Zeit mehr Dr. Plage zu bitten es mir zu erklären, als ich sie mir geschnappt habe", schnappte sie.
„Schon gut", sagte Kwame beschwichtigend.
„Da sind so viele Zahlen in den Displays, was sie wohl bedeuten?" murmelte Wheeler, als Lenka neben ihm Gi die Bedienung aus der Hand nahm.
„Das hier oben könnte eine Art Koordinaten sein, vielleicht für die Zeit. Diese hier läuft rückwärts. Ich würde behaupten, dass wir noch etwas mehr als 35 Stunden in dieser Zeit haben."
„Und was dann?" fragte Kwame.
„Also ehrlich Kwame, was ist heute los mit dir? Du stellst eine dumme Frage nach der anderen. Vielleicht sollten wir dich ab jetzt Wheeler nennen", zischte Gi.
„Hey", beschwerten sich Wheeler und Kwame gleichzeitig.
„Bleibt ruhig. Wenn die Zeit abgelaufen ist wird sich vielleicht ein neues Tor öffnen und wir reisen in die nächste", vermutete Lenka laut und Gi nickte.
„Das ist ja wie in Sliders", stellte Wheeler fest und alle sahen ihn überrascht an.„Eine Serie aus den 90ern. Da hatten die auch so eine Fernbedienung und sind damit durch Parallel-Welten gereist. Nur hier scheint es die Zeit zu sein."
„Sieht so aus, als ob du und Plage die selbe Vorliebe für verrückte Serien habt", stellte Ma-Ti grinsend fest.
„So lange das alles ist, was wir gemeinsam haben", erwiderte er.„Also brauchen wir nur die Koordinaten zu ändern und in unsere Zeit zurückzukehren?!"
„Hey Kwame, Wheeler ist wieder der Alte", wandte Gi grinsend ein und Kwame schnaubte nur zur Antwort.
„Ja klar, Yankee. Kennst du denn die richtigen?"
„Okay, okay, Punkt für dich. Was ist mit der Zeit? Können wir sie verkürzen?" fragte er und Lenka begann es auszuprobieren.
„Nein, sieht nicht so aus."
„Also bleibt uns keine Wahl, als so lange weiter zu reisen, bis wir irgendwann in unsere Zeit zurückkommen", stellte Kwame fest.„Na dann kommt, lasst uns schlafen gehen. Wer weiß, was wir noch alles erleben werden", sagte er dann und hielt ihnen die Tür zum Stall auf.
„Ich glaube es nicht, dass wir in einem Stall schlafen müssen," brummelte Wheeler dann, als er sich auf seinem Heulager in eine bequeme Stellung wälzte, doch überall piekte es ihn, egal wie er lag.
„Bleib cool, Wheeler. Vielleicht haben wir morgen mehr Glück und finden auch Arbeit und einen besseren Platz zum Schlafen," sagte Kwame nun.
Wheeler knurrte noch einmal missgelaunt:„Wenn wir wieder zu Hause sind, erinnert mich daran dass ich Dr. Plage auf eine Zeitreise ohne Rückflug schicke."
„Sieh doch mal den Vorteil darin Yankee. Du bist doch anscheinend so historisch interessiert. Du kannst einiges aus erster Quelle erfahren." Lenka wandte sich ihm nun zu und sah ein Lächeln auf seinem Gesicht.
„Vor allem kann ich sagen, dass ich eine Nacht mit dir im Heu verbracht hab," erwiderte er grinsend, zwinkerte schelmisch als er etwas näher zu ihr rutschte und eine Hand auf ihre Hüfte legte.
Zu seiner Überraschung blockte sie ihn nicht ab, sondern verdrehte nur kurz lächelnd die Augen, ehe sie sie schloss und so tat er es ihr mit einem Lächeln nach.
