Titel: das blaue Licht

Fandom: Sherlock (BBC)

Autor: lorelei_lee1968 (Lorelei Lee)

Charas: Sherlock Holmes, Jim Moriarty, Sebastian Moran, John Watson

Disclaimer: Mir gehört gar nichts. Ich verdiene nichts daran und mache das nur zum Spaß. Sherlock Holmes gehört Sir Arthur Conan Doyle. Sherlock-BBC gehört der BBC und Moffat und Gatiss.


Hier noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache... Was die Einordnung als Slash angeht... es wird hier kein wirkliches Slash-Pairing geben. Ich möchte euch da nicht irreführen. Aber diese Fanfic hat durchaus erotische, bzw. sexuelle Untertöne (und die sind hier ausschließlich slashiger Natur), bzw. Pre-Slash – aber nichts, was ein „erwachsenes" Rating rechtfertigen würde.

Hingegen sind die Beschreibungen von Moriartys „Spielen" durchaus nur für mündige Leser geeignet.

Daher war ich hier, was Rating und Kategorisierung angeht, etwas in einem Gewissenskonflikt. Wie gesagt – ich wollte niemanden irreführen.


Das blaue Licht

(Teil 2)

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John Watson betrat nach einer langen Schicht in der Klinik, gefolgt von einer nervenaufreibenden Einkaufstour um die Lebensmittelvorräte aufzustocken, die Wohnung in der Baker Street. Als er – schwer bepackt mit 3 randvollen Einkaufstüten – die Küche betrat, fand er Sherlock in genau der gleichen Haltung vor, in der er ihn am Morgen verlassen hatte.

Der Detektiv kauerte in nicht sehr rückenfreundlicher Haltung auf einem Stuhl vor dem Küchentisch, auf dem seine vielfältigen, undurchschaubaren Experimente angeordnet waren und blickte angestrengt durch ein Mikroskop.

Johns Schritte mussten ihn verraten haben, denn kaum hatte er die Einkaufstüten auf einem freien Fleckchen der Arbeitsplatte abgestellt, richtete Sherlock – natürlich ohne aufzublicken – das Wort an ihn.

„John, ich habe Sie vor zwei Stunden gefragt, ob Sie bereits mit einem Fall von Lepra zu tun hatten." In Sherlocks Tonfall hatte ein leichter Vorwurf mitgeklungen und John hatte bereits Luft geholt um ihm gehörig seine Meinung zu sagen, als er sich eines Besseren besann. Sich über Sherlocks Gedankenlosigkeit zu erregen hatte noch nie zum Erfolg geführt.

„Und?", fragte er stattdessen höchst interessiert. „Habe ich geantwortet?"

Diese Antwort schien Sherlock genug aus dem Konzept zu bringen, um ihn sein Experiment für einen Moment sich selbst zu überlassen. John konnte beobachten, wie sich Sherlocks Stirn runzelte und er schließlich mit einem irritierten Gesichtsausdruck von seinem Mikroskop aufsah.

„Nein", antwortete Sherlock. „Das haben Sie nicht. Was..." Sein Blick fiel auf die Einkaufstüten. „Oh, Sie waren einkaufen. Warum haben Sie nichts gesagt? Sie hätten etwas für mich besorgen können." Der leicht vorwurfsvolle Tonfall wurde nun von einem schmollenden Blick begleitet, den ein König, dessen Huld von einem Bürgerlichen nicht angemessen gewürdigt wurde, nicht besser hätte ausführen können.

John rieb sich mit einem Finger kurz an der Nase entlang, um seine beginnenden Kopfschmerzen im Zaum zu halten, und verschränkte dann die Arme vor der Brust.

„Ich habe Ihnen gesagt, dass ich einkaufen gehe. Und zwar heute morgen, als ich aus dem Haus bin um zu arbeiten. Die Stromrechnung müsste nämlich dringend bezahlt werden." Doch diese Spitze hätte er sich sparen können, denn wie üblich hörte Sherlock nur das, was er hören wollte und davon auch nur die Hälfte.

„Heute morgen?" Eine wegwerfende Handbewegung begleitete diese Äußerung. „Was glauben Sie, was ich seit heute morgen bereits alles..."

„Jaja – bahnbrechende Erkenntnisse", unterbrach ihn John. „Schon klar. Interessiert mich im Moment aber nicht. Was mich wirklich interessiert ist folgendes: Ist der Kühlschrank für Lebensmittel geeignet?"

Sherlocks Blick wandelte sich von irritiert zu verwirrt.

„Lebensmittel?"

John stöhnte leise.

„Ja, Lebensmittel", wiederholte er. „Das Zeug, das normale Sterbliche zu sich nehmen müssen um am Leben zu bleiben und halbwegs zu funktionieren. Oder, um es auch für Sie verständlich zu machen: das ich zu mir nehmen muss um weiterhin hinter Ihnen her zu rennen und mit schussbereitem Revolver darauf zu achten, dass Sie sich nicht aus Versehen selbst umbringen. Oder umbringen lassen. Also. Ich frage nochmal: Ist der Kühlschrank für Lebensmittel geeignet?"

Sherlock rutschte ein klein wenig auf seinem Stuhl herum.

„Naja...", machte er nur und John rechnete mit dem Schlimmsten.

„Mo-ment!", rief er energisch aus. „Was war das vorhin mit Lepra? Haben Sie... Sie haben doch wohl nicht... LEPRA! IN UNSEREM KÜHLSCHRANK!?"

„Nein, nein..." Sherlock hob die Hände in einer abwehrend-begütigenden Geste. „Das war nur eine rein hypothetische... naja... fast hypothetische Frage... Die Objekte im Kühlschrank sind völlig einwandfrei."

„Wie einwandfrei?!", fragte John streng.

„Zumindest nicht leprös", erwiderte Sherlock schuldbewusst und dennoch trotzig.

John schloss seine Augen und rieb mit Daumen und Zeigefinger über seine Nasenwurzel. Da waren sie wieder – seine Kopfschmerzen.

„Ein schwacher Trost", meinte er trocken. „Solange es nicht wieder Augäpfel oder Finger sind...", murmelte er und ging zum Kühlschrank. „Es sind doch nicht Augäpfel oder Finger?", fragte er Sherlock, was dieser verneinte. Als John jedoch die Kühlschranktür öffnete, musste er einen verärgerten Aufschrei unterdrücken. Er schlug die Tür wieder zu und drehte sich zu Sherlock um, der ihn betreten musterte.

„Sie haben gesagt es sind weder Augäpfel NOCH Finger!", fauchte er wütend.

„Das stimmt ja auch", verteidigte sich Sherlock. „Es sind Augäpfel UND Finger. Was kann ich dafür, wenn Sie so unpräzise Fragen stellen!"

John zählte im Stillen bis zehn und versuchte tief in den Bauch zu atmen. Er kam jedoch nur bis sieben.

„Sherlock – in zehn Minuten ist dieser Kühlschrank benutzbar. Und wenn ich sage benutzbar, dann meine damit, dass die darin gelagerten Körperteile entweder verschwunden sind oder zumindest in einem luftdicht verschlossenen Behälter aufbewahrt werden. Desweiteren werden Sie den Kühlschrank nicht nur putzen, sondern auch desinfizieren. Ist. Das. Klar!?"

Sherlock verdrehte die Augen.

„Ich mache es nachher", versprach er leichthin.

„Nein!", fauchte John. „Jetzt. Sofort. Auf der Stelle. Augenblicklich."

Ein spöttischer Blick traf ihn.

„Warum sollte ich?"

„Weil ich das hier..." John griff in eine der Einkaufstüten und holte eine kleine Schachtel hervor, „für Sie besorgt habe."

„Nikotinpflaster! Endlich!", rief Sherlock gierig aus und sprang von seinem Stuhl auf.

Doch John war vorbereitet. Er hielt die Schachtel am ausgestreckten Arm über seinen Kopf.

„Nicht so hastig. Erst der Kühlschrank."

„John, das ist doch kindisch."

„Möglich", räumte John ein, hielt die Schachtel aber weiterhin in die Höhe.

„Nein...", Sherlock schüttelte den Kopf. „Wirklich kindisch." Er streckte seinen Arm direkt neben Johns Arm in die Höhe, wobei er diesen um einiges überragte, machte jedoch keine Anstalten, ihm die Nikotinpflaster zu entwinden.

John spürte, wie eine verräterische Hitze in seine Wangen stieg und er senkte seinen Arm wieder.

„Hier", murmelte er grimmig und drückte seinem Freund die Schachtel gegen die Brust, der sie mit einem überlegenen Lächeln entgegen nahm. „Aber der Kühlschrank wird geputzt – und zwar noch heute!"

„Jaja", erwiderte Sherlock geistesabwesend und musterte die Schachtel. „Das ist nicht meine übliche Marke."

„Ich weiß", seufzte John und machte sich daran, alle verpackten Lebensmittel in den Kühlschrank einzuräumen. „Die, die Sie sonst hatten, gibt es nicht mehr. Wird nicht mehr hergestellt. Die Firma ging pleite oder wurde aufgekauft oder so was in der Art. Aber die hier haben die identischen Wirkstoffe", informierte ihn John.

Sherlock hatte die Verpackung mittlerweile geöffnet und unterzog nun die Pflaster selbst einer genauen Überprüfung. Dann zuckte er die Schultern.

„Na schön", meinte er, rollte seinen Hemdärmel auf und klebte sich zwei Pflaster auf den Unterarm. Für einen Moment schloss er die Augen und atmete genießerisch ein und aus.

„Zwei Dinge", meldete sich John vom Kühlschrank her zu Wort. „Erstens: könnten Sie in meiner Gegenwart dieses orgiastische Stöhnen unterlassen? Und zweitens: wollen Sie nicht vielleicht den Beipackzettel lesen?"

„Wozu sollte ich?", murmelte Sherlock mit leicht entrücktem Gesichtsausdruck. „Sie haben mir versichert, dass diese Pflaster die gleichen Wirkstoffe beinhalten. Sie sind mein Arzt. Ich vertraue Ihnen."

„Sherlock..." John drehte sich zu dem anderen Mann um, um seine Bedenken über dessen Verhalten kundzutun, nur um festzustellen, dass Sherlock bereits auf dem Sofa im Wohnzimmer lag und unter halb gesenkten Augenlidern hervor an die Wand starrte. Er seufzte und murmelte verdrossen: „Warum immer ich?"

Die Schachtel lag auf dem Küchentisch, John griff danach, fummelte den Beipackzettel heraus, entfaltete und überflog ihn.

„Weil du ein guter Mensch bist, John", sagte er zu sich selbst und las die Nebenwirkungen etwas aufmerksamer als den Rest.

Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Herzrasen, Ängstlichkeit... gelegentlich Schlafstörungen, Alpträume, Benommenheit, Migräne, Muskelzuckungen... sehrselten Muskelschmerzen, Schweißausbrüche, Schmerzen in der Brust, Krämpfe... bei Überdosierung Übelkeit, Erbrechen, kalter Schweiß, Blutdruck- und Temperaturabfall, Atemnot, Hör- und Sehstörungen, schwacher und unregelmäßiger Puls sowie Krämpfe.

John reagierte auf diese Aufzählung gelassen. Es handelte sich mehr oder weniger um das Übliche.

Danach versuchte er vergeblich, den Beipackzettel wieder zu seiner Ursprungsform zusammenzufalten, gab es schließlich auf, faltete ihn aufs Geratewohl und stopfte ihn mit Gewalt wieder in die Schachtel zurück.

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Es war tiefste Nacht, als Sebastian Moran an der Fassade der Baker Street 221 B emporkletterte. Obwohl er einen Rucksack auf dem Rücken trug, behinderte ihn dieser nicht. Geschickt nutzte er Regenrohr und Fensterbretter für sein Fortkommen. Lautlos wie ein Schatten bewegte er sich bis zu seinem Ziel: ein bestimmtes Fenster im ersten Stock, hinter dem Sherlock Holmes' Schlafzimmer lag.

Für diese Mission hatte er wochenlang trainiert, die örtlichen Gegebenheiten genauestens ausgekundschaftet und sie sich bis ins letzte Detail eingeprägt. Sein Verstand, seine Sinne und sein Körper arbeiteten wie ein ein perfekt abgestimmtes Uhrwerk.

Bislang hatte er sich keine Sorgen gemacht, dass er entdeckt werden könnte. Seine Kleidung war so grau wie die mondlose Nacht, Haare und Gesicht lagen unter einer Strumpfmaske aus derselben Farbe verborgen. Erst jetzt, da er die erste Etappe seiner Mission fast vollendet hatte, wurde es schwierig.

Dieses Fenster zu öffnen, ohne ein Geräusch zu verursachen, war auch für ihn eine echte Herausforderung. Behutsam sprühte er den Rahmen rundherum mit Kriechöl ein und wartete einen Moment, bevor er vorsichtig eines seiner Spezialwerkzeuge zur Hilfe nahm und das Fenster mit einem leisen Klicken öffnete – ein Klicken, welches in der Stille der Nacht und für seine geschärften Sinne dennoch wie ein Pistolenschuss klang.

Er regulierte seinen Atmung, wie er es in der Armee gelernt hatte. Lauschte in die Dunkelheit. Wartete. Doch nichts geschah. Die Mission konnte wie geplant weitergeführt werden.

Sebastian schob das Fenster nur einen winzigen Spalt auf, entnahm einer luftdicht verschlossenen Kapsel eine kleine Kugel aus porösem Material, welche in der Nachtluft begann, einen dunstigen Nebel abzusondern und schnippte diese durch den Fensterspalt in das Zimmer hinein.

Dann verharrte er etwas über eine Minute reglos auf der Fensterbank und wartete, dass die kleine Kugel aus Betäubungsmittel – (welche mit Sauerstoff reagierte)sich rückstandslos zersetzte und darüber hinaus völlig geruchlos war – ihre Arbeit getan hatte.

Ohne seinen Rucksack abzusetzen zog er aus einer der Außentaschen eine Gasmaske und zog sie sich über den Kopf. Dann stieß er das Fenster weit auf, schwang die Beine über das Fensterbrett ins Zimmer hinein und glitt zu Boden.

Die dunkle, unförmige Erhebung unter der Bettdecke zu lokalisieren war einfach, die zweite Dosis Betäubungsmittel durch eine nadelfreie jet injection in den Unterarm des Zielobjekts zu injizieren ein Kinderspiel.

Auf Zehenspitzen schlich Sebastian nun ins angrenzende Badezimmer. Sein Boss hatte ihn vor Beginn dieser Operation ausdrücklich daraufhin gewiesen, sich gründlich zu duschen und die Haare zu waschen, jedoch keine parfümierte Seife oder Deodorant zu benutzen. Die Zielperson schien im Stande zu sein, selbst noch Stunden später fremde Gerüche in Räumen wahrzunehmen. Sebastian hatte sich gefügt und war nun dabei, einen weiteren von Moriartys Befehle durchzuführen. Er sollte herausfinden, welches Deodorant, welches Rasierwasser und welche anderen Reinigungs- und Pflegeprodukte Holmes benutzte, damit er diese bei den folgenden Operationen ebenfalls würde verwenden können, ohne eine fremde Duftmarke zu hinterlassen.

Sebastian hielt dies für übertrieben, aber Befehl war Befehl. Gewissenhaft speicherte er in seinem Gedächtnis jedes Pflegeprodukt ab, welches der Zielperson gehören könnten. Als das erledigt war, kehrte er in das Schlafzimmer zurück. Dort schnallte er sich den Rucksack vom Rücken, den er die ganze Zeit mit sich herumgetragen hatte und entnahm diesem ein weiteres Hilfsmittel.

Es handelte sich um eine absolute Neuentwicklung des US-amerikanischen Militärs: eine ultra-leichte und dennoch extrem belastbare Teleskopleiter, die sich auf weniger als einen Meter zusammenschieben ließ und die ohne jedes störende Klick-Geräusch auf- und abzubauen war. Sebastian kümmerte es wenig, auf welchen Wegen es seinem Boss gelungen war, Hand an diese Leiter zu legen und fing an, sie aufzubauen und vorsichtig aus dem Fenster in den Hof abzulassen. Beide Enden der Leiter waren mit dickem Filz gepolstert – eine Ergänzung, auf die Moriarty bestanden hatte und um die sich Sebastian selbst gekümmert hatte. Auch diese Vorsichtsmaßnahme hielt Sebastian insgeheim für etwas übertrieben paranoid, denn er konnte sich nicht vorstellen, dass die Zielperson in der Lage sein sollte, aus minimalen Abschürfungen an Hauswand und Fensterrahmen Rückschlüsse auf eine Leiter zu ziehen. Allerdings hatte ihm die Vorsichtsmaßnahme, die Leiter für seinen ersten Aufstieg nicht zu benutzen, vollkommen eingeleuchtet. Die Leiter würde zu lange an der Hauswand verbleiben müssen und die Gefahr der Entdeckung würde dadurch überproportional ansteigen.

Als die Leiter einen seiner Zufriedenheit entsprechend sicheren Stand gefunden hatte, ging er zurück zum Bett, warf die Bettdecke zurück und legte sich den reglosen Körper mit wenigen, geschickten Handgriffen über die Schulter.

Mit seiner kostbaren Last trat er seinen Rückweg an. Dies war nicht ganz unproblematisch, aber für ihn als ehemaligen Elitesoldaten durchaus zu bewältigen. Die Leiter hielt, was sie versprach und die Zielperson erwies sich als ausgesprochenes Leichtgewicht. Unten angelangt, reduzierte er mit wenigen Handgriffen – die er bis zum Erbrechen hatte üben müssen, und ohne den betäubten Körper abzusetzen – die Leiter auf ihre Transportgröße und klemmte sie sich unter seinen freien Arm. Ungesehen machte er sich über die Hinterhöfe davon, bis er wieder auf das unauffällige Auto mit dem gefälschten Nummernschild traf, welches er früher am Abend dort abgestellt hatte.

Mit ruhiger Sicherheit bettete er den immer noch bewusstlosen Körper auf die Rückbank, setzte sich hinter das Lenkrad, startete den Wagen und fuhr los.

Sein Boss wartete sicher schon sehnsüchtig auf seinen Spielkameraden.

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Fortsetzung folgt…

Ein paar Zusatzinfos zu Teleskopleitern und nadelfreier Injektion könnt ihr wieder unter meinem Ao3-Profil finden.