II. Beginn: Owen

Reed Richards: You need to control yourself, and think before you act.
Johnny Storm: Yeah, but you see, that's your problem; you always think, you never act! What if we got these powers for a reason? What if it's like some higher calling? (The Fantastic Four-Movie)

Vor einigen Stunden

Owen war damit beschäftigt das Ding, das sie vor ein paar Tagen gefunden hatten, und von dem niemand wusste, was es eigentlich war, zu untersuchen. Vielleicht ist es ja ein Stück Alien-Leber. Es war rund, bestand aus Fleisch und fühlte sich selbst mit Handschuhen seltsam an.

„Weißt du immer noch nicht, was es ist?"

Owen sah auf und erblickte Gwen, die grinsend zu ihm heruntersah und dann die Treppen herunter kam. Was will sie hier? Na ja, was wohl. Aber nicht jetzt! Ich muss arbeiten!

Seit er wusste, dass Tosh es wusste, war die Sache mit Gwen Owen irgendwie unangenehm geworden. Entweder das, oder er begann sich mit ihr zu langweilen.

„Der große Doktor Harper. Wie viele Stunden hast du jetzt schon damit verbracht diesen Klumpen zu untersuchen und zu analysieren? Und du weißt immer noch nicht, was es ist", meinte Gwen neckend, „Vielleicht solltest du eine Pause einlegen und dich … anderen Dingen zuwenden."

Owen warf Gwen einen wütenden Blick zu. Sie meinte es vermutlich nicht so, wie es klang. Abers besonders talentiert wirkte Owen in dieser Beschreibung nicht gerade. Und Jack hielt ihm ja auch schon seit Tagen Vorträge, dass er endlich weiterkommen sollte.

Es tut mir ja wirklich leid, dass ich nicht so klug bin wie Tosh. „Wenn du geil bist, geh nach Hause und belästige Rhys. Ich habe hier zu tun", knurrte er.

Gwen sah ihn erstaunt an. „Seit wann das denn?", wunderte sie sich.

Okay, jetzt reicht es aber endgültig. „Weißt du, Gwen, im Gegensatz zu der allgemeinen Meinung dreht sich mein Leben nicht nur um Sex", erklärte Owen scharf, „Und ich leiste wichtige Arbeit, von der ich auch etwas verstehe."

Gwen hob beschwichtigend die Hand. „Schon gut. Du musst mich nicht gleich so anfahren. Ich bin ja schon wieder weg."

Er sah ihr wütend hinterher als sie wieder ging um jemand anderen auf die Nerven zu fallen. Vielleicht hatte sie es nicht verdient so angefallen zu werden, aber Owen hatte es satt, dass ständig alle seine Fähigkeiten und seine Intelligenz in Frage stellten.

Immerhin war es nicht seine Schuld, dass die Dinge in letzter Zeit nicht so glatt liefen und er manches nicht so schnell durchschaute wie es eigentlich der Fall sein sollte! Er war schließlich auch nur ein Mensch und kein Supergenie!

Auch wenn ich das im Augenblick wirklich lieber wäre…

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Owens Laune hatte sich einige Stunden später als sie durch den Regen auf ein fremdes abgestürztes Raumschiff zumarschierten noch nicht gebessert. Er dachte immer noch über den Alien-Klumpen nach und darüber, dass er eigentlich klug genug sein musste um herauszufinden zu können, worum es sich dabei handelte.

Immerhin war er bevor er zu „Torchwood" gekommen war, ein ernstzunehmender Arzt gewesen, ein brillanter Diagnostiker und unter normalen Umständen war er auch gut genug in Alien-Biologie bewandert um zu wissen, mit was er es zu tun hatte.

Vielleicht hat Gwen doch Recht. Vielleicht sollte ich den Alien-Klumpen einfach Alien-Klumpen sein lassen, und mich anderen Dingen zuwenden. Ich meine, ich habe es nicht nötig Jack oder sonst jemanden zu beweisen wie genial ich bin!

„…Wenn wir die Crew lebend bergen können, dann bist du herzlich eingeladen ihnen selbst die Frage zu stellen, was sie hier in Cardiff tun", sagte Jack gerade.

Ja, wenn. Als ob das passieren würde. Owen warf einen missmutigen Blick nach vorne und sah genau nichts. Blöder Regen.

„Falls es überhaupt ein Raumschiff ist", verkündete er missgelaunt, „Bei diesem Hundewetter sieht man doch so gut wie nichts. Vielleicht war es ein Wetterballon. Oder ein toter Vogel."

Und dann war das alles hier umsonst. … Vielleicht ist dieser Klumpen eine Art Alien-Wurmfortsatz. Also irgendein Organ, dass sie eigentlich nicht mehr brauchen und deswegen kann ich nicht raus finden, was es ist. Was sagt Ianto da?

„Hört ihr das auch?" Owen blieb stehen und drehte sich zu ihm um. Wovon spricht er da? Ich höre nur prasselnden Regen. .. Ich könnte versuchen den Klumpen in den Regen zu stellen um zu sehen, was dann damit passiert. Vielleicht kommt mir dann die Erleuchtung.

Warum beschäftigt mich dieses Ding nur so sehr? Moment, was ist das für ein Geräusch.

WAMM!

Owen wurde von etwas, das er nicht sehen konnte, getroffen und zu Boden geschleudert, knallte mit dem Kopf auf den Boden - und dann wurde alles schwarz.

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Er öffnete die Augen und schloss sie gleich wieder, da ihm die Regentropfen direkt hinein fielen. Oh, mein Gott! Das ist es! Es ist so offensichtlich! Wieso bin ich da nicht früher drauf gekommen?!

Owen setzte sich kerzengerade auf und wollten den anderen seine Erkenntnis verkünden als der Gedanke plötzlich wieder weg war.

Nein, das kann nicht wahr sein! Ich wusste es doch gerade noch!

Halt. Wir wurden gerade von einer Alien-Druckwelle getroffen. Das könnte negative Auswirkungen auf uns haben. Gehirnerschütterung, blaue Flecke, innere Blutungen… Was wenn jemand auf einen spitzen Gegenstand gefallen ist? Übelkeit. Also wohl doch eine Gehirnerschütterung.

„Uh." Ihm war wirklich übel. Er betastete an seinen Hinterkopf und fand aber nur Schlamm und kein Blut. Auch die Übelkeit verging langsam wieder. Vielleicht hatte es ihm doch nicht so schlimm erwischt, wie er befürchtet hatte.

Inzwischen schienen die anderen langsam wieder zu sich zu kommen. Wie immer schien es Jack am wenigstens hart getroffen zu haben, denn ihr Anführer war schon bald wieder auf den Beinen.

„Nur mein Stolz ist verletzt", erklärte Owen und stand auf. Er hatte genug davon im Schlamm rum zu liegen. Bekümmert sah er an sich hinab. Und die Hose ist endgültig im Eimer. Blöde Aliens. Es gibt so viele Planeten dort draußen. Aber sie müssen ja ausgerechnet auf der Erde abstürzen.

Zumindest sah es so aus als wäre wirklich niemand der anderen verletzt. Also blieb es ihm erspart sie untersuchen zu müssen. Trotzdem schien selbst Jack keine Ahnung zu haben, was sie eigentlich getroffen hatte. Wie beruhigend.

Neben ihm zuckte Tosh offensichtlich unter Kopfschmerzen zusammen. Im Geiste ging Owen alles durch, was für dieses Symptom verantwortlich sein könnte. Zumindest konnte er weder an sich selbst noch an deren ähnliche Symptome feststellen. Wenn es wirklich Migräne war, dann half nur Bettruhe. Während er seine Kollegin besorgt im Auge behielt, gingen sie zum Raumschiff, das allerdings nicht mehr da war.

Tarnvorrichtung? Nein, sicherlich nicht. Dann würde Jacks Hand unsichtbar werden sobald er in den geschützten Bereich vordringt. Aus der Phase verschoben? Möglich aber unwahrscheinlich. Hat Tosh nicht gestern gesagt, dass nur 5% der bekannten außerirdischen Rassen über derartige Technologie verfügen?

Owen sah zu wie Tosh ihren Scanapperat hervorholte und nach dem nicht-vorhandenen Raumschiff suchte. Ihr Körper verkrampft sich, das ist wohl ein neuer stechender Schmerz im Kopf. Wie das bisher aussieht, wird es wohl noch schlimmer werden.

„Du solltest dich hinlegen." Vielleicht sollte ich sie doch untersuchen.

Jack schien zum Glück endlich einzusehen, dass sie hier vor Ort nichts mehr ausrichten konnten. Zurück zum SUV, ja das klang gut.

Sie machten sich auf den Rückweg. Als sie den SUV endlich durch die Regemassen hindurch sehen konnten, beschleunigte Owen seine Schritte und rammte dann plötzlich jemanden.

„He, pass gefälligst besser auf!", beschwerte sich Ianto wütend.

Owen blinzelte verwirrt. Offenbar zeigte er erste Anzeichen von Kurzsichtigkeit. Er hatte Ianto gar nicht gesehen. „Tschuldigung, ich hab dich nicht gesehen", beteuerte er, „Muss am Regen liegen." Er ignorierte den wütenden Blick des anderen Mannes und ging weiter zum SUV, den die anderen inzwischen erreicht hatten.

Gwen öffnete die hintere Türe und hielt diese wenige Sekunden später - getrennt vom Rest des Autos - in der Hand. „Das kann doch nicht wahr sein!", entfuhr es ihr.

Heute ist ein wirklich merkwürdiger Tag. Owen schüttelte über diesen Anblick ungläubig den Kopf. Ich hab ja schon von Adrenalin-Stößen gehört, aber das…

Gwen sah ihn verstört an und stellte die Türe ab. „Das ist nicht meine Schuld!", behauptete sie, „Der Wagen muss schon am Auseinanderfallen sein. Anders ist das nicht möglich!"

Jack und Tosh kamen von der anderen Seite des Autos zu ihnen. Jack warf Gwen einen erstaunten Blick zu. „Wie hast du denn das geschafft?", wunderte er sich. Gwen zuckte nur hilflos die Schultern.

„Egal", beschloss Jack dann, „Dann muss er eben in die Werkstatt. Aber erst morgen. Steigt ein und lasst uns fahren. Und Gwen, fass nichts mehr an, ja?"

„Sehr lustig", murmelte Gwen und Owen klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter. Nun wusste sie wenigstens wie es war, wenn sich die Leute über einen lustig machten.

Zu Hause angekommen fiel Owen sofort in sein Bett und schlief wie ein Stein.

Als er am nächsten Morgen (oder besser gesagt drei Stunden später) wieder aufwachte, wusste er es plötzlich wieder. Er wusste, was der Alien-Klumpen war, und ihm wurde noch etwas anderes klar. Dieser Klumpen könnte ihm dabei helfen ein Heilmittel gegen jede Art von Krebs zu entwickeln. Er musste sofort in sein Labor.

Abgesehen von ihm selbst schien noch niemand in der Stadt wach zu sein, und nicht einmal Ianto oder Jack geisterten durch das Hub. Owen nahm das alles nur am Rande zur Kenntnis, denn vor seinem geistigen Auge liefen all die Prozesse ab, die nötig waren um die nötigen Spurenelemente und Flüssigkeiten aus den Alien-Klumpen zu extrahieren.

Er machte sich sofort an die Arbeit.

Irgendwann kam Jack zu ihm und starrte ihn ungefähr 90 Sekunden lang an, bevor er ihn fragte: „Owen? Was machst du da eigentlich?"

„Ich entwickle ein Heilmittel gegen Krebs. Stör mich jetzt nicht, das erfordert höchste Konzentration", erklärte Owen während er mit einer Pinzette ein winziges Stück Fleisch aus dem Alien-Klumpen entfernte.

Jack starrte ihn offensichtlich weitere 30 Sekunden stumm an, bevor er „Okay" verkündete und dann wieder ging.

Da fiel Owen etwas ein.

„Oh, Jack, ich habe übrigens beim Hereinkommen einen Blick auf Toshs Instrumente geworfen. Es gibt keine Aufzeichnungen von der Nacht nach der Welle. Sie muss die Instrumente entweder irgendwie am Aufzeichnen gehindert haben, oder die Daten wurden rückwirkend gelöscht. Was die Welle selbst betrifft, so ist sie nicht verzeichnet. Dafür eine elektromagnetisches Phänomen mit ähnlichen Auswirkungen wie ein EMP!", rief er Jack hinterher, „Aber eigentlich verstehe ich von diesen ganzen Daten nicht besonders viel. Tosh sollte sie sich besser noch einmal ansehen."

Es folgte Stille. Owen dachte schon, dass Jack ihn nicht mehr gehört hatte, doch dann meinte dieser: „Okay." Woraufhin sich Owen erneut seiner Arbeit zuwenden konnte. Immerhin wurde ein Heilmittel gegen Krebs nicht jeden Tag gefunden, nicht wahr?

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A/N: Das zweite Kapitel gibt es schnell, allerdings kann ich euch nicht versprechen, dass auch die weiteren Updates so bald hintereinander eintreffen. Längere Fanfictions beginne ich immer mit Elan und dann werden die Wartezeiten immer länger (und eigentlich sollte ich auch andere mal wieder updaten… *schlechtes Gewissen*).

Ja, wie ihr alle richtig erkannt habt, kann Tosh wieder Gedanken lesen. Bei Ianto gingen die Vermutungen in die richtige Richtung. Die Kräfte von Gwen und Owen sind diesmal ersichtlich.

Und weil ich gefragt wurde: Ja, ich mag Gwen nicht wirklich. Dafür gibt es mehrere Gründe, auf die ich jetzt nicht näher eingehen will, aber ich hoffe immer, dass diese Tatsache beim Schreiben nicht zu sehr durchkommt. Sie wird trotzdem eine größere Rolle in dieser Fanfiction spielen und ihr Part wird mehr humoristisch sein und zur Auflockerung der Situation dienen, auch weil ich finde, dass Gwen eigentlich eher wenig dramatisches Potential besitzt und weniger innere Konflikte mit sich selbst austragen muss.

Ach ja: Im nächsten Kapitel kommt unsere aller Lieblings-Waliser dran.

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