Mirandas Geheimnis

2. Zukunft

„Schläfst du noch?" vernahm ich seine Stimme am nächsten Morgen, leise in meinem Ohr. „Mhm, ja, und ich habe auch nicht vor aufzuwachen. Wieso bist du schon munter?"

„Weil mein Magen knurrt. Er meint, ich hätte gestern nicht zu Abend gegessen und in dieser Nacht zuviel Kalorien verbraucht. Ich weiß zwar nicht, wie er zu der Annahme kommt, aber er fordert laut knurrend gefüttert zu werden."

„Oh, du Ärmster! Aber ich glaub, ich hab dich gestern mal gefragt, ob du Hunger hast.", ich blinzelte ihn mit einem Auge an, „Aber wenn du meinst, dann versuch ich eben munter zu werden. Irgendwas Essbares wird sich wohl finden."

Und ich schlug die Decke zurück, um sie gleich wieder über mich zu ziehen. Bei unserer Beschäftigung gestern, hatte ich natürlich auch nicht daran gedacht Holz im Kamin nachzulegen und so war es über Nacht erbärmlich kalt geworden in der Wohnung. Ich schmiegte mich fest an ihn.

„Nein, ich geh da nicht raus, da ist es eiskalt, nein ich bleib jetzt hier liegen bis der Frühling die Wohnung wieder aufwärmt."

Er hatte seine Arme fest um mich geschlungen: „Oh du armes Kind, na dann werden wir eben beide hier liegen bleiben und gemeinsam verhungern." Aber bei diesen Worten hatte sich sein Magen wieder mit Knurrgeräuschen zu Wort gemeldet und er sah mich resignierend an: „Überstimmt. Du bleibst liegen und ich steh auf."

Dabei schlüpfte er so vorsichtig unter der Bettdecke hervor, dass ich nicht abgedeckt wurde. Er ergriff nur den am Boden liegenden Umhang, warf ihn sich über und entfachte dann geschwind mit seinem Zauberstab ein Feuer im Kamin im Schlafzimmer, und dann auch im Wohnraum draußen. Und sein leises Gemurmel verhieß mir, dass ich in kurzer Zeit unter der Decke hervorkriechen konnte, da es mittlerweile kuschelig warm in den Räumen geworden war.

„Zufrieden Madam?" fragte er mich.

„Mhm, ja, so ist es schon viel besser. Guten Morgen mein Retter." Und ich schmiegte mich an ihn und küsste ihn.

Dann löste ich mich aber aus seiner Umarmung: „So, also auf, auf die Jagd nach einem Frühstück. Tee oder Kaffee?"

„Wenn du mich so fragst: lieber Kaffee" ich schaute ihn erstaunt an. Interessant, dass er obwohl Engländer doch lieber Kaffee trank. Mir ging es ja genauso, hatte ich doch durch eine Freundin aus Wien das Kaffeetrinken lieb gewonnen. Er sah mich schmunzelnd an: „Meine Mutter ist gebürtige Italienerin! Sie hat sich mit den meisten englischen Gepflogenheiten abgefunden, aber das Kaffeetrinken hat sie nicht aufgeben wollen. Und daher hab ich es auch übernommen."

Ich setzte Kaffeewasser auf und durchforstete den Kühlschrank. Es war nur zu gut, dass ich erst gestern früh Vorräte für mehrere Tage eingebunkert hatte, jetzt hätte ich wirklich keine Lust gehabt einkaufen zu gehen. Vor allem nicht in dem Aufzug: stand ich doch, verleitet durch die angenehme Wärme im Zimmer, vollkommen nackt vor dem Kühlschrank. Erst in dem Moment wurde mir das bewusst und ich überlegte, mir etwas überzuziehen, aber er schien meine Gedanken erraten zu haben, trat von hinten auf mich zu, umfing mich erneut mit seinen Armen und drohte: „Wehe dir. Bleib wie du bist. Welch herrlicher Anblick für ein Frühstück nach solch einer Nacht."

Und er drehte mich zu sich, hob mich einfach hoch, setzte mich vorsichtig auf den Küchentisch und hatte scheinbar seinen großen Hunger kurzzeitig vergessen, oder zumindest hatte seine Erregung das Kommando über seinen Körper ergriffen. Er nahm mich ohne viel zu zögern im Stehen und ich war allein durch seine Nähe in dieser Nacht, durch den Anblick, der sich mir in dem halboffenen Umhang bot und die Hitze in der Stube nur zu bereit ihn in mir zu spüren. Wir liebten uns kurz aber heftig und ich kann mich nicht erinnern, dass mir je zuvor ein Frühstück so gut geschmeckt hat wie das danach.

Es wurde ein langes Frühstück. Immer wieder küssten wir uns zwischendurch, sahen uns tief in die Augen, dass ich nicht nur einmal meinen Kaffee verschüttete, aber das alles machte mir heute nichts aus.

Nachdem wir fürs erste satt waren, waren wir auf der Eckbank eng zusammengerückt, ich hatte mich in seine Arme geschmiegt und wir hatten zu reden begonnen. Über all das zu reden, das seit dem Moment, da ich das Mal auf seinem Arm entdeckt hatte, geschehen war. Wie töricht kam ich mir jetzt vor, dass ich ihn damals nicht mal mehr angehört hatte, aber da war ich zu verletzt gewesen, mein Traum, von einem möglichen Leben an seiner Seite war mit einem Schlag zunichte gemacht worden, ich war so entsetzt und verletzt, ja gedemütigt, fasste ich es doch auch als Angriff auf meine Person auf, als muggelgebürtige Hexe war ich in jedes Todessers Augen doch nichts wert. Und bei ihm hatte ich geglaubt, ihm etwas wert zu sein. Und mich getäuscht.

Und nun erfuhr ich, dass er dieses Mal schon seit der 5. Klasse trug. Er hatte sich damals entschlossen sich Lord Voldemort anzuschließen um sich selbst und seinem Vater, der eine extrem dominante Position in seiner Familie inne hatte und auch seinen sogenannten Freunden in Slytherin etwas zu beweisen. Er hatte der Versuchung der Macht nicht widerstehen können und doch bald erkannt, dass es eigentlich nicht wirklich sein Weg war, den er eingeschlagen hatte. Und nachdem er sich seiner Zuneigung zu mir, dem Schlammblut bewusst wurde, hatte er erst recht zu denken begonnen, aber es war bereits zu spät. Er hatte nur noch geschaut, nicht zu sehr unter Voldemorts Gefolgsleuten aufzufallen. Aber als ich dieses Zeichen entdeckt hatte und mich von ihm abwandte, hatte seine Leben seinen Sinn verloren.

Er schwor mir, sich nie zu sehr in Voldemorts Gefolge engagiert zu haben und doch zeigte dieser Vertrauen zu ihm. Mir lief es kalt über den Rücken, als er mir von seiner letzten Begegnung mit dem dunklen Lord erzählte. Mir gefiel diese Bezeichnung nicht, aber er entschuldigte sich damit, dass er es beibehielt um sich nicht vor den anderen zu verraten. Er hatte sich Albus Dumbledore anvertraut, und mit diesem gemeinsam beschlossen, als Spion in Lord Voldemorts Reihen weiterzuarbeiten. Wie mir schien ein sehr gefährliches Unterfangen.

Wir redeten und redeten und saßen dabei eng aneinandergeschmiegt beisammen, in der Zeit unterließen wir es sogar uns zu küssen, aber unsere Körper blieben beisammen, ich hätte Angst gehabt vor einer räumlichen Distanz, hatte auch jetzt noch Angst, dass durch ein falsches Wort, eine falsche Geste unser vertrautes Verhältnis zunichte gemacht würde.

Severus hatte das wohl genau so verspürt: „Miranda, schau mich an. Kannst du mir noch einmal vertrauen? Bist du dir bewusst, dass ich das von dir verlangen müsste? Ich habe dich für immer verloren geglaubt, dich jetzt in meinen Armen zu halten ist wie ein Wunder für mich. Und ich will dich nicht wieder verlieren. Aber wenn du mir nicht glaubst, mir nicht vertraust, werden wir bald wieder dort sein – uns nicht mehr kennen zu wollen."

Ich verstand was er sagte, hatte er doch recht, aber es tat auch weh, das Bewusstsein, dass dieser Augenblick hier und jetzt, der mir im Moment so richtig erschien, er hier bei mir, dass dieser Moment vergänglich war. Vergänglich wie eine buntschillernde Seifenblase, die der Wind emporhebt und zerplatzen lässt.

„Severus, ich weiß nicht, was ich denken soll. Ich weiß nicht, ob du alle meine Fragen beantwortet hast. Ich weiß nicht, ob meine Zweifel wiederkommen werden. Ich weiß nur, dass es mir so richtig erscheint, dass du jetzt hier bei mir bist." Und ich habe ihn zaghaft abwartend angeblickt, und er hat aufgeseufzt, „Na im Moment ist es wohl auch etwas viel verlangt. Aber ich finde auch, dass es richtig ist, dass ich hier bei dir bin.", und er zog mich noch fester an sich und küsste mich und zog mich auf seinen Schoß, und wir liebten uns auf der Bank sitzend, langsam und vorsichtig, als wäre es gefährlich eine ungestüme Bewegung zu machen, bis wir zuletzt auf nichts mehr Rücksicht nehmen konnten und unsere Körper agieren ließen.

Severus trug mich schließlich wieder in mein Schlafzimmer und legte mich auf mein Bett. Er setzte sich abwartend auf die Bettkante und fragte mit beinah ängstlichem Ton: „Miranda, heute ist Silvesternacht, du wirst doch wohl geplant haben sie mit deinen Freunden zu verbringen." Dabei sah er mich mit so einem traurigen Blick an.

Ja er hatte recht, es war ausgemacht gewesen, dass ich zu Lily gehen würde, um gemeinsam mit ihr und James und Remus in dieser Nacht den Jahreswechsel zu feiern. Aber ich hatte nicht mehr vor, zu ihnen zu apparieren. „Und du ? Was hast du vor ? Weil, falls du nichts Wichtiges vor hast, würde ich lieber hier mit dir zusammen das neue Jahr begrüßen." Für einen Moment hatte jetzt ich Angst, dass er mich zurückweisen würde, aber er atmete erleichtert auf, beugte sich zu mir und küsste mich.

„Nein, ich wüsste nicht einen Ort, nicht einen Menschen, mit dem ich jetzt lieber beisammen wäre." und er schlüpfte zu mir unter die Decke und seine Hände erkundeten meinen Körper, so wie sie es in der vergangenen Nacht getan hatten. Er hatte die Decke zurückgeschlagen und sich aufgesetzt und betrachtete meinen Körper. „Du bist eine wunderschöne begehrenswerte Frau. Ich wundere mich, dass du allein hier lebst."

Seine Hände hörten dabei nicht auf über meine nackte Haut zu gleiten. „Vielleicht war mir ja einfach nicht danach. Vielleicht will ich ja allein hier leben. So brauch ich mich vor niemanden rechtfertigen, wenn ich einen fremden Mann in meine Wohnung lasse. Und ihn nicht rausschmeiße, wenn er zudringlich wird und meinen Körper in Besitz nimmt, und mich zum Wahnsinn treibt. Mich auf dem Küchentisch nimmt, ohne zu fragen und mich langsam auf seine Nähe süchtig macht."

Ich zog ihn zu mir und küsste ihn. Unsere Lippen umspielten sich, unsere Zungen trafen sich, sanft, langsam, erkundeten sie sich, um bald forscher und fordernder aufzutreten. Severus hatte es nicht allein beim Küssen belassen, seine Hand war über meine Brüste geglitten, hatte sie sanft aber doch zugleich fest liebkost, war über meinen Bauch hinab über meine Schenkel, zwischen meinen Beinen gelandet. Der sanfte Druck seiner Finger, die genau zu wissen schienen, was sie wollten, brachte mich erneut zum Stöhnen. Wer auch immer ihm beigebracht hatte, was er hier mit mir tat, sie hatte einen gelehrigen Schüler gehabt. Trotzdem ich nichts anhatte und keine Decke unsere Körper bedeckte wurde mir so heiß, dass ich nach Abkühlung lechzte.

Seine Lippen ließen nicht ab von meinen, und seine Finger setzten ihre Erkundung fort auf ihrem feuchten Weg. Ich spürte wie sich seine Finger einen Weg in mein Innerstes suchten, er machte mich verrückt, ich konnte schon nicht mehr klar denken, nur noch wimmern, „Quäl mich nicht, nimm mich." Aber ich vernahm seine Stimme leise an meinem Ohr: „nicht so ungeduldig, meine Liebe, jetzt darf einmal ich das Tempo bestimmen." und er küsste mich noch einmal flüchtig, um seine Lippen dann auf Reisen zu schicken, meinen Körper hinab.

Er knabberte an meinen Brüsten, leckte über meinen Bauch, und machte es sich dann zwischen meinen Beinen bequem. Ich schloss meine Augen und wusste, ich konnte ihn nicht von seinem Tun abhalten. Und genaugenommen wollte ich das jetzt auch nicht. Ich wollte nur spüren, seine Hände auf meinen Schenkeln, meinem Bauch, meinem Po, seine Zunge dort, wo sie auf meine verborgenen Lippen traf, ich konnte gar nicht anders als ihm meinen Leib entgegen zu recken, ich fühlte seine zupackenden Hände und seine Zunge, die das was sie tat auch genießen zu schien, und mein Hirn vergaß zu denken, und ich spürte, wie eine Welle der Wollust meinen Körper überrollte, die aufgestaute Hitze brachte meinen Unterleib zum Explodieren, und als ich wieder zu mir kam, konnte ich nur hoffen, dass meine Nachbarn nicht zu hause gewesen waren, weil ich sonst noch eine Anzeige wegen Lärmbelästigung erhalten hätte, so laut muss ich wohl in meiner Lust aufgeschrieen haben.

Ich war einen Moment lang atemlos und rang mühsam nach Luft, und als ich die Augen aufschlug sah ich in Severus Augen, die mich behutsam musterten, und ein Lächeln huschte über sein Gesicht: „Du bist noch schöner, in dem Moment, wo du alles um dich zu vergessen scheinst – wenn dein Gesicht von Anspannung zu totaler Entspannung wechselt – ich hoffe, ich darf das noch öfter sehen." und er beugte sich zu mir und küsste mich erneut, und er schmeckte nach Lust und purem Sex, und mir wurde bewusst, dass nur ich allein diese Ekstase verspürt hatte.

„Nur wenn es sich dabei nicht immer um solch ungleiche Gewichtung handelt" und ich richtete mich auf, schubste ihn leicht an, so dass er zurück auf die Kissen fiel, und schwang mich behände über ihn, kniete beiseite seiner Hüften, und nur durch leichtes Senken meines Körpers, gewährte ich seiner bisher so geduldig gewesenen Erektion Einlass. Ich bewegte mich langsam auf und ab, meine langen braunen Haare fielen mir dabei wie ein Schleier über Gesicht und Brüste, was er aber nicht goutierte und mit seinen Händen strich er die Haare beiseite und streichelte und knetete meine Brüste, die sich ihm nur zu gern entgegenreckten. Aber es dauerte nicht lange, da begann er das Tempo zu übernehmen, es zu steigern und als er sich schließlich in seinem Orgasmus unter mir aufbäumte war ich selbst bereits wieder so erregt, dass ich nicht inne halten konnte in meinen Bewegungen und kurz nach ihm überaus befriedigt aufstöhnte und erschöpft über ihm zusammensank.

Er schlang seine Arme um mich und hielt mich fest an sich gedrückt, und ließ nicht zu, dass ich mich von seinem Körper hinunterrollte. Ich hatte mein Gesicht an seinem Hals gekuschelt und ich konnte nicht anders ich musste ein „Was kann ich tun, damit dieser Zustand ewig anhält?" flüstern. „Das wüsste ich auch zu gerne." bekam ich leise zur Antwort. So zusammengekuschelt schlummerten wir für kurze Zeit ein, um nach dem Erwachen mit dem gegenseitigen Erkunden unserer Körper fortzufahren. Und wir verließen das Bett nur rasch, um unsere knurrenden Mägen zu beruhigen und erst als es kurz vor Mitternacht war, machte ich den Vorschlag aufzustehen. Er verdrehte zwar die Augen, fügte sich aber ohne zu murren.

Wir schlüpften in unsere Kleidung und traten gemeinsam an das Fenster, das zur Straße hinaus ging. Draußen führte die Feuerleiter vorbei und ich bekam Lust mich hinauszusetzen. „Verrücktes Huhn" konnte ich mir dafür anhören, aber er kletterte mir doch nach. Es war eine kalte Nacht. Fast bereute ich schon meinen Entschluss, als mein Gesicht Nässe spürte. Ich sah verwundert hoch und erblickte im spärlichen Licht der Straßenlaternen Abertausende weiße bauschig flaumig weiche Schneeflocken, die langsam auf die Erde niedersanken.

Ganz automatisch suchte meine Hand die seine, und wir umklammerten uns mit festem Griff. Ich brachte kein Wort heraus, so schön war es, wie lang hatte es schon nicht mehr geschneit? Es war wie ein Traum, so lautlos wurde die Erde mit einem weißen Mantel bedeckt, in kurzer Zeit, sah alles ringsum so friedlich aus, so friedlich als gäbe es keine Bedrohung durch Voldemort, als hätten wir alle eine Chance auf ein glückliches zufriedenes erfülltes Leben, als hätten wir die Chance auf eine Zukunft.

Und in dem Moment spürte ich ein leichtes Ziehen in meinem Bauch, ich wusste zuerst nicht was das war, ich kannte dieses Gefühl nicht. Meine zweite Hand fuhr automatisch zu der Stelle an meinem Unterleib, und Severus, der diese Bewegung bemerkt hatte fragte: „Was ist los, hast du Schmerzen?" „Nein, keine Angst, mir geht es gut, hier mit dir." und ich küsste ihn. Aber das eigenartige Gefühl in meinem Bauch blieb, und ich hatte keine Ahnung was es war.

Da begannen die Glocken, der nahen Kirche zu schlagen – einmal, zweimal, dreimal, ich sah Severus tief in die Augen und wünschte mir, er würde in dem Moment so wie ich das Bedürfnis verspüren, dass wir zusammenbleiben könnten, viermal, fünfmal, sechsmal, seine Augen, die ich auch schon so voller Hass blicken sah, sahen mich so liebevoll und zärtlich an, wie es wohl manche nicht für möglich gehalten hätten, siebenmal, achtmal, neunmal, „Miranda" zehnmal „ich" elfmal „liebe" zwölfmal „dich". Und er küsste und umarmte mich so stürmisch, dass ich fast das Gleichgewicht verloren hätte. Aber er hielt mich fest, und hätte nicht zugelassen, dass ich stürzte. Aber instinktiv hatte ich meine Hand wieder wie zum Schutz auf meinen Bauch gelegt und plötzlich wusste ich was dieses Ziehen zu bedeuten hatte – das durfte doch nicht wahr sein – das konnte doch nicht wahr sein – ich wusste nicht sollte ich weinen oder lachen, ängstlich oder glücklich sein – nein, ich wusste nicht was anfangen mit der Erkenntnis.

Schweigend standen wir einige Zeit eng umschlungen auf dem kleinen Vorsprung, jeder schien seinen Gedanken nachzuhängen, woran Severus wohl gerade denken mochte? Meine Gedanken waren auf jeden Fall, bei dem kleinen Wesen, das im Moment sein neues Heim zu beziehen im Begriff war, sich einzurichten für eine Dauer von ungefähr neun Monaten, ein Produkt eines Tages voll der Magie der Liebe, doch würde diese bestehen können? Hätte sie zu dieser Zeit der Ängste und Bedrohung überhaupt eine Chance zu bestehen. Waren wir nicht viel zu sehr der Gefahr ausgesetzt? Vor allem, wenn Severus sich zu mir bekannte, war er Lord Voldemort damit nicht eher hilflos ausgeliefert? Und ich – stellte das nicht auch eine größere Bedrohung für mich dar? Und für mein Kind? Unser Kind!

Mir fröstelte bei dem Gedanken und Severus schob mich in Richtung Fenster und wir kletterten wieder ins Zimmer. In dem Moment landete eine Eule auf dem Fensterbrett. Das war Sophie, die Eule der Potters. Ich hatte ganz vergessen Lily abzusagen. Sicher machte sie sich mittlerweile Sorgen um mich. Ich nahm der Eule den Brief ab und las ihn schnell durch. Ja, wie ich vermutet hatte, Lily fragte, ob bei mir alles in Ordnung wäre, weil ich nicht zu ihr gekommen war. Ich holte schnell Papier und Stift, um ihr zu antworten, aber hielt auch sogleich inne. Was sollte ich ihr denn erzählen? Dass ich die letzen 30 Stunden damit verbrachte habe, mit Severus Sex zu haben? Nein, das klang vielleicht etwas seltsam in einem Brief.

Severus stand so in meiner Nähe, dass er Lilys Schreiben gesehen haben musste. Er hob amüsiert die Augenbrauen und meinte schmunzelnd: „Wie willst du ihr dein Nichterscheinen erklären? Die Wahrheit oder eine kleine Notlüge?"

„Ich glaub eine kleine Notlüge wäre mir im Moment lieber. Oder soll ich ihr schildern, was wir beide in den letzten Stunden so getrieben haben?" Ich versuchte, bei meiner Antwort leicht verrucht zu wirken, aber diese Rolle lag mir wohl nicht wirklich. Zumindest erntete ich damit nur ein belustigtes Auflachen seinerseits.

„Schreib ihr ganz einfach, du hättest einen alten Bekannten getroffen und darüber auf eure Feier vergessen. Das ist nicht gelogen und auch nicht zuviel erzählt. Und schreib ihr dazu, dass sie sich keine Sorgen um dich machen müsse, weil sonst steht sie nach Erhalt der Eule noch vor deiner Tür, wahrscheinlich mit ihrem James und ich glaube nicht, dass ich ihn momentan sehen will."

Er hatte recht, mit wenigen Worten entschuldigte ich mich und versprach mich in den nächsten Tagen bei ihr zu melden, und schickte den Brief mit der Eule retour.

„Du wirst dich wohl nie mit James versöhnen wollen?" fragte ich vorsichtig. „Das wird wohl kaum mehr machbar sein. Ich weiß, dass du durch deine Freundschaft zu Lily, mit James, Remus und Sirius Kontakt haben wirst, aber ich kann nun mal nicht vergessen, was während unserer Schulzeit alles vorgefallen ist. Glaubst du ich könnte Sirius verzeihen, dass er mich beinah umgebracht hat? Ich versteh sowieso nicht, dass Remus an dieser Freundschaft festhält, er müsste doch selbst höchst sauer auf Sirius sein, schließlich hätte ihn dieser beinah einen Mord begehen lassen." Severus hatte sich bei seinen Worten von mir abgewandt. ich trat hinter ihn und umfing ihn mit meinen Armen: „Ich weiß, es war unmöglich was Sirius getan hat, aber er hat sich geändert. Seit er mit Phil zusammen ist und vor allem seit sie ihre Jungs haben, ist er ernster und verlässlicher geworden. Und auch James wird Vater, und es scheint bei ihm das gleiche wie bei Sirius zu bewirken."

Severus drehte sich ruckartig um: „Ja sind sie denn verrückt in dieser Zeit ein Kind in die Welt zu setzen? Wer weiß, was in der nächsten Zukunft geschehen wird. Wer weiß, ob wir die nächsten Wochen und Monate überleben werden? Und dann noch ein Kind? Ich habe es schon nicht verstanden, dass sich meine Schwester auf dieses Abenteuer eingelassen hat, noch dazu mit diesem Sirius. Aber jetzt auch Lily? Zumindest sie hätte ich für vernünftiger gehalten."

Severus hatte sich in Rage geredet. Ja, er war damals, als sich abzeichnete, dass die Liäson zwischen seiner Schwester Philomenea und Sirius etwas längerfristiges werden würde, sehr sehr wütend gewesen: seine kleine Schwester und sein Erzfeind – ein Paar. Und von Sirius wusste ich, dass Severus, seit er von Phils Schwangerschaft erfahren hatte, sich nicht wieder bei ihr blicken ließ.

Ich wandte mich langsam von Severus ab. Ich hatte gehört, was er über Lilys Schwangerschaft gesagt hatte. Ich hatte seine Ansicht vernommen, wie verantwortungslos es wäre in dieser Zeit ein Kind in die Welt zu setzen. Ich wusste, er hatte nicht ganz unrecht.

Aber jetzt, wo ich gespürt hatte, dass sich in meinem Leib diese Wunder abspielte, das Wunder, dass ein kleines Wesen uns sein Leben zu verdanken hatte, jetzt wusste ich auch, dass ich dieses Kind bekommen würde. Und dass ich Severus davon nichts sagen durfte. Er würde es nicht erfahren, dass unser Zusammensein nicht ohne Folgen geblieben war.

Ich würde ihn fortschicken, ohne ihm meinen Verdacht mitzuteilen. Ich würde ihn fortschicken, mit dem Bewusstsein, ihn wahrscheinlich nie wieder zu sehen. Dieses Kind, unser Kind, als mein Kind aufziehen. Ob er es jemals erfahren würde? Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt war.

Ich wusste, diese Nacht wollte ich noch an seiner Seite verbringen und am nächsten Tag würde ich mich von ihm verabschieden. Ein Abschied für immer. Ich war traurig – unendlich traurig in dem Bewusstsein, dass wir keine gemeinsame Zukunft hatten.

Aber ich musste an mein ungeborenes Kind denken. Es hatte mehr Chance zu überleben, wenn niemand wusste, wer sein Vater war. Ihr Vater war. Auch das wurde mir in dieser Nacht bewusst. Es war ein Mädchen, das im Begriff war, mein weiteres Leben zu bestimmen, eine Tochter, meine Tochter, unsere Tochter – auch wenn sie ihren Vater vielleicht nie zu Gesicht bekommen würde –aber tief in meinem Herzen, war ich mir sicher, dass sich in ferner Zukunft auch dieses ändern könnte.

Ich war traurig, aber zugleich hoffnungsvoll.

Ich würde diesen Krieg überleben – mit meinem Kind – für mein Kind.