Die Herrschaften, die den Wettbewerb veranstaltet haben, waren echt fix mit der Auswertung, und so steht schon heute, einen Tag nach dem Einsendeschluss, fest, dass ich mit meiner Geschichte gewonnen habe. -freu- Um das entsprechend zu feiern, gibt es jetzt gleich schon das erste Kapitel hinterher.
Disclaimer: Nope, die Charaktere gehören mir immer noch nicht, auch wenn ich heute Nacht von Rodolphus und Snape geträumt habe. Mir gehört nur der Wecker, der mich viel zu früh, für meinen Geschmack, wach geklingelt hat. -grummel-
Chronik eines Verrats – Kapitel 1
Anfang Juli 1980
„Und es ist wirklich in Ordnung, wenn ich dich heute Abend allein lasse?" Besorgt sah James Potter seine hochschwangere Frau an.
Lily nickte lächelnd. „Geh du ruhig mit Sirius, Remus und Peter ins Kino. Den einen Abend werde ich schon ohne dich überstehen. Andromeda will nachher mit Dora auf ein Stündchen vorbeikommen, ich werde also nicht die ganze Zeit allein sein. Außerdem weiß ich doch, wie sehr du dich auf deinen Männerabend freust."
Freuen war vielleicht noch zu milde ausgedrückt. James war nach einem Monat des versteckt Lebens regelrecht begierig darauf, mit seinen Freunden um die Häuser zu ziehen. Auch wenn die Vorsicht sie dann doch dazu bewogen hatte, lieber nach Muggellondon ins Kino zu gehen, statt in einen Zaubererclub.
„Na, vielleicht überlegt es sich unser Kind ja noch und kommt erst im August zur Welt", scherzte James.
August, das würde bedeuten, dass sie wieder in ihr normales Leben zurückkehren könnten. Denn dann wäre ihr Kind nicht das Kind aus der Prophezeiung, die Professor Dumbledore, dem Schulleiter von Hogwarts und Anführer des Ordens des Phönix, derzeit solche Sorgen bereitete und ihn zugleich doch mit Hoffnung erfüllte. Denn nachdem Sibyll Trelawney unverhofft in Dumbledores Gegenwart den Untergang des Dunklen Lords durch ein Kind, das Ende Juli geboren würde und dessen Eltern sich dem, dessen Name nicht genannt wurde, schon dreimal entgegen gestellt hatten, vorhergesagt hatte, hatte der Professor beschlossen, wenigstens die beiden jungen Paare des Ordens, die davon betroffen sein könnten, einzuweihen und in Sicherheit zu bringen.
Sowohl Frank und Alice Longbottom als auch James und Lily Potter hatten einen unbrechbaren Schwur geleistet, niemandem von dem Inhalt der Prophezeiung zu erzählen, um die Todesser nicht warnen oder falsche Hoffnungen zu wecken. Stattdessen hatten sie die Vorsichtsmaßnahmen von Geheimnisbewahrer und versteckt Leben damit erklärt, dass sie sich Voldemort und seinen Todessern so oft entgegengestellt hätten, dass sie zwangsläufig zu Zielen geworden seien und sie die zusätzliche Sicherheit ihren ungeborenen Kindern schuldig wären.
„Krone, komm schon, wo bleibst du so lange?", rief da von draußen eine ungeduldige Stimme und gleich darauf steckte Sirius, angetan mit hochhackigen Schuhen, Netzstrümpfen, Strapsen und Korsett, den Kopf zur Hintertür herein.
Grinsend musterte Lily den besten Freund ihres Gatten. „Stark!", lautete schließlich ihr Urteil. Neben Sirius wirkten James und Remus, der mittlerweile ebenfalls in die Küche gekommen war, regelrecht konservativ, obgleich sie mit ihren aufgestylten Haaren, den Partyhüten und den schrillen Brillen immer noch reichlich verrückt aussahen.
„Danke, meine Liebe", sagte Sirius strahlend und hauchte ihr ein Küsschen auf die Wange. „Schade nur, dass in der Rocky Horror Picture Show keine Schwangere vorkommt. Du gäbest bestimmt eine prima Magenta ab."
Lily lachte. „Danke. Aber sagt mal, wo ist denn Peter? Hattet ihr nicht diesen Abend extra auf einen Freitag gelegt, damit er auch mitkommen kann?" Fragend sah sie die drei jungen Männer an.
Sofort wandte sich Remus mit einem vorwurfsvollen Blick an Sirius. „Tatze! Du wolltest Peter doch Bescheid sagen, erzähl mir jetzt nicht, dass du es vergessen hast!"
Dieser hatte immerhin den Anstand kurz beschämt dreinzublicken, ehe er unbekümmert sagte: „Ach, den holen wir einfach auf dem Weg zum Kino ab. Was soll er schon groß vorhaben? Ein wenig Spontaneität tut dem alten Spießer ganz gut!"
CeVCeVCeVCeVCeVCeVCeVCeVCeVCeVCeVCeVCeV
Peter Pettigrew saß reichlich unglücklich in seinem Kinosessel und duckte sich tiefer unter seine Zeitung, die ihm Remus freundlicherweise abgegeben hatte. Noch immer brannten seine Wangen vor Scham ob Sirius' Bemerkung, dass er in seiner konservativen Robe genauso spießig aussähe wie der langweilige Erzähler. Dabei war es gewiss nicht seine Schuld, dass er nicht, wie seine Freunde, angemessen verkleidet war.
Weil Sirius vergessen hatte, ihm Bescheid zu sagen, sondern die drei einfach, nachdem er nicht zu Hause gewesen war, bei ihm in der Arbeit aufgetaucht waren und ihn förmlich von seinem Schreibtisch weg entführt hatten, war ihm keine Zeit mehr geblieben sich umzuziehen. Und keiner von ihnen war gut genug in Verwandlung, um ihm mittels Zauberei aus der Klemme zu helfen. Schließlich hatte James schulterzuckend gemeint, dass er zwischen all den anderen verrückten Outfits mit seiner Zauberrobe schon nicht all zu sehr auffallen würde.
Nach außen hin hatte Peter zugestimmt und so getan als wäre er Feuer und Flamme den Abend mit seinen Freunden im Kino zu verbringen. Innerlich aber war er wütend gewesen, wütend und auch ein wenig neidisch.
Sicher, er war gern mit seinen Freunden zusammen, keine Frage, immerhin waren sie vier die ‚Rumtreiber', unzertrennlich und stets für einen guten Scherz zu haben. Zumindest war es während ihrer Schulzeit so gewesen. Und natürlich waren sie davon ausgegangen, dass sich auch danach nichts ändern würde. Die Realität aber sah anders aus.
James' Eltern waren kurz nach seiner Verlobung mit Lily, in ihrem ersten Sommer nach der Schule, gestorben. Und da das Erbe seiner Eltern ausreichte, ihm und seiner Verlobten ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen, hatten sie beschlossen, sich vorerst nicht um einen Job zu bemühen, sondern all ihre Zeit dem Orden und dem Kampf gegen Lord Voldemort zu widmen.
Ähnlich verhielt es sich mit Sirius, dessen Onkel ihm Haus und Geld hinterlassen hatte. Als sich dann herausstellte, dass es für Remus aufgrund seiner Lykanthropie so gut wie unmöglich war, eine Anstellung zu finden, hatte Sirius ihm kurzerhand angeboten, bei ihm einzuziehen und ebenfalls hauptamtlich für den Orden des Phönix zu arbeiten.
Wochenlang hatte Peter darauf gewartet, dass Sirius ihm das gleiche anbieten würde, oder doch wenigstens vorschlagen würde, dass er bei ihnen im Haus mitwohnen könnte, aber weil er einen Job hatte, etwas zu den Haushaltskosten beitrug. Denn auf Drängen seiner Mutter, und weil er gedacht hatte, dass seine Freunde sich auch allesamt eine Anstellung suchen würden, hatte Peter den Job in der Verwaltung des St. Mungos angenommen, den ihm sein Onkel Aelfrich besorgt hatte.
Aber keine solche Einladung war erfolgt. Auch dann nicht, als Peter halb stolz, halb beschämt seinen Freunden die armselige Bude vorgeführt hatte, die ihm als eigene Wohnung dienen sollte, da er nicht länger bei seiner Mutter leben wollte. Dabei war es noch nicht einmal böse Absicht von Sirius gewesen, es war diesem in seiner sorglos nachlässigen Art schlicht nicht in den Sinn gekommen. Und so hatten sie nach sieben gemeinsamen Jahren in Hogwarts erstmals nicht Tag und Nacht miteinander verbracht.
Sicher, sie sahen sich regelmäßig bei den Ordensversammlungen, aber irgendwie fühlte sich Peter dabei regelmäßig ausgeschlossen, da die anderen drei all ihre Zeit in Ordensbelange investierten und deshalb schon immer über alles Bescheid wussten. Dann war Lily auch noch schwanger geworden und bald darauf hatte Dumbledore ihr und James nahegelegt, gewisse Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Und obgleich das eigentlich nur James Leben einschränkte, wurden auch die spontanen Besuche von Sirius und Remus, wo sie einfach auf ein Butterbier vorbeikamen, plauderten und Peter auf den neuesten Stand brachten, weniger. Es war, als würden seine Freunde ihn mehr und mehr vergessen.
In Bezug auf James war Peter bereit, Zugeständnisse zu machen, immerhin wurde dieser bald Vater und musste sich vor Du-weißt-schon-wem verstecken. Aber was Sirius und Remus betraf, war Peter einfach enttäuscht. Dass er vielleicht von sich aus die Initiative ergreifen und seinerseits nach der Arbeit bei James oder Sirius und Remus vorbeischauen könnte, das sah er nicht.
Und so war dieser heutige Abend in seinen Augen nur ein weiterer Beweis für ihn, wie wenig er doch seinen angeblich besten Freunden bedeutete.
