"Kann ich Ihnen helfen?" wurde Ginny Flack von einem dunkelhaarigen Mann angesprochen, als sie das Crime-Lab betrat. "Ja", nickte sie, "ich bin auf der Suche nach Don Flack, sein Vorgesetzter hat mir gesagt, er wäre hier", verdammt, dachte Mac, wo trieb sich Don schon wieder rum? Er hatte ihn in letzter Zeit bei seinem Boss öfter gedeckt, seit Angell´s Tod war er verständlicherweise manchmal von der Rolle, in letzter Zeit häufte sich sein unmögliches Verhalten. Mac wusste nicht, wie lange er das noch tolerieren konnte und wollte. "Sie müssen ihn gerade verpasst haben", log Mac dennoch und erntete einen unwilligen Blick von Ginny, "Sie müssen nicht für Don lügen, ich weis, wie schlecht es ihm geht. Ich bin Ginevra, Don's Cousine." Mac dirigierte Gin in sein Büro. "Ich bin Mac Taylor und sie haben recht, ich weis nicht, wo Don im Moment ist." Gestand Mac leise ein. "Don wollte mich vom Flughafen abholen und ist ewig nicht gekommen, ich mache mir ernsthaft Sorgen um ihn. Ich habe ihn nach Jessica´s Beerdigung gebeten, für einen Weile zu mir nach Dublin zu kommen, aber er wollte nicht. Ist es so schlimm, wie ich befürchte?" Mac nickte, "wir alle machen uns Sorgen um ihn. Er verschwindet immer wieder für eine Weile, hängt in Bars ab und betrinkt sich." "Und das lassen Sie einfach so zu?" fragte Gin erbost, "Don hat gesagt, Sie sind einer seiner engsten Freunde!" "Ich kann Don nicht einsperren, er muss sich auch helfen lassen wollen", rechtfertigte sich Mac. "Manche Menschen muss man zu ihrem Glück zwingen, hat Ihnen das noch niemand gesagt?" Ginny wollte das Büro verlassen, "wo wollen Sie denn jetzt hin?" fragte Mac irritiert, "Don suchen gehen, was haben Sie denn gedacht?" Gin machte verrückt, daß Taylor anscheinend nichts unternehmen wollte, um Don zu finden. "Wo wollen Sie da denn anfangen? Wollen Sie ihn auspendeln?" "Wenn es sein muss, auch das", schnappte Gin.
"Warten Sie auf mich" sagte Mac, ihm war klar geworden, daß sich Ginevra echte Sorgen um Don machte. Nicht grundlos, fürchtete Mac. "Es tut mir leid", sagte Ginny im Aufzug, "ich wollte Sie nicht so anschnauzen, sicher versuchen Sie alles, um Don zu helfen. Ich bin nur besorgt." Wie wir alle, dachte Mac und jetzt fiel ihm auch die Ähnlichkeit zwischen Don und Ginny auf. Sie hatte Flacks Augen, war groß und schlank. Mac hätte sie nicht als schön bezeichnet, aber sie hatte das gewisse Etwas. Und die Ähnlichkeit mit Flack lies sie sehr vertraut wirken. "Ich denke, wir fahren erst zu ihm nach Hause", schlug Mac vor. Ginny nickte, anscheinend hatte ihr Auftritt Taylor wachgerüttelt. "Ich hab meinen Koffer in der Lobby stehen, der Mann am Counter sagte, das wäre kurz in Ordnung." "Dann holen wir erst Ihr Gepäck", sagte Mac und lud ein paar Minuten später den Koffer in sein Auto. Sie brauchten fast eine dreiviertel Stunde zu Don´s Wohnung, der Verkehr war mörderisch, wie fast immer in New York. "Haben Sie einen Schlüssel?" wollte Gin wissen, daraufhin hob Mac den Schmutzfänger vor der Türe an und zog den Ersatzschlüssel hervor. "Don ist so ein Idiot", murmelte Gin, angesichts des Leichtsinns ihres Cousins. "Heilige Mutter Gottes", stiess sie hervor, als Mac aufgeschlossen hatte.
In Flack´s Bude sah es aus wie nach einem Bombenangriff, leere Flaschen, Pizzakartons, Reste von Chinesischem Essen. Mac machte erst einmal die Fenster auf und lies frische Luft herein. "Warum macht er das?" fragte Gin erschüttert, "es ist schlimm, daß Jessica gestorben ist, aber das hier, das ist...", "das ist nicht Don", ergänzte Mac und ging ins Schlafzimmer. Anderer Raum, gleiches Chaos, nur daß hier auch noch diverse Klamotten im Zimmer verteilt waren. Mac öffnete den Kleiderschrank, na wenigstens hatte er seine Dienstwaffe nicht dabei, ein schwacher Trost, dachte Mac, Don war dabei, sein komplettes Leben in den Sand zu setzen. Gin war ins Schlafzimmer gekommen, "vielleicht sollten wir ein paar seiner Hotspots abklappern?"
Drei Stunden später hatten sie genau das getan und waren immer noch kein Stück weiter. Gin liess sich auf Mac´s Bürocouch plumpsen und stöhnte leise auf, ihr taten die Füsse weh und sie war hungrig.
"Was Neues von Flack?" fragte Stella und betrat Mac´s Büro, "Nein, sag Adam, er soll Don´s Handy orten, vielleicht bringt uns das ein bisschen weiter. Kennst Du Don´s Cousine Ginevra? Sie ist heute aus Dublin gekommen." Stella warf einen kritischen Blick auf Gin, "Stella Bonasera, willkommen in New York", Gin erwiderte den Blick genau so kritisch, ja, möchte ich drauf wetten, dachte sie. Die beiden Frauen konnten sich auf Anhieb nicht leiden. "Danke", sagte Ginny dennoch und rang sich ein Lächeln ab. "Ich bin dann bei Adam", sagte Stella und verlies das Büro. Ginevra? Was war das denn für ein Name? Wie selbstverständlich sie auf Mac´s Couch gelümmelt war, aber das Schlimmste, dachte Stella, war dieser Blick, mit dem Mac die Irin angesehen hatte, irgendwie liebevoll, liebevoll und zärtlich. "Adam! Du musst Flack´s Handy orten und trödel dabei nicht rum!" Stella war gerade egal, daß Adam ihre schlechte Laune abkriegte, der würde das schon aushalten.
"Was will Don denn hier?" Ginevra war entsetzt, es gab wohl auch in Dublin Stadtviertel, die man meiden sollte, zumindest wenn man klaren Verstandes war, aber das hier? "Adam hat nur sein Handy hier geortet, das heisst nicht, daß er auch hier ist", versuchte Mac ein bisschen zu beruhigen. Er hatte bemerkt, wie schockiert Ginny war, obwohl sie ausser diesem einen Satz nichts weiter gesagt hatte. Einer von Flack´s Informanten wohnte hier, Terrence. Mac hielt an und ging mit Gin Richtung Appartement. Sie beäugte kritisch den Hausgang, Graffiti und undefinierbare Flecken, Ginevra wollte nicht wissen, was für welche. Sie griff nach Mac´s Hand und er nickte ihr aufmunternd zu. Sie fühlt sich gut an, dachte er, als er bei Terrence klopfte. "Es wird auch Zeit, Mann", sagte der und zog Mac und Ginny zur Tür herein, "einen Bullen kann ich hier auf Dauer nicht gebrauchen, schlecht für meinen Ruf." Terrence deutete auf Flack, der auf der Couch saß, mehr tot als lebendig, dachte Ginny und setzte sich zu ihm. Sie korrigierte sich, nein, er war einfach sternhagelvoll, "Don? Ich bin´s, Gin", Flack fluchte nur wie ein Brauereikutscher und versuchte sie weg zu schieben, sie verpasste ihm eine schallende Ohrfeige, "ich hab noch mehr davon mitgebracht, wenns sein muss", Don sah aus wie der letzte Penner und genau so roch er auch. Ausserdem schien er in eine Schlägerei geraten zu sein, er hatte Verletzungen im Gesicht und ein blutiges Shirt. "Danke, Terrence", sagte Mac gerade und der nickte, "nicht dafür. Aber Sie sollten dafür sorgen, daß er sich wieder einkriegt, die Kerle in der U-Bahn hätten ihn fertig gemacht, wenn ich nicht zufällig dazugekommen wäre." Terrence verliess seine Wohnung, er würde wiederkommen, wenn die Zwei Flack weggeschafft hatten.
Was genau zwanzig Minuten später der Fall war. Mac und Ginny schleiften ihn mit vereinten Kräften zu Mac´s Wagen und weitere sechzig Minuten später stand Gin vollständig bekleidet mit dem ebenfalls vollständig bekleideten Flack unter seiner Dusche. "Verdammt, was machst Du denn da, das Wasser ist doch eiskalt, geh weg, geht doch alle weg!" "Wenn ich weggehe, dann fällst Du um, Don, willst Du das?!" Ginny schrie Don an und schüttelte ihn gleichzeitig, "Du blöder Idiot, willst Du Dich umbringen?" Flack registrierte erst jetzt, wer ihn da anbrüllte. "Ginny? Oh Gott Ginny, ich bin so froh, daß Du da bist." Don fing an zu zittern und klammerte sich verzweifelt an seine Cousine.
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