II
Mord an Bolg Gundabad!
Heute Mittag wurde Bolg Gundabad, Sohn von Azog Gundabad, einer der reichsten Männer der Stadt, auf der Straße erschossen.
Die Polizei tappt im Dunkeln.
Der Täter ist nicht aufzufinden und seine Motive sind unklar.
Sollte jemand etwas wissen, die Polizei bittet um Hinweise.
Azog Gundabad selber hat eine Prämie für die Ergreifung des Mörders ausgesetzt, sowie für jeden nützlichen Hinweis.
Lachend schaltete der Mann den Fernseher aus.
„Als ob die mich finden würden."
Der zweite im Raum, wesentlich älter, stimmte in sein Lachen ein.
„Wie sollten die auf die Idee kommen, dass du ein Kuckuck bist?"
Die beiden Männer lachten herzhaft.
„Das Spiel beginnt.", meinte der Jüngere schließlich mit einem Glitzern in den Augen.
Der Andere nickte bloß. „Ja. Und ich erwarte jeden Moment einen Anruf."
Gandalf betrat mit einem Lächeln im Gesicht das Büro von seinem Klienten.
„Gandalf, schön, dass du so schnell vorbeikommen konntest", grüßte ihn Azog. Seine Augen waren leicht gerötet und seine Haut wirkte noch blasser als eh schon.
„Mein Beileid zu deinem Verlust, Azog."
Azog lächelte bitter. „Ich danke dir, aber lass uns gleich zum Geschäftlichen kommen. Setz dich." Gandalf setzte sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. Das Leder knarzte leicht.
„Wer ist das Ziel?"
Azog öffnete eine Schreibtischschublade und holte Fotos heraus.
Vorsichtig nahm Gandalf die Bilder an sich und betrachtete den Mann auf den Fotos.
„Du möchtest, dass ich Legolas Greenleaf umlege?" Gandalf zog eine Augenbraue hoch und las sich schnell die Beschreibung von dem jungen Blonden durch. 22 Jahre alt, homosexuell. Ein Bodyguard.
„Rache an Thranduil?"
Azog nickte und seine Finger verkrampften sich um das Glas.
„Wie du weißt, sind Thranduil und ich nicht mehr Partner, seitdem Smaug gestorben ist."
Der Mann in grau hüstelte.
„Ja gut, ich hab vielleicht einen Fehler begangen, aber abwärts ging es, nach Smaugs Tod."
Gandalf zuckte mit den Schultern. „Wenn du meinst."
„Also, übernimmst du den Job?"
Ein Schmunzeln glitt über das Gesicht von dem Auftragskiller. „Sicher. Die Bezahlung ist ja nicht schlecht."
„Du hast nicht zufälligerweise was da wegen deiner Buchführung?"
Azog seufzte und nahm einen Schluck von seinem Wein. „Nur Kopien. Mein Buchführer wurde vor ein paar Tagen erst umgebracht und wer auch immer das war, hat auch die Bücher."
„Scheint so, als ob es jemand auf dich abgesehen hätte, Azog. Aber Kopien gehen auch."
Gandalf blätterte in dem Buch, scheinbar ziellos.
Schließlich tippte er auch einem Namen und zeigte diesen Azog.
„Bard Ibindikhel?", fragte Azog verständnislos. „Was hat dieser Mann mit deinem Job zu tun, Gandalf?"
Der Angesprochene lachte. „Bard Ibindikhel ist der Mann, den ich brauche."
Azog runzelte die Stirn. „Ich verstehe nicht."
Gandalf erklärte: „Legolas Greenleaf ist homosexuell. Der einfachste Weg, an den Mann ranzukommen, ist, ihm einen anderen vor die Nase zu setzen. Bard Ibindikhel schuldet dir 30.000 Pound, er wird den Job machen."
Azog hob eine Augenbraue. „Also bezahle ich dich dafür, dass jemand anderes deinen Job macht?"
Der Auftragskiller verdrehte die Augen. „Ich bin zu alt, als dass Legolas mit mir flirten würde. Bard übernimmt das. Hinterher bring ich ihn um. Das heißt, du bezahlst mich dafür, dass jemanden meinen Job übernimmt, der dir damit dein Geld zurückzahlt und ich ihn hinterher dafür umbringe, damit nichts zu uns zurückführen kann."
Azog hob eine Augenbraue.
„Nachdem Bard Legolas umgebracht hat, werde ich Bard umbringen. Ich ziehe die zwei aus, drücke Legolas meine Waffe in die Hand. Es wird so aussehen, als ob sich die beiden gegenseitig umgebracht haben. Weil sie ja homosexuell sind, sich unglaublich doll lieben, aber keiner sie liebhat, weil sie anderes sind."
Zufrieden mit seiner Erklärung lehnte sich Gandalf zurück.
„Einsprüche?" Er wartete nicht mal auf eine Erklärung, „Gut, dann ist das ja geklärt. Ich spür uns noch Bard Ibindikhel auf. Sobald ich ihn hab, geb ich dir Bescheid. Dann kommt das Spiel ins Rollen."
„Und wann hast du Bard wohl aufgespürt?" wollte Azog wissen.
„Spätestens in zwei Tagen."
"Mein lieber alter Freund!", grüßte Gandalf den Mann im Bürostuhl fröhlich. Der hob eine Augenbraue. „Mir war nicht bewusst, dass wir Freunde sind, Gandalf."
„Ach Thranduil", seufzte Gandalf und setzte sich unaufgefordert in einen Stuhl und lächelte den Mann mit langem, blonden Haar an.
„Freund ist ein Begriff, der immer anders definiert werden kann."
„Oh", Thranduil erhob sich von seinem Stuhl, um auf Gandalf niederstarren zu können, "Und was definierst du heute als Freund?"
Gandalf lachte. „Jemand, der dich davor warnt, dass man versucht, deinen Sohn umzubringen."
Thranduil erstarrte. „Und... wer ist dieser jemand?"
Das Lächeln von Gandalfs Gesicht verschwand. „Ich."
„Das nennst du einen Freund. Du warnst mich davor, dass du meine einzige Familie umbringen willst?", hakte Thranduil Greenleaf nach.
„Ich will Legolas nicht umbringen. Netter Junge."
Thranduil holte tief Luft. „Was willst du dafür, dass du ihn nicht umbringst?"
„Weißt du, in meinem Alter noch in diesem Geschäft zu sein, das ist schon hart. Und ich habe schon immer von einer Insel in der Karibik geträumt, die nur mir altem Mann gehört."
„Also willst du Geld."
„Natürlich will ich Geld. Was würde ich denn sonst haben wollen?"
Thranduil hob die Hände. „Was weiß denn ich? Also, wieviel willst du?"
„Ich will das Doppelte von dem, was mir Azog dafür zahlt, deinen Sohn umzubringen. Dafür erledige ich dir sogar noch gratis Azog Gundabad dazu."
Der Blonde erstarrte. „Du willst Azog umbringen?"
Gandalf hob eine Augenbraue. „Sag bloß, du willst es nicht."
Thranduil schluckte. „Er hat deine Frau umgebracht", flüsterte Gandalf leise und beugte sich vor, „und wollte auch noch deinen Sohn und dich umlegen lassen. Du lagst im Koma für einen Monat. Dein Sohn war im Pflegeheim in der Zeit. Ich biete dir die Chance auf Rache... Möchtest du sie nicht ergreifen?"
Langsam nickte Thranduil.
Gandalf strahlte ihn an. „Gut, dann brauch ich bitte als nächstes deine Finanzbücher."
Thorin Oakenshield trocknete sich gerade ab, als es klopfte.
Bard war nicht da gewesen, weswegen er die Dusche benutzt hatte. Sein Freund würde schon nichts dagegen haben.
Und sein Tag war jetzt auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei gewesen.
Mit nur einem Handtuch um die Hüften ging er zur Tür, es klopfte nochmal. Allerdings stärker.
„Komm schon.", rief er und öffnete dann die Tür.
Ein Mann mit blonden Locken zog an ihm vorbei und in die Wohnung.
„Sorry, Bard, aber ich brau..." Er drehte sich um und erblickte Thorin.
Der betrachtete den kurzen Mann vor ihm interessiert. „Du bist nicht Bard."
Thorin seufzte. „Nein, der bin ich nicht. Ein Freund von ihm jedoch."
„Du hast ein Handtuch an."
Thorin lehnte sich gegen den Türrahmen. „Störts dich? Soll ich es ausziehen?"
Er konnte sich ein Schmunzeln nicht verwehren, als der Mann rot wurde. Richtig süß.
N-nein. Passt schon."
""Möchtest du, dass ich es ausziehe?"
Der Mann wurde noch roter. Thorins Schmunzeln wuchs.
Nach einer kleinen Weile, in der sich der Kleinere gesammelt hatte, sah er Thorin wieder ins Gesicht.
„Bard ist dann wohl nicht da, oder?"
Thorin schüttelte den Kopf. „Nein."
„Schande ist das. Ich brauche nämlich Eier."
Thorin hob eine Augenbraue.
„Zum Kuchen backen. Ich hab zu wenig Eier und deswegen habe ich gehofft, Bard könnte mir welche leihen."
Thorin grinste. „Ich könnte dir auch Eier leihen, musst nur fragen."
Der kurze Mann schlug ihn auf die Schulter. „Nicht die Eier!" Er betrachtete Thorins Gesicht genauer. „Scheiße, was ist denn mit deinem Gesicht passiert?"
Thorin griff sich an die Nase und steuerte den Kühlschrank an, als er antwortete: „Hab ich heute Morgen als Zielscheibe für eine Faust zu nutzen gebraucht."
Er öffnete den Kühlschrank und suchte den Inhalt nach Eiern ab. Es gab tatsächlich noch welche.
„Hab jedoch irgendwie damit gerechnet, muss ich gestehen. Wie viele brauchst du?"
„Zwei. Und wie, du hast du damit gerechnet, öööh?"
Thorin nahm zwei Eier raus und legte sie auf den Tisch. „Thorin Oakenshield."
„Bilbo Baggins, freut mich. Aber wie hast du das gemeint, mit, du hättest das erwartet?"
Thorin verzog sein Gesicht. „Alle guten Dinge sind drei, richtig? Nun, heute Morgen kam eine Nachricht von meinem Boss: Job verloren."
„Super.", kommentierte Bilbo trocken und setzte sich auf einen Stuhl.
Thorin nickte nur. „Genau das war auch mein Gedanke. Dann - um mich abzulenken - beschloss ich, meinen Freund zu besuchen."
Bilbo lehnte sich vor, Thorin erzählte weiter: „Meinen Ex wohl eher. Den erwischte ich im Bett mit einem anderen. Naja, hat mich auch abgelenkt."
Der Blonde schnaubte lachend. „Jedenfalls hab ich Bard angeschrieben, ob er Zeit hätte. Dwalin war nämlich arbeiten." Auf Bilbos fragenden Blick fügte er hinzu: „Mein bester Freund."
„Der schrieb mir, ich könne zu ihm kommen, er ist zuhause. Auf dem Weg zu ihm bin ich dann überfallen worden. Der Typ hat mir in die Fresse geschlagen und ist mit meinem Geldbeutel auf- und davon. Dann war ich endlich hier und wer ist nicht hier? Bard."
Bilbo hob einen Daumen. „Hattest ja einen super Tag."
Thorin schnaubte. „Ich weiß. Hat auch nicht jeder sowas. Was zu trinken?"
„Wasser, bitte.", antwortete Bilbo. „Kennst du Bard schon lange?"
Thorin füllte ein Glas mit Wasser auf. „Von der Schule. Waren zusammen in einer Klasse und der Kontakt hat tatsächlich irgendwie gehalten."
„Sowas ist schön."
Der Schwarzhaarige nickte. „Ja, ist es. Leider sehen wir uns nie so oft, wie wir gerne hätten." Thorin nahm ein Ei in die Hand. „Du kannst backen?"
Bilbo nickte stolz. „Ja. Ist mein größtes Hobby. Ich finde, man kann sich beim Backen immer so schön entspannen."
Thorin grinste. „Ich kann weder backen, noch kochen. Bin eine wandelnde Katastrophe, was das angeht."
Der Blondhaarige lachte. „So schlimm kann das doch gar nicht sein."
Thorin hob eine Augenbraue. „Wenn ich etwas versuche zu backe, geht das Zeug nicht auf. Und was das kochen angeht... ich hab erst letztens wieder die Nudeln an die Decke befördert."
„Die Nudeln an die Decke befördert?", wiederholte Bilbo verdattert.
Thorin konnte nur nicken. „Frag mich bitte nicht, wie ich das angestellt habe. Das weiß ich immer noch nicht. In einem Moment waren sie noch ganz artig in dem Topf, im Nächsten klebten sie an der Decke."
„Ich befürchte, sie wollten nicht gegessen werden, Thorin. Oder du hast sie einfach so böse angeschaut, dass sie vor dir Angst hatten."
„Das war auch der Tipp von einem Freund. Ich bin scheinbar dafür bekannt, oft böse zu schauen."
Bilbo lächelte Thorin an. „Ich glaube, dann muss ich es dir wohl mal beibringen." Er stand auf. „Ich muss dann mal wieder zu meinem Kuchen."
Als Thorin die Tür schließen hörte, blickte er zu den Eiern auf den Tisch.
Nein, er würde Bilbo nicht hinterherlaufen, er trug schließlich immer noch nur sein Handtuch!
„Hab die Eier vergessen!" Bilbo stürmte in die Küche und griff sich die zwei Eier. „Du hättest auch was sagen können, weißt du?", meckerte Bilbo und stupste Thorin in die Brust. „Ich hab sogar schon überlegt, ob ich dir die Eier hinterbringe.", gestand Thorin und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. „Dann ist mir allerdings eingefallen, ich steh hier immer noch nur im Handtuch."
„Über den Anblick hätte sich garantiert jemand gefreut", schmunzelte Bilbo und verließ die Küche. „Ich bring später den Kuchen vorbei!" Rief er dann noch und Thorin konnte nur hinterher blicken.
Was für ein süßer, kleiner Mann. Thorin schüttelte den Kopf, in der Hoffnung, Bilbo Baggins aus seinem Kopf zu verbannen. Diese weichen, blonden Locken...
Gott, er musste sich zusammenreißen!
Und umziehen. So schön dieses Handtuch mit Blumenmuster auch war...
Gerade als Thorin sich umgezogen und sich eine Tasse Kaffee gemacht hatte, klopfte es schon wieder.
Stirnrunzelnd ging der Schwarzhaarige zur Tür; Bilbo war doch nicht schon mit dem Kuchen fertig?
Es klopfte nochmals.
„Komme schon.", murmelte Thorin und öffnete die Tür.
Ibindikhel = Bogenmann, Khuzdul
Thorin hab ich meine Kochkünste ausgeliehen.
