Vielen Dank für eure Reviews *knuddel*
Silverbear – Leider ist die Geschichte nur als Zweiteiler vorgesehen, und ob die Beiden sich finden und wie sich alles entwickelt, weiß eben nur die Zeit und das jetzige Kapitel – viel Spaß beim lesen ;)
Alandra – hihi – mir geht es mit dieser Vorliebe genauso ;) Und ob es mit dem erwünschten Happy-End klappt, musst du schon selbst lesen ;))))
SeverusHermioneSnape – siehe PN ;)
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Was die Zeit mit sich bringt
Das fade Blau war gerade dabei in ein sanftes Grau überzugehen, als Hermine, mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen, an den abgelegenen Küstenstreifen zurückkehrte, an dem sie nur zwei Tage zuvor ihre Zeitreise begonnen hatte.
Nachdem sie die filigrane Kette des Zeitumkehrers umgelegt, und ihre Füße Halt suchend in den kühlen Sand vergraben hatte, setzte sie die kleine Sanduhr in Gang.
Die schwarzen Felsen, sowie die bläulich grauen Wellen des Meers, verschwammen zu einem Gemisch aus Farbe und Licht. Als sich ihre Umgebung wieder normalisiert hatte, erstrahlte der Himmel in einem satten Azur, welches sich leuchtend über die gesamte Fläche des Horizonts erstreckte und nichts deutete darauf hin, dass die Küste um sie herum gerade dreiundzwanzig Jahre gealtert war.
Nichts hatte sich verändert, selbst Severus' Präsenz, die sie noch immer klar und deutlich in jeder Faser ihres Körpers spüren konnte, war ungemindert. Allerdings konnte sie die Tatsache, dass jene Nacht nun genau genommen dreiundzwanzig Jahre in der Vergangenheit lag, nur müde belächeln.
Alles, wonach sie sich jetzt noch sehnte, war ein entspannendes Bad und ein paar Stunden Ruhe in ihrem eigenen Bett. Zufrieden schloss sie ihre Augen und konzentrierte sich auf ihre Heimreise und auf den kleinen Hügel, auf dessen Kuppe Ron, knapp drei Jahre zuvor, ihr gemeinsames, kleines Haus errichtet hatte.
Klar und deutlich hatte sie das Bild vor Augen, ehe sie mit einem leisen Geräusch disapparierte.
***
Der bekannte Duft von mit Morgentau besäten Gräsern war der erste Eindruck, der sie zu Hause willkommen hieß. Kurzerhand öffnete sie wieder ihre Augen und erstarrte.
NICHTS…
Der Platz, an dem sie eigentlich den vertrauten Anblick ihres kleinen Häuschens erwartet hatte, war leer.
Ihre frisch erlangte Zufriedenheit wandelte sich in Furcht.
Verwirrt tastete ihr Blick die brachliegende Umgebung ab – vergebens. Es schien als wäre das Haus nie erbaut worden.
Panik nahm ihren Körper in Besitz und brachte die feinen Härchen in ihrem Nacken dazu, sich warnend aufzurichten.
Etwas musste schief gegangen sein? Nur was?
Innerlich rief sie sich zur Selbstbeherrschung. Es musste eine logische Erklärung dafür geben – ja, es gab immer eine logische Erklärung!
Hatte sie vielleicht den Zeitumkehrer falsch betätigt?
Womöglich. Lediglich eine halbe Umdrehung, konnte die Auswirkung haben, dass sie im falschen Jahr gelandet wäre.
Doch wo bei Merlins Bart bekäme sie Informationen über die derzeitige Jahreszahl her?
In dieser abgelegenen Gegend und um diese Uhrzeit, war es so gut wie aussichtslos, auch nur eine Menschenseele aufzufinden.
Nach einer knappen Überlegungspause hatte sie sich dazu entschlossen, an den einzigen Ort zu apparieren, von dem sie mit Sicherheit wusste, dass dort rund um die Uhr jemand anzutreffen war. Das Zaubereiministerium.
***
Gerade, als sie auf die kleine, rote Telefonzelle zusteuerte, bemerkte sie jemanden, auf dessen Gesellschaft sie im Normalfall keinen Wert legte, die ihr nun jedoch sehr gelegen kam…
"Draco – warte!" Sie eilte auf den blonden Zauberer zu, der mit einem Fuß bereits die Zelle betreten hatte.
Er stoppte, drehte sich zu ihr und musterte sie sogleich mit argwöhnischem Blick. "Kennen wir uns?"
Aus der Nähe erkannte Hermine erleichtert, dass Dracos äußere Erscheinung sich seit ihrer letzten Begegnung nicht grundlegend verändert hatte.
"Hör auf damit, Draco! Ich habe nur eine kurze Frage, danach lasse ich dich wieder in Ruhe.", stieß sie entnervt hervor.
"Tut mir leid, aber ich kenne sie nicht!"
"Natürlich kennst du mich! Hör jetzt endlich auf mit den Spielchen und sag mir welches Datum wir haben!"
Dracos Lippen kräuselten sich voller Abscheu. "Ich wüsste wirklich gerne, woher sie meinen Namen kennen und warum sie sich erdreisten, mir Anweisungen zu erteilen?!"
Hermines Geduldsfaden, drohte zu zerreißen. "Ich bin es, Hermine!"
"Welche Hermine?"
"Hermine Granger! Gryffindor! Wir waren in Hogwarts in einem Jahrgang! Meine Güte Draco, bist du heute Morgen auf den Kopf gefallen?"
Mit einer gehörigen Mischung aus Ärgernis und Verwirrung, legte Draco seine Stirn in Falten. "Vollkommen unmöglich!" Erneut blickte er sie forschend an. "Du kannst nicht Hermine Granger sein!"
"Was redest du da? Ich werde es wohl besser wissen als du!"
"Wenn du Hermine Granger sein willst, wie ist dann dein Blutstatus?"
"Was soll das jetzt wieder? Du weißt doch genau, dass ich eine Muggelgeborene bin!"
"Bist du dir sicher?"
Entnervt rollte Hermine mit ihren Augen und stieß ein verärgertes Schnauben aus. "Natürlich!", gab sie gepresst zurück.
"Na wenn das so ist…" Abrupt zierte ein perfides Grinsen die Lippen des jungen, blonden Mannes und ein lauter Knall ertönte.
Ihr Zauberstab wurde ihr aus Hand gerissen und dünne Seile schlangen sich um ihre Handgelenke.
"Verdammt was fällt dir ein?!", brüllte Hermine. "Mach mich wieder los! SOFORT!"
Doch was folgte, war eine schallende Ohrfeige, die sie schlagartig zum Verstummen brachte.
"Die einzige Hermine Granger die ich kannte, war nichts weiter als eine lästige Besserwisserin! Ein dreckiges Schlammblut – wie du!" Er blickte sie angewidert an. "Allerdings ist eben dieses Schlammblut bereits in unserem zweiten Jahr auf Hogwarts gestorben. Damals als die Kammer des Schreckens geöffnet wurde und der dunkle Lord sich wieder erhob."
"WAS?!" Hermine stockte der Atem. "Das ist unmöglich! Hörst du! UNMÖGLICH! Was redest du bloß für ein wirres Zeug?"
"Nennst du mich etwa einen Lügner?!", stieß Draco hervor, während er sich bückte um ihren Zauberstab aufzusammeln.
"Das ist vollkommen abwegig! Wie kannst du nur so etwas sagen?! Das kann nicht sein! Harry hat es verhindert!"
"Welcher Harry? Meinst du etwa Harry Potter?"
Sie nickte und Draco folgte mit einem verspottenden Lachen. "Potter – die große Hoffnung – gestorben an Genickbruch im ersten Jahr beim Quidditch. War zu blöd, um auf einem Besen zu sitzen. Soviel zum Thema: Der Auserwählte."
Übelkeit kroch allmählich ihre Kehle hinauf, schnürte ihr den Atem ab und obwohl die Sonne bereits die Londoner Gassen mit einer angenehmen Wärme erfüllte, fröstelte es sie.
Konnte auch nur ein Funken Wahrheit in Dracos Worten liegen? Hätte ihre Reise wirklich solch katastrophale Auswirkungen mit sich ziehen können?
NIEMALS! Alles was sie getan hatte, war lediglich eine einzige Nacht mit Snape zu verbringen.
Dracos Behauptungen waren einfach zu abwegig. Doch was würde ihn dazu veranlassen, ihr solche Geschichten aufzutischen?
Wie sie ihn kannte, würde er nichts tun, ohne daraus einen persönlichen Vorteil erhaschen zu können, oder aber jemanden mit einer niederschmetternden Wahrheit zu demütigen.
"Sagst du mir auch wirklich die Wahrheit?", fragte sie mit zitternder Stimme.
"Was würde es mir bringen ein unwürdiges Schlammblut anzulügen?"
So sehr Hermine auch danach gierte, Dracos Aussagen als Lügen zu entlarven, nichts an ihm deutete darauf, dass er die Unwahrheit sprach. Und erfahrungsgemäß wusste sie, welch ein schlechter Lügner er war.
Unter der Last der Erkenntnis spürte sie allmählich wie ihre Beine den Dienst verweigerten, woraufhin sie kraftlos in die Knie sackte und Tränen ihren Blick verschleierten.
"Und Ron Weasley?", fragte sie tränenerstickt.
"Was interessieren mich die Weasleys! Haben all ihre Kinder von Schule genommen, nachdem ihre Schwester gestorben war. War besser so, danach war die Luft auf Hogwarts deutlich reiner. Und jetzt hör endlich auf, mich mit deinen lästigen Fragen aufzuhalten! Soll sich doch die Registrierungskommission für Muggelstämmige darum kümmern, wer oder was du bist!" Mit diesen Worten packte Draco Hermine am Arm und zerrte sie mit einem kräftigen Ruck wieder zurück auf die Beine.
Sie stolperte, der Zeitumkehrer rutschte aus ihrem Ausschnitt und landete mit einem leisen Klimpern auf ihrem Dekolleté. Dracos skeptischer Blick wechselte nun von ihrem tränenverschmierten Gesicht zu dem glitzernden Schmuckstück.
"Ein Zeitumkehrer?! Ich gehe davon aus, dass du weißt, wie illegal dieser Gegenstand ist!" Noch bevor Hermine etwas erwidern konnte, riss er die filigrane Kette von ihrem Hals und warf sie, den Zauberstab darauf zielend, zu Boden.
"NEIN! BITTE! Es ist die einzige Möglichkeit wie ich –", stieß sie hervor, doch ihre Stimme erstarb mit dem Zerbersten des magischen Anhängers. Die einzige Hoffnung, ihre Fehler eventuell wieder beheben zu können, war zerstört.
Wie durch einen Nebel starrte sie apathisch zu den winzigen Splittern am Boden und registrierte dabei nicht einmal, wie Draco sie mit sich in Richtung des Besuchereingangs zog.
Erst als sich die schwere Tür der Telefonzelle mit einem lauten Scheppern schloss, erwachte Hermine aus ihrer Starre.
"Was hast du vor?", schluchzte sie.
"Ich werde dich gleich runter zu den Gerichtssälen bringen, die Kommission wird schon wissen, was sie mit dir anzufangen hat. Zuvor muss ich jedoch noch etwas von äußerster Dringlichkeit erledigen."
Hoffnungslos sank ihr Kopf in die Tiefe. Und im selben Augenblick, als ihre Tränen erneut den Weg zu Boden fanden, stoppte der Aufzug mit einem starken Ruckeln. Dir Tür schwang zur Seite und offenbarte einen düster wirkenden Gang, dessen Ende eine große, schlichte Tür aus Ebenholz zierte.
Unfähig ihren Kopf unter dem Gewicht ihres neuen Schicksals wieder zu heben, ließ sie sich widerstandslos von Draco den Gang entlang bis hin zu dem schwarzen Türblatt führen. Wortlos klopfte er und betrat mit Hermine den Raum.
"Guten Morgen, Sir. Entschuldigen sie die frühe Störung, aber mein Vater sagte sie würden dringend diese Unterlagen hier benötigen." Hermine spürte wie er in seinen Umhang griff und etwas daraus hervorzog.
"Wie geht es denn unserem Herrn Minister?", erwiderte eine ölige Stimme sarkastisch.
Draco lachte. "Mein Vater erholt sich, während wir Anderen die Arbeit erledigen – das Übliche eben."
Wieder ertönte die dunkle Stimme und für einen kurzen Moment, meinte Hermine diese zu kennen: "Richte ihm meine Grüße aus."
Kraftlos hob Hermine ihren Kopf und erstarrte.
Vor ihr, an einem großen Schreibtisch, ebenfalls aus edlem Ebenholz, saß Severus über einem Stapel Pergamente.
Sein sonst so makellos schwarzes Haar durchzogen nun vereinzelte graue Strähnen und die Erschöpfung, die seinen Gesichtszügen eindeutig anzusehen war, deutete auf viele, schlaflose Nächte hin. Die Zeit hatte eindeutig mehr Spuren an ihm hinterlassen, als sie es in Erinnerung hatte. Doch trotz allem hatte seine Ausstrahlung nichts von seiner Würde oder seiner anmutigen Haltung eingebüßt. Und auch das geheimnisvolle Funkeln seiner schwarzen Augen war noch immer das Selbe geblieben.
"Severus?", murmelte sie ungläubig.
Erst beim Erklingen ihrer Stimme wandte Snape seinen Blick der kläglichen Gestalt an Dracos Seite zu. Augenblicklich erstarrte er und die spärliche Restfarbe seines Gesichts wich einem kargen Weiß.
"Wen hast du da?" Mit aufbauschendem Umhang erhob er sich von seinen Schreibtisch und kam geradewegs auf die beiden Besucher zu.
"Nur ein Schlammblut, Sir. Behauptet Hermine Granger zu heißen. Ich bringe sie gleich nach –" Doch Dracos Stimme erstarb. Und erst einen kurzen Moment später begriff Hermine, dass Snape seinen Zauberstab auf den blonden Zauberer gerichtet hielt.
"Geh nach draußen Draco und warte vor meiner Tür. Ich werde mich gleich um dich kümmern."
"Jawohl." Der Blick des jungen Mannes wirkte abwesend, doch Unverzüglich folgte er Snapes Geheiß und verließ den Raum.
Als die Tür hinter ihm zuschlug, wandte sich Snape wieder Hermine zu.
Mit seinem eindringlichen Blick hielt er sie fixiert, packte sie an den Oberarmen und drängte sie wortlos an die nächstgelegene Wand. Mit weit aufgerissenen und von Tränen geröteten Augen blickte Hermine zu ihm hinauf. Sie fühlte sich fürchterlich klein und – im wahrsten Sinne des Wortes – gefangen und in die Ecke gedrängt.
"Severu…", setzte sie an, doch noch ehe sie seinen Namen vollständig aussprechen konnte, unterbrach Snape sie mit wutverzerrtem Gesichtsausdruck.
"WO BIST DU GEWESEN?! WO… VERDAMMT… BIST DU GEWESEN?!" Es war erstaunlich, dass er es trotz gebleckter Zähne, schaffte zu brüllen.
"Ich…"
"ICH HABE MEIN HALBES LEBEN DAMIT VERBRACHT NACH DIR ZU SUCHEN!!" Seine Stimme ähnelte dem dunklen Grollen eines tosenden Gewitters. "WER ZUM TEUFEL BIST DU WIRKLICH?!"
"Ich bin Hermine, Hermine Granger – das muggelgeborene Mädchen aus Hogwarts."
"Muggelgeboren? Die einzige Hermine, an die ich mich erinnere, hat mir vor dreiundzwanzig Jahren erzählt sie wäre reinblütig und mit Hector Dagworth-Granger verwandt. Ich habe jeden noch so feingliedrigen Zweig von dessen Stammbaum überprüft. Erfolglos, wie du sicherlich weißt!" Seine Kiefer begannen zu malmen. "Wieso? Wieso hast du mich angelogen?"
Beschämt ließ sie den Kopf sinken. "Nur um dich zu beeindrucken."
Snape schloss seine Augen und erleichterte sich mit einem abfälligen Schnauben.
Kurzerhand drehte er ihr den Rücken zu und schritt quer durch den Raum. Hinter seinem Schreibtisch, ließ er sich, begleitet von einem fassungslosen Seufzen, zurück in seinen schwarzen Ledersessel sinken und strich sich fahrig die störenden Strähnen seines ergrauten Haars aus dem Gesicht. "Du warst dir also vollends darüber bewusst, was du mir antun würdest. Ist dem nicht so?" Er bedachte sie mit anklagendem Blick.
Sie wollte zu ihm. Sein Gesicht berühren. Ihn in ihre Arme schließen. Doch als sie auf ihn zutrat und ihm ihre Hände entgegen hob, bemerkte sie stattdessen, dass ihre Handgelenke noch immer aneinander gefesselt waren. Mit einer unwirschen Bewegung seines Zauberstabs durchtrennte Snape die geflochtenen Seile.
Mit nahezu flehendem Blick sank sie neben ihm zu Boden und legte in einer demütigen Geste ihren Kopf auf sein Knie. Er ließ sie gewähren.
"Es tut mir so leid, bitte verzeih mir", murmelte Hermine eine grob geschätzte Ewigkeit später.
"Dir verzeihen? Weißt du überhaupt, was du mir angetan hast?" Obwohl seine Worte voller Unmut gesprochen waren, klang seine Stimme verletzt.
Sie hob ihren Kopf, ergriff seine Hände und blickte ihn dabei, um Verzeihung heischend, an. "Ich konnte doch nicht wissen, wohin das alles führen würde."
Mit verärgerter Mimik entzog er ihr seine Finger. "Wohin das führen würde?! Die Menschen unterstellten mir, ich würde einem Schatten hinterher jagen. Und obwohl es keinerlei Spur; keinerlei Lebenszeichen von einer Hermine Granger gab, habe ich die Suche nach dir niemals aufgegeben. Lucius riet mir, dich zu vergessen, doch ich konnte es nicht – NIEMALS! Es gab Tage, an denen ich an mir selbst zweifelte. Tage, an denen ich glaubte, du wärst nichts weiter als ein Geist, der mich in meinen Träumen heimgesucht hatte. Ein Trugbild, das sich in meinen Verstand eingebrannt hatte, wie glühendes Eisen in Holz." Er beugte sich zu einem Schubfach in seinem Schreibtisch und kramte etwas hervor. "Doch das hier hat mir all die Jahre die Zuversicht verschafft, dass ich nicht verrückt war."
Das Grün ihres seidenen Haarbandes war mittlerweile nicht mehr als das zu erkennen, welches es dreiundzwanzig Jahre zuvor gewesen war. Er hatte es aufbewahrt – all die Zeit.
Snape begann zu erzählen: "Angetrieben von diesem Beweis, suchte ich über den Stammbaum der Dagworth-Grangers hinaus, in den Akten der kompletten magischen Welt Großbritanniens. Doch alles was ich zunächst fand, war eine alte hundertsiebzehnjährige Hexe namens Hermine Granger. Sie lebte in einem kleinen schottischen Dorf nahe Elgin. In meinem jugendlich naiven Wahn wagte ich sogar, ihr einen Besuch abzustatten. Doch erwartungsgemäß war dieser nicht mit all zu großem Erfolg gekrönt." Er holte tief Luft und der Klang seiner Stimme verhärtete sich. "Dann kam der Fall des Dunklen Lords. Als sein Anhänger kam ich nach Askaban. Mir wurden, gezwungener Maßen, bei meiner fortwährenden Suche die Hände gebunden. Einzig das Wissen, dass du irgendwo da draußen warst und ich noch immer die Hoffnung nicht aufgegeben hatte, dich irgendwann wieder zu finden, bewahrte meinen Verstand vor dem Wahnsinn. Etwa zwölf Jahre später, als der Dunkle Lord wieder auferstand, kam ich endlich wieder frei und setzte meine Suche fort. Und tatsächlich, ich fand in den Aufzeichnungen eine weitere Hexe namens Hermine Granger. Allerdings muggelstämmig. Sie wurde einige Monate nach unserer gemeinsamen Nacht geboren. Völlig absurd."
Hermine verschlang förmlich jede Silbe, die seine Lippen verließ. "Was wurde aus ihr?"
"Sie starb wenige Monate bevor der Dunkle Lord mich und die restlichen seiner Anhänger aus Askaban befreien konnte. Ich bin ihr nie begegnet."
"Das war ich", wisperte sie niedergeschlagen. "Wieso nur musstest du nach Askaban? Dumbledore hatte doch für dich gebürgt und dich in Hogwarts angestellt. Du warst mein Professor für Zaubertränke!"
"WAS?!", herrschte er sie verwirrt an. "Weshalb hätte der alte Narr für mich bürgen sollen? Und wie kommst du auf solch einen Irrsinn?"
Entsetzt krallten sich ihre Finger in den festen Stoff seiner Hosenbeine. "Du warst niemals in Hogwarts?"
"Niemals! Weshalb sollte ich?"
"Aber du… Dumbledore hat dich doch in seine Dienste genommen, als du ihn damals aufgesucht hattest… wegen Lily Potter"
Severus zuckte kurz zusammen. "Woher weißt du von Lily?"
Hermine blickte entgeistert. "Ist das denn wichtig? Alles was zählt ist, das ich weiß, wie stark deine Liebe für sie ist."
"Meine Liebe für sie war", berichtigte er sie. "Lily Evans hatte ihre Chance. Sie hat sie vertan, indem sie sich für Potter entschied. Ja, ich liebte sie, doch dann kamst du."
"Aber du hast Dumbledore um Lilys Rettung gebeten."
"Ich habe niemals irgendjemand um die Rettung einer Person gebeten. Ebenso wenig wie ich Professor für Zaubertränke war. Nach deinem Verschwinden habe ich eine Stellung im Ministerium angenommen, um Einsicht in alle Akten zu erlangen. So suchte ich nach dir."
Plötzlich machte alles einen Sinn. Ihr wurde klar, dass ihre gemeinsame Nacht, für Snape vor dreiundzwanzig Jahren, horrende Auswirkungen auf die gesamte magische Gemeinschaft mit sich gezogen hatte.
Ermattet sank Hermine zurück auf ihre Fersen und blickte apathisch zu Boden. "Deshalb also. Deshalb musste Harry sterben. Weil du nicht da warst um ihn zu schützen."
"Von welchem Harry redest du?"
"Harry Potter. Lily Evans und James Potters Sohn."
"Was interessiert mich das Wohl von James Potters Balg? Und wie kommst du auf solch absurde Theorien?"
Sie schüttelte den Kopf und vergrub ihr Gesicht in den Händen, welche den Klang ihrer wimmernden Stimme dämpften. "Es ist so viel zu erklären."
Sie sah nicht, wie sich seine verhärteten Gesichtszüge entspannten, doch sie hörte, dass seine Stimme sich beruhigt hatte, als sie sich, in einem nahezu sanften Ton, erhob: "Erzähl es mir. Wir haben alle Zeit der Welt. Ich habe Jahrzehnte nach dir gesucht, meinst du etwa ich würde dich je wieder gehen lassen?" Er legte seine Finger unter ihr Kinn und hob ihren Blick dem seinen entgegen. Behutsam wischte er ihr die Tränen aus dem Gesicht und belegte ihre Lippen mit einem zärtlichen Kuss. "Ich weiß nicht, was du getan hast, oder wie du es geschafft hast nicht zu altern, während die Zeit an allen Anderen ihre Spuren hinterlassen hat. Doch die Hauptsache ist, dass ich dich wieder habe. Du hast dein Versprechen mir gegenüber gehalten, auch wenn es dreiundzwanzig Jahre gedauert hat."
Er zog sie auf seinen Schoß und presste sie mit solcher Stärke an seinen Körper, als wollte er sich von der Echtheit ihrer Anwesenheit überzeugen.
Es dauerte eine ganze Weile, bis er wieder dazu bereit war, ihrem Körper ein wenig Freiraum zu gönnen.
"Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, wie du bei Borgin & Burkes vor mir standest und nach Felix Felicis fragtest." Er stich ihr die wirren Strähnen aus dem Gesicht. "Du siehst noch immer genauso schön aus wie damals." Erneut benetzte er ihre Lippen mit einem gekonnten Kuss.
"Was wird nun aus mir?", murmelte sie ängstlich.
Snape strich ihr das Haar von den Schultern. "Sorge dich nicht darum, dass du eine Muggelgeborene bist. Ich bin in der Lage, dir eine Identität zu verschaffen, die reiner ist, als der Stammbaum der Blacks."
Matt blickte Hermine zu der schwarzen Tür, von der sie mit Sicherheit wusste, dass Draco noch immer dahinter wartete.
Allem Anschein nach war Snape ihr besorgter Blick nicht entgangen. "Fürchte dich nicht, Draco ist keine Gefahr. Ich werde mich schon um ihn kümmern – doch erst nachdem ich mich um dich gekümmert habe." Sanft zog er ihren Kopf auf seine Schulter und liebkoste ihre Halsbeuge mit einem zärtlichen Kuss.
Während seine Lippen ihre empfindlich blasse Haut verwöhnten, fiel ihr Blick auf eine kleine Reihenfolge von Runen, welche verstohlen unter seinem schwarzen Halstuch hervorlugten – seine Sträflingskennzeichnung aus Askaban.
Schlagartig wurde sie sich den Folgen ihres egoistischen Handelns bewusst. Doch es würde noch lange brauchen, bis sie endlich die gesamte Tragweite ihrer Reise realisiert hätte.
Die gesamte magische Welt würde nie wieder die sein, die sie aus ihren Erinnerungen kannte.
Sie hatte alles verloren – alles bis auf den Mann den sie liebte.
Du kannst Menschen nicht ändern, ohne zu zerstören was Sie waren!
Denn die Chaostheorie besagt, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings
auf der anderen Seite der Erde einen Wirbelsturm auslösen könnte.
(Edward N. Lorenz)
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Noch sind die Seiten im Buch der Zeit mit einer gähnenden Leere gefüllt und nur wir selbst halten die Feder, die in der Lage ist, jene Seiten zu füllen…
In diesem Sinne hoffe ich, dass euch meine kleine Geschichte gefallen hat. Welchen Weg die Beiden gemeinsam beschreiten weiß nur die Zeit, aber ich bin mir sicher eure Fantasie wird euch den richtigen Weg leiten. ;)
Über Feedback bin ich euch natürlich immer Dankbar.
Ganz liebe Grüße
Missy ;)
