Hmm, hier also das zweite Kapitel und endlich der Teil indem die beiden aufeinander treffen das erste Mal danach... Viel Spass

Eure Sora

2. Kapitel

Er träumte, das war ihm klar. Nur verstand er den Traum nicht. Er schien zu fallen in eine tiefe und unendliche Schwärze. Schliesslich landete er in den Armen einer Person und fühlte sich so unendlich geborgen und sicher. Sein Kopf hob sich, um zu erkennen, um wen es sich handelte, doch bevor er das Gesicht erkennen konnte, wachte er schon auf.

Er verfluchte die lauten Geräusche, die um ihn gemacht wurden und vor allem das gleißende Licht, was nun den Raum erhellte. Fluchend öffnete er die Augen und beobachtete zwei Krankenschwestern. Während die eine sich blitzschnell an seinem Arm zu schaffen machte, um den Katheter zu entfernen und ihm dann fest ein Stück Watte auf die blutende Stelle drückte, stellte die andere ihm ein Tablett mit einer undefinierbaren Suppe auf den Nachttisch. Nach einem kleinen Wortgefecht mit einer der Schwestern, die ihn füttern wollte, war er wieder allein. Angeekelt sah er auf das Essen und schob es mit seinem gesunden Arm weg.

Die Augen geschlossen und versuchend sich zu entspannen ersehnte er sich den Traum zurück. Wieso ihm gerade das so wichtig erschien, konnte er sich nicht vorstellen oder erklären.

Den Traum hatte er in jeder Nacht erneut und schaffte es zumindest in die Augen des Menschen zu sehen. Haselnußbraun waren sie und sie blickten so intensiv in die seinen, dass es ihn erschauerte. Dies aber durchaus nicht auf eine schlechte Art.

Viel Zeit blieb ihm dafür aber nicht über den Tag. Jeden Tag musste er zur Rehabilitation und seine rechte Hand zu trainieren. Wenn er nicht im Ubungsraum war, dann hatte er Besuch von seiner Mutter oder Schwester. Von Debbie oder anderen sah er nichts. Seine Mutter erklärte ihm, dass sie ihn nicht ‚überfallen' wollten und er sich doch erst einmal an seine Familie ‚gewöhnen' sollte. Er konnte nicht erklären wieso, aber genau das kam ihm falsch vor. Auch fehlte so viel in den Erzählungen seiner Mutter über sein Leben. Als wäre das letzte Jahr vollkommen ausgeloschen. Sie besaß keine Bilder aus dem letzten Jahr, wobei davor Unmengen existierten, erklärte ihm nach wie vor nicht den Grund seines Auszugs und schien auch so viele andere Geheimnisse vor ihm zu haben.

Dies frustrierte ihn noch mehr und verschlechterte seine Kopfschmerzen um einen Großteil. Denn immerhin zwang er sich noch mehr dazu, endlich sein Erinnerungsvermögen wieder zu finden.

Er war nun bereits über drei Wochen im Krankenhaus und die täglichen Übungen mit seiner Hand machten sich bemerkbar, wenn auch nur langsam. Dabei trieb er sich selbst immer weiter an. Aber nur aus dem Grund, dass er endlich hier raus wollte und wissen, was wirklich mit ihm passiert war und was man ihm verheimlichte.

Es war mitten in der Nacht, als er erwachte, noch die schönen braunen Augen in seinem Sinn. Leise Stimmen vor der Tür waren zu hören.

„Sie sollten nicht hier sein", sagte eine junge Frau .„Sie wissen, dass seine Mutter jeglichen Besuch untersagt hat und erst recht ihren"

„Sehe ich aus, als würde ich ihn besuchen", erwiderte die Stimme eines Mannes. Das erste Mal glaubte er etwas zu kennen. Und sei es nur diese Stimme. Sie weckte etwas in seinem Unterbewußtsein und auch wenn er ihr kein Gesicht, keinen Körper oder Namen zuordnen konnte, so wusste er doch, dass er den Mann kannte. Nein, kennen musste, nur in welchen Zusammenhang, das konnte er noch nicht sagen.

„Nein, aber..."

„Wie geht es ihm", fragte er, ihren Einwand gar nicht hören wollend. Es dauerte eine Weile, ehe die Frau antwortete. Justin vermutete, dass sie mit sich rang.

„Sein Erinnerungsvermögen fehlt noch immer, aber seine Hand wird langsam besser. Dr. Martin vermutet, dass er spätestens in ein paar Tagen nach Hause entlassen werden kann, wenn er weiter so gut an sich arbeitet." Es war nichts, was Justin nicht schon kannte „Aber das ist nichts, was ich ihnen nicht schon gestern, vorgestern oder den Tag davor gesagt habe." Das fand der junge Patient nun interessant. Besuchte ihn dieser Mann etwa jede Nacht? Aber wer war er? Ein Onkel? Ein Freund? Sein Vater? Nein, letzteres konnte es nicht sein. Seine Mutter hatte ihm erklärt, dass sein Vater nach einem großen Familienstreit nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Eine weitere Sache, die sie ihm nicht näher erklärt hatte und wollte. Auch ein Onkel war es nicht. Nur wenige Familienangehörige lebten hier in Pittsburgh wie er von seiner Mutter wusste. Also, musste es ein Freund sein.

Dann erfaßte ihn ärger. Was erlaubte sich Jennifer Taylor zu bestimmen, wer ihn zu besuchen hatte und wer nicht? Dachte sie nicht daran, dass vielleicht durch andere Menschen, andere Erzählungen sein Gedächtnis wieder kommen konnte.

„Sie sollten nun wirklich gehen. Etwas schlaf würde ihnen auch gut tun", hörte er nun wieder die Schwester sagen. Der Mann schien ihr zuzustimmen, denn wenig später hörte er sich entfernende schwere Schritte und Ruhe kehrte ein. Kurz überlegte Justin aufzustehen und ihm zu folgen, aber verwarf den Gedanken wieder. Er würde in der nächsten Nacht einfach wach bleiben und auf den für ihn Bekannten warten.

Er machte sich am nächsten Tag beim Besuch seiner Mutter nicht die Mühe nach dem Mann zu fragen. Bei seinem Glück würde sie wohl sich beim Krankenhaus beschweren und verhindern, dass auch nur ein anderer ausser ihr in seine Nähe kam. Aber wie sonst verhielt er sich ihr gegenüber nicht. Noch kühler, noch reservierter war er und vertiefte sich dagegen in einem Buch, was sie ihm vor Tagen mitgebracht hatte. Ein paar Mal versuchte sie, mit ihm zu sprechen, aber er reagierte nicht und bald schon wieder ging sie.

Immer wieder starrte er auf die Uhr und war bereits kurz vorm Einschlafen, als er kurz nach drei Uhr morgens schliesslich Schritte auf dem Flur hörte.

„Mr. Kinney", hörte er die Schwester und Justin stand langsam aus seinem Bett auf, um zur Tür zu tapsen.

„Brian", erwiderte der Mann und wieder durchfuhr Justin das Gefühl den Mann zu kennen. Brian Kinney. Irgendetwas weckte der Name in ihm nur was war es? Vertrautheit? Oder doch etwas anderes? Seine Hand berührten die Tür und drückten vorsichtig die Klinke hinunter. Einen Spalt öffnete er die Tür und beobachtete die Schwester und Brian Kinney in einem Gespräch. Beide hatten ihm den Rücken zugekehrt und bemerkten daher nicht den heimlichen Lauscher. Endlich konnte er der Stimme einen Köper geben. Und was für ein Körper. Schlank und in Justins Augen genau richtig gebaut. Dunkelbraunes dichtes Haar reichte bis in seinen Nacken und er wünschte sich nichts mehr als mit seinen Händen dadurch zu fahren und die braungebrannte Haut zu kosten. Von sich selbst und dem Gedanken erschreckt, schüttelte er etwas den Kopf und fuhr sich durch sein blondes Haar.

„Vielleicht sollte ich ihnen hier ein Bett einrichten", sagte sie seufzend.

„Krankenhausbetten sind nicht wirklich meine Vorstellung von gutem Schlaf", erwiderte er.

„Sie sind unverbesserlich. Und es gibt auch nichts ‚ begann sie und drehte sich dabei um. Ihre Worte endeten, als sie Justin in der Tür sah. Brian Kinney folgte ihrem Blick und endlich fand der Patient den Ursprung seiner Träume wieder. Die Augen des Mannes waren genau so, wie sie ihm

jede Nacht erschienen waren. Haselnußbraun. Nur blickten sie eher geschockt und überrascht, bevor sich eine Maske auf das ganze Gesicht legte.

Danke, Schwester. Ich denke, ich finde den Ausgang auch alleine", sagte er und wollte davon eilen.

„Warten sie', rief ihm Justin hinterher. „Mr. Kinney, Brian, bitte warten sie." Mit nackten Füssen folgte ihm Justin unsicher. Der Mann war stehen geblieben und beide standen sich nun auf dem hell erleuchteten Flur gegenüber.

„Mr. Taylor, sie sollten zurück in ihr Bett", mischte sich die Schwester ein und sah auffordernd zu Justin.

„Gleich", wehrte er sie mit einem Winken ab, nicht einen Moment ließ er dabei Brian aus dem Blick. „Sie kennen mich? Fragte er ihn.

‚Flüchtig, erwiderte er und wollte vorbei an Justin gehen. Nur ergriff dieser seinen Arm und hielt ihn zurück.

Bitte, ich störe sie nur kurz", ein schnaufen kam dabei von dem Mann, was Justin etwas verwirrte. ..Nur ein paar Fragen, okay?"

„Hör mal, Junge, dafür habe ich keine Zeit. Ich ‚ begann Brian, aber die Schwester mischte sich nun ein.

„Keine Zeit? Sie verbringen sonst hier noch mindestens eine Stunde." „Ich dachte, ich sollte gehen", giftete er sie an.

„Das war bevor...", sie deutete auf Justin, der noch immer seinen Arm fest hielt. Erst verstand er die Geste nicht, aber schließlich wurde ihm klar, was sie meinte. Er hatte den Mann angefasst. Seit den letzten zwei Wochen hatte er niemanden, nicht einmal seine Mutter, ihn berühren lassen. Er hatte jedes Mal eine furchtbare Panikattacke bekommen, sobald ihm auch nur einer der Ärzte oder eine Schwester zu Nahe kamen, sei es nun für Untersuchungen oder auch nur Kleinigkeiten. Selbst wenn man ihn nur streifte, versteifte er sich und zuckte blitzschnell zurück.

„Bitte", sagte Justin noch einmal und sah flehend in die inzwischen emotionslosen Augen. Die Muskeln unter seiner Hand entspannten sich und Brian nickte.

„Aber in deinem Zimmer. Du solltest wirklich nicht mit nackten Füssen hier herum laufen", gab er zu bedenken. Bei dem kleinen Sieg hätte Justin jubilieren können. Nicht den Mann loslassend, als ob er sicher gehen wollte, dass er auch ja mit kommt, ging er zurück in sein Zimmer und setzte sich auf sein Bett. Die Krankenschwester hatte nur den Kopf über die beiden geschüttelt und hatte sie allein gelassen.

„Sie können sich ruhig setzen", sagte Justin und deutete auf einen der Besucherstühle in der ecke.

„Kannst du bitte mit dem ‚Sie' aufhören und ich hatte nicht vor mich zu setzen. Frag, was du wissen willst, dann bin ich auch schon wieder weg", kam es entnervt von Brian, aber Justin war der Meinung auch etwas wie Nervosität zu hören.

„Okay. Sie... du bist jede Nacht hier, nicht wahr? Ich mein, wieso? Warum? Meine Mutter hat mir noch nie von dir erzählt. Na ja, überhaupt spricht sie nicht viel von meinen Freunden. Gerade einmal Daphne hat sie erwähnt, aber ich glaube nicht, dass das alle sind", sagte er nervös und schaute dabei auf seine Bettdecke.

„Deine Mutter und ich verstehen uns nicht besonders", sagte Brian nur. „Ist das alles? Ich muss morgen wirklich früh raus."

„Das beantwortet noch lange nicht meine anderen Fragen." Justin blickte zu ihm auf. „Sind wir Freunde oder so was?

‚Mehr oder so was", murmelte er mehr zu sich selbst. „Ich werde jetzt gehen. Deine Mutter wird schon ihre Gründe haben, dass ich nicht zu dir kommen soll."

„Nein bitte", sagte Justin und stand wieder aus seinem Bett auf. „Bitte gehe nicht."

„Du kennst mich nicht einmal", warf Brian ein und traf damit eine tiefe Wunde bei Justin. Ja natürlich, kannte er ihn nicht. Nicht mehr, aber es war irgendetwas vertrautes an Brian.

„Nein, das nicht. Aber du bist der erste, bei dem ich nicht das Gefühl habe vor einem völlig Fremden zu stehen. Bitte bleib oder komm wenigstens morgen wieder, wenn du keine Zeit mehr heute hast."

"Es wäre keine gute Idee", wandte Brian ein. Kurz schien er mit sich zu kämpfen, ehe er das Zimmer verließ ohne auch nur einen Blick zurück zu werfen. Justin folgte ihm nicht, auch wenn er es wirklich wollte. Zu gehetzt wirkte der Blick. Innerlich beschlossen, dass er morgen seine Mutter auf das Besuchsverbot ansprechen würde, legte er sich ins Bett. Doch dieses Mal sah er nicht die braunen Augen in seinem Schlaf, sondern das ganze Gesicht und den gesamten Körper von Brian, der ihn beschützend in seinem Arm hielt.

tbc.