2. Eulen und Chaos

Während Mrs. Figg weiterhin über diese Mundungus Fletcher-Person zeterte und Dudley immer noch am Boden wimmerte, versuchte Harriet zu begreifen, was den nun eigentlich los war.

„Seit wann sind Sie eine Hexe, Mrs. Figg? Und wieso weiß ich das nicht!", wunderte sie sich. „Ich bin keine Hexe, sondern eine Squib, was ein sehr guter Grund für Mundungus sein sollte nicht einfach zu verschwinden", berichtige Mrs. Figg sie.

„Squib? Filch ist das auch. Was ist das?"

„Eine Person aus einer Zaubererfamilie, die keine magischen Kräfte hat. Das solltest du eigentlich wissen. Und wir sollten hier nicht herumstehen oder liegen." Bei den letzten Worten warf sie einen bedeutsamen Blick auf Dudley, der sich noch immer in der altbewährten Position am Boden befand.

Harriet beugte sich zu ihrem Cousin hinunter und zog ihn mühsam auf die Beine. Der Junge stand offenbar unter Schock, denn er starrte sie nur glasig an. „Komm, Dudley, wir gehen nach Hause", befahl sie ihm sanft. Er nickte mechanisch und folgte ihr und Mrs. Figg dann zombiehaft.

„Behalte deinen Zauberstab in der Hand!", wurde sie von Mrs. Figg, die sich ständig nervös umsah, ermahnt. Die Squib schimpfte wieder vor sich hin und warf den Kindern ab und an misstrauische Blicke zu.

„Mrs. Figg, warum haben Sie mir nicht einfach gesagt, dass sie ein Squib sind?", erkundigte sich Harriet schließlich.

„Anweisung von Dumbledore", erklärte Mrs. Figg, „Ich sollte ein Auge auf dich haben, aber nichts sagen. Du warst noch zu jung. Und dann später… nun ja, hat sich irgendwie nie ergeben. Tut mir Leid, Mädchen. Oh, wo steckt nur Mundungus! Dumbeldore muss erfahren, was passiert ist. Wenn das Ministerium davon Wind bekommt, dann gibt es mächtig Ärger für dich."

„Wieso für mich? Ich war es nicht, die den Dementoren freien Auslauf gewährt hat!"

„Aber du bist minderjährig, und das Ministerium nimmt es sehr genau mit dem Zauberverbot für Minderjährige und- ach, verdammt! MUNDUNGUS FLETCHER! WO STECKST DU NUR!"

Mit einem lauten Knall erschien ein stinkender untersetzter unrasierter Mann in zerschlissenen Mantel vor ihnen und starrte sie verwirrt an. Das musste Mundungus Fletcher sein. „Was'n los, Figgy? Nix mehr mit Undercover und so?", wunderte er sich.

Mehr brauchte es nicht. Mrs. Figg schlug auf den armen Mann mit ihrem Einkaufsnetz ein und beschimpfte ihn lauthals, während sie ihm das Vorgefallenen entgegen schrie. Schließlich

kamen sie überein, dass Mundungus Fletcher sofort zu Dumbledore apparieren sollte und ihm berichten sollte, was passiert war (und zugleich gestehen sollte, welche unrühmliche Rolle er selbst in der ganzen Geschichte gespielt hatte).

„Dumbledore hat mich beschatten lassen?", erkundigte sich Harriet nachdem er wieder verschwunden war, „Ohne mir etwas davon zu sagen?"

„Nun, weißt du, ich bin mir sicher, er hatte seine Gründe. So hier wären wir. Geh rein und komm nicht mehr raus. Ich bin mir sicher, bald meldet sich wer bei dir. Ich geh heim und warte auf weitere Anweisungen. Bleib im Haus", meinte Mrs. Figg schnell, schob sie zu der Türe und eilte davon.

Harriet starrte ihr perplex hinterher. Zombie-Dudley ebenfalls. Langsam aber sicher werde ich wirklich wütend auf Dumbledore, Sirius und die anderen. Kommunikation scheint nicht gerade die Stärke der magischen Welt zu sein. „Komm, Dudley. Lass uns rein gehen."

Natürlich merkte Tante Petunia sofort, dass etwas nicht stimmte. (Was damit zu tun haben konnte, dass Dudley mitten auf die Türmatte erbrach). Und natürlich wurde sie von Onkel Vernon und ihrer Tante in die Zange genommen. (Was damit zusammenhängen könnte, dass Dudley anklagend auf sie gezeigt hatte, als wäre alles ihre Schuld).

Nach einigen „Was ist passiert?", „Was hast du getan?" und „Es hat etwas mit diesen Freaks zu tun, nicht wahr?", meinte sie schließlich: „Es waren Dementoren. Aber ihr müsst euch keine Sorgen machen, ich hab sie verjagt. Dudley hat's noch ganz gut aufgenommen. Als ich ihnen das erste Mal begegnet bin, hat es mich glatt umgehauen."

Und dann kam eine Eule mit einem Brief vom Ministerium. Der Inhalt war ein Alptraum. Sie hätte auf Mrs. Figg hören sollen, als diese gemeint hatte, dass das Ministerium es mit dem Zauberverbot für Minderjährige sehr genau nahm. Sie war von Hogwarts verbannt. Beamten würden kommen um ihren Zauberstab zu zerstören und sie hatte am zwölften August um neun eine Anhörung.

Sie hatte das Gefühl Dementoren würden ihr das Leben aussaugen. Bleich und zitternd ließ sie sich auf den Boden sinken.

Onkel Vernon verlangte eine Erklärung. Tante Petunia nahm ihr den Brief weg und las ihn. Eine weitere Eule kam an. Sie brachte einen Brief von Mr. Weasley:

„Dumbledore ist eben im Ministerium eingetroffen und versucht alles ins Lot zu bringen. VERLASS DAS HAUS VON ONKEL UND TANTE NICHT. GEBRAUCHE KEINE ZAUBER MEHR. GIB DEINEN ZAUBERSTAB NICHT AB!"

„Ich verlange eine Erklärung! Was sind Dementoren!", donnerte Onkel Vernon, „Und was haben sie mit Dudley gemacht! Und warum waren sie hier!" Harriet starrte ihn an. Tante Petunia las den zweiten Brief. Ein dritter traf ein. Er war wieder vom Ministerium. Ihr Rauswurf war aufgehoben worden, zumindest bis zu der Anhörung. Offenbar hatte Dumbledore seinen Beziehungen spielen lassen.

Harriet atmete erleichtert auf. Tante Petunia las natürlich auch diesen Brief.

„Hört mal", sagte Harriet, „Dudley geht es bald wieder gut. Er steht unter Schock, aber das wird wieder. Ihr wollt gar nicht wissen, was ihm zugestoßen ist. Denn ihr wollt nichts mit der Zaubererwelt zu tun haben. Und ihr wollt doch in der Nacht schlafen können, oder nicht? Glaubt mir, ihr müsst es gar nicht wissen."

Schon wieder kam eine Eule. Sie stammte von Sirius. „Arthur hat mir eben erzählt, was passiert ist. Was immer du tust, verlass auf keinen Fall das Haus." Nun wurde sie wieder wütend. Am liebsten hätte sie eine Antwort zurück geschrieben mit dem Inhalt: Das nächste Mal lasse ich mich aussaugen!

„Wenn noch ein einziges Federvieh hier auftaucht, dann breche ich ihm eigenhändig die Flügel!", prophezeite Onkel Vernon.

„Aber wieso waren die Dementoren hier, wenn sie doch die Gefangenen in Askaban bewachen?", erkundigte sich Tante Petunia. Vernon und Harriet sahen sie gleichermaßen erstaunt an. „Woher weißt du das!"

„Er hat mit ihr darüber geredet, damals als ich dabei war", erklärte Tante Petunia. „Wenn du von meinen Eltern sprichst, dann nenn sie beim Namen", knurrte Harriet, „Sie haben nämlich welche."

„Warum waren sie HIER!" Onkel Vernon funkelte sie über die Maßen wütend an. Harriet zuckte die Schultern. „Vielleicht hat er sie geschickt."

„Wer?"

„Lord Voldemort."

Tante Petunia wurde kreidebleich. „Wie- wie meinst du das?", keuchte sie. Harriet sah sie an. Natürlich, als Schwester von Lily Potter, wusste Petunia, wer Voldemort war und wozu er fähig war.

„Er ist zurück. Und bevor du fragst: Ja, ich bin sicher. Ich hab ihn selbst gesehen. Er hat…. Ich hab ihn gesehen."

Onkel Vernon sah verwirrt zwischen ihnen hin und her. „Ist das nicht, der, der…"

„Ja, der meine Eltern umgebracht hat." Und Cedric.

Hinter Vernons Stirn schien es zu arbeiten. Und plötzlich machte sich Harriet Sorgen, dass er sich ernsthaft überlegte, sie einfach auf die Straße zu setzten. Verübeln konnte sie ihm diesen Gedankengang nicht. Sie brachte das Unglück mit, egal wohin sie ging.

Und dann kam noch eine Eule. Diesmal brachte sie aber einen Heuler für Tante Petunia. „Vernon, sieh nur, der ist an mich adressiert. Mrs. Petunia Dursley, Die Küche, Privat Drive-"

„Mach ihn auf. Den Inhalt erfährst du so und so", meinte Harriet schnell. Tante Petunia öffnete den Umschlag und schon donnerte eine Stimme los: „DENK AN MEINEN LETZTEN, PETUNIA!"

Es herrschte beängstigende Stille in der Küche. Man hätte eine Stecknadel fallen gehört. „Geh auf dein Zimmer, Mädchen. Verlass das Haus nicht", befahl Petunia.

Vernon und Harriet setzten beide zum Protest an, doch Petunia meinte nur: „Keine Fragen. Tut, was ich sage."

A/N: Es ist schön, dass viele meiner Leser den Weg zur Fortsetzung gefunden haben.

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