.HIGH HOPES
the grass was greener
the light was brighter
with friends surrounded
the nights of wonder
1938 bis 1939
Es war berauschend, absolut berauschend. Aber das Schönste an seiner Ankunft auf Hogwarts war nicht der Zug, nicht die Fahrt über den schwarzen See und auch nicht unbedingt die Verteilung auf die Häuser: das wohl Schönste war das Gefühl, zu Hause angekommen zu sein. Es wäre einer Lüge gleich gekommen zu behaupten, er hätte sich nicht sofort in diesem Schloss, diesem unglaublich großen Spielplatz derart wohl gefühlt, dass er es ohne zu Zögern erforschen, erkunden und zu seinem Eigen machen wollte - und war es nur aus dem einfachen Grund, weil er es wollte.
Nachdem sein Alleingang in die Winkelgasse schon abenteuerlich war, wo Tom London doch eigentlich wie seine Westentasche kannte und die Einkaufsmeile der Zauberer in der Tat eine absolut neue Überraschung für ihn gewesen ist, begann er sich langsam nach und nach an die Tatsache zu gewöhnen, dass er eben tatsächlich anders war, wie Albus Dumbledore ihm bei seinem Besuch im Waisenhaus bereits offenbart hat. Nein, das hier fühlte sich nicht wie eine schief gegangene Geschichte des Oliver Twists an; das hier war Wahrheit und Riddle wollte alles daran setzen den neuen Gesichtern in seiner Umgebung zu beweisen, dass er dieser Herausforderung, ein Zauberer zu sein, auch würdig war.
Der Sprechende Hut teilte den Waisen in das Haus Salazar Slytherins ein; noch verstand Riddle den Umstand seiner Sortierung nicht und wirklich war es ihm im ersten Augenblick sogar ziemlich einerlei in welches der Häuser von Hogwarts er fortan kommen würde, Hauptsache dass er in eines derselben Einzug fand. Nicht zuletzt hatten ihn Zweifel beschlichen, dass Dumbledores Besuch vielleicht ein Fehler war und er gar nicht, wie angenommen, einen Platz auf dem Internat erhalten sollte. Doch das war Unsinn, beruhigte sich Tom , nachdem er unter der endlosen Decke der Großen Halle saß und die Ausmaße des Raumes aufsog wie ein Schwamm das Wasser; er hatte ganz einfach hier zu sein: es war seine Bestimmung.
*** {R} ***
Ich war nicht der Typ, der anfänglich sofort enge Freundschaften schloss. Mit Freunden hatte ich es im Waisenhaus schon nicht gehabt und deshalb war ich vorsichtig mit dem was ich sagte, oder tat. Ich nahm mir Dumbledores Rat zu Herzen, mich auf der Schule zu benehmen, weil ich anfänglich Angst hatte man würde mich postwendend zu den Muggel zurück schicken, wenn ich mir Schabernack erlaubte, der gegen Hogwarts' Regeln verstieß.
Die Jungs aus meiner Klasse und meinem Haus akzeptierten mich wie ich war, auch wenn sie mir gezielte Fragen über meine Herkunft und vor allem mein Blut stellten: Fragen, deren Antworten ich mit meinem lückenhaften Hintergrundwissen selbst nicht kannte. Und so beschränkte ich mich einfach darauf ihnen zu erklären, dass ich auf der Suche nach meinen Eltern war, die mich nach meiner Geburt in London verlassen hatten. Es machte keinen Sinn ein Geheimnis aus meiner Herkunft zu machen, weil die Kinder aus den reichen Familien schnell merkten, dass ich nicht das nötige Geld und das Wissen über die magische Welt besaß, wie sie es taten. Und auch, wenn man mich anfänglich als seltsam einstufte, machte ich meinem klugen Kopf bald alle Ehre, weil ich meine fehlende Herkunft durch das Geschick schnell zu begreifen und zu lernen wettmachen wollte.
Und es dauerte nicht lange, da traten meine Wurzeln in den Hintergrund und wurden überschattet von meinem unschlagbaren Genie.
.FOREVER & EVER
the dawn mist glowing
the water flowing
in the endless river
1940 bis 1941
"Tom, kannst du mir bei meinen Hausaufgaben helfen?" Nun, eigentlich war Riddle gerade in die Bibliothek gekommen, um sich seinen eigenen Aufgaben zu widmen. Der Aufsatz, den sie für Zauberkunst zusammen würfeln mussten durfte nicht warten; vor allem, weil er besseres zu tun hatte als das - denn die fruchtlose Suche nach seiner Herkunft war noch lange nicht zu Ende und beanspruchte seine vollkommene Aufmerksamkeit. Er wollte wissen, woher er kam - und vor allem, woher er seine Magie hatte. Der Schwarzhaarige hätte nicht gedacht, dass Namen in dieser Schule, oder vielmehr in seinem eigenen Haus, vor Werte gesetzt wurden - für die meisten Älteren war er niemand, weil keiner einen Riddle mit einer glorreichen Zauberfamilie in Verbindung bringen konnte und das ärgerte ihn. Es ärgerte ihn, weil er im Grunde so sein wollte wie die anderen, weil er einen Namen haben wollte. Aber gut, manche Dinge mussten eben erst ergründet werden, bevor man darüber sprechen konnte. Womit sich Riddle inzwischen jedoch sicher war, war die simple Tatsache, dass er nicht in Slytherin gelandet wäre, wenn seine Eltern beide aus Muggelfamilien gestammt hätten. Denn, so seine Mitschüler, Salazar Slytherin hasste Muggel - und je länger sich Tom diesem Gedanken widmete, um so eher konnte er den Begründer seines Hauses verstehen. Nein, er war kein Schlammblut, zumindest das redete er sich erfolgreich ein.
Sein dunkles Augenmerk glitt ein wenig nachdenklich zu dem blonden Mädchen, das ihn aus großen Augen heraus erwartungsvoll musterte. In letzter Zeit häufte sich die Anzahl dieser Anfragen seiner Mitschüler. Nein, er korrigierte sich: Mitschülerinnen. Nicht selten hatte Tom das dumpfe Gefühl etwas getan zu haben, um die Mädchen aus seinem Jahrgang einen Anreiz zu geben, ihm verstohlene Blicke zuzuwerfen; und warum er von zahllosem Kichern verfolgt wurde, war ihm ein Rätsel. Ebenso abstrus war die neue Anwandlung seiner Mitschülerinnen, ihn auf den Gängen zu grüßen. Klar, man setzte schließlich eine gewisse Höflichkeit voraus und einige von ihnen kannte Riddle nun doch schon über drei Jahre. Trotzdem war es seltsam auffällig und schürte seine Skepsis.
Aber der Vorzeigeschüler, der Tom nun einmal war (oder vielmehr andere gerne im Glauben darüber ließ), krümmte lediglich seine Brauen unter dem Umstand, dass seine eigenen Interessen noch etwas länger warten mussten, bevor er sich zu der Blondine gesellte und sich auf den freien Stuhl neben ihr sinken ließ. Ihre erröteten Wangen ignorierte er dabei geflissentlich und die Hufflepuff schien sich weder daran zu stören, dass er aus Slytherin kam, noch seine stoische Maske trotz aller feixender Aufmerksamkeit und Umsicht in seiner Stimme aufrecht erhielt.
"Wobei brauchst du Hilfe?"
Ich entwickelte mich mit meiner guten Auffassungsgabe schnell zu einem Tutor - und das steigerte mein Ansehen enorm. Nicht nur in meinem eigenen Haus, wo ich vehement daran war meinen Blutstatus unter den Teppich zu kehren, sondern auch bei anderen Mitschülern unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters. Mit der ungewohnten Aufmerksamkeit erlangte ich auch alsbald einen ungesunden Grad an Beliebtheit, welchen ich zu pflegen und für meine ganz eigenen Zwecke zu nutzen begann. Es war gut, viele Kontakte zu haben - mochten sie auch teilweise bedenklich ermüdend und anstrengend sein. Ein guter Kontakt hatte immer irgendwo einen Nutzen und ich machte es mir im Laufe der Jahre zu meiner Aufgabe, diese Nutzen zu sammeln: und handelte es sich nur um belanglose Gefälligkeiten. So, wie ich im Kindesalter Spielzeug gestohlen habe, raubte ich anderen nun Stück um Stück ihre Würde, bis sie nach meiner Pfeife tanzten - oder tanzen mussten.
Ja, mein Leben auf Hogwarts war gleichzusetzen mit einem riesengroßen Abenteuerspielplatz, den ich erkundete und eroberte. Einzig Albus Dumbledore, mein Mentor der ersten Stunde, wirkte alles andere als angetan von meiner Art.
*** {R} ***
"Ihr müsst mehr von der rechten Flanke angreifen!" Es nützte nichts; der Wind verschluckte seine Worte wie ein hungriger und ebenso erzürnter Gott, der über ihren Köpfen tobte. Seine Kleider waren durchnässt, er fror und zu allem Überfluss konnte er unter dem Nieselregen kaum etwas auf dem Spielfeld erkennen. Mit einer herrischen Armbewegung, unter welcher er beinahe seinen Schläger verlor, bedeutete Tom seinen Jägern in allerlei Verrenkung, was er so eben ausgesprochen hatte. Sie mussten von der Seite angreifen - von einem Punkt, wo der Gegner nicht damit rechnete. Es war simpel; Quidditch an und für sich war simpel, solange man nur den Überblick behielt und richtige Anweisungen gab. Und was das betraf war Riddle ein Naturtalent.
Klar, er war nicht der Kapitän der Slytherin-Mannschaft, aber Flint war von seiner Cleverness überzeugt, just nachdem Tom sich als Stratege auf dem Feld beweisen durfte und ihr Team endlich einmal, nach langer Misslage, wieder ein Spiel für sich gewann. Seitdem ging es stetig bergauf und obgleich die Älteren aus seinem Haus Riddle nach wie vor ein wenig belächelten, zeugten sie seinem Intellekt den Respekt, den er sich so mühselig erarbeitet hatte. Doch jetzt verließ ihn sein Glück - das Wetter machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Ein Fehler, der nicht hätte passieren dürfen.
Slytherin lag im Rückstand und das alles nur, weil Tom das Wetter nicht bedacht hatte. Es war ein Fehler - ein verheerender wie sich gerade heraus stellte; und noch dazu einer, der ihnen die Führung und damit den Pokal kosten konnte. Gryffindor zeigte sich nämlich, wie erwartet, als zäher Gegner in einem nie enden wollenden Krieg zwischen den Häuserfronten und Tom hätte am liebsten über seine eigene Unachtsamkeit aufgestöhnt, wo er doch gerade dieses Match gewinnen wollte. Der Slytherin gab sich nicht mehr mit Kleinigkeiten zufrieden; seine Erfolge schürten seine Arroganz und obgleich man es dem eher ruhigen Kerl kaum ansah, gierte er nach allem was er an Ansehen kriegen konnte: und Niederlagen zählten definitiv nicht dazu.
Nein, Tom Riddle war nicht erlegen: weder im Unterricht und schon gar nicht auf dem Spielfeld. Aber sein sturer Hitzkopf wurde gerade eines besseren belehrt, wo er dabei zusehen musste wie Slytherin gegen die Löwen verloren. Die rot-goldenen Schemen der Flieger des gegnerischen Teams machten ihn wahnsinnig und zornig und gerade als sich seine Hand so fest um seinen Schläger schloss, dass die Knochen weiß unter seiner Haut hervor traten, hörte er von den Tribünen haltlose Rufe die ihn abrupt umsehen ließen, bevor einer der Klatscher hart mit seinem Kopf kollidierte.
Ich glaube, ich war der erste Schüler seit Jahrhunderten, der Quidditch wegen einer Kleinigkeit wie einen Unfall an den Nagel hing. Nun, ich betrachtete gebrochene Knochen nicht unbedingt als Kleinigkeit und stand mit dem Spiel ab sofort auf Kriegsfuß. Wir hatten das Spiel verloren, aber anstatt mich aufzurappeln und es noch einmal zu versuchen machte ich meinem Haus alle Ehre und verkroch mich wie ein kleiner Feigling zwischen Wut und Enttäuschung über mich selbst. Das Gute an meiner vergangenen Quidditchkarriere war jedoch die neu gewonnene Zeit, die mir nun zur Verfügung stand, weil ich nicht mehr zum Training musste: so verbrachte ich viele Abende in der Bibliothek mit, in meinen Augen, wichtigeren Dingen wie Gemeinschaftssport und suchte weiter nach Hinweisen zu meiner Familie.
*** {R} ***
Es war schwierig heraus zu finden wer man war, oder woher man stammte, wenn man keinen Anhaltspunkt hatte. Tom glaubte, er drehte sich im Kreis und es machte ihn irre; in keinem der Bücher über bekannte Zauberfamilien oder berühmten Persönlichkeiten hatte er auch nur einen Riddle entdeckt. Es schien also in der Tat so zu sein, dass der Name Riddle ebenso gewöhnlich und unmagisch war, wie sein Vorname Tom.
Der Viertklässler brütete nun schon eine ganze Weile über den Büchern die ihn umgaben, versteckt in einem hinteren Teil der Bibliothek, den er sich zu Eigen gemacht hatte und versunken in dem Wissen, das er in den letzten Monaten über Zauberfamilien angeeignet hatte. Den Kopf in beide Hände gestützt, hatte Riddle die Augen geschlossen und dachte nach: sein Verstand ließ ihn schließlich nie im Stich, nicht wahr? Wo sollte er nun anfangen zu suchen, wenn er keine Ahnung hatte woher er stammte? Womit er sich nun sicher war, war, dass Riddle kein Magier gewesen sein konnte; aber den Namen seiner Mutter wusste er nicht und Mrs. Cole würde er erst im kommenden Sommer darauf ansprechen können; ja vielleicht bekam er sogar seine Geburtsurkunde in die Finger: mussten da nicht die Namen der Eltern eingetragen werden? Wieso enthielt ihm dieser dumme Muggel solche Informationen vor; ja warum war Tom eigentlich nie auf den Gedanken gekommen, nach diesen ominösen Dokumenten seiner Geburt zu suchen? Er seufzte und rieb sich die Stirn, bevor er müde in dem Buch blätterte, das vor ihm aufgeschlagen dalag.
Was wusste er über sich selbst? Nun, er war ein Zauberer, aber das konnte ebenso bedeuten, dass seine Eltern beide Muggel waren, auch wenn er sich vehement gegen diese Vorstellung wehrte. Seinen Nachnamen konnte er unlängst abhaken und auch sein Vorname war verdammt aussagelos. Tom trommelte mit den Fingern auf der Buchinnenseite und überlegte; nach einem Marvolo hatte er bislang nicht gesucht. Marvolo war der Name, den er laut Mrs. Cole von seiner Mutter als Beinamen erhalten hat, vermutlich also entweder ein Hirngespinst oder - wie es für solche Umstände üblich war - der Vorname seines Großvaters; dem Vater seiner Mutter. Aber ein zweiter Vorname brachte ihn auch nicht wirklich voran, weil es mit Sicherheit ein Dutzend Marvolos gab. Nein, das einzig Kostbare war der Familienname und solange er den nicht heraus fand, war seine Suche im Vornherein zum Scheitern verurteilt.
Was gab es noch? Tom hatte seinen magischen Fähigkeiten seit seiner Einschulung keine allzu große Bedeutung mehr zugetragen. Aber als er Abraxas einmal darauf ansprach, ob derselbe auch mit Schlangen sprechen konnte, flippte der Malfoy-Spross beinahe aus: "Wie? Du kannst mich Schlangen sprechen? Du bist ein Parselmund?" Tom blinzelte; ein Parselmund also? Vielleicht sollte er einen Schritt in diese Richtung machen, wenn sogar ein Reinblüter wie Malfoy derart auf seine kleine Besonderheit reagierte.
Besonders, in der Tat.
Auf meiner Suche nach einer Auflistung aller bekannten Parselmünder - und überhaupt nach der Suche über eine Begriffserklärung an und für sich - stieß ich bald auf viel brauchbarere Hinweise. Die Sprache Parsel war also nichts, was man erlernen konnte, sondern was man vererbt bekam; was im Umkehrschluss bedeutete, dass mindestens ein Elternteil dennoch magischen Ursprungs sein musste, denn Muggel würden mit Sicherheit keine solche Fähigkeit untereinander weitergeben können. Des Weiteren fand ich einige Geschichten und Legenden über einen sogenannten Herpo, ein griechischer Zauberer, der auch Herpo der Üble genannt wurde und als erster Parselmund in die Geschichte der Magie eingegangen ist. Parsel schien außerdem eine eher dunkle Eigenschaft zu sein; diese Vermutung kam zu Stande weil, und diese Information brachte meinen Puls auf Hochtouren, auch Salazar Slytherin ein Parselmund und zudem ein bekennender schwarzer Magier war.
Konnte das die Lösung sein?
War ich ein Nachfahre von Salazar Slyhterin?
