Kapitel 2, Tote
Ort: Ardossystem,
Oberfläche Trümmerplanet Varl
Zeit: 6. Imperiales Standardjahr
Wenige Tage zuvor …
Seit Tagen prasselte das unermüdliche Bombardement der Imperialen bereits auf sie nieder. Das Dröhnen der Einschläge über ihnen hallte durch die unterirdischen Gänge und ununterbrochen rieselten kleinere Gesteinsbrocken und Staub von den Tunneldecken auf den kleinen Rebellentrupp herab. Es schien als hätten die Imperialen beschlossen, um sie zu finden, einfach das gesamte Parrekgebirge über ihnen durch ihren Dauerbeschuss abzutragen.
In dem schummrigen Licht der verbliebenen Leuchtstäbe sah Levren in die hohlen, Staub verschmierten Gesichter seiner Kameraden. Die Augen rot entzündet durch die feinen Staubkristalle in der Luft, Stofffetzen vor Mund und Nase gebunden, um zumindest Lungen und Atemwege zu schützen, erschöpft durch den tagelangen Marsch in diesem dunklen Höhlenlabyrinth, boten sie weiß Gott nicht den Anblick glorreicher Widerstandskämpfer. Seine kleine Einheit bestand aus fünf Corellianern, sie waren zusammen aufgewachsen, bevor die Klonkriege begannen, und sie hatten nach den Kriegen gemeinsam die Vernichtung Corellias durch das Imperium überlebt. Nun standen sie im Dienst der Rebellen und Levren wusste, jeder einzelne seiner Kameraden würde alles riskieren um der Tyrannei durch den Imperator und seinen Bluthunden Darth Vader und General Tarkin ein Ende zu bereiten.
Doch langsam beschlich ihn eine ungute Vorahnung. Eine Vorahnung, dass dies hier womöglich ihr letzter Kampf sein könnte, und dass sie es nicht schaffen würden, mit ihren Informationen zum Rebellenstützpunkt Jalvid zurück zukehren.
Ein Geräusch aus dem Tunnel vor ihnen unterbrach Levrens düsteren Gedankengang. Visket, ihr Burionischer Führer, kehrte von seinem Erkundungsgang zurück. Endlich – doch Levrens zaghafter optimistischer Gedanke wurde beim Anblick von Viskets Miene im Keim erstickt. Mit hektischen Bewegungen zog der Burioner Levren zur Seite, weg von seinen Kameraden, die scheinbar resigniert das Bombardement über sich ergehen ließen. Während um sie herum die Gesteinswände unter den Lasereinschlägen erzitterten, breitete sich eine atemlose Stille in der Höhle aus. Wie gebannt starrten alle zu Levren und seinem Begleiter.
„Nicht gut, nicht gut, nicht gut", bei diesem Mantra schwang Viskets voluminöser Schädel immer wieder von der einen zur anderen Seite. Auch wenn es ein denkbar ungünstiger Moment war, so fragte sich Levren zum wiederholten Male, wie es überhaupt möglich war, dass der spindeldürre Körper des Burioners überhaupt in der Lage war, diesen überproportionierten riesigen Kopf zu halten. Eigentlich müsste der dünne Hals, der fast so lang war wie Levrens Unterarm, unter dem Gewicht brechen wie ein Streichholz.
„Großer Aufmarsch, großer Aufmarsch. Kein durchkommen, keinen Fluchtweg gefunden." Niedergeschlagen beendete Viskets Schädel seine Pendelbewegung, um Levren mit den lidlosen schwarzen Pupillen zu fixieren. „Was tun?" Angst schloss sich wie eine eiskalte Faust um Levrens Magen - Was tun?
„Wir sind tot. Wir sind alle tot. Die Imps werden jeden einzelnen von uns abschlachten, und wenn sie dafür diesen verdammten Trümmerplaneten ein zweites Mal in die Luft jagen müssten!", kreischte Turben Nekk plötzlich los. Ein wahnsinniges Glitzern erfüllte die Augen des jungen Corellianers. Noch bevor sich Levren zu seinem Kameraden umdrehen konnte, hatte sich dieser mit zu Klauen geformten Händen auf ihn gestürzt. Hysterie und Wahnsinn spiegelten sich in dem ausgezehrten Gesicht des Rebellen wieder.
Einem Sonnenuntergang gleich erglühte das Parrekgebirge unter den Bombeneinschlägen der Quad-Laserkanonen. Von einer kleinen Anhöhe aus genoss Darth Vader einen umfassenden Überblick über die Sturmtruppen und Bodengeschütze in ihren Stellungen. Ein dumpfes Brummen in der Ferne verhieß dem dunklen Lord die Ankunft der Schwertransporter mit ihrer totbringenden Fracht. Tiefe Zufriedenheit breitete sich in ihm aus, als sein Blick langsam über die verwüstete und zerklüftete Oberfläche des Planeten glitt.
Die Zerstörung von Varl, des Trümmerplaneten wie er allgemein genannt wurde, war nicht sein Werk. Sie lag schon viele Jahrhunderte zurück und war laut der Archive der ehemaligen Republik die Folge einer Naturkatastrophe, während der die beiden Sonnen des Systems, Ardos und Evona, zerstört wurden und mit ihnen der größte Teil der Planeten dieses Systems.
Auf dem Planeten Varl existierte kein Leben mehr. Die blühende Vegetation und die unermessliche Artenvielfalt, die einst die Oberfläche besiedelten, waren bereits vor Jahrhunderten vergangen. Als die Sonne Ardos mit einer lodernden Plasmawelle ihre Materie in das System schleuderte und zu einem weißen Zwergstern wurde, begleitete der Aufschrei des zig-fachen Todes die letzten Minuten dieses Planetensystems. Milliarden Leben vergingen von einem Moment in den anderen, in den heißen Flammen und Plasmaexplosionen der sterbenden Sonne. Übrig blieb allein ein obskures Abbild des Planeten, geschmolzen und zertrümmert, bis auf den Kern, hielten allein die immense Gravitation und Schwerkraft die Fragmente Varls zusammen.
Aber dieses Offensichtliche kratzte nur an der Oberfläche der Wahrheit, denn das Ardossystem war nicht nur ein Trümmerfeld aus Asteroiden und bis auf den Kern zerfetzten Planeten. Nein, es war wie eine riesige Wunde, eine Wunde in der Macht. Und die dunkle Seite nährte sich an diesem Ort, verdichtete sich und durchströmte seinen geschundenen Körper unter der schwarzen Rüstung wie einst die Lavaströme auf Mustafar. Doch sie zerstörte ihn nicht, sondern gab ihm Macht, mehr Macht als es ihm die Jedi einst je zugestanden hätten. Und nun führte ihn sein neuer Meister, der Imperator höchstpersönlich, in die Wege und Möglichkeiten, die ihm die dunkle Seite der Macht geben konnte, ein.
Der Jedi Orden, dem er einst selber angehört hatte, war zu Ignorant gewesen, zu schwach. Sie hatten mit ihren Regeln, die den Umgang mit der Macht allein auf ihre sogenannte helle Seite begrenzen sollte, letztendlich den Grundstein für ihre eigene Zerstörung gelegt. Durch und durch korrupte Senatoren, allein ihren eigenen Vorteil in der ehemaligen Republik im Blick, und ein blinder Jedi Orden, der diese von innen verfaulende Republik eigentlich schützen sollte, machten es damals dem Sith Meister und jetzigen Imperator einfach, sie alle zu Vernichten und auf ihren Trümmern ein neues Imperium aufzubauen, ein Sith-Imperium. Und er selber, zum Sith Lord aufgestiegen, verfolgte all diejenigen mit unbändigem Hass, Aufständische, Rebellen und vereinzelt überlebende Jedi, die sich dieser neuer Ordnung widersetzen wollten.
Und nun würde er hier, in einem Zentrum der dunklen Seite der Macht, einen Teil seines Hasses stillen können, indem er einen dieser Rebellentrupps stellen würde.
Der Wind, der über die zerklüftete, verbrannte Oberfläche des Planeten Varl wehte, trieb den Staub der Toten vor sich her und hinterließ in den Spalten und Höhlen des verkarsteten Gesteins einzig den nicht enden wollenden Aufschrei des Entsetzens.
