The Lesson
By Siry
Author's note: Dann stell ich mal kurz meinen OC Tamiko vor:
. /2011/07/konachan-com-80116-animal_ears-catgirl-glasses-megurine_
Kapitel 2: - Pearls before swine -
Head up,
stay strong.
Fake a smile,
move on.
Soubi blies den Rauch aus seinen Lungen und beobachtete, wie er langsam zur Decke stieg und sich auf dem Weg dorthin mit Ritsus vermischte. Dessen war dichter und weißer. Wahrscheinlich weil er fester zog und nicht, wie Soubi, bloß paffte. Letzten Endes lösten sie sich beide auf und bildeten einen stickigen Dunst in Ritsus Schlafzimmer. Doch für nichts in der Welt hätte Soubi jetzt ein Fenster geöffnet, denn dafür hätte er aufstehen müssen.
Noch ein Zug, noch eine sich auflösende Rauchwolke.
Zerstreuung... Entspannung...
Zumindest für einige Momente.
„Der Silvestertanzball ist bald..." sagte Soubi plötzlich und war im nächsten Moment selbst geschockt darüber, dass er dieses Thema ansprach. Wahrscheinlich war es die Tatsache, dass Ritsu ihn nicht sofort wieder weggeschickt hatte. Jetzt lagen sie seit Minuten gemeinsam im Bett und rauchten. Nackt und gemeinsam unter der selben Decke und betrachteten den Rauch über ihnen. Das hatte etwas von kitschigem Wolken-gucken. So ähnlich jedenfalls.
„Mhm... Ich weiß." kam dann Ritsus Antwort und mit einem Schlag wurde Soubi wieder bewusst, dass er das wirklich gesagt hatte. Verdammt, dabei hatte er sich doch vorgenommen dafür nicht zu betteln, wenn Ritsu das Thema nicht selber angesprochen hätte. „Nagisa geht mir damit seit Wochen auf die Nerven."
Shit... Und jetzt nerve auch noch ich ihn damit! Doch jetzt war der erste Schritt getan. Jetzt musste er seinen Mut für den nächsten zusammen nehmen.
„Hehe, ohja, das kann ich mir vorstellen. Jedenfall werden alle Schüler werden mit ihren Kampfpartnern da sein und ich hab mich gefragt..." Wenn Ritsu ihm gleich eine Abfuhr erteilen würde, dann sollte er sie ihm zumindest ins Gesicht sagen. Deshalb drehte Soubi sich auf die Seite und stützte den Kopf auf seinem Arm ab.
„Ritsu würdest du mit mir zu diesem Tanz gehen?"
Anscheinend kam diese Frage für Ritsu so überraschend, dass dieser sich verschluckte und husten musste, was bei Soubi dazu führte, dass er sich am liebsten unter der Decke verkrochen hätte.
„Machst du Witze, Kleiner?"
„Nein... a-aber es wäre doch eine gute Gelegenheit um... naja, du weißt schon." antwortete Soubi zögerlich. Doch anscheinend wusste Ritsu nicht worauf er hinaus wollte.
„Um was? Mich lächerlich zu machen?"
Gekränkt zog Soubi die Augenbrauen zusammen. Er fing erst garnicht an, darüber nach zu denken, was das jetzt schon wieder bedeuten sollte.
„Nein! Um allen zu zeigen, dass..." Soubi ballte die Hand, in der er keine Zigarette hatte, unter der Decke zur Faust. „... ich dein Sacrifice bin!"
Ritsu hob daraufhin demonstrativ die Decke an und warf Soubi darunter einen flüchtigen Blick zu bevor er die Decke wieder achtlos fallen ließ.
„Du trägst meinen Namen nicht. Du bist nicht mein Sacrifice, Soubi. Sie ist-"
„Ich weiß was sie ist!" unterbrach er ihn, bevor Ritsu die schmerzende Wahrheit aussprechen konnte. „Du könntest ihn mir geben..." Unweigerlich musste Soubi an die Stelle an Ritsus Bauch denken, an der in schwarzen Lettern das Wort Delusion stand. Er konnte sich auch noch an die Prügel erinnern, die er mit neun Jahren bekommen hatte, als Ritsu ihn dabei erwischt hatte, wie er sich selbst mit Filzstift diesen Namen auf die Haut geschrieben hatte...
„Du bist kein Täuscher, Soubi-kun."
Mit dieser Feststellung war Soubi entwaffnet und das Gespräch beendet. Niedergeschlagen wandte er den Blick ab. Jetzt blieb ihm nichts mehr. Selbst die Rauchwölkchen waren weg, als seine Zigarette abgebrannt war und er sie ausdrücken musste.
„Tut mir leid, dass ich gefragt habe..." flüsterte Soubi entschuldigend. Plötzlich merkte er, wie Ritsu sich zu ihm beugte und seine Lippen auf die seinen legte. Überrascht und glücklich erwiderte Soubi den Kuss. Zuckersüß und rauchig zugleich schmeckte sein Mund und Soubi war sofort wieder hin und weg. Das war das schlimmste an Ritsu, dass Soubi nie wissen konnte, woran er bei ihm war. Nach einer für ihn viel zu kurzen Zeit löste sich Ritsu wieder von ihm und sah ihm tief in die Augen.
„War das nicht auch so eine Art Tanz?" fragte Ritsu mit tiefer Stimme und fuhr Soubi mit den Fingerspitzen durch die Haare, woraufhin dieser eine wohlige Gänsehaut bekam. „Und du bist ein guter Tänzer..."
„Ich hatte einen guten Lehrer." sagte Soubi leise und war sich nicht sicher, ob er dabei noch verliebter hätte klingen können. Und dann, für den Bruchteil eines Momentes hatte Soubi das Gefühl, dass Ritsu seine eigenen Gefühle exakt wiederspiegelte. Dass er ihn auf die gleiche Weise ansah. Irgendwie... tragisch und ganz voller Liebe und Schmerz. Doch genauso schnell, wie dieses aufflackernden Gefühle bei Ritsu sichtbar wurden, waren sie auch schon wieder verschwunden und seine Augen hatten wieder diesen kalten, distanzierten Blick angenommen.
„Der Unterricht ist vorbei. Du kannst jetzt gehen, Soubi." sagte Ritsu dann in einem so neutralen Tonfall, als ob er ihn wirklich aus dem Nachhilfeunterricht entlassen würde, den Soubi 'offiziell' bekommt, wenn er sie sich trafen.
„Ja, Sensei." Er konnte sich nicht verkneifen, den Titel in ironischem Unterton hintendran zu setzten. Ritsu sollte ruhig wissen, was er von all dem hielt. Auch wenn das anscheinend nichts an seinem Verhalten ihm gegenüber zu ändern schien.
Ja, Zuckerbrot und Peitsche... das war schon immer genau deine Art.
Ritsu drehte sich auch die Seite und machte es sich zum Einschlafen bequem, während Soubi seine Kleidung zusammensuchte und wieder anzog.
Als er die Hand schon an der Türklinke hatte, hielt er inne und sah nochmal zu Ritsu zurück. Doch dieser hatte bereits die Augen geschlossen. Trotz allem konnte Soubi nicht anders, als Ritsu einfach nur wunderschön zu finden.
Ich könnte die ganze Nacht hier stehen und ihn einfach nur ansehen... Was soll's, man muss auch hart zu sich selbst sein können. Schweren Herzens riss Soubi sich von diesem Anblick los und schloss leise die Tür hinter sich, um Ritsu nicht zu wecken.
Ebenso leise schlich er über den Flur, denn Nachhilfeunterricht hin oder her, wenn ihn jemand sah wie er mitten in der Nacht und mit ziemlich zerzausten Haaren aus dem Zimmer seines Lehrers kam, würde das die Gerüchteküche nur wieder anheizen und er wusste, wie wenig das Ritsu gefiel. Er konnte sich nur zu gut daran erinnern, wie Ritsu sich ihm gegenüber verhalten hatte, nachdem Nagisa ihn das erste Mal ohne Ohren erwischt hatte damals. Danach hatte Ritsu ihm über Wochen verboten ihn zu treffen und war ihm ständig aus dem Weg gegangen. Es schauderte Soubi immernoch, wenn er daran zurück dachte und bis heute konnte er sich nicht erklären, wie er das bloß überstanden hatte.
Jetzt musste er nur noch leise in sein Zimmer verschwinden, ohne dass er Tamiko dabei aufweckte, die sich mit ihm das Zimmer teilte und ebenfalls eine unbeschriebene Waffe war, die an dieser Schule für ihr zukünftiges Sacrifice ausgebildet wurde. Was sich jedoch als recht schwierig erweist, da die Türe an einer bestimmten Stelle quietscht und es so unmöglich ist, lautlos herein zu langen. Als er eintrat sah er jedoch, dass sie noch ihre Nachttischlampe anhatte und ein Buch las. Sie musterte ihn durch ihre Brillengläser über den Rand ihres Buches hinweg als er eintrat und verdrehte die Augen als sie im Bruchteil einer Sekunde kombinierte, wo er gerade herkam.
„Ich dachte du schläfst vielleicht schon..." flüsterte Soubi und tippelte eilig zu seinem Bett.
„Nein, tue ich nicht. Du brauchst also nicht zu flüstern." sagte Tamiko und an ihrem Unterton konnte Soubi bereits erkennen, dass er jetzt wieder eine Standpauke von ihr bekommen würde. Auf der einen Seite hasste er diese Gespräche, auf der anderen brauchte er sie. Es war verzwickt... Er wollte nicht ständig hören, wie sie Ritsu schlecht macht, aber es tat auch unglaublich gut, überhaupt mal mit jemandem darüber reden zu können.
Er streifte seine Kleidung bis auf T-Shirt und Shorts aus und schlüpfte dann in sein eigenes Bett, welches im Gegensatz zu dem vorherigen eiskalt war. Dass sie dabei die Narben auf seinem Körper sehen konnte, machte ihm nichts aus. Tamiko kannte sie und wusste auch, von wem sie stammten. Soubi glaubte, dass das wohl der Hauptgrund dafür war, weswegen sie Ritsu so garnicht leiden konnte.
Zuerst sagte keiner von beiden etwas, doch Soubi konnte Tamikos bohrendes Blick förmlich spüren, die keine Anstalten machte, ihr Buch weiter zu lesen. Er selbst versuchte eine bequeme Position zu finden und rieb mit den Händen an seinen Beinen entlang, um sich schneller aufzuwärmen.
Alles in allem war es doch ein toller Abend gewesen... Wahrscheinlich hatte sein Gesicht einen verträumten Ausdruck angenommen, als er daran zurück dachte, wie Ritsu ihn vorhin im Arm gehalten hatte, da Tamiko nun den Anfang machte.
„Was findest du bloß an diesem Kerl, Soubi?"
„Er ist einfach perfekt..." antwortete Soubi und ließ mit einem tiefen Seufzer alle Anspannung los. Es tat gut, jetzt in seinem Zimmer zu sein, zusammen mit Tamiko. Hier konnte er schwärmen und seine Gefühle zeigen. Nicht wie bei Ritsu, wo er sich ständig kontrollieren und die meisten seiner Gedanken für sich behalten musste. Über die Jahre war Tamiko seine Freundin und Verbündete geworden, vor ihr musste er sich nicht verstellen. „Ritsu ist wie ein Gott für mich... und wenn er redet, ist es, als ob die Welt still steht."
„Minami ist kein Gott, sondern ein pädophiler Perverser! … Oh um Himmels Willen, sag mir bitte nicht, dass du ein PinUp von ihm hast?!" Soubi hätte fast gekichert. Ihre Wortwahl war das, was in am nächsten an sowas, wie ein Lachen heran bringen konnte, was eine willkommene Abwechslung zum Rest seines Lebens war, der eher weniger zum Lachen war. Natürlich hatte er auch kein 'PinUp' von Ritsu, obwohl das eine durchaus amüsante Vorstellung wäre. Er hatte ein Foto von ihm aus der Nachttischschublade hervorgeholt, das er jetzt betrachtete.
( Hier, damit ihr's auch habt: . )
Er strich behutsam mit dem Finger über das Polaroid, vorsichtig, als ob es aus Glas wäre. Es hatte ihn einiges an Überredung und Bitten gekostet, bis Ritsu sich von ihm fotografieren gelassen hatte. Von den Fotos, die Ritsu von ihm als Gegenleistung erwartet hatte, konnte Soubi nur hoffen, dass sie nie irgendjemand anderes in die Finger bekommen würde...
„Dein Herz an einen Perversen zu verlieren, ist wie Perlen vor die Säue zu werfen, Soubi. Ich hoffe du weißt das..." sagte Tamiko mit resignierendem Tonfall. Eigentlich wusste sie ja, dass ihm nicht zu helfen war. Trotzdem schien es ihr ein Anliegen zu sein, ihn retten zu wollen.
Eine gute Charaktereigenschaft... Sie wird für ihr Sacrifice ein gutes Sentouki werden.
„Er würde es nie laut aussprechen, aber ich denke er hat sich auch in mich verliebt..." zumindest war es das, was Soubi innerlich hoffte. Dass Ritsu nur jetzt noch nicht öffentlich zu ihm stand, weil er offiziell noch sein Lehrer und Leiter dieser Schule war. Damit hatte er schließlich ein gewisses Maß an Professionalität zu wahren.
„Oh tatsächlich, hat er das? Erzähl doch mal, war das vor oder nach deinem zehnten Geburtstag?" Manchmal hätte er sie für ihre sarkastische Art am liebsten geschlagen.
„Du weißt garnichts, Tamiko." entgegnete Soubi eingeschnappt und verstaute seinen Schatz wieder in der Schublade.
„Ich weiß so einiges. Das einzige, wo ich nicht dahinter steige ist, ob Minami auf kleine Jungs steht, oder immernoch an deine tote Mum denkt, während er dich knallt. Und ich kann mich kaum entscheiden, was von beiden ekelhafter ist!"
„Tamiko... deine Wortwahl!" sagte Soubi genervt und hielt sich demonstrativ die Ohren zu.
„Tut mir Leid, aber manche Dinge muss man eben so sagen, wie sie sind! Mich regt einfach auf, was dieser Idiot mit dir abzieht, da vergesse ich schon mal meine guten Manieren."
Soubi nahm das erst mal so hin. Er konnte ihr dafür ja nicht mal einen Vorwurf machen.
„Wenn du auf dein Sacrifice triffst, wirst du mich verstehen. Dann ist dir auch egal, wie die Person sich dir gegenüber verhält. Du wirst ihr einfach verfallen sein..."
„Wenn du dein richtiges Sacrifice findest, musst du Minami sowieso vergessen." stellte Tamiko trocken fest und zuckte mit den Schultern, als ob das Thema mit dieser Feststellung für sie erledigt wäre. Für ihn war das leider nicht so einfach abzuhaken...
„Wie soll ich denn jemals die Person vergessen, mit der ich so viele Erinnerungen teile? Die alles ist, woran ich mich erinnere?"
„Das wirst du dann erkennen, wenn es soweit ist."
„Na vielen herzlichen Dank auch, für deinen weisen Rat, Tamiko." Schließlich war sie nicht die Einzige, die Ironie kannte.
„Nagut, du willst einen Rat haben, Soubi Agatsuma? Vergiss niemals Minamis wahren Namen und werf ein Licht auf eure Beziehung. Dieser Kerl bewegt sich nämlich nur im Schatten."
Soubi dachte darüber einige Momente nach und musste sich eingestehen, dass da etwas wahres dran war.
„Gut gewählte Worte, Tamiko."
„Danke. Ich hatte ebenfalls einen guten Lehrer."
To be continued...
Mai, 2014
