A/N: Achtung; an Dark-Fic grenzend!

2. The Colour Of Pain

Ein heißer Sommertag näherte sich seinem Ende, die Luft war noch immer mit Hitze und extremer Trockenheit gefüllt. Libellen summten herum und Moskitos machten die Freizeit von Muggeln und Zauberern anstrengender. Seen waren wunderschön, zweifellos, besonders kurz bevor die Sonne unterging, aber diese frechen kleinen Kreaturen waren hart zu ertragen.

Nichtsdestotrotz suchten sich viele Pärchen solche romantischen Plätze aus, um einen heißen Tag zu beenden, ob das nun ein ruhiger kleiner Teich im Hintergarten oder aber die gigantischen Dimensionen des pazifischen Ozeans waren, das machte keinen Unterschied. Die Sonne glühte rot in den letzten Stadien des Tages, als sie langsam hinter dem Horizont verschwand; die Strahlen spielten mit der Wasseroberfläche und ließen sie für eine kurze aber geschätzte Zeitspanne blendend scheinen. Das Blau des Himmels leuchtete ebenfalls rot, es sah aus als wäre die Luft angezündet, und das Wasser spielte mit.

Das flammende Feuer spiegelte sich in den Paaren, die es liebten, diese Sonnenuntergänge gemeinsam zu beobachten, die es liebten, zusammen zu sein, die sich einfach liebten. Wild schlagende Herzen und ziemlich schwitzende Handflächen waren nur die klarsten Indikatoren.

Rot war die Farbe der Liebe und Leidenschaft. Liebe war eine der ältesten Emotionen, sogar älter als Hass. Und Leidenschaft war die physikalische Verkörperung der puren Liebe. Wahre Liebe und Leidenschaft hielten sich die Waage, sie balancierten und verhinderten, dass das Gleichgewicht gestört wurde. Es gab keinen Grund zur Beunruhigung, denn es gab keine negative Seite des Feuers; man konnte nicht verbrannt werden wenn es pur war.

Aber einzig die Lilie stand für das Pure, nicht das Rot der niedergehenden Sonne, und nicht das Rot der brennenden Emotion. Selbst Rot war korrupt, aber zumindest nicht irreleitend. Rot konnte dir auch zeigen wo die Gefahr lag; falls es dafür nicht schon zu spät war.

"Fuck", fluchte Snape leise nachdem sich das Übergeben auf ein mehr erträgliches Level reduziert hatte. Selbst das Fluchen war nicht so farbenprächtig wie das Blut, das sich in einer doch zu großen Pfütze sammelte.

"Aber, Severus", zischte die eisige Stimme von Voldemort in einer verdrehten Mischung aus Freude und kaum kontrolliertem Ärger. "Kein Grund so vulgär zu werden. Es heißt 'Fuck, Meister.'" Ein spielerisches Lächeln kroch auf sein Gesicht; es sah ungefähr so fehl am Platz aus wie Vegeta in Stöckelschuhen, der versuchte an Bulmas Höhe ranzukommen. "Und fuck was? Fuck you?" er schürzte die Lippen herablassend, "danke, aber nein, danke. Die Toten zu vögeln ist längst nicht mehr so amüsant wie es früher einmal war. Es wird so ermüdend nach einer Weile, kein Widerstand kein Spaß, weißt du? Und du siehst ohnehin nicht aus als würdest du mehr als fünf Minuten mit meiner überlegenen Anwesenheit durchhalten. Oder meintest du fuck me? Zeit ist kostbar, Snape, deine sogar mehr als meine, wie ich denke, dass du jetzt endlich begriffen haben solltest. Du musst wirklich präziser sein. Ich kann ja schlecht deine Gedanken lesen, um zu erfahren, was du meintest. Warte. Doch, das kann ich." Ein kalkulierendes Glimmen trat in Voldemorts Augen als er seinen Zauberstab betrachtete; ein knochiger Finger streichelte die glänzende Oberfläche vorsichtig. Eine mächtige Energie fuhr durch seine Hand, seinen Arm, wartete nur allzu freudig darauf, freigelassen zu werden, um endlich Chaos zu verursachen.

Voldemort seufzte und deutete mit seinem Zauberstab auf die liegende Figur von Snape. "Legilimens", murmelte er bedächtig und drang in den Verstand seines Opfers ein, der zu schwach war, sich gegen den Angriff auf seine Privatsphäre zu wehren.

Heftiges Zucken, keine kohärenten Gedanken, Anarchie herrschte in Snapes Kopf. Jeder Gedanke schien in den nächsten zu schwimmen oder auf einmal abzubrechen, als ob Severus vergessen hätte was er überhaupt tat. Sein Verstand war absolut ungeordnet, ein farbiger Wirbelwind aus Nichts, das in regelmäßigen Intervallen zurück zu ein paar Hauptthemen führte. Rot. Blut. Schmerz.

Voldemort grub tiefer, bahnte sich seinen Weg mit Gewalt in die fremde Umgebung. Aber da war nichts, mit dem er arbeiten könnte. Wahllose Erfahrungen, wahllose Erinnerungen, wahllose Gedanken. Da war überhaupt nichts. Voldemorts Griff verstärkte sich um seinen Zauberstab, als er die mörderischen Impulse zurückdrängte; zumindest für die Zwischenzeit. Es gab nur einen Weg, wie Snape das geschafft haben könnte, aber dieser eine Weg ließ auch darauf schließen, dass er gewusst haben musste, was vor ihm lag. Und das führte zu nur einer Konsequenz im Gedankengang des Dunklen Lords: Dass diese Zwischenzeit wohl doch ein wenig länger andauern würde als er zuerst gedacht hatte.

"Crucio!" rief er und zitterte mit der Anstrengung, nicht einfach das Avada Kedavra auszusprechen, das alles enden würde. Oh, wie er doch wünschte, alle anderen Todesser zu sich gerufen zu haben, damit sie dieses Spektakel sehen könnten. Es hätte so viel mehr Spaß gemacht. Je mehr desto besser, sagten sie nicht so? Aber da dies ein Muggelsprichwort war, würde Voldemort den Spaß ganz für sich alleine haben.

"Flipendo!" sprach Voldemort aus und beobachtete zufrieden als Snapes beinahe ohnmächtige Form unsanft auf den Rücken rollte, als der magisch geformte Ball in seinen Körper krachte. Blutverschmierte Haare waren zum blassen Gesicht und Hals des Zaubertränkemeisters geklebt, seine Atmung kam in flachem Keuchen, als er entgegen aller menschlicher Vernunft versuchte, nicht das Bewusstsein zu verlieren. Schnitte und blaue Flecken überdeckten die enthüllte Haut, als die einst einschüchternden Roben nun nicht mehr als zerrissene Streifen waren aufgrund der verschiedenen Flüche, unter denen er in den letzten Stunden gewesen war. Snapes Sicht war verschwommen und klebriges Blut lief seine Wange hinunter, für alle, die hören würden, schreiend, dass das Leben diesen Körper verließ. Aber die Wände waren taub.

Kleine Beben liefen durch Severus' Körper als Voldemort den nächsten Zauberspruch an ihm anwandte. Der Effekt war weniger als erwartet, aber das war aufgrund von Severus' Erschöpfung und nicht Voldemorts Mangel an Folterfähigkeiten, die in der Tat recht ausgefeilt waren.

"Du hättest es besser wissen sollen", wisperte der Dunkle Lord. "Den Jungen töten und mich dadurch meines Vorrechts berauben? Tut. Wo soll ich denn nun mein Vergnügen herbekommen? ANTWORTE! CRUCIO!"

Ein weiteres Zucken ging durch den geschwächten Körper des Zauberers. Voldemort runzelte seine Stirn in offensichtlichem Missfallen als sein kleines Projekt nicht mehr als einen schwachen Seufzer anstatt eines durch und durch gequälten Schreies ausstieß. Wo waren die alten Tage, als du noch ein Opfer oder ein anderes quälen konntest und dein Zaubertränkemeister dir Gebräu nach Gebräu brachte, damit die arme Seele bei voller Verstandes- und Körpergegenwart blieb? Diese Dinge waren vorherbestimmt zu geschehen, wenn du den Zaubertränkemeister selbst folterst. Schade. Zumindest war es nicht zu verflucht schnell gewesen. Snape hatte länger durchgehalten als Voldemort ihm vorher zugestanden hätte, und das musste schon etwas bedeuten.

"Verzweifle nicht, Snape", wisperte Voldemort, und benutzte damit unwissentlich dieselben Worte wie Snape sie zu Harry gesagt hatte, kurz bevor sein Fluch den Jungen getötet hatte. "Ich werde dich nicht sterben lassen. Nicht heute, auf jeden Fall. Obwohl du mich so tief enttäuscht hast mit deinem Mangel an Voraussicht, so bist du doch sehr wertvoll für mich. Wirklich. Was würde ich ohne den besten Zaubertränkemeister der Zauberschaft tun? Aber lass dir das nicht zu Kopf steigen." Er legte einen Zauber auf Severus, der ihn stabilisieren würde; er wollte ihn nicht sterben lassen, aber er war auch noch nicht bereit, die Qualen enden zu lassen. Die Ansicht war zu wunderschön und der Schmerz war bei weitem zu erhaben. Seine Augen schließend, zog Voldemort einen unsteten Atemzug ein als sich Snapes Schmerz in sein Vergnügen verwandelte und reizende Stöße durch seinen unmenschlichen Körper sandte.

Snape war viel zu intelligent für sein eigenes Wohl. Eines Tages würde das sein Untergang sein.

Severus hustete, beinahe an seinem eigenen Blut erstickend, und rollte sich zusammenzuckend auf die Seite. Sein Herz schlug krampfhaft langsam und kräftig, und machte seine Atmung dadurch noch schmerzhafter.

Sein Verstand war blank, keine Gedanken brachen zur Oberfläche. Es war merkwürdig; und Snape wusste nicht weshalb. Er musste beinahe alle Erinnerungen in seinem Denkarium in Hogwarts gelassen haben, doch warum, das ging über sein Wissen hinaus. Es wahr wahrscheinlich, dass das 'warum' ebenfalls wichtig war, also kümmerte es ihn nicht. Nach einer unzählbaren Nummer von Crucios und verschiedenen anderen Flüchen hatte Severus nicht mehr die Kraft, sich wirklich auch nur einen Deut darum zu scheren. Er war in einem Zustand von beinahe absoluter seliger Unwissenheit, sein Körper war gnädigerweise taub, trotz der Schmerzen seiner Lunge und seines Herzens.