Anmerkungder Autorin:
Ich hoffe, ihr versteht genug Englisch, um den Erklärungen zu folgen. Ich habe die Geschichte ursprünglich aus Jux und Dallerei für eine Freundin geschrieben, von der ich weiß, daß sie alles kapiert. Zweck der Zweisprachlichkeit ist eigentlich bloß, um aufzuzeigen, daß meine Heldin mit einem Akzent englisch spricht. Falls ihr möchtet, daß ich die Teile, die auf englisch sind, übersetze, schreibt es mir in Form einer Review, dann mache ich das gerne.


2. Schwarz

„Haben Sie sich verletzt, junge Dame?" hörte sie eine eiskalte Stimme sagen. Martina drehte den Kopf noch weiter nach oben, fuhr an der ganz in schwarz gekleidete Gestalt entlang zu deren Gesicht.

Dieser Mensch schreit danach, sich die Stiefel lecken zu lassen! schoss es ihr unwillkürlich durch den Kopf. Sie schüttelte verneinend ihr Haupt, dann bückte sich der schwarze Schatten zu ihr hinunter, griff sie mit der rechten Hand an ihrem linken Oberarm und zog sie auf die Beine. Als sie voreinander standen, musterten sich die beiden lange. Martina hatte das Gefühl, diese Person zu kennen. Irgendetwas hatte sie im Gesicht, das ihr mehr als vertraut vorkam.

„Wenn Sie sich ausgestarrt haben, folgen Sie mir bitte." schnarrte ihr Gegenüber und drehte sich mit einem Schwung, der den langen Umhang zum Wehen brachte, um. Martina hörte ein paar gemurmelte Worte, die sie nicht verstand, und war plötzlich vollkommen trocken. Der Sand rieselte von ihrem Gesicht und T-Shirt langsam auf den Boden. Sie war so verdutzt, dass sie unwillkürlich hinter der schwarzen Gestalt hertrottete, die mit raschem Tempo in Richtung einer der breiteren Straßen schritt, die von diesem Platz abzweigten. Sie holte sie auf halber Höhe ein, bevor sie sie ganz im Gedränge der Marktbuden verlieren konnte.

„Entschuldigen Sie bitte, aber wer sind Sie, und wo bin ich denn hier eigentlich gelandet?" Die Gestalt drehte sich ihr mit sichtlicher Ungeduld zu.

„Fragen stellen Sie später, wir haben es eilig! Sie sind so schon spät genug eingetroffen!" wurde Martina angefahren. Damit rauschte sie weiter, und Martina hatte alle Mühe dranzubleiben. Sie gingen im Laufschritt schnurstracks durch den hohen Torbogen durch, der den Platz von der Straße trennte. An der Seite war ein Schild angebracht (das, welches Martina eine Weile zuvor entdeckt hatte). Jetzt konnte sie lesen, was darauf stand: Brunnenmarkt. Darunter war ein kleineres, weißes Schild angebracht, mit einem Pfeil, der in Richtung Torbogen deutete. Eingang zur Krassengasse stand dort. Martina wunderte sich. Hier herrschte übelstes Gedränge, doch die Leute wichen vor ihrer Begleitung aus, sodass die beiden keinen Zentimeter von ihrem Kurs abkamen.

Das scheint ein recht übellauniger Mensch zu sein, mit dem man sicher nicht gut Kirschen essen kann. Plötzlich bogen sie nach links in einen kleinen Laden ein. Eine fröhliche Türglocke bimmelte laut, als die Tür ruppig aufgestoßen wurde. Martina bekam die Tür fast auf die Nase, so wenig kümmerte sich die Gestalt in schwarz um diejenige, die ihr folgte.

Was mach ich nur? Dieser Mensch hat mich so überrumpelt, dass ich wie ein kleines Hündchen einfach hinterhergelaufen bin, derweil hätt' ich lieber bei dem Brunnen bleiben sollen um herauszufinden, wie ich wieder nach Hause komme. Da klingelte etwas in ihrem Kopf. Moment mal... was war das vorhin? „Sie sind so schon spät genug eingetroffen!" ... da stimmt doch was nicht! Wurde ich etwa von diesem Scheusal erwartet? Leider wurde hier ihr Gedankengang unterbrochen, denn ein freundlicher älterer Mann begrüßte sie von hinter dem Tresen.

„Griaß eahna Good, jung's Fräulein! No, was bringan's uns denn fir a vardutztas G'sicht mit?" Martina war froh über die nette Anrede, wenigstens gab es EINEN hier, der auch Lächeln konnte!

„Grüß Gott." sagte sie schüchtern.

„Na, need so scheu, so a hübschas jung's Madl a, und so a b'sorgt's G'sicht! Kommen's, i bin da Herr Niedermayer." Er streckte ihr seine Pranke hin, die ihre schlanke Hand kräftig schüttelte.

„Martina Bärstetter." stellte sie sich vor.

„So, und Sie san die naie Schülerin auf Hogwarts, no, des is recht spannend. Tja, wenn's hoit so spaat a rauskimmt erst, hernach miassn's jetz mit die klaan Zwergerln zammasitza, ah jo, aba machan's eahna kaane großen Sorgen destwegad a, des wiad scho ois werd'n..."

„Herr Niedermayer, wir haben leider nicht den ganzen Tag zum Plaudern, so gerne ich mir Ihre mehr als hilfreichen Ratschläge noch weiter anhören würde." Die kühle Stimme ertönte so dicht hinter Martina, dass diese vor Schreck einen Satz machte und gegen ein Tosch (4) stieß, was zur Folge hatte, dass sie sich einen großen blauen Fleck am Knie einholte.

„Würden Sie uns jetzt bitte ihren Kamin benutzen lassen, Fräulein Bärstetter möchte sicher nicht zu spät zum Unterricht erscheinen." Eine dunkle Augenbraue wurde zynisch hochgezogen.

„A-a-aber..." Martina wollte widersprechen, sich wehren, abhauen, auf keinen Fall bei dieser unheimlichen Person bleiben! Doch diese hatte sie schon am Arm gepackt, schubste sie hinüber zu einem großen Kamin und zückte ein langes, dünnes etwas aus Holz. Damit deutete sie auf die Asche, sagte etwas Komisches und helle Flammen schossen empor. Eine Handvoll feinen Sandes, der neben dem Kamin in einem Topf lag, wurde in das Feuer gestreut, die Flammen färbten sich grün und loderten noch höher. Martina wollte zurückspringen, doch der eiserne Griff hielt sie fest.

„Gehen Sie hinein und sagen Sie KLAR und DEUTLICH Diagon Alley. Haben Sie das verstanden?"

„Ich k-k-kann doch nicht in die Fl-a-hamme gehen!" stotterte sie. Doch sie wurde unbarmherzig hineingeschubst, schlug sich beinahe den Kopf an der steinernen Rückwand des Kamins an, drehte sich dann zitternd um, nachdem sie ihren Sturz schmerzhaft mit der linken Hand abgefangen hatte. Sie stand inmitten grün lodernden Feuers, doch es brannte nicht. Schwach konnte sie einen schwarzen Schemen ausnehmen, der ihr etwas zubrüllte. Da erinnerte sie sich und rief „DIAGON ALLEY!", so klar sie konnte. Alles um sie herum drehte sich, ihr wurde schwindlig, dann hörte sie wieder jemanden rufen:

„Miss Bearshtatter! Out here!" Sie erkannte undeutlich einen Schatten hinter den grünen Flammen, der in einem Fleck aus Licht stand. Sie stolperte darauf zu, merkte, wie sie dem grünen Feuer entkam und durch einen an den Seitenwänden schon sehr verrußten Kamin in einen schummrigen Raum trat. Dabei stieß sie sich natürlich den Ellbogen an, den sie sich mit schmerzverzerrtem Gesicht rieb.

Nun trat eine zweite Person lächelnd auf sie zu. Auch diese war ganz in schwarz gehüllt, mit einem schweren Umhang bekleidet. Es war ein Mann etwa um die 35, mit zotteligen schwarzen Haaren und samtschwarzen Augen.

„Good evening, Miss Bearshtatter. How are you?" sagte er und reichte ihr die Hand zur Begrüßung. „I'm Professor Severus Snape, Potions Master at Hogwarts School for Witchcraft and Wizardry. Ah, and here comes Lady Shnyder", hinter Martina war ihre unheimliche Begleitung aufgetaucht, „how was your trip, Lady?"

Martina glaubte, nicht recht gehört zu haben! SCHNEIDER??? Jetzt fiel es ihr wie Schuppen von den Augen: diese Frau, die sie vom Brunnen abgeholt hatte, sah ihrer Freundin Serafina verdammt ähnlich! Sie hatte die Ähnlichkeit bemerkt, sich an ihre Freundin aber nicht erinnert gefühlt, da Serafina ein nettes Lächeln hatte und absolut nicht so schweigsam und unfreundlich war wie diese „Lady" Schneider!

Mit Ironie in der Stimme antwortete die Angesprochene:

„Wonderful." Sie zog eine Augenbraue hoch. „Miss Bärstetter here decided to be as late as possible, and then looked around dumbstruck whilst still in the water fountain down at Brunnenmarkt." Professor Snape schenkte Martina ein Augenzwinkern. Dann wandte er sich wieder an die andere Frau.

„I guess you have explained to her what's coming up on her?" Lady Schneider schwieg. „Seraphina? Don't tell me you brought the poor girl here and did not explain the situation..."

„I picked her up alright, I wasn't supposed to do anything else!" brauste die junge Frau auf.

Oh nee, irgendwas stimmt doch hier nicht! Die heißt ja auch noch Serafina mit Vornamen! Wenn sie nicht so fies wäre, hätte sie genau das gleiche Gesicht, und ihre roten Haare sind auch nur gefärbt – wahrscheinlich, damit sie blasser aussieht.

„Seraphina", sagte der Mann sanft, „don't you think it would have been an act of kindness, even if it wasn't peculiar order from Dumbledore, to explain to Miss Bearshtatter what she is to expect?"

Lady Schneider biss die Lippen zusammen, setzte einen verstockten Gesichtsausdruck auf und sagte scharf:

„I am the only one at Hogwarts who speaks German. That's why I did it. I'll leave the explaining part up to you." Damit rauschte sie davon. Professor Snape sah ihr mit einem seltsamen Gesichtsausdruck hinterher, gab sich dann jedoch einen Ruck und wandte sich an Martina.

„I do hope your English is fair enough to understand me. Do tell me if I speak too fast or not clear enough." Martina nickte unsicher.

„Ai underständ ju."

„Good, let's sit down here for a while, won't we?" Er deutete auf einen Tisch, bot ihr galant einen Stuhl an und setzte sich dann neben sie. Gleich stand ein pickeliger Junge neben ihnen.

„What can I bring you, Professor – Miss?"

„Why, some butterbeer would be nice, and something to eat. You are hungry, aren't you?" fragte er, sich Martina zuwendend. Diese nickte. Ja, auf den Schreck konnte sie etwas zu Essen vertragen. Oh ja!

„Now, we are here in The Leaky Cauldron up at Diagon Alley in London."

Na, das hätte sie sich ja fast denken können! Severus Snape, Hogwarts, Diagon Alley... sie war im falschen Film gelandet! Gleich kommt ein Set Runner und sagt: „Aber Fräulein Bärstetter, sie müssen doch in Halle 14b zu den Dreharbeiten zu Miss Wet Shirt!"

„Have you ever heard of a place like this?" fragte er neugierig, was sie aus ihren Gedanken riss.

„N-no, not rielly." sagte sie unsicher. Was war hier los? Die Harry Potter Bücher waren weltbekannt, eine erfundene, phantastische Welt. Und doch saß sie einem Mann gegenüber, der Alan Rickman verdammt ähnlich sah (nur war er jünger als der 57jährige Alan, der in den Romanverfilmungen den Snape mimte) und sich als Severus Snape, Potions Master, ausgab. Martina wartete darauf, jeden Moment ihre Freundin Serafina hervorspringen zu sehen, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, „BUUH"-schreiend. Das konnte doch nicht wahr sein!

„Well", hob er zu eingehenden Ausführungen an, „I am about to tell you what you are doing here. First let me explain to you that usually we don't take students over a certain age. But with you we have to make an exception. How old are you – please excuse my obtrusiveness!"

Nicht genau wissend, was „obtrusiveness" heißt, antwortete sie: „It's okäy... I'm 23 nau."

„Well, then you are twice as old as the usual first graders. Anyway: you have developed magical abilities within yourself, which made us decide to take you into Hogwarts and train you as a witch. Professor Dumbledore, headmaster of Hogwarts School for Witchcraft and Wizardry, is sure that you will be an enrichment for the whole Magical Community. And I am too." gab er mit einem Augenzwinkern zu. Martina wurde spontan rot. Er hatte ein süßes Lächeln, und entsprach so überhaupt nicht dem Bild des Severus Snape, das in den Romanen gezeichnet wurde. Dieser hier war sehr nett, mitteilsam und zuvorkommend, und vor allem hatte er keine eisige Stimme, und auch seine Haare waren nicht fettig. Zottig, aber nicht fettig.

Zwischenzeitlich brachte der pickelige Junge Speisen und Getränke, und Martina kostete das warme Butterbier, das ihr wohltuend die Kehle hinunter rann. Eine Weile aßen sie schweigend, dann nahm sie sich ein Herz und fragte: „Watt du ju mien bei deweloping mägicäl äbilities within meiself?"

„See, usually, people are either born as witches/ wizards, or as muggles. Muggles is what we call non-magic people..."

„Ai nou."

„Oh, how do you?" Sie biß sich auf die Lippen.

Verdammt! Bei sowas muss ich aufpassen! Ich will doch nicht verraten, dass ich mit ihrer Welt mehr als vertraut bin. Die würden wahrscheinlich bei dem Gedanken, Romanfiguren zu sein, völlig austicken!

„Erm...", sagte sie laut, „Ai mien: Ai thoot it mast bie laik this. Dschast from watt ju säd biefore."

„You are a clever girl..." anerkennend nickte er ihr zu. „What I mean is that you were born as a muggle, but later on in your life (about a year ago, to be exact) you have developed magical abilities. You are a witch now, but were not born as one. This has never been before. The German Ministry for School Issues did not know what to do, and one of their representatives, who keeps close connections to Hogwarts, as he had been student there, asked Professor Dumbledore for advice. So we decided that you will attend Hogwarts, and join the younger students in some classes, but basically get trained by each teacher in extra lessons so you will be able to pass your O.W.L.s (that's Ordinary Wizarding Levels) within two or three years. Is everything clear up to now?"

„Jes."

„Good, well then, payment is taken care of by the German government. They are very proud that they brought fourth an exception like you. But they think it's best for you to attend Hogwarts, as it is, I can proudly confirm, the best school of this sort in Europe."

Na, wenn das Madame Maxime oder Professor Karkaroff hören könnten...

„We will now, you and me, buy the things you need for school, which we can do right here in Diagon Alley and then take the Hogwarts Express at Platform Nine and Three Quarters over at King's Cross. Are you ready?" Er erhob sich geschmeidig.

„Jes, Ai äm." Damit bezahlten sie und verließen den Leaky Cauldron in den Hinterhof.

Es überraschte Martina nicht sehr, dass Professor Snape vor der Ziegelsteinwand seinen Zauberstab hervorholte, und damit auf einen bestimmten Stein tippte. Sogleich öffnete sich der Eingang zur Diagon Alley.

Warum wir in München nicht auch so ein einfaches System haben können? Nein, bei uns muss man sich vorher erst mal gründlich blamieren und dann pitschnass werden... obwohl... wenn mich Professor Snape abgeholt hätte, dann wäre er sicher beeindruckt von meinem nassen T-Shirt gewesen! Ein Grinsen huschte über ihr Gesicht, das der Lehrer zum Glück nicht sehen konnte.

Diagon Alley wies zu dem, was sie sich darunter vorgestellt hatte, gewisse Übereinstimmungen auf. Nur war sie noch viel voller, viel enger und viel überfüllter mit winzigsten Geschäften. Manchmal knallte ihr die Sonne so sehr auf den dunklen Schopf, dass sie das Gefühl hatte, in dem dichten Gedränge einen Hitzschlag erleiden zu müssen; und in den meisten Geschäften, in denen sie Zauberstab (twelve inches, pine, skylarkfeather), Uniform, Bücher, Tinte und Feder, Parchment, Kessel und so weiter kauften, war es sogar noch stickiger. Nur in Gringott's umgab sie eine angenehme Kühle. Professor Snape war ein echter Gentleman. Beladen mit all ihren Einkäufen half er ihr nun, ein Konto zu eröffnen. Ihm zufolge bekam sie von der Vereinigung Deutscher Zauberer ein Stipendium von umgerechnet 300 Euro monatlich, das ihr auf ihr Konto eingezahlt werden sollte. Schulgeld wurde extra bezahlt.

Nicht übel dafür, dass ich mich nicht mal mit einer Bewerbung herumschlagen musste, dachte sie zufrieden.

Den Weg zu ihrer Zelle würde sie noch für längere Zeit in Erinnerung behalten, denn die Fahrt war wohl vergleichbar mit der einer Achterbahn: rauf runter, links rechts, scharfe Kurven, steile Abfahrten. Und unsere liebe Heldin war doch als waschechter Angsthase noch nie Achterbahn gefahren! (Was so schon schwer genug war, wenn man eine Freundin wie Serafina hatte, die sich gerne an den Panikschreien anderer weidete. Aber bis jetzt hatte sie sich noch immer drücken können.) Professor Snape wies in diesem Punkt erstaunliche Ähnlichkeit mit ihrer Freundin auf, denn die ganze Fahrt über lachte er sich schier kaputt über Martinas Kreischen.

Endlich hatten sie alle Erledigungen geschafft. Martina musste dringend mal, also gingen sie zurück zur Eisdiele, wo sie im Laufschritt die Toilette stürmte. Professor Snape hatte sich in der Zwischenzeit hingesetzt und zwei Sodas bestellt. Als sie ausgetrunken hatten (natürlich nicht, ohne dass sich Martina das T-Shirt vollgesaut hätte) machten sie sich auf den Weg zu King's Cross Station, um den Hogwarts Express um 19 Uhr zu erwischen


(4) Toschs sind die Pendants zu den Blobbs, mit dem Unterschied, dass man Blobbs nur außerhalb, Toschs nur innerhalb eines Gebäudes findet.