Wendung
„Sag ihm, ich habe keine Zeit.", entgegnete Izaya kühl und lehnte sich in seinem Drehstuhl zurück.
„Du weißt genau, was er davon hält.", erwiderte Namie, die gerade ihre Jacke anzog und die Schlüssel in die Hand nahm. „Er wird dich sicher anrufen.", sagte sie noch, bevor sie die Wohnungstür hinter sich schloss. Der schwarzhaarige Mann ignorierte sie und las die neue Nachricht, die gerade eben von Bakyura in den Chatroom geworfen wurde.
Bakyura: Blau und Rot sind ziemlich ruhig in letzter Zeit, findet ihr nicht?
Tanaka Taro: Ich traue der Stille nicht. Da geht was vor sich.
Setto: Polizisten sind gruselig! ゚Д゚
Izaya grinste. Celty Sturluson, die weibliche Dullahan, die sonst vor nichts zurückschreckte, hatte Angst vor Polizisten? Das klang ja interessant. Er begann zu tippen.
Kanra: Was hast du denn angestellt? ´ ▽`
Setton: …
Tanaka Taro: Es ist bald wieder ein Treffen geplant.
Bakyura: Ein Treffen?
Tanaka Taro: Ich habe viele darüber reden gehört.
-Saika hat den Chat betreten-
Saika: Mother.
Kanra: Oh.
Setton: Ich muss los. Bis bald.
Saika: Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother.
-Setton hat den Chat verlassen-
Bakyura: Bis bald!
Saika: Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother.
-Bakyura hat den Chat verlassen-
Tanaka Taro: Sie ist wieder da. Es bringt nichts weiter zu schreiben. Wir sehen uns bald. Bye!
Saika: Mother. Mother. Mother.
Kanra: Bye bye (o` ▽′o)ノ !
Saika: Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother. Mother.
-Tanaka Taro hat den Chat verlassen-
-Kanra hat den Chat verlassen-
Izaya meldete sich ab, schloss das Fenster und kehrte zum Desktop zurück. Was Shizu-chan wohl gerade so treibt? Er lachte kurz auf, stand dann auf um der Dusche einen Besuch abzustatten.
Aber plötzlich lenkte ein lautes Summen seine Aufmerksamkeit auf den gläsernen Tisch. Verwundert runzelte er die Stirn. Sein schwarzes Handy vibrierte unaufhörlich und war dem Rand der Tischplatte schon sehr nahe. Fix schnappte der Informant sich den lauten Gegenstand, bevor es in seine Einzelteile zerspringen konnte. Unterdrückte Nummer.
„Hallo?"
„Izayaaa! Mein Freund. Wie geht's?", kam die fröhliche Antwort und Izayas Grinsen gefror.
„Tetsuya. Wie schön von dir zu hören. Ich dachte du wärst schon draufgegangen.", erwiderte Izaya sachlich, während er sich stöhnend aufs Sofa fallen ließ.
„Wie gemein von dir, altes Haus. Denke ja nicht, dass du mich so schnell-"
„Was gibt's?", unterbrach Izaya den Wasserfall an Worten und rieb sich über die Augen.
„Informationen. Wichtige Informationen." Er schlug die Augen auf, die er kurz geschlossen hatte.
„Wo?", fragte Izaya.
„Russia Sushi."
„Jetzt?"
„Jetzt."
„Ich kann nicht.", grummelte Izaya, daran denkend, dass er damit wieder in die Gefahrenzone einsteigen würde. Natürlich hatte er seinen Spaß daran Shizuo zu ärgern, aber er hatte auch andere Terminlichkeiten, die er einhalten musste.
„Es lohnt sich für dich.", lockte Tetsuya und man hörte förmlich das Grinsen in seinen Worten. Das musste er seinem zweiten 'Lieblingsklienten' ja lassen. Seine Informationen waren immer wertvoll. Und das wusste Tetsuya ganz genau - sonst würde er nicht anrufen. Das könnten entscheidende Informationen sein. Der schwarzhaarige Mann lachte.
„Okay. Bin auf dem Weg." Damit legte Izaya auf und stiefelte in die Dusche mit dem Gedanken vielleicht ja auf das Monster in Ikebukuro zu treffen. Vielleicht wird es ja doch noch ein wenig unterhaltsam.
-##-
Es war schon am dämmern, als Shizuo das Russia Sushi aus der Ferne entdecken konnte. Die Wolken waren in eine rötliche Farbe getunkt, die dadurch blutgetränkt wirkten. Perfekte Stimmung für Shizuo, der nun wirklich keine gute Laune hatte. Zwei Tage lang hatte er bisher „Ruhe" gehabt (wenn man denn von Ruhe sprechen konnte). Zwei Tage lang war er nicht in Ikebukuro gewesen. Das gefiel dem blonden Mann nicht im Geringsten, denn da kann ja nur was faul sein. Erst vorhin noch hatte er mit Tom seinen Namen aufgeschnappt. Izaya Orihara.
„Oh Shizuo!", sprach Simon Brezhnev, ein großer, dunkelhäutiger Typ, der am Eingang Werbeflyer für sein Restaurant an desinteressierte Einwohner und Touristen verteilte.
„Simon.", begrüßte Shizuo den Mitarbeiter des russischen Sushi-Restaurants, der ihn breit anlächelte.
„Möchtest Sushi, leckeres Sushi?", fragte er den bloden Mann mit seinem russischen Akzent und hielt ihm einen seiner Flyer entgegen. Als er nicht antwortete, wendete er sich schon an die nächste Leute die an ihnen vorbei gingen.
„Lecker Sushi, möchten sie Sushi? Russisches Sushi, hier!" Die Leute nahmen beinahe ängstlich die Flyer entgegen, lächelten scheu und gingen schließlich weiter. Für die Aufgabe, mehr Gäste ins Haus zu bringen, war ein großer, angsteinflößender Mann nicht wirklich geeignet, doch Simon ging die Sache mit Herz an, was Shizuo respektierte.
„Mir würde ein Drink reichen.", äußerte sich der ehemalige Bartender, schlängelte sich an dem breitschultrigen Mann vorbei und betrat das Restaurant. Sushigeruch und Würze stiegen ihm in die Nase, während er in den Eingangsbereich trat. Der Koch begrüßte ihn mit einem Nicken, der hinter dem Tresen stand, wo es köchelte und dampfte. Er wollte sich gerade auf einen der Hocker setzen um sich endlich zu entspannen, als er eine bekannte Stimme vernahm und in seiner Bewegung verharrte. Sie kam aus dem hinteren Bereich des Restaurants, wo sich die Leute zum Essen an die kleinen Tische setzen konnten. Shizuo spannte sich an und drehte sich langsam um.
Und da saß er. Die schwarze Plüschjacke, ein übliches Lächeln aufgesetzt, während er sich mit einem anderen Typen zu unterhalten schien. Der andere Mann lachte laut über etwas, was Izaya aber nicht zu amüsieren schien. Sein Blick fiel auf die Uhr. Er schien gelangweilt zu sein.
Shizuo hatte ein seltsames Gefühl. Was hatte er mit diesem Typen zu tun? Wer war er? Und ohne großartig weiter nachzudenken, begann der Blondschopf schließlich zu handeln.
„Izaya-kuuuun…", kam es dann bedrohlich aus seinem Munde. Laut genug, sodass sich die meisten Gäste verwundert zu ihm umdrehten. Als Izaya ihn bemerkte, begann er schlagartig zu grinsen.
„Shizu-chan, na das nenne ich ja mal eine Überraschung.", bemerkte er lässig, während er dabei unauffällig gestikulierte, um seine Hände in seine Jackentasche packen zu können. Sofort umklammerte er dabei seine Messer.
„Hast du noch einen anderen Termin, Izu?", fragte der braunhaarige Mann, der sich mit seinem muskulösen Körper nach hinten auf den Armen abstützte. Izaya verzog das Gesicht bei Nennung seines Spitznamens, wobei Tetsuya der einzige war, der ihn so nannte.
„So wie es aussieht schon. Aber wir hatten ja sowieso schon alles geklärt." Der Informant lachte kurz.
„Gar nichts haben wir geklärt…", sagte Shizuo, bevor er sich den nächstbesten Tisch schnappte und in die Richtung seines Gegners warf. Izaya wich dem Objekt mühelos aus, indem er geschickt zu Seite sprang. Tischbeine flogen umher und das Holz zersplitterte in seine Einzelteile, als der Tisch gegen die Wand prallte. Die Gäste kreischten ängstlich und gerieten allesamt in blanke Panik. Tische wurden umgeschmissen, Besteck und Essen gerieten auf den Boden und hinterließen ein kunterbuntes Chaos. Als Simon erschrocken im Türrahmen erschien, ergriff Izaya grinsend die Flucht. Der Russe konnte nicht fassen, dass Shizuo selbst in seinem Restaurant randalieren würde. Er schüttelte traurig den Kopf.
„Bis später, Tetsuya!", entschuldigte und verabschiedete sich Izaya von seinem Klienten, während er durch eines der Fenster in die Freiheit sprang. Glasscherben klirrten und ließen die Gäste noch lauter kreischen. Shizuo ließ sich davon nicht beirren, sondern folgte dem Informaten durchs Fenster.
„Warte, du Bastard!", brüllte Shizuo, während er dem schwarzen Schatten in die Stadt folgte. Auf der Jagd fanden die Hände des blonden Mannes etliche schwere Objekte, darunter auch wieder Straßenschilder, die wohl am schnellsten aus dem Asphalt zu entfernen waren. Man hörte wieder Glas klirren, dieses Mal, weil ein Automat in eine Bäckerei gelandet war. Nur noch einige Meter trennten die beiden Erzfeinde voneinander, die nun in die nächste Seitengasse hetzten. Shizuo war gerade dabei sich das nächste Objekt zu schnappen, als sich einige Freaks der gelben Kompanie ihm in den Weg stellten. Sie meinten wohl sich mit Heiwajima Shizuo anlegen zu können.
„Hey! Hey! Wohin denn so eilig?", fragte einer von ihnen, während er eine Grimasse zog und versuchte mit seinen Hip-Hop Moves cool auszusehen. Wahrscheinlich neu eingetretene Kids, die ein wenig mehr Anerkennung in ihrer Truppe suchten. Die anderen stimmten mit ein und ahmten die Moves nach. Alle trugen mindestens ein gelbes Kleidungsteil, womit sie sich zur gelben Truppe bekenntlich machten.
Als Izaya merkte, dass Shizuo aufgehalten wurde, wurde er langsamer und verfolgte interessiert Shizuos Reaktion. „Aus. dem. Weg.", sagte dieser kurz angebunden, während er seine dunkelblau getönte Sonnenbrille abnahm und sie behutsam in sein Jacket verstaute. Jungspunde, dachte sich Izaya, da die jungen Erwachsenen anscheinend keine Ahnung hatte, dass man ihre sogenannte Hetzjagd besser nicht unterbrechen sollte.
Als keiner der drei Männer Anstalten machte, sich aus dem Staub zu machen, hob Shizuo langsam die Faust – einen tiefen, gefährlichen Blick gab er ihnen gratis dazu bevor er den ersten Treffer landete. Der erste Mann flog durch den Druck nach hinten und schlug auf einem der parkenden Autos auf. Das Alarmsignal des Fahrzeuges schlug an und piepte fürchterlich in den Ohren. Die anderen beiden hatten kapiert wer hier der Boss ist und wollten abhauen, jedoch ließ Shizuo es nicht dazu kommen. Den einen erwischte er am Kragen und zog ihn nahe ans Gesicht. Der Mann gab ein ungewöhnlich feminimes Geräusch von sich, das wie ein Wimmern klang.
„Sag deinem Anführer, wenn er noch mehr solcher Dumpfbacken wie euch drei einstellt, dann kann er den Laden dicht machen.", und damit stieß der blonde Mann ihn gegen einen Laternenpfahl, wobei er sich gleichzeitig den anderen Typen schnappte und ihn einen kurzen Schlag in die Magengrube verpasste. Dieser spuckte Blut und landete ungelenk auf der Straße Ikebukuros.
Kurze Zeit später ertönte ein leichtes Klatschen und Shizuo fixierte die Geräuschquelle - seinen Erzfeind - der es sich auf einen der vielen Vorsprünge gemütlich gemacht hatte, die es in diesem Stadtteil gab. Er klatschte immer noch Beifall, amüsiert über die kleine Show die ihm geliefert worden war.
„Ich verstehe nicht, wie du ohne Grund so gewalttätig wirst. Die armen Leute.", kommentierte Izaya mit gespieltem Mitleid. „Halt die Klappe." Der blonde Mann knurrte. Er hasste diese Kraft. Er hasste Gewalt. Aber noch mehr hasste er es, sie nicht unter Kontrolle zu haben.
„Izaya…", grollte der Bartender und stürmte wieder los um dem Floh aufs Dachgelände zu folgen. Einige Messer die in seine Richtung geflogen kamen erschwerten sein Klettermaneuver. Shizuo hörte sein Gekicher und als er nach oben blickte, sah er gerade noch so den letzten Fetzen von seinem schwarzen Plüschmantel.
„Scheiße…", murmelte der Blondschopf, als er merkte, dass der Floh gleich entkommen würde. Als er oben ankam, konnte er ihn nirgends entdecken. Wütend blieb er in der Mitte des flachen Daches stehen und blickte um sich. Nur zwei Türen die in die unteren Räume zurückführten und zwei Wäscheleinen mit weißen Kitteln befanden sich auf dem Dach. Krankenhaus, dachte Shizuo automatisch. Und es gab nur zwei Möglichkeiten, wo der Untergrundinformant sein könnte. Erstens: Eine der beiden Türen. Zweitens: Er befand sich noch hier oben und versteckte sich irgendwo. Seine sandfarbenen Augen verengten sich als er die Gegend nach seinem Erzfeind absuchte.
„Komm raus, du Bastard.", rief der ehemalige Bartender, während er zur ersten Tür wanderte, immer darauf bedacht, die Gegend im Auge zu haben. Sie war verschlossen. Shizuo begann zu grinsen. Eine Möglichkeit weniger. Plötzlich verdunkelte es sich in seinem Augenwinkel und er meinte einen Schatten gesehen zu haben. Viel zu spät merkte er, dass er Recht gehabt hatte.
Schnell drehte er sich um, als er den Floh hinter sich spürte. Aber es war schon zu spät. Mit einem fast schon eleganten Fußtritt gelang es dem schwarzhaarigen Mann Shizuo zum Stolpern zu bringen und das nächste was er spürte war der kalte Boden. Der blonde Mann wollte sich wieder aufrappeln, jedoch spürte er plötzlich das Gewicht des anderen auf seiner Hüfte.
Das rabenschwarze Haar seines Gegners vermischte sich fast mit dem dunklen Nachthimmel, als Shizuo die Augen öffnete. Blitzschnell hob Izaya eines seiner Messer in die Höhe; auf seinem Gesicht ein schelmisches Grinsen. Bevor es ihn jedoch treffen konnte, hatte sich der blonde Mann Izayas Handgelenke geschnappt. Shizuo grollte. Das Messer begann zu zittern und nach kurzer Zeit fiel es aus Izayas Hand.
„…Hngh…", hörte er ihn mit schmerzender Stimme stöhnen, da Shizuos Hände einen gewaltigen Druck auf seine Knöchel ausübten. Dann mit einem Ruck wechselten die beiden Männer plötzlich ihre Positionen. Der Informant stöhnte erschrocken auf, als sein Kopf auf dem kalten Steinboden aufkam. Seine Hände bewegungsunfähig neben seinem Kopf gepresst.
„Wo ist Tom's Geld?!", zischte Shizuo und beugte sich näher hinunter. Die plötzliche Frage warf Izaya kurz aus dem Konzept und er starrte eine Weile in die sandfarbenen Augen. Dann machte es Klick und er lächelte langsam, als ihm eine Idee in den Sinn kam. Shizuo starrte in den rot-bräunlichen Augen. Ihm war noch nie aufgefallen wie dunkel sie waren, oder auch wie ungewöhnlich diese Farbe eigentlich war. Und es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, als er Izayas Stimme plötzlich ganz nah an seinem Ohr wahrnahm.
„Shizu-chan…", hauchte Izaya seinen warmen Atem über sein linkes Ohr und Shizuo bekam eine Gänsehaut. W-Was macht er da?, dachte Shizuo und seine Augen weiteten sich. Aber um noch eins oben draufzusetzen spürte der Blondschopf plötzlich eine freche Zunge über seine Ohrmuschel lecken. Das Gefühl was sich in ihm ausbreitete empfand Shizuo als völlig fremd und erschrocken wich er von ihm.
Wärme. Ihm war auf einmal so warm zu und sein Herz pochte schneller als er es je für möglich gehalten hatte. Izaya, nun völlig befreit, lag noch eine Sekunde da und genoss den perplexen Gesichtsausdruck des anderen, bevor er kicherte und sich aus der gefährlichen Situation befreite.
„Izaya!", hörte man Shizuo knurren, der nun mit einem wütenden Gesichtsaudruck auf ihn zumarschierte. Izaya runzelte die Stirn, verwundert darüber wie schnell er sich wieder erholt hatte. Auch wenn noch eine leichte Röte auf seinen Wangen zu sehen war. Er grinste. Das war wahrlich eine interessante Wendung. Sehr amüsant.
„Schieb dir dein Gelächter sonst wo hin!" Shizuo stand nun direkt vor ihm und Stirn an Stirn kämpften die beiden. „Sonst was?", provozierte Izaya und kam noch ein Stückchen näher, sodass die beiden sich fast denselben Atem teilten. „Oder möchtest du etwa noch mehr?", fügte er mit leiser, süßer Stimme hinzu und Shizuo merkte den Unterschied in seiner Tonlage. Als der Blondschopf wohl halb sprachlos war, nutzte der Informant die Chance und wich kichernd nach hinten aus.
Leichtfüßig sprang er auf seinen Füßen rückwärts, bis er am Rande des Dachgebäudes angekommen war. Da man bei Shizuo Heiwajima mit Worten nichts erreichen konnte, sprachen die beiden stärksten Männer eher durch ihre Taten. Und zwar gewalttätige Taten, die ganze Areale verwüsten konnten. Dass dies auch durch gewisse andere Taten auch möglich wäre, fand Izaya höchst interessant.
„Hier", rief der schwarzhaarige Mann, während er eines seiner Handys in Richtung Shizuo warf. Aus Reflex fing der Bartender das Objekt und starrte irritiert auf den Gegenstand.
„Ich muss jetzt los. Pass auf, dass du keine weiteren Bewohner ins Krankenhaus beförderst." Izaya begann schelmisch zu grinsen und hob den Arm um spielerisch zu winken.
„Bleib stehen, du Bastard! Wo ist Toms Geld?!" Der Informant gab keine Antwort, blickte ihn nur eine Weile intensiv an, bevor er sich schließlich umdrehte und vom Dach sprang. Shizuos Augen weiteten sich. Nur noch ein kleines Stück von seinem schwarzen Mantel konnte er sehen, dann war er weg. Er stürmte hinterher, blieb am Rande stehen und schaute in die Tiefe hinab. Natürlich war er weg. Natürlich war er ihm wieder mal entkommen.
Shizuo knurrte verärgert. Dieser Bastard. Was dachte er sich eigentlich? Seine Hand wanderte an sein linkes Ohr und er spürte es immer noch leicht kribbeln, dort wo Izayas Zunge ihn berührt hatte. Shizuo zitterte. Das war nicht normal. Absolut nicht. Zumindest wenn man es objektiv betrachtete. Was hat der Floh nur mit ihm gemacht? Er brauchte dringend Nikotin. Er stöhnte genervt auf, als er merkte, dass er ja vor ein paar Stunden seine letzte Zigarette geraucht hatte. Soviel dazu, dass ich mich abkühlen sollte, dachte sich Shizuo, als er die leere Verpackung hinunter in die schwarze Nacht fallen ließ.
Blieb aber immer noch das zitronengelbe Handy, welches Izaya ihm zugeworfen hatte. Misstrauisch starrte er es an, als ob es sich um eine tickende Zeitbombe handelte. Zutrauen würde er es dem Bastard. Was Izaya betrifft, ist es sowieso egal, ob darin ein Peilsender, Abhörer oder Ähnliches drin versteckt war. Es würde ihn nicht verwundern. Izaya war schließlich der Untergrundinformant. Er überlegte, ob er es wegwerfen sollte, entschied sich dann aber doch dagegen. Er untersuchte das Klapp-Handy noch einmal kurz, bevor er es sicher in sein Bartender-Outfit verstaute.
