Huhu! Erstes Kapitel ist da und jetzt kommt auch Story auf. Zu Lily möchte ich noch sagen, ihre ganze Weltansicht hat sich verändert, daher ihr seltsamer Gedankengang.
Danke, Mrs-Liliana-Potter fürs reviewen: Schön, dass es dir gefällt. Gib Sirius und Remus einen Versuch. Vielleicht schaust du auch mal in meine anderen Stories rein, dann freu ich mich.
Disclaimer: Ich bin nicht J. K. Rowling. Wir wissen alle, was das heißt.
Warnings: Slash, aber mit Schwerpunkt auf Het.
Lichtblicke
– Kapitel 1: Überraschungen –
„Krone? Kroooone! James! Potter!"
„Was?", fachte James genervt. Unglaublich, wie jemand so früh aufstehen konnte, wie Sirius Black.
„Mir ist langweilig", maulte Sirius.
„Und ich will schlafen", teilte James seinem Kissen mit.
„Lass uns Quidditch spielen gehen", rief Sirius begeistert.
„Quidditch spielen? Jetzt?"
„Ja!"
„Willst du nicht wenigstens warten, bis die Sonne aufgegangen ist?"
„Die Sonne ist längst aufgegangen. Nur, du schläfst noch immer!"
„Tatze." James machte den Fehler, nach oben zu sehen, direkt in Sirius bittende Augen. „Ich bin müde", sagte er kläglich.
„Bitte, Krone. Bitte, bitte, bitte." Sirius wusste ganz genau, dass er auf diese Tour alles erreichen konnte. Bei absolut jedem. Himmel, war die Welt ungerecht.
„Ich bin nicht Moony", versuchte James es ein letztes Mal.
„Jamie, komm schon."
„Nur, wenn du mich nie mehr so nennst", grummelte James und stieg aus dem Bett.
„Jungs! Frühstück!" Die mächtige Stimme von James Mutter hallte durch den Garten. Eireen Potter war eine energische Frau. Vierzig Jahre; lockige, rotbraune Haare und eine Menge Sommersprossen im freundlichen Gesicht, war sie (obwohl auch Gründungsmitglied im Orden des Phönix und erfahrene Aurorin) ein sehr mütterlicher Typ und sprach längst von ihren „zwei Söhnen".
„Wir kommen, Mum", rief James zurück, dessen Lebensgeister erwacht waren, kaum, dass er auf seinem Besen (Sauberwisch vier – sehr viel versprechendes Modell) saß.
Mit ebendiesem auf der Schulter, schlenderte er mit Sirius in Richtung Haus.
„Die Besen bleiben draußen", sagte seine Mutter, ohne sich umzudrehen (sie stand mit dem Rücken zu ihnen am Herd).
„Eireen, ich muss los. Ich weiß gar nicht, wie die so vielen Leuten freigeben konnten…Alastor wird explodieren, wenn wir wieder nur zu siebt sind…" James Vater, ein hektischer Ordnungsallergiker (James hatte seine Haare geerbt) hastete durch den Raum und sammelte diverse Gegenstände zusammen.
„Hermann, Schatz, du weißt, ich würde mitkommen, aber ich bezweifle, dass die Beiden das Haus stehen lassen." (Zweifaches „Hey!") Sie reichte ihm seinen Zauberstab und gab ihm einen Kuss. Er rauschte davon, in Richtung Kamin. „Morgen Jungs, bis heute Abend, Jungs", rief er.
„Bis dann, Dad", brachte James noch heraus, bevor sein Vater mit den Worten „Zaubereiministerium, Aurorenzentrale" in den Flammen verschwand.
„Warum hat das Ministerium so vielen freigegeben, Mum?", fragte James, während er seinen Toast butterte.
„Brauchen die nicht sowieso im Moment jeden?", fügte Sirius hinzu.
„Ja, deswegen nehmen sich ja gerade die Auroren auf den letzten Drücker noch frei, bevor der Urlaub gestrichen wird. Alastor hat das eigentlich auch gar nicht abgesegnet, aber die Ministerin…"
„Millicent Bagnold ist grauenhaft", sagte Sirius. Erklärend fügte er an: „Meine Eltern finden sie gut."
„Inzwischen trifft Barty Crouch sowieso die meisten Entscheidungen", sagte James Mutter.
„Wer?"
„Ihr erster Untersekretär. Und Nachfolger, so wie's aussieht. Er führt auch den Krieg für sie."
„Ist das nicht Moodys Aufgabe? So, als Leiter der Aurorenzentrale?"
„Nicht mehr. Ist jetzt alles Chefsache. Natürlich sind es immer noch wir, die die Arbeit machen…"
James grinste in sich hinein. Er wusste, sie meinte nicht einfach die Auroren, sondern den Orden, aber wenn sie das herausfand käme er in Teufelsküche.
„Oh, die Post", bemerkte Sirius, der schon die ganze Zeit immer wieder aus dem Fenster gesehen hatte. James verdrehte die Augen.
„Er kommt heute Nachmittag an. Du erwartest nicht wirklich einen…"
Eine braune Schleiereule landete auf dem Tisch.
„…Brief."
Sirius entging die Resignation in James Stimme. Er hatte nur noch Augen für den Brief. James verdrehte abermals die Augen und gab Remus Eule einen Keks. Dann wandte er sich der übrigen Post zu.
Den Tagespropheten hatte seine Mutter schon an sich genommen. Blieb noch ein fremder Waldkauz. James erkannte jedoch das Wappen auf dem Umschlag.
„Hey, unsere Hogwartsbriefe." Er hielt Sirius den an ihn adressierten Umschlag hin. „Hallo. Erde an Tatze." Er wedelte mit dem Pergament und überlegte, warum die Muggel so was wohl sagten.
„Huh? Oh, Briefe. Ich soll dich grüßen. Ach, und die Eule soll hierbleiben." Dann lachte er. „Was meinst du, wann beichtet er uns, falls er Schulsprecher ist?"
Nun ebenfalls lachend schlitzte James seinen Brief auf – und wurde schlagartig blass.
„Moony ist nicht Schulsprecher", flüsterte er mit Grabesstimme.
„Och, komm, besser er, als irgend so ein komischer Ravenclaw – ich meine die kommen noch auf den Gedanken, sie müssten ihre Pflichten erfüllen."
Wortlos hielt James ihm seinen Brief hin. Sirius las – dann prustete er los.
„Schulsprecher? Du? Welcher Idiot hat sich das denn ausgedacht?"
„Du kennst doch Dumbledore", stöhnte James. „Wahrscheinlich will er mich zwingen, mich zu benehmen."
„Vergebene Liebesmüh", gluckste seine Mutter. Dann umarmte sie ihn. „Obwohl das gänzlich unerwartet kommt – ich bin sehr stolz auf dich, mein Sohn."
Damit hatte die Sache dann doch etwa Gutes. Seine Mutter konnte ihm nicht oft sagen, dass sie stolz auf ihn war. Seine Schulnoten – und mochten sie noch so gut oder tausendmal am Besten sein – reichten nicht um das auszugleichen, was er zwischen den Zeugnissen anstellte. Er musste mehr Heuler bekommen haben als alle anderen Schüler zusammen.
Besonders schlimm war es gewesen als McGonagoll von seiner ‚sadistischen Ader' geschrieben hatte – sie hatte sich später für die unglücklich Ausdrucksweise entschuldigt, doch seine Mutter hatte das in Betracht ziehen dieser Äußerung schon bestürzt, dass wusste er. Von Dingen, wie der Rettung Snapes wusste sie nichts – sie hätte gefragt, wovor und das wollte niemand riskieren. Auch Snapes Eltern hatten nichts davon erfahren. Sie versuchte zwar noch immer ihm diese ‚Freizeitbeschäftigung' Auszureden, doch im Grunde wusste sie, dass die Elternbriefe (so schlimm es auch gewesen sein mochte) immer übertrieben. Vielleicht hatte sie sich mal mit Remus darüber unterhalten. James war jedenfalls froh, dass sie nicht mehr ganz so hart zu ihm war. Aber er wusste sie hätte gerne ein Musterkind vorzuweisen, auch wenn sie steif und fest behauptete, dass er eins war. Eireen Potter konnte sehr stur sein.
„Danke, Mum", murmelte er.
„Weißt du", überlegte Sirius. „Lily ist bestimmt Schulsprecherin. Das ist doch die Gelegenheit?"
„Lily?", fragte seine Mutter. „Das Mädchen, von dem du immer schwärmst, wenn du denkst, dein Vater und ich hören nicht zu?" James wurde rot. „Ist sie also anständig? Wie schön. Du musst mir das Mädchen vorstellen, weißt du? Du hast noch nie ein Mädchen hier gehabt…"
„Ja, weil Lily ihm noch nie eine Chance gegeben hat", gluckste Sirius und Eireen lächelte wissend.
„Sag mal, heißt das eigentlich, ich darf Punkte Abziehen?", fragte James hinterlistig grinsend. Die Sache bekam doch immer mehr gute Seiten.
„Oh ja." Sirius Grinsen war eine Kopie seines Eigenen.
„Oh, welcher Idiot hat sich das nur ausgedacht?", stöhnte seine Mutter. Dann wechselte sie das Thema. „So, Remus kommt heute, nicht wahr? Und Peter erst Montag…"
„…Peter erst Montag, weil er noch im Urlaub ist", beendete James den Satz. „Auf den Schreck geh ich erst mal noch ne Runde fliegen – kommst du mit?"
„Jep."
„Viel Spaß Jungs", rief Eireen ihnen nach.
Remus lief durch sein Zimmer und warf wahllos Gegenstände und Kleidungsstücke in seinen Koffer. Eigentlich war er eher der ordentliche Typ, aber er brachte es nicht fertig, sich auf das Falten von Umhängen und Winterumhängen zu konzentrieren.
Die beiden Vollmonde der Ferien waren vorbei, das hieß er war gewissermaßen ‚frei' und würde die letzten zwei Wochen bei James verbringen…er mochte es dort sehr. James Vater Hermann war ein unglaublich witziger Zeitgenosse und regte sich dauernd über das Ministerium auf, ungeachtet der Tatsache, dass er dort relativ hochrangiger Mitarbeiter war. Seine Frau Eireen war, Remus Meinung nach, die netteste Person der Welt.
Besonders beeindruckte ihn ihre Erziehungsweise. Wenn James irgendetwas anstellte, schrie sie ihn fünf Minuten lang an und dann war wieder alles in Ordnung. Diese Methode war unerwartet effektiv.
Aber auch Sirius würde dort sein und das freute Remus am meisten. Immerhin waren sie seit beinahe einem Jahr zusammen. Wenn auch nur inoffiziell.
Als Remus bei Potters aus dem Kamin – nun ja, fiel, wurde er von einem breit grinsenden James empfangen.
„Rate, was passiert ist!"
„Danke, ich hatte eine gute Reise. Wo ist deine Mutter?"
„Och, Moony. Es ist wirklich unglaublich. Du wirst entsetzt sein", sagte James und diese Aussicht schien ihn in Entzücken zu versetzen.
In diesem Moment raste ein zweiter Junge in den Raum – und ins Zentrum von Remus Aufmerksamkeit.
Und ehe er sich versah, waren zwei starke Arme um ihn geschlungen und Sirius Lippen lagen auf seinen. Hm…
„Hallo, Sonnenschein", sagte Sirius dicht an seinem Ohr. Er drückte Remus noch einen Kuss auf die Wange und hielt ihn dann auf Armaslänge von sich. Remus war froh, dass die einzige neue Narbe, die er davongetragen hatte (die meisten Verletzungen ließen, magisch geheilt, keine zurück) an seiner Schulter und somit außer Sicht war. Natürlich würde Sirius sie trotzdem finden, aber bis mindestens heute Abend hatte er noch Gnadenfrist.
„Hast du's ihm schon erzählt?", fragte Sirius und Remus beschlich plötzlich das Gefühl, etwas Wesentliches nicht mitbekommen zu haben.
„Ich wollte, bevor du seine Aufmerksamkeit so resolut für dich beansprucht hast. Übrigens, ich sag's euch besser gleich, das vor meiner Mutter zu verheimlichen – ist unmöglich."
„Deine Mutter wird nichts dagegen haben", sagte Sirius zuversichtlich. Remus fiel auf, das er nur von Eireen sprach, wobei ihm geschickterweise entging, dass James acuh nur von Eireen gesprochen hatte.
„Was wolltest du mir denn sagen? Meintest du nicht, ich würde entsetzt sein?"
„Oh, ja", sagte James glücklich. „Denn ich – James Hermann Potter – bin…"
Tusch, Trommelwirbel, dachte Remus.
„Schulsprecher", beendeten Sirius und James gemeinsam den Satz.
„WAS?"
„Ich wusste, du würdest entsetzt sein", frohlockte James.
Remus Gehirn war noch dabei, die Information zu verarbeiten, aber sein Mund machte sich selbstständig.
„Welcher Idiot hat sich das denn ausgedacht?"
„Könnt ihr euch nicht alle mal was Eigenes zum sagen ausdenken?", murrte James. „Also echt."
Remus verstand nicht, was er meinte.
King's Cross. Hach, was für ein wunderbarer Moment es war, die Barriere zu durchschreiten. Jedes Jahr aufs Neue. Der Übergang von der gnadenlos magielosen Welt ihrer Eltern (und vor allem ihrer Schwester), in die Welt, in die sie gehörte.
„Lily!"
Oh, das war ganz eindeutig Marys Stimme. Mary. Oje, wie sollte sie nur ihre triumphierende Miene ertragen?
„Hey, May!" Lachend fielen sich die beiden Mädchen in die Arme. Mary grinste tatsächlich fast überlegen.
„Darf ich es sagen?"
Lily seufzte. „Wenn es denn sein muss."
„Ok. Also…chrm chrm. Ich hab's dir ja gesagt!"
„Nun zufrieden?", fragte Lily. „Dann hast du sicher auch eine Idee, was ich jetzt am Besten tue."
„Ähm, ganz abwegiger Gedanke: Sag beim nächsten Mal ja."
„Mach ich's ihm dann nicht zu leicht? War das nicht, was ihn so interessiert hat?"
„Lily, du willst mich veralbern?"
„Nein." Ich hab nur wirklich keine Ahnung was ich tun soll.
„Lily, es läuft ganz normal, wie immer, in Ordnung?"
„Nein!"
„Ich bitte dich, Ly, du reagierst da über."
„Ich kann das doch noch nicht. May."
„Natürlich kannst du das, Ly, atme."
„Lil?" Die Stimme ihres Vaters unterbrach sie.
„Oh, Dad, da bist du ja. An Mary erinnerst du dich?"
„Natürlich. Hallo Mary."
„Hallo, Mr Evans."
Leicht amüsiert betrachtete Lily, wie die Beiden sich die Hände schüttelten.
„Oh, sie mal, dahinten", sagte Mary plötzlich. Lily drehte sich um – und sofort wieder zurück. Gruppiert um die, ihr inzwischen wohl bekannte, Mrs Potter, standen vier, ihr ebenso wohl bekannte, junge Männer.
„Oh nein."
„Du benimmst dich ausgesprochen unmöglich", murrte Mary und winkte zu der Gruppe herüber.
„May!" Lily fuhr herum und sah Sirius zurückwinken und grinsen. Obwohl – der grinste ja immer. Lily lächelte, winkte zurück und ließ sich dann von Mary in Richtung der Rumtreiber ziehen. Sie konnte sich nicht recht entscheiden, ob sie James jetzt ansehen sollte oder nicht.
Dann stand sie vor ihm.
„Na, ihr?", fragte Mary. „Schöne Ferien gehabt?"
James lächelte und Lily spürte, wie sie sich wieder in den selbstbewussten Menschen verwandelte, der sie in James Gegenwart zu sein vermochte, aber sonderbarerweise nur in seiner. Früher hatte sie zu diesen Gelegenheiten ihr ganzes Temperament ausgespielt, doch jetzt fühlte sie sich einfach bestärkt, denn dieses Lächeln galt ihr.
„Schöne Ferien, ja", sagte er.
„Lily", fragte Sirius und sein Grinsen wurde – falls möglich – noch breiter. „Sind wir den Schulsprecherin geworden?"
„Also, wenn du Schulsprecherin geworden bist, ist da was falsch gelaufen", sagte Lily. „Oder ist da was, was ich wissen sollte?"
„Aber, Evans", gluckste James. „Erkenn Moony mal das Mädchen nicht ab."
„Ach, halt doch den Mund", murmelte Remus. „Schulsprecher." Wie bitte?
„Schulsprecher?", japste Lily. „Du? Das ist ein Scherz, oder?"
„Nope", sagte Peter schlicht.
„Welcher Idiot hat sich das denn-"
„Sag's nicht, McDonald", knurrte James. „Könnt ihr euch nichts Eigenes ausdenken?"
„Also, ich denke, mir entgeht da ein tieferer Sinn", sagte Mary, während die Jungs sich vor Lachen kringelten. „Aber was hast du denn heute mit unseren Nachnamen?"
„Nur zur Sicherheit. Wenn Ly nicht in guter Stimmung ist, tut man nicht gut daran, sie mit Vornamen anzureden."
„Das war mal", sagte Lily, gespielt gnädig. „Wir sind doch Freunde." Oder mehr.
„Also dann…" Der Zug pfiff. „…denke ich, wir sollten langsam einsteigen", beendete Remus seinen Satz.
Lily wusste nicht was sie dazu brachte und war eigentlich schon bevor sie es tat, davon überzeugt, dass es eine schlechte Entscheidung war. Sie griff nach James Arm und zog ihn mit sich. Der Blick, den er über seine Schulter warf entging ihr nicht.
„Wir müssen ins erste Abteil. Den Vertrauensschülern sagen, was zu tun ist", erklärte sie, lies aber seinen Arm keinesfalls los.
„Stand das in dem Brief? Ich war so sicher, ich hätte den gelesen", hakte James nach.
„Du kannst lesen? Aber, nein, das stand nicht in dem Brief. Nur, normalerweise waren die Schulsprecher vorher Vertrauensschüler und wissen das deshalb."
„Ich hab mir das sicher nicht gewünscht", murmelte James, ohne auf den Kommentar zu seinen Fähigkeiten einzugehen. Über so was erhaben, der junge Potter. Natürlich…
Lily musste es zugeben: Er war es nicht, der sich verändert hatte. Er war immer noch derselbe arrogante Mistkerl, der er immer gewesen war. Derselbe Tu-nicht-gut und derselbe beste Freund der Welt.
Früher hatten sie einige dieser Eigenschaften dazu getrieben ihn zu verabscheuen, jetzt liebte sie ihn trotzdem, oder…deshalb? Ein Glück, das niemand ihre Gedanken lesen konnte, das wäre ihr dann doch peinlich.
„Na ja, im Grunde musst du nicht viel machen", sagte sie. „Die Vertrauensschüler machen alles, du musst nur die Aufgaben koordinieren."
„Wir müssen die Fünftklässler herumscheuchen?"
„Das ist schwieriger als es sich anhört, glaub mir", sagte sie, dann fiel ihr noch etwas ein. „Und, obwohl du das sowieso nicht machst, sollten wir ein Auge auf die Einhaltung der Regeln haben."
Ohne richtigen Grund begann sie zu lachen. Sie bemerkte verschwommen, dass der Zug anlief und wahrscheinlich ihr Vater und seine Mutter darauf warteten, dass sie ein letztes Mal winkten, aber sie standen einfach nur im Gang vorm Vertrauensschülerabteil – und lachten. Und wer könnte in einem solchen Moment James Potter nicht lieben?
Schließlich rissen sie sich zusammen und gingen, immer noch grinsend, hinein.
„James?"
„Ja?"
„Überlass, um Himmels Willen, mir das Reden, ja?"
„Da kannst du Gift drauf nehmen."
„Besser nicht."
„Schon klar."
Er sagte tatsächlich keinen Mucks während sie sprach. Er unterbrach sie auch nicht auf andere Weise. Sie konnte nur die ganze Zeit seinen Blick im Nacken spüren.
Sie war so schön. Ihr Haar. Ihr rotes Haar. Und zwar wirklich rot, nicht so orange, wie die meisten ‚Rothaarigen' es hatten. Wer einmal Lilys fuchsrotes Haar gesehen hatte, würde diese Leute nie so bezeichnen. Aber es war ja nicht nur rot, es leuchtete golden, wenn die Sonne schien…so wie jetzt…Und ihre Augen, oh Merlin, ihre Augen! Sterne. Oder Edelsteine? Smaragde? Nein. Eher die grünen Tiefen des Meeres, auf denen die Sonne sich bricht…
Ein Glück konnte hier niemand Gedanken lesen. Alle mussten sehen, wie er sie anstarrte! Er hatte nicht mal mitbekommen, worüber sie gesprochen hatte, wobei, ihre Stimme, ja, der hatte er gelauscht. Unbeschreiblich schön…
„James?" Ein Fingerschnipsen direkt vor seinem Gesicht.
„Huh?"
„Es ist vorbei." Lily lachte. „Ich dachte, wir gehen zu den Anderen."
Hinter ihr waren einpaar der Knirpse stehen geblieben und sahen interessiert zu ihnen herüber.
„Was ist, habt ihr kein eigenes Leben?", rief James ihnen zu. „Komm, gehen wir", murmelte er Lily zu.
Mit einem Blick auf seine Armbanduhr, stellte er fest, dass das Ganze etwa eine Stunde gedauert hatte. Eine Stunde? Nun, vermutlich wäre ihm das alles länger vorgekommen, wenn er zugehört hätte.
Als sie schließlich das Abteil ihrer Freunde gefunden hatten warf Sirius ihnen ein ziemlich eindeutiges Grinsen zu.
„Ihr wart ja ganz schön lange weg." James spürte, wie Lily neben ihm rot wurde.
„Joa", meinte er beiläufig und lies sich auf den Sitz neben Peter fallen. „War schön."
Lily, ihr Gesicht war inzwischen so rot, wie ihr Haar, setzte sich ihm gegenüber. Ihr Blick war tödlich.
„Na, ihr habt ja auch Spaß", bemerkte er an seinen besten Freund gewandt. „Ich hab schließlich hier niemanden auf dem Schoß."
Remus grinste ihn von dort aus an. „Ja, aber du hättest gern."
„Außerdem", fügte Sirius hinzu. „Machen wir ja ganz offensichtlich nichts, wofür wir allein sein müssen."
„Also schön, jetzt habt ihr euch genug über uns lustig gemacht", maulte Lily, während Mary und Peter sich vor Lachen rollten.
„Leugnen ist zwecklos", grinste James.
„Mach's nicht noch schlimmer", sagte Lily. Mary sah aus, als würde sie keine Luft mehr bekommen. „Du bist sooo eine gute Freundin."
„Ich weiß, Ly. Ich brauch keinen Ego-Pusher."
„Schön, dass ihr euch alle so toll amüsiert." Lily hatte Mühe, das allgemeine Gelächter zu übertönen.
„Ja, find ich auch", gab Mary höflich zurück.
Irgendwann, ein paar Stunden später, kam James der Gedanke, dass er dieses Jahr seine letzte Chance hatte. Warum also Zeit verschwenden?
„Also, Lils, wie ist es? Willst du echt zulassen, das ich meine Schulzeit ohne ein einziges Date beende?"
„Weißt du, Krone?" Eins wusste er, nämlich dass sie den Spitznamen mit Absicht verwendete, vielleicht glaubte sie, es täte dann weniger weh. Natürlich. Vorsichtshalber fuhr er schon mal den Schutzwall hoch. „Wenn du es zustande bringst mich noch einmal so zu Fragen, wie am Anfang, so dass ich glaube, du meinst es ernst und du willst das wirklich, dann würde ich wieder anfangen darüber nachzudenken. Und vielleicht würde ich jetzt, wo ich dich besser kenne zu einem anderen Ergebnis kommen."
James starrte sie an. Alle starrten sie an. Während die Bedeutung ihrer Worte langsam in sein Hirn sickerte und von dort aus zu einem Grinsen auf sein Gesicht tröpfelte, hörte er Marys – eine andere Bezeichnung gab es einfach nicht – Triumphschrei.
Es war kein Ja. Aber fast.
Mein Gott, ich hab das Gefühl, das reicht schon als Happyend, nicht? Aber nein, es kommen noch Handlungsfäden dazu, direkt im nächsten Kapitel zum Beispiel…Also, nicht zu leichtfertig abschreiben. Es wird kitschig, ja, aber nicht nur.
