Kapitel 2: Dem Tod so nah...

Ginny lag weinend auf ihrem Bett. Beryl und Cassidy waren noch auf dem Ball, nur Anna war bei ihr und tröstete sie. Nur Anna wusste von ihrer Beziehung zu Draco Malfoy.

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Die Tage vergingen. Ginny aß genug, schlief genug und arbeitete viel. Trotzdem verlor sie an Gewicht. Sie stritt nicht mehr mit Malfoy. Ron machte sich Sorgen. Aber auch er kam nicht zu ihr durch. Niemand kam zu ihr durch.

Malfoy beobachtete sie. Er machte sich Sorgen.

Etwa einen Monat nach der Nacht auf dem Astronomieturm flüsterte es in der ganzen Schule. Ginny Wealsley sei in Verwandlung zusammengebrochen flüsterte es. Sie liege auf der Krankenstation und sei seit dem Morgen bewusstlos.

Als am Abend Mr und Mrs Wealsley eintrafen, folgte Draco ihnen zum Krankenflügel. Unsichtbar natürlich. Nicht nur Potter hatte Möglichkeiten.

Mrs Wealsley stürmte auf die Krankenstation, gefolgt von ihrem Mann und einem Unsichtbaren. „Was ist mit meiner Tochter, meinem kleinen Mädchen?" Sie war völlig außer sich. „Setzten Sie sich doch bitte, Arthur, Molly." Madam Pomfrey deutete auf zwei Stühle. „Und beruhigen Sie sich bitte. Ich kann ihnen leider nicht sagen, was Ihrer Tochter fehlt." „Wwas heißt das? Sie können es nicht sagen? Warum nicht? Was ist mit meiner kleinen Ginny?" „Schatz, beruhig dich bitte und lass Poppy ausreden." Arthur redete beruhigend auf seine Frau ein. Madam Pomfrey fuhr fort. „Ich kann es ihnen leider nicht sagen, weil Ginny vom medizinischen Standpunkt aus völlig gesund ist. Ihr Gewicht ist normal, ihre Körperfunktionen ebenfalls." „Wwas heißt das?" „Das heißt, dass Ginny völlig gesund ist, aber trotzdem im Sterben liegt."

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Harry, Ron und Hermine sind auf dem Weg zur großen Halle. Es herrscht eine gedrückte Atmosphäre. „...Mum hat gesagt, dass Ginny völlig gesund ist, körperlich meine ich, und trotzdem verlieren wir sie. Meine kleine Schwester liegt im Sterben und ich kann nichts dagegen tun." Ron war völlig verzweifelt. Er konnte es nicht verstehen. Und Harry und Hermine wussten beide keinen Rat.

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Aber nicht nur Ron wusste sich keinen Rat. Auch Draco Malfoy ging es nicht gut. Jede Nacht saß er unsichtbar im Krankenflügel und strich über die Kette, die er ihr zum Geburtstag geschenkt hatte. Die goldenen Kette mit dem herzförmigen Saphiranhänger, die sie trotz allem immer noch trug. Die Kette, die eigentlich mithilfe der Phoenixtränen im Anhänger ihr Leben retten sollte. Und es doch nicht tun konnte. Er fühlte sich so hilflos.

Die Stimmung in Gryffindor war gedrückt. Alle hatten Angst um Ginny. Colin, der beste Freund Ginnys, nach Anna, war völlig verloren. Aber auch dem Rest ging es nicht gut. Anna machte sich schreckliche Vorwürfe, schob die ganze Situation auf den blöden Brief, den sie Ginny gezeigt hatte.

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Ginny träumte. Sah Bilder von glücklichen und unglücklichen Ereignissen. Sah immer wieder diese Augen. Augen, die ihr sagten, dass er sie nicht liebte. Er mochte sie, schlief mit ihr, redete mit ihr. Aber er liebte sie nicht. Jedes dieser Bilder saugte ein kleines bisschen Leben aus ihr heraus. Zehrte von ihren Reserven. Bald würde es vorbei sein. Lange würde ihr Körper das nicht mehr mitmachen. Dann würde sie sterben.

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Drei Wochen waren vergangen. Drei Wochen, in denen Draco hauptsächlich in der Bibliothek oder, unsichtbar, im Krankenflügel gewesen war. In der Bibliothek hatte er in Büchern nach einem Hinweis gesucht. Einem Hinweis auf Ginnys seltsames Leiden. Und er hatte etwas gefunden. Vor zwei Tagen. Jetzt versuchte er sich über die Konsequenzen klar zu werden. Er musste keinen Trank brauen oder eine seltene Pflanze finden. Nein, es war viel einfacher. Und gleichzeitig viel schwerer.

In der Nacht war Draco wieder im Krankenflügel. Er hatte sich entschieden. War sich völlig klar. Er würde sie nicht sterben lassen. Auch wenn er dafür seinen Stolz würde aufgeben müssen. Aber das war egal. Es würde sowieso niemand merken. Nur sie. Und das war das schlimmste.

Sie war mitten in einer ihrer schönsten Erinnerungen. Es war ihr Geburtstag. Er gab ihr ein kleines Päckchen. Darin diese wunderschöne Kette. Die einmal ihr Leben retten könnte. Aber nicht jetzt. „Hey, Ginia, komm zurück, bitte. Ich muss dir was sagen." Das gehörte definitiv nicht in diese Erinnerung. Aber wollte sie denn wissen, was er ihr zu sagen hatte? Ja! Wollte sie dafür wieder unter die Lebenden zurück kehren? Nein! „Na gut, Ginia. Ich sag es dir eben jetzt und du musst zuhören. Aber wehe, du erzählst etwas davon!" Pah, wem sollte sie schon davon erzählen? Sie würde doch sowieso sterben. „Virginia Wealsley, ich liebe dich." Ein kühler Hauch strich über ihre Lippen, er küsste sie kurz. Dann war er verschwunden. Ginnys Erinnerungen waren weg. Sie hatte die Augen geöffnet. Und starrte an die Decke.

Er liebte sie.

Sie würde leben.

Vielen Dank für eure Reviews!! Es ist schön zu hören, dass die eigene Geschichte anderen gefällt!

Ich suche immer noch eine/n Korrekturleser/in. Wer Interesse hat, bitte per Review melden. Schöne Sommerferien euch allen.

Jewels