A/ N: So viele Reviews freu. Da muss ich natürlich auf der Stelle weiter schreiben.

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„Krieg ist Frieden

Freiheit ist Sklaverei

Unwissenheit ist Stärke"

(George Orwell, 1984)

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„Terzia!"

Narzissas Stimme schallte ärgerlich durch die Gänge und Hermine beeilte sich, den schweren Wasserbottich vor den Baderaum zu tragen, ohne etwas zu verschütten.

Sie hatten ihren Namen beim Betreten des Hauses verloren. Prima, Seconda, Terzia. Nichts als Nummern, ihrem Wert nach geordnet.

Prima hieß in Wirklichkeit Margaret. Sie war die persönliche Magd von Narzissa, half ihr beim Einkleiden und verbrachte die Zeit damit, ihrer Herrin die Wünsche von den Augen abzulesen. Sie war die älteste der drei Mädchen und hatte sich am besten in Snape Manor eingefügt. Mit ihren 34 Jahren wäre sie eine Konkurrenz für Narzissa gewesen. Doch der Krieg hatte ihr Gesicht entstellt und hässliche Narben verdeckten ihre Schönheit.

Seconda war zwei Jahre älter als Hermine. Sie war schweigsam, unauffällig. Hermine kannte ihren Namen nicht, hatte ihr Gesicht nie gesehen, weil sie es immer gesenkt hielt. Die Dienerinnen durften nicht reden und im Gegensatz zu Margaret und Hermine, hielt sich Seconda an diese Regel. Hermine hatte sie nicht ein Wort sagen hören, seit sie in dieses Haus gekommen war. Das Mädchen arbeitete in der Küche und Narzissa schien recht zufrieden mit ihr zu sein.

Hermine konnte nicht kochen. Mit ihren 20 Jahren war sie zu jung und zu schön, um Narzissas persönliche Magd zu sein. So war sie diejenige mit dem geringsten Wert, musste die schlimmsten Arbeiten verrichten und wurde am schlechtesten behandelt.

Als sie nun den Wasserbottich vor den Baderaum stellte, wo er von Margaret entgegengenommen wurde, hoffte Hermine dass sie schnell genug gewesen war. Gestern war sie von Narzissa ausgepeitscht worden. Die Folge dessen, dass sie es nicht rechtzeitig geschafft hatte, das Kaminfeuer zu erhitzen. An sich wäre die Aufgabe kein Problem gewesen – mit Zauberstab, Feuerzeug oder Streichhölzern. Aber es war einer Dienerin nicht gestattet diese Dinge in die Hand zu nehmen und so war ihr nicht anderes übrig geblieben, als verzweifelt Steine aneinander zu Klopfen.

Heute hatte sie blutige Striemen auf Rücken und Beinen. Das Laufen fiel ihr schwer und sie war zweimal hingefallen. Nicht denken, wiederholte sie ihr Mantra in Gedanken. Es war ihr ständiger Begleiter geworden. Die Worte füllten ihren Kopf, bis eine leichte Benommenheit zurückblieb und sie den Schmerz vergessen ließ.

„Terzia, Handtücher!", gellte Narzissas Stimme erneut und Hermine atmete beinahe erleichtert auf, dass ihre Herrin sich noch nicht beschwert hatte.

Sie zog die ebenfalls grauen Gummihandschuhe aus der Tasche ihres Umhangs und stülpte sie im Laufen über. Den Dienerinnen war es nicht erlaubt die persönlichen Gegenstände Narzissas anzufassen. So trugen sie Handschuhe, sobald sie nach Dinge griffen, mit denen Narzissas Haut in Berührung kam. Es war, als besäßen sie eine ansteckende Krankheit – Schlammblut.

Nicht denken. Hermine biss sich auf die Zähne, bemüht schneller zu laufen und steuerte auf den großen Eichenholzschrank zu, in dem die Handtücher gelagert wurden.

Wäre sie nicht blindlings auf den Schrank zugehastet, hätte sie Snape noch rechtzeitig gesehen, der aus seinem Arbeitszimmer kam, die Augen auf seine Unterlagen gerichtet. So rannte sie geradewegs in ihn hinein und fiel mit einem überraschten Aufschrei auf die Knie. Dort blieb sie zusammengekauert, mit geschlossenen Augen liegen. Jetzt war alles vorbei. Er würde ihr einen Fluch auf den Hals hetzen, oder sie zu Tode foltern. Völlig egal. Es war vorbei.

„Kein Laut, keine Berührung, keine unnötige Regung. Ihr seid existenzlos, solange ihr nicht gebraucht werdet", hatte ihre Ausbilderin ihnen eingebläut. Wenn es sie nicht schon das Leben gekostet hatte in ihn hineinzulaufen, dann hatte ihr Aufschrei den Rest erledigt.

Sekundenlang passierte nichts. Dann bohrte sich Snapes schwarze Schuhspitze in ihre Seite. Er trat nicht nach ihr. Es war als berühre er ein totes Tier, mit dem man Mitleid hat, ohne es jedoch anfassen zu wollen.

„Terzia!", bellte es aus dem Baderaum.

Hermine zuckte zusammen, kniff die Augen so fest aufeinander, dass sie nur noch das Rot hinter ihren geschlossenen Lidern sah. Sie spürte, wie seine Hand nach ihrem Arm griff und sie grob auf die Beine zog. Mit gesenktem Kopf blieb sie stehen, die Fingernägel in die Haut gekrallt, dass es wehtat.

„Pass auf!", zischte Snape.

Ein bedrohliches Zischen, das Hermine abermals zusammenfahren ließ. Unfähig sich zu bewegen stand sie einfach nur da, wie ein verletztes Tier, bis ihr die Handtücher in die Hand gedrückt wurden und Snape sie Richtung Baderaum stieß.

Was war das? Hatte er ihr gerade geholfen? War er doch nicht nur ein Monster, das sie quälen und töten wollte?

Nicht denken.

Doch obwohl Hermine es schaffte alle Gedanken aus ihrem Kopf zu verbannen und sie gleichmütig Richtung Baderaum hinkte, blieb diese Hoffnung - irgendwo verborgen, tief in ihr drinnen.