Kapitel 1: Ein einsamer Abend

Drei Tage später saßen Olivia und Elliot nach einem gewonnenen Fall gemeinsam in einer Bar Olivia trank ein Bier und Elliot nur Wasser, denn er wusste, er musste noch Auto fahren. Sie waren vor einer Stunde angekommen und keiner der beiden wollte nach Hause, obwohl es schon weit nach Mitternacht war.

Sie waren noch zu aufgewühlt um überhaupt ans schlafen gehen oder sonstiges zu denken.

„Und was hast du mit dem angefangen Abend heute noch vor?" Elliot schaute seine Partnerin an und wartete auf ihre Antwort.

„Hm keine Ahnung, ich denke noch ne Weile mit dir hier sitzen. Und wie sieht's bei dir aus?"

Jedenfalls hoffte Sie, dass sie noch eine Weile mit ihm hier sitzen würde.

„Mir geht's auch nicht anders."

Die beiden schwiegen sich an, keiner wusste, was er zu dem anderen noch sagen sollte.

Olivia war die erste, die das Schweigen brach.

„El…erinnerst du dich an den Fall mit diesem Typen, der sich für unschuldig hält, der mir beim abführen gedroht hat?"

Wie hätte Elliot diesen Fall vergessen können, er vergaß keine Sekunde, in der jemand etwas gegen seine Partnerin sagte.

Olivia spielte nervös mit ihrem Glas, während sie auf die Antwort von Elliot wartete und sich ihre nächste Aussage zu Recht legte. Sie wusste nicht genau, wie sie weiterreden sollte und ob sie überhaupt Elliot von ihren Sorgen berichten sollte, denn vielleicht war ja alles unbegründet. Ja so wird es sein, dachte Olivia bei sich

„ Ja ich erinnere mich, gibt es einen Grund warum du fragst?"

Männer, dachte Olivia bei sich. Warum müssen die immer so unsensibel sein und auch noch fragen, ob es einen Grund gibt, sonst würde ich ja nicht fragen.

„Ja gibt es", entgegnete Olivia leicht genervt. Elliot schaute sie fragend an und zog eine Augenbraue hoch. Er kannte sie lange genug um zu wissen, wenn Olivia sich sorgen machte und dies war so ein Moment. Seine Frage, ob es einen Grund für ihre Frage gibt, war eigentlich auch nur rhetorisch, aber ein bisschen sticheln konnte nicht schaden.

„Nun ja", nahm Olivia den Faden wieder auf, „ich hab irgendwie das Gefühl, seit diesem Fall beobachtet zu werden. Weiß nicht, ist nur so'n Gefühl, was ich aber nicht loswerde."

„Denkst du, du wirst beschattet? Und von wem?" Die Sorge in Elliot's Stimme war echt, er verkniff sich jede weitere Stichelei.

„Mir geht die Drohung nicht mehr aus dem Kopf. Ich weiß, solche Drohungen sollte man nicht zu ernst nehmen und ich bilde mir das wahrscheinlich alles ein… ach ich weiß nicht."

Elliot wusste nicht, was er zu dieser Aussage erwidern sollte.

Also schaute er Olivia eine Weile an. Olivia hingegen schaute verlegen zu Boden, weil sie sich blöd vorkam. Ich wusste, er würde mich nicht ernst nehmen. Warum hab ich nur meine Klappe nicht gehalten? , fragte sie sich.

Als das Schweigen von Elliot immer mehr auf Olivia lastete, klingelte Elliot's Handy. Beide erschraken über das laute Geräusch. Elliot hätte sein Handy am liebsten im hohen Bogen weggeschmissen, doch als er Kathy auf dem Display las, beherrschte er sich und ging mit einem „ Ja was gibt's?" ran.

Olivia beobachtete ihn. Sie hasste Kathy jetzt schon dafür, dass sie ausgerechnet jetzt anrufen musste, obwohl sie es ihr nicht übel nehmen konnte.

Elliot lauschte ein paar Sekunden Kathy's Stimme und sagte nur noch vor dem auflegen: „Ok, bin sofort da."

Als er aufgelegt hat, schaute er Olivia verzeihend an.

„Nun geh schon, sie braucht dich." Olivia probierte zu lächeln, was ihr auch relativ gut gelang, jedenfalls hoffte sie das. Elliot stand auf, nahm seine Jacke und fragte: „Soll ich dich schnell zu Hause absetzen?" „Nein, lass mal. Ich bleib noch ein bisschen. Und außerdem nimmst du so keinen Umweg, ich nehm mir dann ein Taxi", haspelte Olivia sich eins ab und lächelte Elliot erneut zu.

„Na gut, du bist ein Schatz Liv. Gute Nacht."

Ohne einen weiteren Blick ging Elliot zur Tür hinaus. Olivia hätte sich gewünscht, er würde sie noch einmal umarmen oder sie nochmal anlächeln, doch nichts davon war der Fall.

Also wieder ein weiterer, einsamer Abend nur mit einem Bier und ihren Gedanken.

Aber was sollte sie schon gegen Kathy ausrichten? Nichts.

Kathy war seine Frau und sie nur seine Partnerin, ein nichts dagegen. Wahrscheinlich war was mit Elliot's Kindern und die waren sein ein und alles. Also war es nur logisch, dass er sich sofort auf den Weg machte.

Olivia schaute sich in der Bar um. Es waren nur noch ein paar Besucher da und alle davon waren männlich, bis auf ein weiteres Mädchen, die wahrscheinlich die Freundin von diesem besoffenen Typen dort war.

Sie saß etwas eingeschüchtert auf einem Stuhl und schaute ihren Freund sorgenvoll an. Das Mädchen sah viel jünger aus als ihre Begleiter.

Der Typ, von dem Olivia annahm er war ihr Freund, war mindestens 30, wenn nicht sogar schon 35, ebenso wie seine Kumpels, die ebenfalls besoffenen waren. Das Mädchen war vielleicht anfang 20, vielleicht auch ein bis zwei Jahre jünger.

Würde mich nicht wundern, wenn die sich heute noch prügeln. Olivia merkte gar nicht, wie lange sie das Gespann beobachtete, aber irgendwann drehte sich das Mädchen zu ihr um und schaute sie leicht säuerlich an. Olivia drehte sich schnell weg, denn sie wollte keinen ärger machen.

Irgendwann, viele Biere später, stand Olivia auf, lies einen 30 $ Schein auf den Tisch fallen und zog sich ihre Jacke an. So richtig gerade konnte sie nicht mehr laufen, aber an der frischen Luft würde es schon besser werden, jedenfalls hoffte sie das.