„Johnny komm, wir knacken eine Leiche,
Johnny komm, ins Leichenhaus.
Johnny komm, die Leichen sind schon weiche…" House kam trällernd in sein Besprechungszimmer. Seine Welpen starrten ihn entgeistert an.
„Na los, wir haben Kellerdienst!" House schenkte sich einen Kaffee ein.
„Sie meinen, SIE haben Kellerdienst." korrigierte Foreman.
„Und weil sie Drei meine persönlichen Sklaven sind, leiden Sie mit mir. Auf!" er klappte alle Bücher zu und nahm Chase die Coke weg, warf sie geschickt in die Spüle.
„Hey…"
„Heulen Sie nicht, besorgen Sie die Akte von dem Kalten und bringen Sie sie runter. Die anderen: bei Fuß!" und so zog der kleine Tross zu den Aufzügen.
Auf dem Weg aus der Lobby wurde John Constantine von einem erneuten Hustenanfall geschüttelt. Er rempelte einen Pfleger an, der ihn brüsk zurechtwies. John ballte die Fäuste, als er das dämonische Halbblut erkannte. Miststücke, alle zusammen!
Und es war auch kein Trost, dass es hier im Krankenhaus auch welche von der Gegenseite gab. /'Gleichgewicht' – Schwachsinn!/ dachte John. Wenn es nach ihm ginge, würde er auch die Geflügelten zurück nach oben schicken. Aber dennoch – die aus dem Untergeschoss waren das größere Problem.
War ja nichts dagegen zu sagen, wenn Leute angeleitet wurden, Gutes zu tun.
Kaum an der frischen Luft, zündete er sich eine Zigarette an, als sei die klare, frische Frühlingsluft in ihrer Reinheit nicht zu ertragen. John inhalierte tief und sah zurück. Das Halbblut war verschwunden. Dennoch… er konnte sich nicht helfen: etwas stimmte hier nicht. Etwas war am Werk. Er würde die Augen offen halten müssen!
Sie hatten schon mit der äußeren Beschau begonnen, als Chase mit der Akte zu ihnen stieß. Rein äußerlich sah der Körper auf dem Tisch so normal und gesund aus, wie das bei einem Toten so möglich war. In der Unterbauchgegend war eine frische OP Naht zu sehen.
„Also," räusperte Chase sich „Patient, männlich, weiß 32 -"
„Mann!" unterbrach ihn House genervt. Das konnte man SEHEN!
Chase kapierte, was House ihm damit sagte, übersprang den einleitenden Teil und kam zur Sache: „Perforierter Appendix mit milder Inflammation im Bereich der Cavitas abdominalis…" er überflog das OP-Protokoll und die Notizen der Nachsorge – alles völlig normal, keinerlei Besonderheiten. „Sollte heute entlassen werden."
„Naja, das wird bis morgen warten müssen, schätze ich." Sagte House trocken und griff nach dem 10er Skalpell „In Anbetracht der Vorgeschichte schlage ich vor, wir beginnen mit dem Abdomen."
Sie fanden weder vergessene Instrumente, noch Zeichen für eine Sepsis oder lokale Infektionen. Es war alles völlig normal. So normal, dass es beinahe frustrierend war. Sie wogen und vermaßen alle Organe, die sich sämtlich als in hervorragendem Zustand präsentierten. Cameron machte Bilder von allem, was House extrem nervte, denn es gab ja nichts zu dokumentieren – es sei denn, sie wollte ein neues Anatomiebuch gesunder Organe herausbringen.
Dann zog House sich einen Hocker heran und nickte Foreman zu „Übernehmen Sie mal die Thoraxöffnung!" langes, fast regloses Herumstehen war Gift für sein Bein. Er brauchte mal eine Pause!
Das Kreischen der Knochensäge war eine Beleidigung für seine Ohren und hier unten in diesem nach Tod stinkenden Raum beinahe unerträglich. Er langweilte sich. Der Typ war wohl einfach krepiert. Sowas kam vor. Und er musste es ausbaden! Die Welt war ein ungerechter Ort…
„Was ist DAS denn?" staunte Foreman laut. Chase und Cameron beugten sich über der eröffneten Thorax, völlig fasziniert, wie es schien. So fasziniert, dass Cameron ihre Kamera total vergaß!
House wuchtete sich hoch und lugte über Camerons Schulter hinweg. /wow!/ er legte seine Hand auf die Schulter der Frau und schob sie bestimmt beiseite, ihre Proteste ignorierend. Er starrte genau, wie die anderen… Das war keine Infektion. Jedenfalls keine, die er je zuvor gesehen oder von der er gelesen hätte.
„Was ist das?" fragte Chase, der als erster seine Sprache wiederfand.
„Ne Lunge. War es jedenfalls mal…" murmelte House. Dann sah er Cameron an „Machen Sie dann mal Fotos, oder halten Sie die Knipse nur, um was in den Fingern zu haben?"
„Oh…" und damit ging das Blitzlichtgewitter los. Als Cameron fertig war, langte House erneut nach Skalpell und Pinzette und entfernte einen Lungenflügel.
Das Organ war vollkommen blutleer. Nicht nur auf der Oberseite, nein, es war kein Restchen Blut zu finden. Es war auch nicht einfach zusammengefallen oder Kollabiert. Als er einen langen Schnitt setzte, um die Innenseite zu begutachten, waren sie kaum in der Lage, den Flügel aufzuklappen. Unter dem Mikroskop zeigte sich, dass praktisch alle Alveolen zerstört waren.
House veranlasste eine Kultur und Tox-screening, wenn er auch irgendwie sicher war, nichts zu finden. Während seine Schergen die Obduktion zu Ende brachten, starrte er auf die Probe unter dem Mikroskop. Doch, fiel ihm ein, sowas hatte er schon mal gesehen. Irgendwo im Internet…
House sprang auf und hinkte zur Tür
„Hey, wo gehen Sie hin?" rief Cameron ihm hinterher.
„Ich muss mal surfen. Sie machen hier fertig. Und das Aufräumen nicht vergessen!" die Doppelflügel der Tür schwangen noch einige Male nach, dann war ihr Chef verschwunden.
„Klasse." Meckerte Foreman „Er rennt nachher rum und protzt damit, dass er's gefunden hat."
„Zumindest wird er keinen Artikel darüber schreiben." zickte Cameron.
Zur Abwechslung mal ein erfreulicher Termin! Wilson hatte gerade eine Nachsorge ohne Befund abgeschlossen. Der Patientin, einer junge Mutter, war sichtbar ein großer Stein vom Herzen gefallen. Natürlich würde auch weiterhin jedes Jahr das große Zittern erneut kommen, aber bis jetzt sah alles hervorragend aus.
Ein guter Tag!
Nach dem kurzen Wolkenbruch riss nun der Himmel auf und Wilson trat auf den kleinen Balkon hinaus. Er streckte sämtliche Gliedmassen wohlig und atmete tief ein. Ein kurzer Seitenblick in das Büro von House zeigte den vor seinem Computer. Musste ja eine interessante Sache sein, wahrscheinlich war er wieder auf Youtube unterwegs…
Nun ja, er hatte ja keinen Fall. Wilson wusste sehr wohl, dass bei aller Gleichgültigkeit und Herzlosigkeit, die House seinen Patienten gegenüber zur Schau stellte, der Diagnostiker sehr wohl seine Verantwortung sehr ernst nahm und alles tat, was nach Houses Meinung das Beste für seine Patienten war.
House fand nicht, wonach er suchte. Es war auch schon eine Weile her und bei der Schnelllebigkeit des Internet war die Seite vielleicht schon längs offline. Oder war es doch in einem Buch gewesen? Eine Zeitschrift? Mit einem Seufzen nahm House seine Brille ab und rieb sich die brennenden Augen. Es war ja schon fast dunkel! /Das gibt heute nix mehr. Erstmal essen und schlafen./
