Haru
Bei der noch so kleinsten Bewegung knarrte das Bett gequält auf. Das Ding wartete regelrecht darauf.
Haru setzte sich auf. Ich gebe es auf, dachte er. Schlafen kann ich auch später.
Viel zu bieten hatte sein Zimmer allerdings auch nicht. Vom besagten Himmelsbett abgesehen gab es nur eine kleine Kommode sowie einen klobigen Kleiderschrank.
Warum ihn öffnen? Eigentlich gab es dazu keinen Grund. Doch. Vielleicht versteckt sich ein Monster darin.
Die Tür schwenkte ebenso wie das Bett quietschend auf.
Nichts.
Erleichtert drehte er sich um und sah zum Fenster. Es gab hier keine Jalousien. Dadurch wirkte es wie ein blindes Auge, das ihn ständig beobachtete.
»Was guckst du so blöd?« fragte er das Fenster und kam sich im nächsten Moment schon wieder albern vor.
Wenn ich überhaupt beobachtet werde, dann vom Mörder. Bei dem Gedanken blieb er starr stehen. Ob er irgendwo da draußen in der Schwärze wartet?
Ein Schauder lief ihn über den Rücken. Niemand kommt hier mehr weg. Man kann nur hoffen nicht der Erste zu werden.
Gleich morgen packe ich meine Sachen.
Der Koffer lag immer noch ungeöffnet am Boden. Ein klares Zeichen. Sollten die Anderen hier doch Detektiv spielen. Ich werde meinen Erdbändiger Arsch hier nicht aufs Spiel setzen. Unweigerlich wanderten seine Gedanken zu Katara. Von den Anderen war sie die Einzige, die Haru kümmerte.
Denn er liebte sie.
Seine Hand legte sich auf die Türklinke.
Er rümpfte die Nase. Der modrige Geruch zog sich durch den gesamten Korridor. An den Wänden hingen alte Öllampen. Der Abstand zwischen ihnen war jedes Mal so groß, dass ein Teil des Flurs stets in Schwärze gehüllt wurde.
Die meisten waren noch wach. Weil die Wände hier so dünn waren konnte Haru oft Fetzen verstehen. Aang, Sokka und Toph saßen anscheinend im Gästezimmer und versuchten mehr über den „Einladungsbrief" zu erfahren.
»Vielleicht war Flopsi der Mörder,« meinte Sokka, »warum steht da wohl sonst „Flopsi lass das"?«
»Ja genau. Und in seinem anschließenden Todeskampf hat er den Brief dann den Boten übergeben. Du bist so was von blöd Sokka.«
Haru schüttelte den Kopf. Es ist unwichtig wer oder warum. Was jetzt zählte war so schnell wie möglich zu entkommen.
Er wanderte im Flur weiter. Kataras Zimmer trug die Nummer 103. Das wusste Haru weil er zuvor genau gelauscht hatte.
Und was tust du dann wenn du vor ihr stehst? Sie unter den Arm nehmen und fliehen? Auf die Knie fallen und die Liebe gestehen?
Sie kann mir nicht widerstehen. Sie hat ebenso ein Auge auf mich geworfen wie ich auf Sie.
Die Tür öffnet sich und Katara sieht mir in die Augen. Sie trägt lediglich ihr enges Abendkleid und winkt mich herein…
Ein Schrei riss ihn aus seinen Gedanken.
Sein Herz hüpfte ihn in die Kehle. Es war direkt hinter dieser Tür geschehen. Lauf weg. Schrie ihn ein Teil seines Verstandes an. Doch da war noch sein ruhiger Zwilling der dagegenhielt: Schau mal nach.
Die Neugierde gewann Oberhand und Haru öffnete die Tür einen Spalt breit. Sollte irgendein Monster hier hocken, konnte er es sich so immer noch schnell überlegen und die Tür zuknallen.
Ein kindischer Gedanke. Aber dennoch ein Beruhigender.
Das Monster dort war jedoch nur der „Drache des Westens."
»Oh hallo Haru.« grinste Iroh, »ich hoffe ich habe dich nicht mit meinen kleinen Freudenschrei erschreckt. Ich habe einfach nur nicht damit gerechnet in meinem Zimmer eine so vorzügliche Teekanne zu finden. Das ist wirklich phänome…- «
»Schon gut« unterbrach ihn Haru, »wollte nur nachsehen ob du noch lebst.«
»Soll das ein Witz sein? Ich glühe regelrecht vor Leben, nun wo ich meine Teekanne habe.«
Haru nickte und schloss die Tür. Insgeheim hasste er den Alten für seinen Tee-Scheiß. Deswegen so rumzuschreien und jeden hier ein Heidenschrecken einzujagen, wo doch hinter jeder Ecke ein Mörder hocken könnte.
Der Schrei schien jedoch Aang und Co nicht viel ausgemacht zu haben. Die Diskussion im Gästezimmer ging jedenfalls ungestört weiter.
Er blieb stehen. 103. Das war ihr Zimmer.
Einen Moment hielt er inne und lauschte. Gedämpfte Stimmen. Suki und Katara? Sie unterhielten sich bestimmt über Sokka und Aang.
Wenn dieser Mörder schon jemanden umbringt, dann bitte Aang. Eine alleinstehende Katara könnte eine tröstende Schulter gebrauchen. Haru lächelte dünn.
Die Tür öffnete sich. Katara wusste wohl ganz genau, dass er hier draußen auf sie wartete.
Im Türrahmen erschien jedoch Zuko. Sein Oberkörper war nackt »Was willst du?«
Haru blieben die Worte im Hals hängen. Er hatte mit Vieles gerechnet. Von Kataras' Tod bis zu einem nackten Aang.
»Ich will Katara sehen.«
»Sie kann jetzt nicht.«
»Warum nicht?«
Zuko verengte die Augen zu Schlitzen »Weil ich es sage,… kapiert?«
Affäre oder Mord, dachte Haru.
»Ich will sie sehen. Und zwar sofort.«
Hinter Zukos Rücken tauchte nun Katara tatsächlich auf. Sie trug nichts bis auf einen Bademantel »Was ist denn Haru?«
Er sah abwechselnd von ihr zu Zukos Schlitzaugen »Nichts. Wollte nur mal vorbeischauen. Und nachsehen ob alles in Ordnung ist.« er drehte sich halb weg von der Tür »euch scheint es ja gut zu gehen.«
Katara murmelte Irgendetwas Zuko zu. Haru verstand es nicht mehr, denn er hastete bereits zu seinem Zimmer zurück.
Hier läuft ein Mörder rum. Und der Feuerlord denkt an nichts als…
Er hielt inne. Genau das gleiche hatte ich ja auch vorgehabt. Zuko war mir eben nur zuvorgekommen. Er rieb sich nachdenklich den spärlichen Kinnbart, ich frage mich nur, was Aang dazu sagen würde. Ein Riesenstreit wäre vorprogammiert.
Er steuerte auf den Saloon zu. Die Stimmen waren verstummt. Er spähte hinein. Im Kaminfeuer glimmerten nur noch ein paar Funken. Er kam zu spät
Das Ganze kannst du auch noch morgen erledigen.
Nun herrschte nur noch dieser modrige Geruch im Flur. Die Stimmen im Hintergrund waren verschwunden. Irgendwie fehlten sie ihm.
Er schlug die Tür hinter sich zu und warf sich auf das sofort protestierende Bett. Es dauerte eine Weile, bis Haru die Veränderung bemerkte.
Das Fenster. Es stand offen.
Sein Blick wanderte automatisch weiter zum klobigen Kleiderschrank. Auch der war offen. Aber nur einen Spalt.
Und aus diesem Spalt lugte der Blaue Geist.
Haru war sich nicht sicher, ob Zuko dort nur die Maske irgendwie platziert hatte um ihn Angst zu machen, oder ob er sogar selber als Blauer Geist verkleidet hier hockte.
»Ich weiß dass du es bist Zuko.« Brummte Haru genervt.
Der Schrank öffnete sich. Der Blaue Geist trug zwei Krummschwerter und kam langsamen Schrittes auf ihn zu.
»Hör auf Zuko. Ich…« Harus Stimme fing nun an zu zittern, »i-ich erzähl auch nichts von d-dir und Katara! Es wird kein Wort zu Aang geben! Ich verspreche es!«
Der Eindringling stand nun direkt vor ihm. Durch die schwarzen Löcher der Maske konnte Haru seine Augen sehen.
Plötzlich war er davon überzeugt, dass dieser Geist – Zuko oder wer auch immer – ihn töten wollte. Egal ob er ihn anbot nicht zu singen.
Er holte zum Erdbändigen aus, doch da fuhr die Klinge schon auf ihn nieder. Haru kniff die Augen zusammen. Als er sie wieder öffnete, dachte er, der kleine Spass den Zuko sich hier erlaubte wäre vorbei. Alles sprach dafür, denn der Blaue Geist rührte sich nicht mehr.
Dummerweise steckte eines der Krummschwerter in Harus Bauch.
Seine Augen weiteten sich. Dann fing er an zu schreien.
EEeEEeea
