Kapitel 2: Das erste Opfer
Als Harry erwachte, fand er sich in seinem Zimmer wieder. Die Gardinen waren offen und die Sonne war inzwischen aufgegangen. Der heutige Tag würde nicht so streng werden, freute sich Harry. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er auf dem Boden lag. Langsam stand er auf und schaute sich um. Das Sonnenlicht hatte das Zimmer in einen Hellen Schein gehüllt. Gemütlich schlenderte er Richtung große Halle. Die meisten Schüler hatten schon gegessen und waren gegangen, deshalb war Harry nahezu der Einzige, der an der großen Tafel saß und sich ein Brötchen schmierte. Dabei dachte er nochmals an seinen Traum. Wer war der „Meister" und was meinte die Gestalt mit „du bist sehr nützlich für uns"? Das ging Harry nicht mehr aus dem Kopf. Und warum fühlte er sich seit heute Morgen so komisch... so fremd. Plötzlich fiel sein Blick auf das Wappen der Slytherins. Die Schlange gefällt mir. Sie wirkt so majestätisch, so kraftvoll Harry schüttelte sich. Gefiel ihm wirklich das Wappen der Slytherins? Schnell aß er sein Brot und machte sich dann auf den Weg zur Bibliothek. Vielleicht fand er dort, was er suchte.
Harry stand ratlos vor den vielen Regalen, welche vollgefüllt waren mit Büchern. Nach was suchte er eigentlich? Er entschloss sich, es bleiben zu lassen und sich auf den Weg in die erste Stunde, Verteidigung gegen die dunkeln Künste, zu machen.
Prof. Bringstley, der neue Lehrer, war bereits in der Klasse und musterte Harry mit einem strengen Blick. Bringstley war ein recht großer und schlanker Mann. Er war streng, aber, das mussten alle Schüler zugeben, gerecht. Einige Sekunden später schüttelte der Lehrer sein langes, schwarzes Haar zurück und wandte sich ab. Harry setzte sich etwas beschämt auf seinen Platz. Das dritte Mal zu spät. Kein Wunder dass er mir keine Predigt mehr hält dachte Harry und begann das, was Herr Bringstley sagte, aufzuschreiben. Zum Glück war Harry nicht gerade schlecht in diesem Fach und so konnte er wenigstens mit guten Leistungen glänzen.
Am Ende dieses Schultages war Harry zu seiner Überraschung noch topfit. Er fühlte sich zwar immer noch etwas komisch, doch das würde sicher nichts ernstes sein.
Ca. um halb neun legte er sich schlafen. Morgen war ein wichtiges Quidditch- Turnier gegen Hufflepuff.
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Jenny Barks kam gerade von einer Besprechung mit Professor Bringstley. Sie war eine sehr gute Ravenclow- Schülerin und in der Schule recht beliebt. Die Jungs liefen ihr Scharenweise hinterher und das genoss sie mit vollen Zügen. Es war ihr letztes Jahr in Hogwarts und später wollte sie Auror werden. Bringstley war ein Freund ihrer Eltern, so redeten sie öfters miteinander.
Als sie endlich die große Treppe erreichte, glaubte sie, hinter sich Schritte zu hören. Doch als sie sich umdrehte, war nichts zu sehen. Das hab ich mir wahrscheinlich nur eingebildet dachte sie und ging weiter. Es war inzwischen dunkel geworden und im Schloss war niemand mehr unterwegs. Alles war still. Plötzlich sah Jenny einen Schatten hinter einer Säule. Sie erschrak und beschleunigte ihre Schritte. Doch die Person schien sie zu verfolgen. Angst kam in ihr hoch. Jetzt rannte sie bereits. Doch plötzlich, aus einem ihr unbegreiflichen Grund, blieb sie stehen und wollte sich dem Gegner stellen. Mit erhobenem Zauberstab starrte sie ins Leere. Nichts. Anscheinend war ihr Verfolger verschwunden. Erleichtert senkte sie ihren Zauberstab wieder und atmete erst mal aus. Doch plötzlich spürte sie einen entsetzlichen Schmerz. Er war so stark, dass ihr Stimme wegblieb und sie keine Luft mehr bekam. Keuchend ging sie auf die Knie. Eine Peron türmte sich vor ihr auf. Jenny riss die Augen auf. Ihr Verfolger stand nun so dicht vor ihr, dass sie die rot glühenden Augen und die spitzen Zähne sehen konnte. Noch bevor sich schreien konnte, kam ein Schatten aus der Person, direkt auf ihr Gesicht zu und verschlang das Mädchen förmlich. Sie stieß noch einen grellen Schrei aus, bevor sie tot auf dem harten Boden aufschlug.
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„Harry, wach auf! Es ist etwas schreckliches passiert!" Hermine rüttelte ihren Freund wie verrückt und hofft, dass er bald aufwachen würde. Harry schlug langsam die Augen auf. „Was ist denn?", brummte dieser und blinzelte Hermine verschlafen an. „Harry! Heute Nacht... ich meine... tot.. sie ist tot. Sie wurde heute Morgen gefunden... sie lag einfach nur so da.. ihr Gesicht.. schrecklich.. sie sah qualvoll aus.." Hermine redete wild durcheinander. Harry verstand kein Wort. „Wer ist tot? Von was redest du?", fragte er nach. „Harry! JENNY ist tot.. sie.. wurde.. grausam.. umgebracht." Hermine brach in Tränen aus. Harry war plötzlich hellwach. „Sie ist WAS?", rief er aus. „Wo.. ich meine.. wo ist sie?" Hermine sah ihn mit ihren tränenüberlaufenden Augen an. „Ich glaube.. im Krankenflügel." Harry rannte los. Er kannst dieses Mädchen gut. Sie hatten sich oft miteinander unterhalten und er fand sie eigentlich ganz nett. Sie hatten sich wirklich angefreundet. Sie war lebensfroh, witzig, freundlich.. und jetzt.. TOT? Tausend Gedanken kreisten in Harrys Kopf. Wer machte so etwas grausames? WER?
Im Krankenflügel angekommen sah er eine Schar Schüler und Lehrer, die murmelnd neben einem Bett standen und immer wieder mit den Fingern auf den leblosen Körper der Siebtklässlerin zeigten. Harry drängte sich durch die Menge und blieb erschrocken stehen. Sie hatte einen so entsetzten Gesichtsausdruck, das konnte Harry nicht beschreiben. Ihre Augen waren weit aufgerissen, sie wirkte wie versteinert. Harry wurde schlecht. Das konnte er nicht mehr mit ansehen. Heulend rannte er zum Gemeinschaftsraum zurück.
Dort angelangt wurde er von seinen Freunden Ron und Hermine empfangen. Sie sahen, wie schlecht es ihrem Freund ging und Hermine nahm Harry in die Arme. Ron schaute seinen Freund mit trauriger Miene an. „Harry.. du kannst nichts dafür. Sie hat ein schönes Leben gehabt." Harry wurde wütend und drückte Hermine von sich weg. „Was weißt du schon! Ihr kanntet sie doch gar nicht richtig. Aber ich.. ich war ihr Freund und hätte sie beschützen müssen!", schrie er. Hermine wich erschrocken zurück. Kaum hatte Harry das ausgesprochen, tat es ihm Leid. Seine Freunde konnten nichts dafür. Doch anstatt sich zu entschuldigen, packte er seine Schulsachen zusammen und machte sich für die erste Stunde mit Prof. McGonagall fertig. Er musste sich versuchen abzulenken. Auch wenn das vielleicht nicht funktionieren würde.
Kaum war die Professorin im Raum, fragten gleich alle Schüler durcheinander. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, fing Minerva McGonagall an zu reden. Schlagartig war die ganze Klasse still. „Das was heute Nacht passiert ist, ist wirklich sehr bedauerlich. Ich sehe mich dazu verpflichtet, euch zu warnen. Fräulein Bringstley wurde auf grausamste Weise getötet: Ihr wurde die Seele herausgerissen! Ich warne euch. Wir wissen nicht wer das gemacht hat. Wahrscheinlich ist der oder das noch hier in der Schule. Bleiben sie bei Nacht in den Betten und gehen sie NICHT zu den Korridoren, wenn ihnen ihr Leben lieb ist." Die Schüler schauten beunruhigt umher. Einige fragen wiederum: „Aber wer hätte das machen können?" Minerva wurde noch ernster und schaute etwas beunruhigt. „Das wissen wir nicht so genau. Aber wir vermuten, dass es ein Todesengel war. Diese Wesen haben rote glühende Augen und versuchen, auf verschiedene Weisen, die Seelen der Menschen zu bannen und sie grausam zu quälen, damit diese niemals ruhe finden können." Harry blieb die Luft weg. Hatte Jenny das verdient? Hatte das überhaupt jemand verdient? Und wer wird der Nächste sein?
