Disclaimer: M*A*S*H gehört mir nicht und ich verdiene auch kein Geld damit...
Müde öffnete Allison die Tür zu ihrer Wohnung, sie konnte die Augen kaum offen halten. Sie wankte hinein und ließ ihre Sachen auf den Boden fallen. Als sie das Licht anmachte, sah sie das alte Chaos, Umzugskisten und unaufgebaute Möbel, dazwischen das Telefon und ein paar Klamotten. In dem Moment, indem sie die Türe schloss, klingelte das Telefon. Ihre Mutter ließ Allison gar keine Zeit für eine Begrüßung sondern plapperte aufgeregt drauf los. Die wichtige Neuigkeit, war die Hochzeit ihrer Nachbarin mit einem Anwalt. "Stell dir vor, er verdient so viel im Monat, wie dein Vater im Jahr! Er sieht gut aus! Sie hat ihn auf dem College kennen gelernt! Dabei ist sie doch erst so alt wie du und schon verheiratet!" Allison kannte diese Reden schon in und auswendig, ihre Mutter machte ihr immer Vorwürfe, sie hätte doch studieren und Ärztin werden sollen. Aber das wollte sie nie. Sie fand den Beruf der Krankenschwester immer spannender, sie hatte die Wahl gehabt zwischen einem Medizinstudium und der Medical School und hatte sich für letzteres entschieden. Aber ihre Mutter konnte das nicht akzeptieren. Allison war zu fertig, um sich darüber aufzuregen, sie ließ ihre Mum einfach sprechen. Beinahe wäre sie eingeschlafen, im letzten Moment wachte sie auf. Sonst wäre sie mit dem Kopf gegen eine Kiste geknallt, keine schöne Vorstellung. Sie verabschiedete sich von ihrer Mutter unter dem Vorwand gleich einen heiratswilligen, reichen Mann mit Uni-Abschluss zu treffen und legte schnell auf.
Sie ging ins Schlafzimmer und schaufelte das Bett unter den ganzen Kleidungsstücken frei. Dann ließ sie sich, noch vollständig bekleidet, fallen und rollte sich zusammen. Sie schlief fast augenblicklich ein und versank in einen tiefen Traum. Es war mitten in der Nacht, als sie wieder erwachte, verärgert sah sie auf den Wecker.
Dieses Bild in McIntyres Praxis ließ ihr keine Ruhe. Er war so wütend gewesen, was war denn so schlimm, wenn sie sich ein Bild anschaute? Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er im Krieg gedient hatte. Er war gar nicht der Typ dazu... Ärzte töteten normalerweise keine Menschen und deshalb hassten sie den Krieg. Sie musste ihn fragen, es führte wohl kein Weg daran vorbei. Obwohl, vielleicht wusste Mayer etwas, sie arbeitete schließlich schon länger für ihn. McIntyre in Uniform, beinahe unvorstellbar. Über diesem Gedanken schlief sie wieder ein.
"Kommen Sie schon, Schwester Mayer, ich möchte doch nur etwas über meinen Chef herausfinden!" Seit einer halben Stunde versuchte Allison verzweifelt, etwas aus der Schwester herauszukriegen, aber die blieb stumm. Sie wollte weder über die Vergangenheit noch über das Bild sprechen und langsam hatte Allison genug. Das hatte keinen Sinn, die Frau war einfach zu stur - selbst für sie. "Wie Sie wollen, dann frag ich McIntyre eben selbst." Das klang entschlossener, als sie selbst war.
Sie klopfte an die Tür und wurde aufgefordert einzutreten. Der Doktor saß an seinem Schreibtisch und blickte sie freundlich an. er schien gut gelaunt zu sein, ihre Chance. "Sir, ich weiß das ist jetzt ein wenig unpassend...ich habe gestern das Bild gesehen und mich gefragt, wann es entstanden ist." Sein Blick verfinsterte sich, Allison bereute die direkten Worte sofort wieder. Sie wollte den Job nicht aufgrund ihrer Neugier verlieren... "Das geht Sie gar nichts an! Und wenn Sie hier weiterhin arbeiten wollen, dann halten Sie sich zurück und kümmern sich um Ihren Kram!" Allison verließ fluchtartig den Raum, draußen wurde sie von Mayer mit einem besorgten Blick empfangen. Den Rest des Vormittags hütete sich Allison das Thema noch einmal zur Sprache zu bringen, aber dann hielt sie es nicht mehr aus. Sie löcherte Mayer so lange, bis diese sich bereit erklärte, einen Kaffee mit ihrer Kollegin zu trinken. Der Tag verlief ereignislos und je näher der Feierabend wurde, desto nervöser wurde die junge Frau. Würde sie das Geheimnis lösen können? Warum reagierte er immer so seltsam? Sie konnte sich kaum auf ihre Arbeit konzentrieren und hatte Mühe die einfachsten Instruktionen zu befolgen. Endlich war es acht und sie konnte gehen. Mayer wollte sich aus dem Staub machen, aber sie fing sie ab und schleifte sie in ein kleines Café in der Nähe.
Sie hatten Kuchen gegessen, einen Kaffee getrunken und sich über Belangloses unterhalten. Jetzt wollte Allison endlich die Wahrheit wissen. Mayer rückte nur zögernd damit raus, zuerst fiel ihr ein dringender Termin ein, dann sprach sie ewig über die Schokotorte. "Bitte, ich will ja nur wissen, warum er so verbittert ist..." Dieser Satz brach den Widerstand und die ältere Frau begann zu erzählen. "Ich weiß nicht viel, alles was ich aufgeschnappt habe, ist, dass McIntyre in Korea war." Allison schluckte hart, sie hatte noch keinen Krieg erlebt, aber ihr Vater war in Korea gewesen. Sie war damals ein Teenager und hatte nicht verstanden, warum ihr Dad Menschen tötete. "Er hat dort wohl in einem Krankenhaus gearbeitet, ich glaube das Foto stammt aus der Zeit. Er kam frühzeitig nach Hause, mehr weiß ich nicht." Das war ja alles sehr mysteriös. Wenn es nur der Krieg wäre, würde er wohl nicht so reagieren. Da musste mehr dahinterstecken und Allison hatte auch schon eine Idee, wie sie dahinter kommen sollte.
In Allisons Bauch tanzten Hunderte Schmetterlinge als sie vor dem Haus hielt. Sie hatte in der Praxis angerufen und sich krank gemeldet. Jetzt konnte sie nur hoffen, dass alles gut gehen würde. Ihr war klar, dass sie ihren Job vergessen konnte, wenn etwas schief ging. Diesen Gedanken verdrängte sie und stieg langsam aus. Das Haus war sehr gepflegt, es war wahrscheinlich frisch gestrichen worden. Sie klingelte und insgeheim hoffte sie, niemanden anzutreffen. Die Tür öffnete sich und eine hübsche Frau stand vor ihr, sie sah genauso aus wie auf den Bildern. "Ja?" Ihre Stimme klang auch sehr angenehm, man konnte ihr die Verwunderung über den Besuch jedoch anhören. "Hallo, Mrs McIntyre. Ich bin Allison Brown und ich arbeite seit kurzem für Ihren Mann. Könnte ich reinkommen?" Zu ihrer Überraschung wurde die Tür geöffnet und sie betrat das Haus.
Der äußere Eindruck setzte sich hier fort, alles war freundlich und hell, es war ein Haus in dem man sich daheim fühlen konnte. Es erinnerte Allison an das kleine Häuschen ihrer Eltern, staunend sah sie sich um. Sie wurde aufgefordert, sich zu setzen. "Tee?" "Nein danke" Die Frau war wirklich nett, obwohl sie Allison gar nicht kannte. Als sich die Beiden gegenüber saßen, ruhte auf der Besucherin ein neugieriger Blick. "Es muss Ihnen merkwürdig vorkommen, dass ich hier einfach aufkreuze." Sie lächelte, sagte aber kein Wort. "Mein Anliegen ist nicht weniger merkwürdig. Ich arbeite erst seit kurzem für Ihren Mann und mir ist etwas aufgefallen, ein Bild in seinem Behandlungszimmer." Eine Tür knarrte und Allison gefror das Blut in den Adern. Wenn das der Doc war, war sie erledigt. "Mein Mann kommt erst abends, das ist meine Tochter." Tatsächlich kam ein junges Mädchen hinein und fing an, ihrer Mutter von dem Tag in der Schule zu erzählen. Die Fremde auf der Couch schien sie gar nicht zu bemerken. Allison nutzte die Zeit und sah sich um. Ihre Aufmerksamkeit wurde von einer Bilderreihe auf dem Kamin gefangengenommen. Man konnte ein Weihnachtsfest sehen, Geburtstage, die Hochzeit und zwei kleine Mädchen mit Schultüten. Und da war es wieder, das Bild aus der Praxis. Zumindest ein ähnliches, die selben Leute, nur eine andere Anordnung. Der schwarzhaarige Mann und der Doc umarmten sich darauf, das warf ein neues Licht auf die Sache.
Die Tochter verschwand und es wurde wieder still. Allison stand auf und nahm die Aufnahme vom Kamin, sie hielt sie Mrs McIntyre hin und sagte "Die in der Praxis Ihres Mannes ist sehr ähnlich, und genau deshalb bin ich hier. Ich habe ihn selbst danach gefragt, doch er wurde wütend und ich dachte, Sie könnten mir vielleicht helfen." Die Frau nahm das Bild und betrachtete es nachdenklich. Dann seufzte sie und stand auf.
Nach einer Weile kam sie mit Tee und Keksen zurück. "Das wird jetzt länger dauern, befürchte ich. Aber umso besser, dann habe ich eine Ausrede um mich vom Putzen zu drücken..." Allison nahm einen Schluck aus der Tasse und aß ein paar Kekse. "Mein Mann war Arzt in Korea, genauer gesagt im MASH 4077. Er hatte dort einen guten Freund, den schwarzhaarigen Mann, sein Name war Pierce. Irgendwann stellte John etwas an und wurde nach Hause geschickt." Allison, die an einem der hausgemachten Kekse knabberte, nickte verständnisvoll. Innerlich beglückwünschte sie sich für ihrer Idee herzukommen, endlich bekam sie Antworten. "Seit er wieder hier ist, erzählt er wenig. Ich weiß nicht viel über die Zeit im Krieg und noch weniger über diesen Pierce aber ich glaube, die beiden standen sich sehr nahe. In seinen Briefen hat John immer viel über ihn berichtet, doch irgendetwas ist zwischen ihnen vorgefallen und das ist meiner Meinung nach der Grund, warum er so merkwürdig auf Ihre Fragen reagiert hat." Allison kannte McIntyre erst seit kurzem aber trotzdem war sie überzeugt, dass seine Frau recht hatte. Der arme Mann, was mochte da passiert sein?
Allison stand auf und reichte ihrem Gegenüber die Hand. "Vielen Dank, ich hätte da aber noch eine Bitte..." Die Frau lächelte freundlich und ergriff die ihr dargereichte Hand. "Ich werde John nichts von Ihrem Besuch erzählen." Sie verabschiedeten sich und Allison fuhr mit ihrem Auto wieder nach Hause.
Die Frau war wirklich nett gewesen, es überraschte Allison immer noch, das man ihr einfach so vertraut hatte. Was wusste sie bis jetzt über Pierce? Er war Arzt, er war in der Einheit des Docs gewesen, sie waren Freunde und das wichtigste, etwas war zwischen ihnen vorgefallen. Nur was? Warum hatte McIntyre seiner Frau nichts erzählt? Was war so schlimmes passiert? Hatten sie sich gestritten? Eins war klar, von ihrem Chef würde sie keine Antworten bekommen, eher noch eine Kündigung. Trotzdem, der Mann tat ihr leid und sie wollte ihm helfen. Nur wie sollte sie das schaffen? Sie kannte den Doc ja kaum. Er schien sonst ein netter Mensch zu sein, nur auf dieses Thema konnte man ihn nicht ansprechen und seine Frau konnte auch nicht helfen. Ihr kam eine Idee, sie würde wohl morgen auch krank sein. Die Angina war aber auch hartnäckig... Es tat ihr zwar leid, ihren Chef nicht sehen zu können, aber man musste Opfer bringen...
Allison saß noch einmal auf der Couch der McIntyres und wartete. Als die Ehefrau von ihrem Vorhaben erfahren hatte, war sie sofort Feuer und Flamme. Sie hatte ihre Besucherin hineingebeten und war die Treppe hinaufgeeilt. Jetzt war sie schon seit einer Ewigkeit da oben und Allison kam sich langsam verloren vor. Sie überlegte fieberhaft, ob ihre Idee wirklich so gut war. Lohnte es sich dafür den Job zu riskieren? Dieser Gedankengang endete immer mit einer Antwort: Ja, absolut! Man konnte Schritte hören und schon stand Louise - inzwischen duzte man sich - im Raum. In ihren Händen hielt sie eine schön verzierte Holzdose mit einer Schleife drum herum. Sie stellte das Kästchen zwischen sich und Allison, dann öffnete sie das band und hob den Deckel.
"Das sind alle Briefe, die mir John aus Korea geschrieben hat. Ich bin mir sicher, dort finden wir, was du suchst!" Die Frau las Papier für Papier und manchmal glitzerte eine Träne in ihrem Augenwinkel. Allison beneidete sie ein bisschen um ihrem Ehemann, sie hatte wirklich Glück. Auf jedem dieser Briefe standen Zeilen, die nur für sie bestimmt waren. Ihr Mann hatte sie voller Liebe geschrieben... Allison ertappte sich, wie sie sich wünschte Mrs. McIntyre zu sein. Die echte Ehefrau riss sie aus ihren Gedanken als sie aufsprang und einen Zettel holte. Sie schreib etwas drauf und reichte ihn der Besucherin. "Das ist alles was ich gefunden habe. Ich hoffe es reicht." Zum Abschied umarmten sich die beiden Frauen wie alte Freundinnen. "Wenn die Geschichte überstanden ist, kannst du gerne zu uns kommen und mit uns Abendessen. Du bist hier jederzeit willkommen!" Diese Worte rührten Allison ganz besonders, immerhin war sie ja eine Fremde und Louise behandelte sie so, als würden sie sich ewig kennen.
