So, weiter geht es mit der nächsten Missing Scene. Danke für die Reviews und viel Spaß!


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zu dieser Szene: Details über die Treffen der Todesser wurden oftmals erfragt und irgendwann habe ich mich dem gebeugt und beschlossen, dass es auch von diesen grausamen... widerwärtigen... schmerzhaften... °räusper° Wie auch immer, es wird auf jeden Fall Szenen geben. :D (Und ich darf kaum erzählen, wie viel Spaß es bringt, diese Szenen zu schreiben...)
Gleichzeitig ist dies auch der erste erfüllte Wunsch. Die Geschehnisse rund um Severus' Entdecken von Hermine auf dem Eulenturm sollten näher beleuchtet werden.

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- Todessertreffen, nach dem Severus Hermine in der Eulerei entdeckt (Kapitel 3)

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Er hatte ihn mitten aus einem Experiment gerissen.

Der Ruf war stark und unerwartet gewesen und hatte einer Flasche sündhaft teuren Nesselextrakts das Leben gekostet. Der Trank stand nun mit einem Frischezauber belegt in seinem Labor und verdarb trotzdem langsam, weil diese verdammte Mischung so extrem empfindlich war. Severus hätte gerne missmutige Laute von sich gegeben, doch in der Runde der Todesser mit dem Lord persönlich direkt neben sich war das eine wirklich schlechte Idee.

Zumal er endlich einmal nicht das Ziel des Meisters war. Über sein gut von der Kapuze und vor allem der Maske verdecktes Gesicht huschte ein schadenfrohes Lächeln. Er hatte gewusst, dass Avery irgendwann noch einmal leiden würde für diese erniedrigende Verletzung, die er ihm damals zugefügt hatte.

Doch das war bei Weitem nicht das Beste an diesem Treffen. Nach langen Monaten des Bohrens und Forschens erfuhr er endlich, worum es sich bei diesem Auftrag gehandelt hatte. Und glücklicherweise war die Erfüllung eben diesens gründlich daneben gegangen. Dass viele der Todesser weniger schlau als grobschlächtig waren, zahlte sich hin und wieder doch aus.

„Avery", zischte der Dunkle Lord merkbar gereizt und Severus senkte den Blick so weit gen Boden, dass er zwar unauffällig und demütig wirkte, Avery aber dennoch im Auge behalten konnte. Es erzeugte weniger schlechtes Gewissen, wenn die Bösen gefoltert wurden.

„J-Ja, mein Meister…", stotterte der ansonsten so selbstsichere Mann und Severus grinste noch breiter.

In Momenten wie diesen musste er jedes Mal sehr vorsichtig sein, dass der Lord nichts von seinen Gedanken bemerkte. Der Tränkemeister hatte den Verdacht, dass er auch Gedanken wahrnehmen konnte, ohne offensiv in den Verstand seines Opfers einzudringen. Er wusste beim besten Willen nicht, wie er dies tat (und das wurmte ihn mehr, als Severus jemals freiwillig zugeben würde), doch er zweifelte nicht daran, dass es funktionierte.

„Ich bin enttäuscht."

Bei diesen Worten merkte Severus auf. Wenn der Lord so milde Formulierungen benutzte, war er meistens sehr unternehmungslustig. Möglicherweise hatte Avery doch ein gewisses Maß an Mitleid verdient.

In diesem Moment schlängelte Nagini sich zu seinen Füßen durch das Gras und fauchte ihn drohend an. Dieses Mistvieh hatte dummerweise schon lange mitbekommen, dass er nicht mehr der loyale Todesser war. Severus konnte nur hoffen, dass der Lord nicht allzu bald damit beginnen würde, seinem Haustier mehr Glauben zu schenken als nötig.

„Es tut mir Leid, Meister. Der Fehler ist unentschuldbar."

Oh ja, das war er allerdings. In die Mysteriumsabteilung im Ministerium für Zauberei einzudringen und erst dort festzustellen, dass die Prophezeiungen nur von den betroffenen Personen aus dem Regal genommen werden konnten, war ein Fehler, der so dumm war, dass niemand ihn machen sollte. Dass dies dennoch geschehen war, war ein Beweis dafür, dass die wahre Gefahr der Todesser nur von ihren impulsiven Handlungen ausging. Einzig der Dunkle Lord selbst war aufgrund seiner Intelligenz und Skrupellosigkeit gefährlich.

„In der Tat. Sag mir, wie soll ich einen unentschuldbaren Fehler bestrafen?"

Severus feixte. Wenn er nur darauf wartete, dass Avery zugab, vollkommen ahnungslos zu sein (was generell die bessere Wahl war), könnte er sich einschalten und den Abend retten. Möglicherweise brachte ihn das ein Stück weiter.

„I-Ich… M-Meister, es liegt nicht in meinem Ermessen…"

Voldemort machte eine wegwischende Bewegung mit der Hand, die Avery verstummen ließ. Severus beobachtete, wie mehrere umstehende Todesser nervöse Bewegungen machten. „Das tut es wirklich nicht. Nun denn… Crucio!"

Avery kippte nach hinten und wand sich zuckend und schreiend auf dem Boden. Mit einer weiteren Bewegung des Lords wurde das Schreien leiser, so dass er sich gut mit dem Rest seiner Anhängerschaft unterhalten konnte: „Nun, irgendwelche Vorschläge, wie man Averys Patzer korrigieren könnte?"

Severus hatte seinen Blick unverwandt auf den Mann am Boden gerichtet und konnte nun doch nicht so recht Mitleid für ihn aufbringen. Dafür hatte er selbst schon zu oft in dieser Position die Treffen erlebt.

Unter den anderen Todessern breitete sich derweil unruhiges Gemurmel aus. Doch niemand wagte es, seinen Platz im Kreis zu verlassen, geschweige denn eine Lösung vorzuschlagen. Elende Feiglinge! Die Antwort war so simpel, dass es wirklich auffallen würde, wenn er sie nicht gab. Er hasste Situationen wie diese.

„Sirius Black", sagte er schließlich gedehnt und mit einem Male kehrte Ruhe ein.

Der Lord wandte sich ihm zu. „Black? Was ist mit ihm?"

Severus wandte endlich den Blick von Avery, der von der ganzen Unterhaltung nichts mitbekam. Ohne den Blick jedoch zu heben, drehte er sich leicht dem Lord zu. „Er könnte den Köder spielen. Wir brauchen den Jungen im Ministerium. Wenn Harry Potter denkt, Black wäre im Ministerium, würde er dumm genug sein, dorthin zu gehen und versuchen, ihn zu retten."

Der Dunkle Lord gab einige nachdenkliche Laute von sich und beendete beiläufig den Cruciatus. Avery blieb zitternd und winselnd wie ein getretener Hund liegen und rollte sich zu einem Ball zusammen. Severus glaubte Blut aus seiner Nase und dem Mund laufen zu sehen, legte es aber nicht darauf an, es genau zu erkennen. „Das könnte in der Tat funktionieren. Jemand müsste ihm ausreichend Informationen zuspielen, damit die Mysteriumsabteilung interessant für ihn wird."

„Das sollte kein Problem sein", erwiderte Severus kooperativ und schielte flüchtig nach oben, ohne den Kopf zu heben.

„Nun denn… steh' auf, Avery!"

Der Mann am Boden gab einen letzten jaulenden Ton von sich und kam nach mehreren Anläufen stolpernd wieder auf die Beine. Nach vorne gebückt und sich auf den Knien abstützend, deutete er eine Verbeugung an. „M-Mein Meister", nuschelte er und mehrere Tropfen Blut zogen lange Fäden bis zum Boden.

Severus rümpfte die Nase.

„Deine Arbeit an diesem Auftrag ist beendet. Du kannst gehen."

Diese Art von Verabschiedung war Severus bekannt. Er hatte sie nie am eigenen Leib erfahren, wusste aber, dass das Disapparieren aus der Mitte des vollständigen Kreises eine der schmerzhaftesten Angelegenheiten war, die der Lord sich jemals ausgedacht hatte. Dennoch nickte Avery und ließ sich kein Zögern anmerken. Kurz darauf war er verschwunden und nur der Ansatz eines Schreis hallte über den menschenleeren Friedhof.

„Ich erwarte", wandte der Lord sich dann wieder an Severus, „dass du bald Bericht erstatten kannst. Lass den Jungen wissen, was er wissen muss. Ich werde dafür sorgen, dass Black zur rechten Zeit im Ministerium ist."

Zuerst neigte Severus einverstanden den Kopf, dann allerdings witterte er die Falle dahinter. „Meister", wandte er deswegen ein und verbeugte sich.

„Ja?"

„Möglicherweise wäre es sicherer, wenn Black nicht im Ministerium auftaucht. Er ist zu allem bereit, wenn es darum geht, Potters Leben zu retten." Er redete sich um Kopf und Kragen, rutschte immer mehr auf die Seite der Todesser, ließ die Grenze hinter sich. So explizit, wie er den Plan hier ausbaute, musste er nachher einiges anstellen, um Potter heil wieder aus der Sache herauszubekommen. Albus würde das gar nicht gefallen.

Und doch gab es keinen anderen Weg, wenn er das Vertrauen des Lords behalten wollte.

„Das ist in der Tat eine gute Überlegung. Ich werde darüber nachdenken. Sorge du nur dafür, dass Potter die Informationen bekommt."

„Gewiss, Herr." Erneut verbeugte er sich.

Kurz darauf beendete der Dunkle Lord das Treffen und Severus war froh, den Friedhof verlassen zu können. Den Trank konnte er zwar vergessen und an diesem Abend war nicht mehr daran zu denken, einen neuen anzusetzen. Doch er hatte die Versammlung hinter sich gebracht, ohne selbst das Opfer des Cruciatus zu werden. Und er hatte Avery leiden sehen, was definitiv eine gewisse Genugtuung mit sich brachte.

Und, so stellte er wenig später fest, als er an der Grenze von Hogwarts auftauchte, er hatte Granger mitten in der Nacht außerhalb des Bettes erwischt. Mit einem zufriedenen Grinsen führte er den Zauber aus, den auch sie zweifellos verwendet hatte. Ihre Augen wurden groß, als sie eins und eins zusammenzählte. Kurz darauf war sie vom Turmfenster verschwunden.

Severus beendete seinen Zauber und machte sich auf den Weg über die Ländereien. Er könnte jetzt sofort zu Albus gehen, doch dann müsste er auch detailliert von dem Treffen berichten. Deswegen beschloss er, Granger noch eine Nacht voller Angst zu gönnen.