Kapitel 02 – Der unbrechbare Schwur
Die Hexe blinzelte, 23 Mal – Draco zählte mit – bevor sie zur Kenntnis nahm, was er gesagt hatte. Sie stotterte und konnte ihre Überraschung nicht verbergen. Sie fuchtelte mit Papierkram auf ihrem Schreibtisch herum, wandte sich dann zu ihrer Kollegin, um ihr zu sagen, dass sie in Kürze zurückkehren würde.
„Hier entlang, bitte", sagte sie. Sie trat hinter dem Tresen hervor und bedeutete ihm, ihr zu folgen, obwohl Draco wusste, dass es das Letzte war, das sie wollte. Als sie zu den Aufzügen gelangten, drehte die Frau sich nervös um. „Äh, tut mir leid, aber, Vorschriften, wissen Sie. Ich fürchte, ich muss Sie um ihren Zauberstab bitten."
Draco feixte wieder und zog seinen glatten Ebenholzzauberstab aus der Tasche seines Umhangs. Er sah den Zauberstab an, dann die Frau, bevor er ihn ihr reichte. Ihre Hand zitterte, als sie sie zögerlich ausstreckte, um ihn entgegenzunehmen. Dann steckte sie ihn in die Innentaschen ihrer Robe. Sie wandte sich um und drückte den Aufzugknopf. Als der Fahrstuhl kam, traten sie hinein und die Hexe betätigte den Schalter für den zweiten Stock.
Sie fuhren in Schweigen. Die Furcht, die von der Frau ausging, wuchs beträchtlich angesichts dessen, dass sie auf engem Raum mit Draco eingeschlossen war. Er musterte sie. Sie war klein (zierlich) und hatte glattes, braunes Haar, das zu einem festen Knoten an ihrem Hinterkopf gesteckt war. Ansonsten war sie unscheinbar. Als die Türen sich endlich auf ihrem Zielstockwerk öffneten, rannte sie geradezu aus dem Fahrstuhl. Sie fing sich wieder und begann, den Korridor hinunterzugehen.
Draco war noch nie zuvor im Ministerium gewesen und beschäftigte sich damit, alles zu betrachten, an dem er vorbeiging. Schon bald kamen sie zu einer Tür, an der stand: Aurorenhauptquartier. Die Hexe öffnete die Tür und führte Draco hinein. Sie schritt geradewegs auf ein Büro zu, das sich an der Wand gegenüber der Tür befand. Glücklicherweise waren die meisten der Auroren beim Mittagessen. Keiner nahm wirklich Notiz von Draco.
Endlich hielten sie vor einer braunen Holztür. Die Frau hob eine Hand, zögerte und klopfte dann.
„Ja?", erklang eine müde Stimme.
„M- Mr. Potter. Sie haben ein Angebot, Sir."
Für einen Augenblick herrschte Stille. Dann ein schweres Seufzen, gefolgt von: „Haben Sie den Namen?"
„N- Nein, aber Sie werden ihn kennen."
„In Ordnung. Bitte schicken Sie ihn herein." Die Frau bedeutete Draco, das Büro zu betreten. Er öffnete die Tür und trat einen Schritt hinein.
Harry ließ sein Getränk fallen, als Dracos Profil in der Tür erschien. „Malfoy!", sagte er.
„Hallo, Harry", sagte Draco strahlend und sah belustigt zu, wie der Kaffee langsam die Papiere auf Harrys Schreibtisch tränkte.
„Äh, danke, Donna", sagte Harry zu der verängstigten Hexe. Sie ging davon, keine weitere Ermunterung bedürfend. „Setz dich", sagte er zu Malfoy. Er nahm seinen Zauberstab heraus und brachte das Chaos auf dem Tisch in Ordnung.
Draco ließ sich nieder. Jede Bewegung, die er vollführte, sagte Harry, dass er überlegen war, klüger, und dass er die Oberhand innehatte.
„Was machst du hier, Malfoy?", erkundigte Harry sich wachsam.
Draco feixte. „Hast du die nette Dame nicht gehört? Ich habe ein Angebot zu machen."
„Ja, das habe ich mitbekommen", blaffte Harry. Er wusste, was ein Angebot hieß, und das war auch der Grund, weshalb er seinen Kaffee fallen gelassen hatte. Draco Malfoy war hier, um sich zu stellen. Er würde natürlich nach einer Gegenleistung verlangen, so wie das Ministerium es mit allen Angeboten hielt. Dann würde er, Harry, Dracos Angebot abwägen, um zu entscheiden, ob der Austausch akzeptabel war.
„Warum?", fragte Harry.
„Ich will raus."
Harry konnte nicht anders, sein Mund klappte auf. „Raus?"
„Ja, Potter. Das habe ich gesagt: Raus."
„Wo raus?"
Draco seufzte und begann, nicht existenten Staub von seinem Umhang zu entfernen. „Aus meiner derzeitigen Beschäftigung."
Harry ließ sich in seinen Sessel fallen. Draco Malfoy saß ihm gegenüber, benahm sich, als wäre er auf eine Plauderei mit einem alten Freund vorbeigekommen, und erzählte ihm, er wolle aufhören Todesser zu sein.
„Man hört nicht einfach auf, Todesser zu sein, Malfoy."
„Nur weil keiner jemals erfolgreich gewesen ist, heißt es nicht, dass es nicht möglich ist."
„Aber – warum?", fragte Harry. Szenarios schwirrten durch seinen Kopf, die Malfoy, Betrug und Tod enthielten. „Ich dachte, du liebst es, überall, wo du hingehst, Schrecken und Qual zu bereiten, die Menschen zittern zu sehen, wenn sie dein Gesicht erblicken oder deinen Namen hören."
„Meine Güte, Potter. Ich wusste nicht, dass du mich so gut im Auge hattest", sagte Draco. Er nahm einen Bilderrahmen von Harrys Schreibtisch. Wie er erwartet hatte, waren Harry, Ron und Hermine darauf zu sehen und sie winkten und umarmten einander, gekleidet in Hogwarts- Abschlussroben. Er feixte.
„Ich bin froh, dass ich diesen ganzen Unsinn nicht durchmachen musste", sagte er.
Harry riss Draco das Foto aus den Händen. „Warum?", wiederholte er wütend.
„Das ist meine eigene Sache."
„Tja, meine Mitwissenschaft würde diesen Prozess glatter ablaufen lassen", erwiderte Harry. Draco schwieg jedoch, zu Harrys Verärgerung. „Na schön. Sei unkooperativ. Warum sollte ich dich nicht einfach nach Azkaban werfen lassen?"
Draco wackelte mit dem Zeigefinger. „Eh-eh, Potter, ich habe ein Angebot. Es gibt Regeln diesbezüglich und wir haben Verhandlungen zu machen." Er lehnte sich im Sessel zurück und verschränkte lässig die Arme hinter dem Kopf. „Außerdem habe ich mir schon die Insel ausgesucht, auf die ich mich in hohem Alter zurückziehen werde, sagen wir mit 20. Vielleicht 21."
In diesem Augenblick öffnete sich Harrys Tür und eine braunhaarige Hexe trat herein, ohne von dem Stapel Papier aufzublicken, den sie in den Händen trug. „Hey, Harry, ich habe mich gefragt, ob es dir etwas ausmachen würde, ein paar Sachen für mich zu unterschreiben – oh!" Sie sah auf, als sie eine weitere Anwesenheit in dem Raum spürte.
Draco musste das Mädchen nicht ansehen, um zu wissen, dass es sich um Hermine Granger handelte. Und sie brauchte keinen Blick auf sein Gesicht zu werfen, um zu wissen, dass der blondhaarige Mann in Harrys Büro kein anderer war als Draco Malfoy.
„Harry, ich komme später noch mal", sagte sie und begann, rückwärts aus dem Büro zu weichen, die Augen fest auf Malfoys Hinterkopf geheftet – für den Fall, dass er plötzliche Bewegungen machte.
„Nein, Hermine, komm herein. Bitte setz dich", entgegnete Harry und deutete auf den anderen Sessel in seinem Büro.
Sie sah ihren Freund mit weiten Augen an, bevor sie gehorchte. Jede Zelle in ihrem Körper schrie danach zu rennen, soviel Abstand zwischen sich und Malfoy zu bringen wie möglich. Doch stattdessen setzte sie sich still.
„Malfoy hier hat ein Angebot."
Hermine sagte nichts und weigerte sich, Malfoy anzusehen. Sie wusste, was Angebot bedeutete, und sie konnte sich nicht vorstellen, weshalb er sich stellen sollte.
Draco wandte seinen Blick ebenfalls von Hermine ab. Er fuhr fort, Harry dabei zuzusehen, wie er mit dem Zeug auf seinem Schreibtisch herumfuchtelte.
„Verhandlungen, Potter", sagte er schließlich in der Hoffnung, Harry zu der gegenwärtigen Diskussion zurückzubringen.
„Du willst verhandeln? Was lässt dich glauben, dass wir mit Leuten wie dir verhandeln werden?"
„Ich habe meine Hälfte der Vereinbarung erfüllt, oder nicht? Ich habe das Ministerium betreten und mich gestellt, damit ich dieses Interview mit dir führen kann. Meine Absichten werden noch rechtzeitig bekannt."
„Deine Absichten? Du bist mir vielleicht einer, weißt du das? Du wirst uns eine ganze Menge anbieten müssen, wenn du hoffst, ein freier Mann zu bleiben." Draco sah Harry nur unbewegt an. „Namen, Malfoy. Eine Liste von Todessern, Verbündete, finanzielle Aufzeichnungen, Verstecke und Zufluchtsorte. Alles, das du von deinem Feigling von Meister weißt, und wie er tickt."
Draco schnaubte. „Potter, tu nicht so, als wärst du erhaben und strahlend, so über allen anderen mit deinen ethischen Grundsätzen und deiner glänzenden Aurorenpaklette. Dort draußen, in der echten Welt, verändert Macht die Welt und ich habe Zugriff darauf. Du hast nur deine glänzende Plakette." Dann gluckste Draco. „Bist du neidisch, dass du kein Vertrauensschüler- oder Schulsprecherabzeichen bekommen hast? Sogar ich hatte eine davon."
Harry funkelte ihn an. „Macht, nicht wahr? So nennst du es also? Jagd auf wehrlose Muggle zu machen und zum Spaß zu töten? Ich nenne das Bösartigkeit, Malfoy, reine Bösartigkeit und das ist alles, das du jemals gewesen bist und immer sein wirst."
Dracos Augen blitzten gefährlich und Harry war gezwungen sich in Erinnerung zu rufen, dass das nicht mehr der Junge war, der ihn gehänselt und mit relativ harmlosen Flüchen beschossen hatte, wenn sie in den Korridoren aufeinander getroffen waren. Das war Voldemorts rechte Hand. Er könnte Harry wahrscheinlich auf der Stelle töten, wenn er wollte. Harry schluckte schwer. Doch der Zorn verging und Harry hatte sich wieder besser im Griff.
Draco setzte sich auf und blickte Harry in die Augen. „Ich werde dir Voldemort ausliefern." Hermine schnappte nach Luft und Harrys Augen weiteten sich. Draco lehnte sich wieder zurück und fuhr in einem gleichgültigen Tonfall fort: „Und die Gesamtheit seiner Organisation und Operation. Ich selbst natürlich abgezogen. Das heißt, wenn du nicht weiter vorhast zu diskutieren, wer in welchem Fach besser war oder wer öfter den Schnatz gefangen hat, oder warum dein Kopf so eine hässliche Form hat."
„Schuljungentricks und Köderungen werden nicht mehr funktionieren, Malfoy. Da musst du dich schon mehr anstrengen."
„Ich weiß. Deshalb habe ich dir auch das hier mitgebracht." Ein Blatt Pergament erschien auf Harrys Schreibtisch.
Harry keuchte auf. „Sie hätten dir deinen Zauberstab abnehmen sollen!"
„Das haben sie auch", antwortete Draco selbstzufrieden.
„Wie hast du das dann gemacht?", fragte Harry bestürzt.
Draco sah Harry mit einem wichtigtuerischen, wissenden Feixen an. „Schau es dir an, Potter. Ich weiß, dass du vor Neugier stirbst."
Harry nahm das Pergament in die Hand. Es war eine Liste von Namen. Er überflog sie, doch als er zu den C- Namen kam, verblichen sie. „Hey!", rief er und blickte zu Draco auf.
„Nur eine kleine Kostprobe von dem, das ich anzubieten habe."
„Was willst du?"
„Rauskommen, das habe ich doch schon gesagt."
„Warum?"
„Ich habe meine Gründe, Potter. Wir drehen uns gerade im Kreis, nicht wahr? Du hast mir diese Fragen gestellt und ich habe sie beantwortet. Wollen wir anfangen, die Details zu besprechen?"
„Ich bin nicht sehr geneigt, diese Diskussion überhaupt weiterzuführen, wenn du dich weigerst, mir Informationen über deine Absicht zukommen zu lassen."
Draco stieß scharf die Luft aus. Er war frustriert, wollte es aber nicht zeigen. Harry war seine einzige Chance und er musste ihn zum Zuhören bringen. Doch er musste es auf eine Weise tun, der Harry Glauben schenken würde. „Was ich will, Potter, ist hier heute wegzukommen mit einer Einigung, eines Tages England zu verlassen und nie wieder zurückzukehren."
Harry lachte spöttisch. „Ich bezweifle, dass du Azkaban entkommen wirst."
„Oh, ich beabsichtige mit Sicherheit nicht, dort Zeit zu verbringen", entgegnete Draco und lehnte sich in seinen Sessel zurück, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. „Weißt du noch meine Insel? Ich werde sie natürlich nach mir selbst benennen. Kannst du es dir vorstellen? Weiße Strände, glitzernd blauer Horizont. Ein wahres tropisches Paradies und das alles für mich."
„Malfoy, warum sollte ich dir glauben? Woher soll ich wissen, dass es kein Trick ist?"
„Du musst mir nicht glauben und es gibt keine Möglichkeit für dich, Gewissheit zu haben", erwiderte Draco mit blitzenden Augen. „Ich kann zu jeder Zeit hier rausspazieren, das weißt du. Dieses Angebot kommt nur ein Mal. Sobald ich weg bin, bin ich weg, und diese Gelegenheit mit mir."
„Du kannst nicht gehen", sagte Harry, bemüht selbstsicher zu klingen.
„Doch, das kann ich. Laut den Ministeriumsregeln. Wenn wir zu keiner Einigung kommen, habe ich das Recht, mein Angebot zurückzuziehen, nämlich mich selbst."
Harry dachte einen Augenblick lang nach. „Ich werde wissen wollen, wo deine Insel liegt."
Draco lachte. „Sicher. Ich werde eine Hängematte zwischen zwei Palmen hängen lassen, wenn du zu Besuch kommst. Eine doppelte, wenn du die Mrs. mitbringst."
Harry versteifte sich, Malfoy anstarrend, und Hermine schien zum Leben zu erwachen. Sie hatte Harry die ganze Zeit über beobachtet und die Anspannung bemerkt. Ihre Augen weiteten sich. Sie sah zu Draco, dann wieder zu Harry.
„Sie weiß nichts davon?", stellte Draco fest. Seine Augen funkelten spöttisch. „Genial!"
„Was willst du?", blaffte Harry. „Ich bin nicht in der Stimmung dazu."
„Meine Güte, Potter, hat es dir das Gehirn verdreht, die ganze Zeit in diesem Büro zu sitzen? Ich habe es dir doch schon gesagt – Ich will raus."
„Ungeschoren?"
„Was?"
„Muggle- Ausdruck", sagte Hermine. Sie sprach das erste Mal, seit sie sich gesetzt hatte. „Es bedeutet, ohne Konsequenzen."
„Tja, offensichtlich", sagte Draco und verdrehte die Augen. „Ich habe ein sehr hektisches Leben vor mir, meinen Vogel versorgen, am Strand sitzen – "
„Ja, ja, deine Insel. Das habe ich schon verstanden." Harry sah zu Hermine. „Hermine, tut mir leid, dass du deine Zeit verschwendet hast. Du kannst gehen."
Sie nickte, dankbar, das bedrückende Gefühl in ihrer Brust loswerden zu können. Sie machte gerade Anstalten, die Tür zu öffnen, als Draco das Wort an sie richtete.
„Granger, bitte sag mir, dass du nicht Potters Sekretärin bist", sagte er voller Abscheu.
Hermine fuhr hoch. „Nur zu deiner Information, ich bin eine Aurorin."
Draco höhnte: „Hätte dich mir nie als Aurorin vorgestellt, Granger. Ich bin enttäuscht."
Sie versuchte sich in Erinnerung zu rufen, dass Harry alles richten würde, nachdem sie gegangen war, dass er sich um das bösartige kleine Schwein kümmern würde, das in seinem Büro saß. „Tja, Malfoy, du hast dich als schwacher, bösartiger, rückgratloser Roboter entpuppt, der nicht in der Lage ist, für sich selbst zu denken. Was genau ist, was ich von dir erwartet habe." Bevor er etwas Schlagfertiges erwidern konnte, riss sie die Tür auf und eilte hinaus, die Tür hinter sich zuschlagend.
Draco gluckste in sich hinein.
Harry funkelte den Mann vor ihm an. „Du hast ihre Eltern umgebracht, Malfoy."
„Dessen bin ich mir durchaus bewusst", erwiderte er glatt, sein Gesicht zeigte keine Regung.
„Macht es dir gar nichts aus? Überhaupt nicht?", fragte Harry wütend.
„Warum sollte es?"
„Machst du dir nie Gedanken darüber? Niemals?"
Draco winkte ab. „Oh, sicher. Das kleine lästige Ding, das, wie ich erfahren habe, Gewissen heißt. Es ist wirklich kein Problem. Man muss es nur ein wenig verdrängen und dann verschwindet es."
„Aber – du kennst sie. Ich weiß, dass du sie hasst, aber ihre Eltern konnten keine namenslosen Gesichter sein in der Nacht, in der du zu ihr nach Hause gegangen bist."
„Ich habe unzählige Zauberer, Hexen und Muggle getötet. Warum sollten ausgerechnet sie mir etwas ausmachen?"
Harry schüttelte ungläubig den Kopf. „Das bedeutet Azkaban für dich, Malfoy." Harry setzte sich und zog seine Schublade auf, um die „Angebotsverhandlungs- und -einigungsunterlagen" hervorzuziehen, damit er sein Urteil über die grauenhafte Kreatur fällen konnte, die sein Büro verdreckte. Doch als er sich über den Tisch beugte, um zu schreiben, fiel sein Blick zufällig auf Malfoy.
Draco war geisterhaft bleich geworden. Seine Hände bebten, als er mit ihnen durch sein Haar fuhr. All die Selbstsicherheit und Arroganz, die er gezeigt hatte, waren verschwunden, als wären sie nie dagewesen. Stattdessen war er ein entsetzter Geist, der aussah, als hätte er gerade den Kuss eines Dementors erlitten.
„Du hast Angst", bemerkte Harry beiläufig.
„Verdammt richtig."
Harry legte den Federkiel nieder und nahm Draco genauer in Augenschein. „Sag mir die Wahrheit, Malfoy. Warum bist du hier? Wovor hast du Angst?"
Draco konnte Harry nicht verraten, dass er Angst vor Harrys Abweisung hatte. All seine Arbeit, seine Mühen, seine Planungen könnten durch ein einziges Wort des Aurors zunichte gemacht werden. Und verknüpft mit all seiner Arbeit war Dracos Planung für sich selbst und Harrys Urteil gegen ihn würde nun sein Schicksal besiegeln.
„Ich verspreche, dass alles, das du mir erzählst, unter uns bleiben wird. Als Teil dieser Vereinbarung." Draco schwieg immer noch. Er blickte Harry an, der seine blutunterlaufenen Augen bemerkte und sah, wie vollkommen ausgelaugt er wirkte, so anders als der Mann, der in sein Büro stolziert war und sich wie der König der Welt aufgeführt hat. Harry seufzte und rief Hermine in sein Büro.
Sie trat eine Minute später durch die Tür, besorgt. Sie wusste, dass Draco noch nicht wieder verschwunden war. „Ja, Harry?", sagte sie und streckte nur ihren Kopf herein.
„Komm bitte herein. Schließ die Tür hinter dir." Hermine gehorchte widerwillig. Sie warf Draco einen Blick zu, dessen Schultern herabgesackt waren, während er seinen Kopf in die Hände gelegt hatte. Dann kam Stolz in ihr auf, Stolz, dass Harry ihn gebrochen hatte.
„Hermine, ich möchte, dass du unseren Bund besiegelst." Sie keuchte auf. Dracos Kopf schoss in die Höhe und Hermine erblickte das Gesicht, das zu dem mutlosen Körper passte, den sie beim Eintreten bemerkt hatte. Eine vollkommen andere Person saß auf dem Platz, wo sie den arroganten Todesser zurückgelassen hatte.
„Harry, nein, tu das nicht", flehte sie. Einen Unbrechbaren Schwur mit Draco Malfoy einzugehen konnte kein gutes Ende nehmen.
Draco spürte, wie Hoffnung in ihm aufkeimte, während er Harry in die Augen starrte.
„Es ist okay, Hermine. Vertrau mir."
„Dir vertraue ich ja", sagte sie mit einem Blick auf Draco, der Harry verriet, dass er es war, dem sie nicht vertraute.
„Hermine, ich brauche dich dafür."
„Warum mich?", flüsterte sie.
„Weil du die einzige bist, die weiß, dass er hier ist. Und je weniger Leute darin verwickelt werden, desto besser, denke ich", antwortete er. Er sah zu Draco, der nickte.
„Sicherlich haben andere Leute ihn hier reinkommen sehen", protestierte sie.
Harry blickte sie flehend an. „Hermine, bitte. Ich möchte, dass du es tust."
Entgegen besseren Wissens, entgegen allen schreienden Zellen in ihrem Körper, seufzte sie und sagte: „Na gut. Aber ich halte es für eine schlechte Idee."
Harry stieß erleichtert die Luft aus. „Kapiert", sagte er. Er und Draco verschränkten die rechten Hände, wenn auch zögerlich, als fürchteten beide, dass die Krankheit, die der andere trug, ansteckend sei. Hermine richtete ihren Zauberstab auf ihre verbundenen Hände und murmelte: „Infragilis Votum."
„Ich, Harry Potter, werden nichts wiederholen, das ich mit dir, Draco Malfoy, im Verlauf der nächsten Stunde bespreche." Die erste Flammenzunge umringte ihre Hände. „Es wird unter uns bleiben, es sei denn, du wünschst es zu enthüllen." Die zweite Flamme gesellte sich zur ersten. „Und nur du kannst den Schwur zu jeder Zeit aufheben." Eine dritte Flamme kam hinzu und formte sich zu der feurigen Schlange.
„Opus", sagte Hermine und besiegelte den Schwur. Die Schlange glühte für einen Augenblick hell auf und verschwand.
