Hallo :)
danke schon mal an alle, die meine kleine Geschichte verfolgen. Ich habe beschlossen einmal wöchentlich zu posten, also haltet die Augen offen ;)
und jetzt geht's schon weiter.
Kapitel 2
Dezember 1979
Der Morgen graute bereits, als Severus völlig erschöpft die Tür zu seinem Haus öffnete. Sobald er sie hinter sich geschlossen hatte, lehnte er sich mit dem Rücken dagegen und rutschte soweit hinunter, bis er auf dem Boden zum Sitzen kam. Gequält schloss er die Augen. Sein Gesicht fahl und bleich, seine Hände zitterten.
Es war ein Fehler.
Sein ganzes Leben war ein einziger Fehler.
Dies war wieder so ein Moment, in dem er sich wünschte, lieber tot zu sein, als lebendig.
Was war er nur für ein Narr gewesen…
Es hatte lange gedauert, zu lange, bis er begriff, dass Lily von Anfang an Recht gehabt hatte. Und jetzt war es zu spät. Er war mittendrin. Niemals hätte sich Severus auf Lucius und Bellatrix einlassen sollen. Aber ihren Versprechungen und Schwärmereien über den dunklen Lord zuzuhören war Balsam auf seiner geschundenen Seele, sodass er in seinem jugendlichen Leichtsinn alles geglaubt hätte.
Er war jung, gebrochen und leichtgläubig gewesen damals.
Nächte, wie diese, brachten ihm schmerzhaft vor Augen, wie sehr er sich hatte täuschen lassen. Und doch durfte niemand mitbekommen, dass er sich ekelte, wenn er wieder Mal ein junges Mädchen unter sich liegen hatte, das schrie vor Demütigung und Schmerz. Es graute ihm davor seinen Zauberstab zu heben und den Cruciatus zu sprechen oder schlimmer: Einen Avada Kedavra. Situationen, die ihn in seinen Träumen immer wieder heimsuchten.
Doch er musste mitspielen, um selbst zu überleben. Er würde als schwach und wertlos gelten, wenn er es nicht fertig brachte seinen Teil dazu beizutragen, um die Welt im Sinne des dunklen Lords zu gestalten.
Diesen Weg hatte er sich, so unzurechnungsfähig und dumm er auch damals gewesen war, selbst ausgesucht und nun hatte er ihn auch zu gehen. Wer wusste schon, wie lange er noch in der Gunst des dunklen Lords stand? Schon unzählige Male hatte mit ansehen müssen, wie Mitstreiter eingeknickt waren und durch den Stab ihres Herrn nach langer Folter den Tod gefunden hatten.
Die Vorstellung davon, am eigenen Leib spüren zu müssen, was die Todesser mit Muggeln anstellten, war unerträglich.
Unbewusst schob sich das Bild des Jungen vor seine Augen, den er vor nicht ganz einer Stunde selbst gefoltert und getötet hatte. Er hatte ihn erkannt. Als Severus noch zur Schule ging, war der Junge gerade in Hogwarts aufgenommen worden. Die leeren Augen und panischen Schreie würden ihn, wie die von unzähligen anderen, sinnlosen Opfern, nie verlassen. Sie waren nun ein Teil von ihm, ein Teil von dem Albtraum, den er sein Leben nannte.
Severus lehnte sich nicht dagegen auf, als eine starke Welle der Übelkeit ihn erfasste und erleichterte sich direkt neben der Tür. Nachdem auch der letzte Schwall über ihn hinweggegangen war, wischte er sich den Mund mit dem Ärmel ab und hätte sich beinahe noch einmal übergeben, als er das getrocknete Blut roch, das daran hing.
Mit zitternden Fingern tastete er nach seinem Zauberstab und beseitigte sein Erbrochenes. Langsam schälte er sich aus seinem dreckigen Umhang und versuchte dann wieder zu Atem zu kommen.
Er war ein Scheusal. Ein Monster. Er hatte es nicht anders verdient.
Die Stille, die ihn jeden Tag im Haus seiner Eltern empfing, war kaum tröstlich. Sie erdrückte ihn jeden Tag etwas mehr.
Mühsam rappelte er sich hoch und stapfte mit schweren Schritten durch die dunklen Zimmer in die kleine Küche. Er zauberte ein sauberes Glas herbei und lies Wasser aus dem Hahn hineinfließen, ehe er es in einem Zug leer trank. Dann noch ein Glas und noch eins.
Gerade wollte er sich umdrehen, um ins Bett zu gehen, als eine unscheinbare braune Eule an sein Fenster pickte.
Severus stutzte.
Er brauchte einen Moment, bis er sich in Bewegung setzte, um die Eule herein zu lassen. Wer in dieser gottverdammten Welt sollte ihm schon schreiben? Wenn Lucius ihn sehen wollte, schickte er einen seiner Falken. Der dunkle Lord rief ihn über das dunkle Mal und Bellatrix überraschte ihn immer, indem sie einfach in seinem Kamin auftauchte.
Er nahm dem Vogel einen kleinen Brief ab und schon flog die Eule wieder davon.
Nachdem er das Pergament aufgerollt hatte, kam ein Kleinerer, verbogener Brief zum Vorschein, der, wie Severus verdutzt feststellte mit einer Briefmarke aus London versehen war. Er nahm sich zuerst das Pergament vor, auf dem nur wenige Zeilen geschrieben standen. Schon als er das erste Wort las, spürte er einen tiefen Stich in der Brust.
Severus!
Ich weiß nicht, was in diesem Brief steht und ich will es auch gar nicht wissen! Jean Peters, jetzt Granger, war bei mir und hat mich nicht in Ruhe gelassen, bis ich ihr versprach dir den Brief zukommen zu lassen.
Egal weshalb sie auf diese Weise Kontakt mit dir aufnehmen will, wage es nicht dich bei ihr zu melden! Halte dich fern von ihr, sonst kriegst du es mit mir zu tun.
L. P.
Die Worte verschwammen vor seinen Augen, als sich Tränen in ihnen sammelten. Wie lange hatte er ihre Schrift schon nicht mehr gesehen? Geschweige denn, dass sie überhaupt Worte an ihn gerichtet hatte? Überhaupt ein Lebenszeichen von ihr zu erhalten, das war… Er wusste nicht, was er fühlen sollte. Severus war es egal, was der Inhalt sagen mochte, er spürte, wie nah es ihm ging, Lilys Nähe zu spüren.
Seine verzweifelte Liebe zu ihr war immer noch nicht erloschen. Er konnte sie fühlen, wie er nichts anderes fühlen konnte.
Dabei dachte er, dass alles Gute in ihm schon gestorben wäre.
Oh, wie er sie doch vermisste. Er war sicher, ein Lächeln von ihr, würde alle seine Sünden vergessen machen.
Er wischte seine Tränen weg und ließ sich auf einen Stuhl nieder. Es dauerte eine Weile, bis er wieder Herr seiner Sinne war, dann zog er den Briefumschlag zu sich heran. Kurz betrachtete er noch einmal die Briefmarke, ehe er ihn umdrehte, öffnete und ein weißes Blatt Papier herauszog.
Lieber Severus,
ich weiß, dass du nichts mit mir zu tun haben möchtest, das hast du mir mit deinem plötzlichen Verschwinden damals klar gemacht. Um ehrlich zu sein, ist mir das auch lieber so.
Ich habe einige Tage nach unserem One-Night-Stand jemanden kennen gelernt und keine vier Monate später geheiratet. Wir lieben uns sehr, aber ich glaube, das wird dich wenig kümmern.
Der Grund warum ich schreibe ist folgender:
Ich habe eine Tochter. Hermine heißt sie. Sie ist jetzt knapp drei Monate alt. Ich bin sicher du kannst soweit rechnen, dass du dieselben Schlüsse ziehst, wie ich. Ich habe einen Vaterschaftstest machen lassen und mein Mann ist zu 100%iger Wahrscheinlichkeit nicht der Erzeuger. Da ich in besagter Zeit sehr auf mein Studium fixiert war und nicht viele Männerfreundschaften gepflegt habe, kommst also nur noch du als Vater in Frage.
Bevor du jetzt alles leugnest und abstreitest, möchte ich dir mitteilen, dass du dir dahingehend keine Sorgen machen musst, da ich dich nicht im Leben meiner Tochter haben will. Ich bin sicher, du würdest ohnehin nichts mit einem Kind zu tun haben. Das Beste wird sein, wenn du dich nie bei uns meldest. Solltest du es doch tun, werde ich die Polizei einschalten.
Falls du dich jetzt fragst, warum ich dir dann überhaupt von Hermine erzähle: Nigel, mein Mann, hat mich dazu überredet. Er ist eine gute Seele und bestand darauf, dass du das Recht hättest von Hermines Existenz zu erfahren. Was jedoch nichts an meinem Entschluss ändert, dass ich Nigel als ihren wahren und einzigen Vater sehe.
Ich werde Lily, trotz eurer Differenzen, bitten, diesen Brief an dich zu schicken, da ich deine Adresse nicht kenne.
Weiterhin ein schönes Leben.
Jean Granger
Severus starrte auf den Brief, als würde dieser sich jeden Moment in Luft auflösen. Er konnte spüren, wie der Druck auf seinen Schultern immer größer wurde. In den letzten Monaten hatte er sich Dinge zu Schulden kommen lassen, die für mehr als 10 Leben gereicht hätten und jetzt auch noch das?
Das Leben spielte mit seinem Schicksal und egal was er tat oder nicht tat: er war der Verlierer.
Er hatte eine Tochter… EINE TOCHTER!
Ein dumpfes Gefühl machte sich in ihm breit. Was verlangte man nun von ihm? Was sollte er mit dem Wissen anfangen und wie handeln?
Sollte er darum kämpfen sie trotz Jeans Entschluss sehen zu dürfen?
Sollte er versuchen trotz allem Kontakt aufzubauen?
Doch selbst wenn er es tat und Lily und Jean das zulassen würden, wollte er wirklich, dass seine Tochter IHN kennen lernte?
Er war ein Todesser. Mit ihm wollte niemand etwas zu tun haben und wenn er ehrlich war, wollte er auch nicht, dass irgendjemand etwas mit ihm zu tun hatte. Er war eine Gefahr für andere. Er zerstörte Leben auf die unterschiedlichsten Arten. Ganz sicher wünschte sich kein Mädchen einen Vater wie ihn.
Damit stand sein Entschluss fest: Er würde es nicht tun.
Er würde diesen Brief vergessen und sein Leben als treuer Diener des dunklen Lords weiter leben, als hätte es diese Zeilen nie gegeben.
Ein Gedanke nur und der Brief samt dem Pergament mit Lilys weicher Schrift gingen vor seinen Augen in Flammen auf. Draußen ging gerade die Sonne auf und kündigte einen freundlichen dritten Advent an, während Severus sich die Stufen zu seinem Zimmer hinauf schleppte und versuchte zu vergessen.
Er musste seine Vergangenheit fahren lassen und sich durch die Gegenwart kämpfen. Das war der Weg, den er eingeschlagen hatte und nun musste er ihn zu Ende gehen.
...
Lasst doch bitte eure Gedanken zu der Story da. LG Liesl Snake
