Kapitel 2

Beim Abendessen war Harry ziemlich schweigsam. Er hatte seinen Kindern, die natürlich sehr überrascht waren, dass Scorpius nicht mehr da war und sie sich nicht hatten verabschieden können, wahrheitsgemäß berichtet, dass Draco gekommen war, um ihn abzuholen. Sie waren zwar enttäuscht und ein bisschen sauer auf Draco gewesen, doch hatten nicht weiter nachgefragt. Warum hätten sie auch an den Worten ihres Vaters zweifeln sollen? Sie hatten keinen Grund. Sie vertrauten ihm.

Harry fühlte sich schlecht. Und…er vermisste seinen Scorpius schon jetzt.

Doch übermorgen sah er ihn wieder. Er freute sich, gleichzeitig hatte er furchtbare Angst, denn die Welt seiner Kinder würde auseinander brechen, wenn er ihnen am Sonntag eröffnen würde, dass er eine sexuelle Beziehung mit einem Mann hatte…mit ihrem Freund. Doch es ging nicht anders. Er hatte sie niemals belogen, und das würde er auch in Zukunft nicht. Und er wollte wiederum Scorpius nicht zumuten, mit ihnen in Hogwarts Tag für Tag umzugehen, und dieses Geheimnis mit sich herumzutragen.

Den Samstag bemerkte er kaum, viel zu schnell war er vorbei und am Sonntagmorgen fühlte er sich krank. Er überlegte, ob es vielleicht doch besser für alle wäre, wenn er einfach im Bett liegen bliebe. Doch ihm wurde schnell klar, dass wohl alles nichts half.

Nach dem Frühstück, bei dem er sich entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten mit einem trockenen Toast und einer Tasse Kaffee begnügte, setzte er sich ins Wohnzimmer, denn ihm war aufgefallen, dass er Draco gar keine Uhrzeit gesagt hatte, zu der Scorpius hierher kommen sollte. Also wartete er neben dem Kamin auf den Jungen, der ihm den Verstand raubte.

Das Mittagessen ließ er ausfallen, seine Kinder aßen ohne ihn in der Küche. Inzwischen schüttelten sie bereits die Köpfe über das Verhalten ihres Vaters. Längst hatten sie bemerkt, dass etwas nicht stimmte.

Harry hatte sich schnell einen Apfel und ein Wasser aus der Küche geholt und sich wieder neben dem Kamin platziert, als plötzlich grünliche Flammen darin erschienen und Augenblicke später ein anbetungswürdiger Scorpius Malfoy ins Zimmer trat. Die schmale dunkle Jeans und das dunkelgrüne Poloshirt sahen so hinreißend an ihm aus – und noch mehr war Harry davon fasziniert, dass er wusste, welch wundervolle Sünde unter diesen Kleidern verborgen war…Scorpius sah sich kurz um, sah, dass sie allein waren und schenkte Harry ein strahlendes Lächeln, das ihn all seine Sorgen vergessen ließ. Nur noch dieser hübsche Junge war wichtig. Er erhob sich und trat zwei Schritte auf ihn zu, zögerte dann. Doch Scorpius zögerte nicht. Er überwand den letzten Raum zwischen ihnen und küsste Harry wild, fuhr mit seinen Händen über dessen Rücken und raunte ihm zu „Ich habe dich so vermisst…" Harry erwiderte die Umarmung „Ich dich auch, Scorpius." Schließlich lösten sie sich wieder voneinander.

„Du willst es ihnen sagen? Jetzt, ja? Ist es dir also wirklich ernst mir uns?"

„Ja."

Scorpius atmete tief durch. „Okay. Ich bin da. Wo sind die anderen?"

Kurze Zeit später saßen Harry und der Malfoy-Erbe jeweils in einem der Sessel im Wohnzimmer, zwischen ihnen auf dem Sofa der Potter-Nachwuchs.

Albus war irritiert, denn als er seinen besten Freund freudig begrüßt hatte, hatte dieser irgendwie zurückhaltend reagiert.

Harry räusperte sich, blickte zu seinem Geliebten, dieser nickte leicht und lächelte ihm ermutigend zu.

„Ich muss euch was Wichtiges mitteilen. Also eigentlich wir..." Er deutete in Scorpius' Richtung und verwirrte seine Kinder damit jetzt vollends.

„Was denn, Dad?" fragte James nun, langsam misstrauisch geworden. Das letzte Mal als so mit ihnen gesprochen wurde, hatten ihre Eltern ihnen mitgeteilt, dass sie sich scheiden ließen.

„Ich..also wir…wir haben in der Zeit wo Scorpius hier war viel Zeit miteinander verbracht. Und, naja, wie haben uns gut verstanden." Dies sagte er, als sein nun bereits alles klar, doch alle vier Jugendlichen sahen ihn ziemlich entnervt an.

„Ja, aber warum musst du uns das hier so offiziell mitteilen?" hakte Albus nun nach. Es war doch schön, wenn sein Vater und sein bester Freund sich gut verstanden.

„Ähm, naja, also wir haben festgestellt, dass wir uns gerne haben. Ziemlich gerne…" Er schloss kurz die Augen. Merlin war das erbärmlich, was er hier ablieferte.

James runzelte die Stirn, sah Scorpius forschend an, der den Blick vor dem älteren Jungen senkte.

Albus und Lily saßen noch immer völlig arglos da.

„Scorpius und ich haben uns dazu entschlossen…also wir haben uns recht gut kennen gelernt…und wollen jetzt eine B-Beziehung…miteinander …ähm…führen."

Lily sah ihn noch immer verwirrt an, während aus Albus Gesicht inzwischen alle Farbe gewichen war.

Lily fragte „Hä? Was für eine Beziehung?"

„MAN, CHECKST DU'S NICHT, LIL? SIE FICKEN MITEINANDER!" brüllte Albus nun völlig außer sich.

Scorpius, der noch immer den Kopf gesenkt hielt, lief knallrot an, selbst seine Ohren schienen zu leuchten. Harry sah jedoch nicht viel besser aus.

Mit aufgerissenem Mund und großen Augen blickte das rothaarige Mädchen nun den älteren Bruder an „Was? Wie?" sie wandte sich ihrem Vater zu „Dad, das stimmt doch nicht, oder? Sag, dass du das nicht machst…mit Scoop!" Fast mitleidig sah sie kurz auf den Jungen, der das Gesicht in den Händen verborgen hielt. Ihr Vater konnte ihr kaum in die Augen sehen, doch er nickte. ER NICKTE! Sie sprang auf, Tränen liefen ihr über das gerötete Gesicht „DAD, DU WUSSTEST DOCH, DASS ICH…UND…IHGITT…" Damit rannte sie aus dem Zimmer. Sie hörten oben noch eine Zimmertür knallen, dann war es ruhig.

„Das ist nicht euer Ernst, oder? Dad? Du fickst nicht Scorpius, oder? Meinen besten Freund? Das ist doch…ekelhaft. Du bist alt…"

Angewidert sah er zwischen seinem Vater und dem jungen Malfoy hin und her, der zusammen gesunken in seinem Sessel saß und versuchte, nicht dem fast übermächtigen Drang nachzugeben und einfach wegzulaufen. Die Situation war noch furchtbarer, als er sie sich vorgestellt hatte.

„Albus, jetzt beruhige dich doch erstmal. Wir können doch darüber reden."

„REDEN? WILLST DU MIR GENAU DIE STELLUNGEN ERKLÄREN, ODER WAS?"

„Albus. Jetzt komm mal wieder runter. Und red nicht so vulgär mit mir. Mit uns."

„ABER ES STIMMT DOCH!" er brüllte noch immer.

„Dad, du bist echt abartig. Und du…" er wandte sich an den anderen Slytherin, der zaghaft aufsah, als er bemerkte, dass er angesprochen wurde „bist jawohl das Allerletzte! Schleichst dich hier ein und machst meine Familie kaputt! Lässt dich von meinem Vater… urghhh…Du bist ekelhaft!"

Damit war für ihn die Aussprache beendet. Er erhob sich, warf seinem Vater einen abfälligen Blick zu und blieb vor Scorpius kurz stehen „Such dir einen neuen Freund du widerlicher…" „ALBUS! ES REICHT JETZT!" brauste Harry nun auf. Dass sein Sohn sich derart echauffieren würde, damit hatte er nicht gerechnet. Mit einem abfälligen Schnauben verließ der Junge das Zimmer.

Harry sah nun zu dem Sofa, auf dem nur noch sein Ältester saß.

„Und du?" fragte er vorsichtig, inzwischen vorgewarnt und auf das Schlimmste gefasst.

„Was soll ich jetzt sagen, Dad? Ich bin…ich weiß nicht…ich meine, ihr hattet echt SEX? Das ist … bähhh…Scoop, wie kannst du mit einem Mann schlafen, der so alt ist, wie dein Vater?"

Der Blonde sah zögernd James in die Augen und sagte leise und ernst „Ich liebe ihn…"

James Potter sah Scorpius lange an, dann wandte er seinen Blick wieder Harry zu „Und du? Liebst du ihn auch? Er könnte dein Sohn sein!"

„Er ist aber nicht mein Sohn. Er ist einfach ein gut aussehender junger Mann…zu dem ich mich sehr hingezogen fühle."

James nickte. „Weiß Mum schon davon…und dass du schwul bist?"

Harry schüttelte den Kopf. Hocherfreut, dass wenigstens eines seiner Kinder nicht völlig ausrastete. Auch wenn er die Reaktionen verstehen konnte. Doch James hatte Recht, Ginny musste es auch erfahren. Bei Merlins Bart…sie würde ihn sicher umbringen.

„Na dann möchte ich nicht in der Nähe sein, wenn du ihr das sagst!" Er grinste hämisch in Harrys Richtung.

„Dann hast du nichts dagegen…also du findest es nicht eklig?" fragte Scorpius ihn nun mit banger Stimme.

James schien zu überlegen „Naja, also gut finde ich es nicht. Es ist schon ziemlich abgedreht. Aber…wenn ihr damit umgehen könnt, in Zukunft überall angeglotzt zu werden. Dad als der alternde Typ, der sich den niedlichen jungen Bengel ins Bett holt und du als der Malfoy, der sich in Helden-Potters Bett einschleicht…bitte. Das wird in Hogwarts für mächtig Wirbel sorgen. Ich glaube nicht, dass sich das geheim halten lässt. Leider. Und dann die Zeitungsartikel!" Er schüttelte den Kopf. „Naja, dann seht mal zu, wie ihr das mit Al du Lil wieder hinkriegt. Die sahen beide ziemlich wütend aus. Ach und Scoop, Lily ist übrigens in dich verknallt."

Er stand auf, kratzte sich am Kopf und sagte dann „SO, ich muss noch ein bisschen lernen. Wird ja das letzte Schuljahr und so…"

Scorpius und Harry waren allein. Harrys heile Welt war dahin. Alles war irgendwie anders.

Er sah auf den Grund vor sich, aus dem er das alles auf sich nahm…er sah sexy aus, wie er da so in seinem Sessel saß – obwohl, irgendwie sah Scorpius für Harry immer sexy aus. Das war wohl mal wieder das verflixte Veela-Gen. Harry schmunzelte. Es tat ihm leid, dass er Scorpius gebeten hatte bei dem Gespräch dabei zu sein. Eigentlich war sein Gedanke gewesen, dass Scorpius sich ernst genommen fühlen sollte. Dass er als sein Partner dabei sein sollte…doch das war ziemlich nach hinten losgegangen. Er hätte das hier nicht mitbekommen müssen. Besorgt sah Harry den Jungen an, der scheinbar mit den Tränen kämpfte. Himmel, was tue ich ihm nur an? Harry stützte den Kopf auf die Hände.

„Es tut mir leid, Harry."

Der Kopf des Angesprochenen ruckte hoch und sein Blick traf zwei um Verzeihung heischende graue Augen. „Ich wollte das nicht. Ich wollte nicht eure Familie kaputt machen. Ich liebe dich. Und ich habe Al, James und Lily gerne…am besten vergessen wir das alles."

Er stand auf, als wolle er direkt in den Kamin gehen und nach Hause flohen.

„Komm her, Schatz." forderte Harry den Jungen auf, der völlig aufgelöst wirkte.

Zögernd trat Scorpius auf ihn zu, Harry erhob sich, drückte den blonden Jungen in den Sessel, kniete sich davor und nahm dessen Hände in seine.

„Was tut dir leid?"

„Das hier alles!"

„Auch das mit uns?"

„Nein."

„Dann ist es gut. Alles andere kriegen wir hin. Ich bekomme das hin. Du kannst nichts dafür und musst auch nichts tun."

„Ich bin mindestens genauso schuld wie du. Ich habe dich verführt…du wolltest ja eigentlich gar nicht…"

„Dann wollte ich dich aber. Nur das zählt. Ich will dich noch immer. Wir schaffen das."

Er legte seinen Kopf auf Scorpius Schoß, schlang seine Arme um die schmale Taille und schloss die Augen. Langsam bemerkte er, wie Scorpius begann, durch seine Haare zu streicheln, kuschelte seinen Kopf dichter an ihn und gab ein Zwischending zwischen Schnurren und Brummen von sich, das Dracos Sohn zum Lächeln brachte.

„Wirst du mit ihnen reden?" fragte Scorpius nun seinen Freund, denn er machte sich Sorgen um Albus und Lily. Beide hatten so wütend ausgesehen. Harry nickte mit geschlossenen Augen in seinem Schoß und presste sich noch näher an den Jungen, wollte ihn festhalten. Wollte, dass er ihn festhielt. Dabei bedachte er nicht, dass er gerade ziemlich intensiv auf dem Schoß eines Sechzehnjährigen herumrutschte, der auf ihn stand, und er bemerkte prompt die Wirkung, die er damit erzielte an seiner Wange. Er grinste und fuhr mit einer Hand Scorpius Oberschenkel hinauf „Na na, wer kann sich denn da schon wieder nicht beherrschen! Mr. Malfoy, was soll ich denn nun davon halten?"

Etwas peinlich berührt, dass Harrys Gekuschel solch eine körperliche Reaktion bei ihm ausgelöst hatte, und dieser es auch noch bemerkt hatte, versuchte er, sich etwas zu drehen, damit Harry nicht mehr direkt mit seinem Kopf auf dem Beweisstück A lag, doch der Ältere hielt ihn fest. Er hob den Kopf und grinste noch immer, jetzt ziemlich süffisant. Inzwischen lagen seine beiden Hände auf den Oberschenkeln von Scorpius und fuhren weiter nach oben. Der Blonde griff Halt suchend nach den Armlehnen und starrte Harry an. Was hatte er vor? Als eine seiner Hände nun sanft auf den Schritt des jungen Malfoy glitt, schloss dieser die Augen und konnte seinen Körper nicht daran hindern, sich der Hand entgegenzudrücken. Harry beugte sich vor und küsste die einladend geöffneten Lippen vor sich, ließ seine Zunge in den weichen Mund gleiten.

Scorpius seufzte auf, öffnete kurz die Augen und zuckte zusammen, als er Albus in der offenen Tür stehen sah. Harry hatte ihn noch nicht gesehen, denn er kniete mit dem Rücken zur Tür vor ihm. Hastig schob Scorpius Harry von sich weg, lief knallrot an und sah panisch, wie sein bester Freund nach einem angeekelten Blick wieder ins obere Stockwerk verschwand.

„Was ist los?" fragte Harry erschrocken „Habe ich dir weh getan?"

„Nein…da war Al…er hat uns gesehen. Verdammt." Er hieb nun mit der Faust auf die Armlehne des Sessels und fuhr sich dann durch die hellen Haare. Harry war inzwischen aufgestanden und sah ihn entsetzt an „AL? Scheiße…" Er biss sich auf die Lippe. Verdammt – wieso musste dieser Junge…sein fester Freund …wie das klang! – nur immer so verführerisch sein, dass er sich nicht zu beherrschen im Stande war? Nun ja, er kannte die Antwort inzwischen. Trotzdem, vor seinem Sohn mit dessen Schulfreund rumzumachen war wohl seine bisherige Meisterleistung der Peinlichkeit!

Er atmete tief durch und räusperte sich „Ich denke ich gehe mal zu ihm."

„Nein, lass mich mit ihm reden. Er ist mein bester Freund. Geh du zu Lily, der sollte ich wohl besser nicht unter die Augen treten!"

Harry nickte „Okay, wenn du es so möchtest. Aber Schatz, sei nicht enttäuscht, wenn er nicht sofort mit dir sprechen will. Er ist manchmal ganz schön trotzig…sturköpfig geradezu…ich fürchte, das hat er von mir."

Scorpius lächelte, stand auf und küsste ihn kurz auf den Mund „Ich weiß, Harry, ich kenne Al auch ziemlich gut. Ich bin wie du weißt seit Jahren sein bester Freund. Ich hoffe, ich bin es jetzt auch noch…"