Vers zwei

- verrat -

Ich wurde von Jeels Bellen geweckt und setzte mich auf. Iona rührte sich neben mir und suchte fragend meinen Blick. Besorgt legte sie mir die Hände auf die Schultern. „Was ist mit ihm? Dein Hund ist ja völlig außer sich", hauchte sie.

Ich zuckte mit den Schultern und stand dann auf. Mein vierbeiniger Freund schritt wütend knurrend vor der Tür auf und ab, dann bellte er wieder.

„Ich werde ihn in den Wohnraum bringen. Ist schon gut, mein Junge. Was immer da war, es ist weg."

Doch er ließ sich einfach nicht beruhigen. Sein Knurren wurde sogar bösartiger und tiefer. Mittlerweile hatten sich seine kurzen Nackenhaare bürstenartig aufgestellt. Sein Verhalten gefiel mir immer weniger.

„Vielleicht ist ja etwas geschehen?", sinnierte ich leise.

„Mir war vorhin, als hätte ich einen Schrei gehört, doch jetzt ist alles ruhig. Ich werde mal nachschauen", meinte sagte sie.

Bevor ich sie zurückhalten konnte, öffnete sie schon die Tür und nur wenig später ragten drei Pfeilschäfte aus ihrer Brust und sie sank tot zu Boden.

„Nein! Iona!"

Lange konnte ich mich meinem Entsetzen nicht hingeben, denn ich musste mich nun darum kümmern, selbst am Leben zu bleiben. Ein Soldat stürmte mit gezogenem Schwert auf mich ein. Ich taumelte zurück und wäre fast gestürzt. Doch Jeel warf sich gegen den Krieger und riss ihn zu Boden. Ich hechtete zur Seite und bekam meine Schwerter zu fassen. Keinen Moment zu spät. Zwei weitere Soldaten drangen vor und ein Pfeil schnitt nur wenig um Haaresbreite an meinem Ohr vorbei.

„Jeel! Greif dir den verfluchten Schützen!", wies ich meinen Hund an.

Knurrend stürzte er sich auf den Bogenschützen und zerfetzte ihn. Derweilen kümmerte ich mich um die beiden Nahkämpfer, was nicht unpassender hätte sein können - ganz ohne einen Fetzen Stoff am Leib! Ich hatte nichts, was mich von den Angriffen schützte.

Nur mit Mühe war den beiden beizukommen, das konnte nur bedeuten, dass es sich um ausgebildete Soldaten handelte. Den Streich des einen wehrte ich ab und trat ihm gegen den Brustkorb. Im nächsten Moment fuhr ich herum und versenkte eines der Kurzschwerter von oben direkt in die Halsbeuge meines Angreifers, sodass er zusammenbrach.

Als ich mich dem anderen zuwenden wollte, hob dieser gerade zu einem gewaltigen Schlag an und die Klinge sauste auf mich nieder. Da schnellte ein Pfeil heran und durchstieß den Schädel des Mannes. Der Kerl ging sofort zu Boden. Ich blickte hinter mich und erkannte meine Mutter mit schussbereitem Langbogen.

Sie lief mir in die Arme, dann nahm sie mein Gesicht zwischen ihre Hände und blickte mich besorgt an.

„Bist du verletzt mein Schatz?", fragte sie.

Ich schüttelte grimmig den Kopf.

„Das wollte ich dich auch gerade fragen, Mutter. Diese Bastarde haben Iona getötet!", knurrte ich und ballte die Fäuste.

„WAS! Das Elfenmädchen! Warum? Das ist ja entsetzlich! Trotzdem ... dem Erbauer sei Dank! Du bist unverletzt", seufzte sie und ihre Stirn sank erleichtert an meine Brust.

„Hast du ihre Schilder gesehen? Das sind alles Howes Männer! Ich verstehe das nicht!", rief sie.

Ich war so von mir selbst enttäuscht, sie nicht beschützt zu haben, dass ich am liebsten im Boden versunken wäre. Sie hatte mir vertraut und ich hatte sie im Stich gelassen.

Ich knirschte mit den Zähnen.

„Das ist doch vollkommen klar! Der Arl hat uns verraten! Das hat er alles von Anfang an geplant. Die Verspätung seiner Truppen und alles andere. Er hat damit gerechnet, dass Vater Fergus vorausschicken würde, und hat die Situation ausgenutzt. Gerade jetzt, wo wir am schwächsten sind, schlägt er zu! Dieser verfluchte Verräter!", zischte ich.

„Was? Aber warum hat er das getan? Hast du deinen Vater gesehen? Er kam nicht zu Bett", meinte meine Mutter etwas panisch.

„DAS ist eine gute Frage... Nein, ich war die ganze Zeit in meiner Kammer. Aber vielleicht ist er mit Arl Howe aufgeblieben? Wir sollten noch nach Oriana und Oren sehen."

Sie sah mich erschrocken an.

„Beim Erbauer! Du hast recht! Was wenn sie vor uns da waren ...?", flüsterte sie entsetzt.

„Daran will ich jetzt nicht denken. Lass uns gehen."

Ich schlüpfte in meine Lederrüstung und sofort machten wir uns auf den Weg zum Wohnbereich meines Bruders und seiner Familie. Je näher wir kamen desto enger wurde mir das Herz.

Als ich sah, das die Tür offen stand und bekam furchtbare Angst vor dem, was mich dort erwarten würde.

Mit gezogener Klinge schlich ich näher. Meine Mutter spannte ihren Bogen. Jeel knurrte leise und schritt angriffsbereit auf die Tür zu. Allerdings war alle Vorsicht völlig umsonst. Das Grauen erwartete uns, als ich in die Räumlichkeiten von meinem Bruder trat. Im Wohnraum lagen genau drei Leichen auf dem blutbesudelten Steinboden.

Oriana, Oren und einer unserer Wachen. Sie wurden bestialisch dahingemetzelt. Tränen schossen mir in die Augen. Ich war völlig entsetzt und konnte es einfach nicht glauben. Meiner Mutter ging es ähnlich.

„NEIN! Mein armer kleiner Oren. Wer metzelt Unschuldige nieder? Oh armer Fergus! Sie nehmen nicht mal Geiseln, sie wollen uns alle töten! Lass uns gehen, ich will das nicht sehen!", schluchzte sie.

Ich zitterte vor Wut. Wie konnte Howe das nur tun! Er hatte gemeinsam mit meinem Vater gegen die Invasoren aus Orlai gekämpft! Sie waren Waffenbrüder und … Freunde gewesen! Dieser Mann hatte mich auf den Armen gehalten, als ich noch klein gewesen war. Ich hatte mit seinen Kindern gespielt und nun das! Was war in ihn gefahren? Mein Hass auf diesen verdammten Bastard wuchs ins Unermessliche.

„Dafür wird er bezahlen ...", grollte ich, ballte dabei vor Wut bebend die Fäuste und rauschte aus dem Raum.

Meine Mutter hielt mich bestimmt zurück und sah mich eindringlich an. „Was hast du jetzt bitte vor, Vandien?"

„Ich werde mir Howes Kopf holen! Was denkst du denn?", knurrte ich und riss mich wütend von ihr los.

Erneut packte sie meinen Arm. Erst jetzt merkte ich, wie sehr sie am ganzen Leib zitterte ... aus was für Gründen auch immer. Viele kamen in Frage. Doch ich vermutete, dass es die Angst, um meinen Vater war.

„Bitte sei kein Dummkopf, mein Sohn! Was kannst du schon gegen Rendon und all seine Mannen alleine ausrichten? Du bist kein Schwächling und deine Klingen führst du wie kein anderer, aber selbst du kannst es nicht gegen sämtlich Männer von Howe aufnehmen."

Meine Züge verhärteten sich. Wieder dieses Gefühl der … Hilflosigkeit. Wie vorhin bei Iona.

„Aber irgendetwas müssen wir doch tun können, Mutter! Wir können ihn doch nicht einfach davon kommen lassen! Er muss zur Rechenschaft gezogen werden!", erwiderte ich fast schon verzweifelt.

„Bleib am Leben! Fliehe von hier und deine Zeit wird kommen! Hab Geduld, mein Schatz. Als erstes müssen wir deinen Vater finden und dann verlassen wir diesen Ort. Gemeinsam. Er wartet bestimmt beim Gesindeeingang auf uns. Von dort können wir das Schloss ungesehen verlassen."

Ich nickte.

Natürlich hatte meine kluge Mutter recht mit allem, was sie sagte. Überleben war wichtig, meinen Vater zu finden noch wichtiger, also musste meine Rache warten. Auch wenn es mir in meinem momentan überhitzten Gemütszustand wirklich sehr schwer fiel, die Segel zu streichen und wie ein Feigling zu fliehen. Ich holte tief Luft und gab schließlich widerwillig nach: „Lass uns gehen."

Wir liefen in Richtung Empfangshalle. Der eigentlich Weg zur Küche und dem Dienstbotengang war von brennenden Trümmern versperrt, also mussten wir den Umweg in Kauf nehmen. Unterwegs lief uns ein Diener entgegen. Voller Angst und panisch um sein Leben laufend.

„Wir werden angegriffen, Herr! Wir müssen fliehen!", jammerte er.

„Feigling! Bleibt und kämpft!", herrschte ich ihn an und tatsächlich blieb er stehen und rang um Fassung.

„J - jawohl, Herr!", stammelte er und schloss sich uns eher unfreiwillig an.

Schon kamen uns weitere feindliche Soldaten waffenschwingend entgegen und verwickelten uns in einen wilden Kampf. Ich blockte einen Klingenstreich des Howe-Soldaten, wuchtete ihn zurück, was den Mann zum Taumeln brachte. Dann rammte ich ihm die Schneide bis zum Heft in den Leib. In einer Drehung schlug ich dem Nächsten den Kopf von den Schultern.

Ein Dritter griff mich an und das auch noch von hinten. Ich konnte nicht schnell genug reagieren, um den Schlag aufzuhalten, doch mein treuer Hund erledigte das in Sekunden. Knurrend stürmte Jeel auf meinen Angreifer zu, riss ihn mit seinen knapp 180 Pfund Lebensgewicht zu Boden und zerfleischte ihn.

So kämpften wir uns weiter, bis meine Mutter mich abermals zurückhielt und ausrief:

„Vandien! Warte bitte einen Augenblick. Bevor wir weiter gehen, müssen wir noch schnell zur Schatzkammer!"

Ich drehte mich ungläubig um. „Was …! JETZT! Meinst du das etwa ernst?"

Ihr Gesicht konnte ernster nicht sein. Todernst. „Es ist wichtig. Wir müssen das Familienschwert und den dazu gehörigen Schild unbedingt mitnehmen. Diese Dinge dürfen Randon einfach nicht in seine verlogenen Hände fallen!"

Sie hatte Recht!

„Dann los!"

Es dauerte nicht lange und wir waren dort. Meine Mutter reichte mir den Schlüssel und ich sperrte auf. Schnell erspähte wir den Ständer meines Vaters Rüstung und neben ihr lagen präsentiert besagtes Schwert und Schild. Unser Familienschatz. Damit waren die Cousland seid jeher in die Schlacht gezogen und siegreich heimgekehrt.

Als Helden Fereldens.

Der Empfangssaal war nicht weit entfernt und als wir eintraten stolperten wir in einen Kampf zwischen Ser Gilmore, einigen unserer Ritter und den Kriegern des feindlichen Hauses. Diesmal war sogar eine Magierin bei ihnen. Auf diese stürzte ich mich sogleich, damit sie nicht auf die Idee kam irgendwelche Heilzauber zu wirken.

Sie entdeckte mich und sprach einen Fluch, doch wiedermal war Jeel mir ein wunderbarer Waffenbruder und verbiss sich in ihrem Arm. Sie schrie auf und ich stach zu, lautlos sackte sie zusammen und ich konnte mich meinem nächsten Gegner widmen.

Diese Auseinandersetzung entschieden wir für uns und konnten endlich einen Augenblick verschnaufen. Ser Gilmore kam sofort auf uns zugelaufen, wies währenddessen seine Männer an das Haupttor zu verbarrikadieren.

„Dem Erbauer sei Dank! Euch geht es gut! Ich habe mir Sorgen gemacht. Ich dachte die Soldaten währen bereits zu Euch durchgebrochen! Seid ihr verletzt?"

Ich wischte seine Besorgnis mit einer Handbewegung weg. „Sie SIND zu uns durchgebrochen! Sie haben Oriana und Oren wie Vieh niedergemetzelt! Habt Ihr meinen Vater gesehen?"

„Bei Andraste! Das ist ja furchtbar! Diese Bastarde! Ja, Herr! Er war allerdings schwer verletzt. Der Graue Wächter hat ihn hergebracht, doch er wollte euch unbedingt suchen. Er muss beim Gesindeeingang auf euch warten. Flieht, solange wir Howes verräterische Rotte noch aufhalten können. Wir werden nicht mehr lange standhalten und dann müsst ihr fort sein! Lebt wohl!", rief der Ritter und drehte sich zum Gehen um.

„Ser Gilmore!"

Er sah fragend zu mir zurück.

„Möge der Erbauer über Euch wachen!", sprach ich rasch aus.

Der junge Mann nickte. „Möge er über und alle wachen. Es war mir eine Ehre den Couslands zu dienen."

Mit diesen Worten wirbelte er endgültig herum, um seine Männer zu unterstützen. Sekundenlang blickte ich auf seinen Rücken und erinnerte mich daran, wie oft wir gegeneinander gestritten hatten. Wie wir miteinander gelacht und getrunken hatten. Es sollte das letzte Mal sein, dass ich diesen jungen Ritter sah.

Ich packte meine Mutter und zog sie mit. Wir durften keine Zeit mehr verlieren!

Eben lief ich an der Leiche des Dieners vorbei, der uns bis hierher begleitet hatte und eine Woge der Bitterkeit und Trauer übermannte mich. Es war meine Schuld, dass er nun hier in seinem eigenen Blut lag. Hätte ich ihn doch bloß gehen lassen! Aber für Reue war es zu spät.

Es kam noch zu der einen oder anderen Auseinandersetzung, allerdings waren diese nicht der Rede wert und schnell hatten wir unser Ziel erreicht. Meine Mutter und ich stolperten in die Speisekammer, wo der Gesindeeingang war und erstarrten entsetzt in der Bewegung, als wir meinen Vater sahen. Es hatte ihn wirklich schlimm erwischt.

„Bryce!"

„Vater!"

Schnell hasteten wir zu ihm und meine Mutter warf sich sofort neben ihm auf die Knie.

„Da ... seid ihr ja endlich ...!", stammelte er und erbrach hustend einen Schwall Blut.

„Was ist bloß geschehen?", raunte meine Mutter ihm mit zitternder Stimme zu.

Mein Vater stöhnte schmerzhaft auf, bevor er antwortete. Das Reden kostete ihn sehr viel Kraft.

„Ich ... plötzlich war ich ... von Howes … Soldaten ... umzingelt. Sie ... sie ... hätten mich ... fast umgebracht. Doch Duncan ... er ... kam zur ... rechten Zeit!"

„Komm Vater. Wir müssen dich hier raus schaffen und zwar schnell! Ser Gilmore wird sie nicht mehr lange aufhalten können."

Er schüttelte bestimmt den Kopf.

„Nein! Lasst mich hier zurück! O - ohne mich ... habt ihr eine bessere Chance ... zu fliehen!", flüsterte er und stöhnte qualvoll auf.

„Das kommt gar nicht in Frage! Du wirst das schon schaffen! Notfalls werde ich dich tragen!", knurrte ich bestimmt.

„D - dann ... passt auf ... das ihr nichts ... von mir verliert!"

Ich sah ihn fassungslos an. Wie konnte mein dummer Vater in dieser Situation auch noch dumme Witze reißen! Das machte meine Mutter ihm auch gleich noch klar.

„Das ist nicht witzig, Bryce!", fuhr sie ihn erbost an.

Ich hockte mich hin und legte mir seinen Arm um die Schulter, doch als ich ihm aufhelfen wollte schrie er schmerzerfüllt auf und hustete wieder Blut. Sofort legte ich ihn ab.

„Es ... es geht nicht ... ich ... kann einfach nicht mehr ... flieht ohne mich! Noch ... ist Zeit!"

„Ich fürchte der Teyrn hat recht."

Meine Eltern und ich blickten auf, als die bekannte Stimme ertönte und Duncan zu uns kam. Blutbefleckt steckte er gerade sein Schwert zurück und kniete sich mit zu uns.

„Duncan? Ihr seid noch da? Habt Dank, dass Ihr meinen Vater beschützt habt."

„Glaubt Ihr ernsthaft ich würde Euch Eurem Schicksal überlassen? Doch ich fürchte Euer Dank kommt etwas verfrüht, es ist noch nicht vorbei ...", sagte der Mann.

„Duncan! Ich weiß ... das Ihr mir nichts schuldig seid... Aber … ich flehe Euch an ... nehmt meine Frau ... und meinen Jungen mit ...! Helft Ihnen ... bei der Flucht ...!"

Ich sah meinen Vater entsetzt an und begehrte sofort auf:

„Was? Schlag dir das aus dem Kopf, Vater! Ich werde hier nicht ohne dich weggehen!"

„Ich werde tun, worum Ihr mich gebeten habt, aber dafür verlange ich eine Gegenleistung. Ich kam nach Highever, um einen neuen Rekruten für die Wächter zu finden und ich DARF einfach nicht mit leeren Händen zurückkehren!", stellte der Graue Wächter die Bedingung.

Es herrschte einen Moment Schweigen. Ich blickte verwirrt von einem zum anderen. Mir gefiel die Richtung, in die dieses Gespräch verlief, ganz und gar nicht.

„Ich ... verstehe ...", entgegnete mein Vater mit leicht gebrochener Stimme.

„Moment mal! Redet ihr etwa von mir?", rief ich und schluckte.

Was war bitte gerade geschehen? Hier war gerade über meinen Kopf hinweg entschieden worden, dass ich ein Grauer Wächter werden sollte. Doch solange es meine Eltern rettete, war ich zu allem bereit, daher stimmte ich sofort zu: „Ihr ehrt mich, Duncan."

„Bryce … bist du dir sicher?", fragte meine Mutter vorsichtig.

Er nickte und antwortete schwach:

„Unser Sohn ... kann Gutes tun, anstatt hier ... durch Howes Verrat ... zu sterben ..."

Das erschreckte mich zutiefst.

„Mein Mann hat Recht ... bringt unseren Sohn hier raus. Aber Bryce! Verlange nicht von mir, dass ich dich hier alleine zurück lasse!"

Mein Vater und ich sahen zu ihr.

„Mutter, nein ..."

„Eleanor ...", flüsterte mein Erzeuger bestürzt.

„Diskutiere nicht mit mir, mein Liebster! Bis, dass der Tod und scheidet! Erinnerst du dich noch an diesen Schwur? Ich habe nicht vor, den zu brechen. Ich schwöre ... ich werde jeden einzelnen, der durch diese Tür kommt, töten, um ihnen Zeit zu verschaffen. Aber ich werde nicht von deiner Seite weichen, Bryce. Niemals!"

„WAS? Dann vergesst das mit den Wächtern! Ich werde euch doch nicht hier den Wölfen zum Fraß vorwerfen!"

Da umgriff Vater mein Kinn und zwang mich ihn anzusehen. „Du bist ein Cousland, Sohn! Wir erfüllen stets unsere Pflicht! Das darfst du niemals vergessen. Geh! Warne Fergus! Ihr seid die zwei letzten Erben unseres Geschlechts. IHR! Müsst leben und Howe zur Rechenschaft ziehen!"

Ich schüttelte den Kopf, so gut es eben ging.

„Verlangt das nicht von mir ... bitte zwingt mich nicht dazu, euch hier zum Sterben zurückzulassen ...", flüsterte ich verzweifelt und kämpfte schon mit den aufkommenden Tränen. Das durften sie einfach nicht von mir verlangen ... ich konnte das nicht. Sie hatten kein Recht, mich dazu zu zwingen!

„Kümmere dich nicht um uns und werde ein Grauer Wächter, mein Kind. Wir hatten ein gutes Leben, immerhin durften wir dafür sorgen, dass zwei wundervolle Jungen das Licht der Welt erblickten und zu noch wundervolleren jungen Männern heranwuchsen. Mach uns stolz", flüsterte meine Mutter und legte die Arme um meinen Vater.

Dieser schluchzte leise auf.

„Es ... tut mir Leid …, dass es so gekommen ist, Van, mein Junge. Es ... tut mir so schrecklich Leid ..." Mein sonst so starker Vater verbarg schluchzend sein Gesicht in der Halsbeuge meiner Mutter.

Da krachte es so brutal, dass alle erschrocken zusammenzuckten.

Duncan blickte sich mit gerunzelter Stirn um, das Geräusch war eindeutig aus der Haupthalle gekommen. Daran bestand kein Zweifel.

„Junger Lord Cousland! Lasst das Opfer Eurer Eltern nicht umsonst gewesen sein. Wir müssen gehen! Sofort!", drängte der der Krieger und packte meine Schultern.

Widerwillig erhob ich mich, ließ meine Eltern allerdings nicht aus de Augen. Sie sahen beide mit einem Lächeln auf, wie ich durch den Tränenschleier erkennen konnte.

„Ihr wisst gar nicht, wie sehr ich euch liebe ...", brachte ich gepresst hervor.

„Dann lebe ...", war das Letzte was ich von ihnen noch über das endgültige Splittern des Tores hinweg hörte, bevor mich Duncan mitzog und ich ihm folgte.

Als Duncan und ich weit genug weg waren, blickte ich noch ein Letztes Mal zurück. Tränen bahnten sich einen Weg und mit einem verzweifelten Schrei sackte ich auf die Knie, meine Finger gruben sich in das weiche Erdreich. Mein ganzer Leib bebte vor Wut.

„Dafür bezahlt er! Bei meinem Blut, dafür wird er bezahlen ..." schwor ich leise.

Eine kräftige warme Hand sank auf meine Schulter.

„Wir müssen gehen, mein Junge sonst wird sich dein eben geleisteter Schwur nicht erfüllen", flüsterte mir Duncan zu.

Ich schenkte meinem Zuhause einen letzten Blick und wischte mir mit dem Arm über die Augen.

In diesem Moment zersprang etwas in mir und war seit dem verschwunden. In dieser verhängnisvollen Nacht verlor ich alles, was mir je etwas bedeutet hatte. Vandien Cousland starb und an seiner statt wurde ein neuer Grauer Wächter geboren.

Vers zwei, ende

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