Kapitel 2 - Nick Stokes
"Scheiße. Jim! Was machen wir?" fragte der eine Typ panisch. "Nichts. Die Leute sind viel zu feig um einzugreifen" meinte Jim und riss mir die Kette vom Hals. Doch er hatte Unrecht. Der schwarze Wagen blieb stehen und ein Mann stieg aus. "Weg von der Frau" rief eine dunkle Männerstimmte. "Sagt wer?" lachte Jim den Mann aus und packte mich sogar noch ein bisschen fester. Tränen des Schmerzes rannen mir schon über die Wange. Der Mann trat ins Licht der Straßenleuchten und ich bekam einen leichten Schreck. Der Mann hielt eine Waffe auf die drei gerichtet und zeigte eine Dienstmarkte. "Das Gesetz, also lasst sie los wenn ihr nicht ins Gefängnis wollt" drohte er den Typen, die daraufhin los liefen. Jim ließ es sich aber nicht nehmen mich noch einmal zu Boden zu stoßen.
"Verdammt! Ma'am? Ist alles in Ordnung?" der Mann kniete sich neben mich und sammelte mit mir den Inhalt meiner Tasche auf, der verstreut auf der Straße lag. "Mein Name ist Amanda. Ja ist es und danke für Ihre Hilfe" sagte ich zu dem unbekannten Mann. "Ich bin Nick Stokes und keine Ursache. Das ist einerseits mein Job und ich kann außerdem keine Dame in Not ignorieren" lächelte er mich an. Täusche ich mich oder flirtete er mit mir? Ich hob meine Kette auf. Das Band war gerissen aber der Anhänger war heil.
"Kommen Sie" meinte Nick und gab mir die Hand um mich wieder auf die Beine zu ziehen. Meine Knie bluteten von der unsanften Landung. "Ich habe einen erste Hilfe Koffer, setzten Sie sich" Ich zog mich seitlich auf den Rücksitz während Nick mich verarztete. "Und Sie sind Polizist?" fragte ich ihn. "Nein nicht ganz, aber so etwas ähnliches" lächelte er bevor er mir zwei Pflaster auf die Knie klebte. "Okay" lachte ich, fragte aber nicht genauer nach. "So, danke, dass sie die Praxis von Dr. Nick besucht haben" scherzte er und packte den Koffer wieder weg. "Danke nochmal. Ich bin Ihnen wirklich etwas schuldig" "Ach nein. Ich fahr Sie noch nach Hause" "Nein Nick. Das müssen Sie nicht. Ich bin doch gleich zu Hause und Sie haben schon so viel getan" meinte ich und wollte schon gehen, doch Nick hielt mich auf. "Und wenn die Kerle noch da sind? Wenn sie warten bis Sie wieder alleine sind?" Sofort bekam ich wieder etwas Panik. "Okay" nickte ich. "Das ist wirklich sehr nett"
"Was machen Sie denn überhaupt um diese Zeit auf der Straße?" fragte er mich als wir in seinem Wagen saßen und zu mir fuhren. "Ich bin von der Arbeit nach Hause gefahren. Ich arbeite im Ceasers als Nacht-Rezeptionistin" erzählte ich ihm. "Das ist wirklich nicht weit weg, aber es reicht…" "..reicht um in Schwierigkeiten zu kommen" beendete ich Nicks Satz, worauf er nickte. "Genau"
Ein paar Minuten später standen wir vor meinem Haus. "Okay und zum gefühlten tausendsten Mal bedanke ich mich" lächelte ich ihn an. "Schon gut, aber wenn du jemals wieder in Schwierigkeiten kommst, egal wie spät es ist…" er kramte in seiner Jacke herum und gab mir eine kleine Karte. "..ruf mich bitte an" Es war seine Visitenkarte. "Werde ich machen. Noch einen schönen Tag" verabschiedete ich mich und ging zu meiner Tür. Als ich die Tür aufgeschlossen hatte stand der Wagen immer noch auf der Straße. Ich winkte Nick noch einmal und schloss dann die Tür hinter mir.
*~O~*
Ich machte mir in der Küche gerade ein Sandwich, während meine beiden Katzen mir um die Beine wuselten, da läutete mein Handy. Schnell ging ich ins Wohnzimmer um nachzusehen wer mich anrief. Akuma stand auf dem Display. Mein Vater. Meine Hand begann leicht zu zittern als ich den Namen las. Ich überlegte kurz ob ich abheben sollte, doch ich entschied mich dagegen und drückte auf abweisen. Kurz darauf bekam ich eine Nachricht auf die Sprachbox. Ich sackte auf meinem Couchsessel zusammen. Sollte ich es mir anhören? Nachdenklich biss ich mir auf die Unterlippe. Schnell wählte ich Mary-Anns Nummer. Sie war zwar wütend auf mich, aber ich brauchte nun meine Freundin. Doch sie hob nicht ab. Ich ruf noch ein paar Mal an, doch kein einziges Mal hob sie ab. Sie drückte mich aber auch nicht weg, oder drehte ihr Handy ab. Komisch.
Lange sah ich auf die Anzeige, dass ich eine neue Sprachnachricht hätte, bis ich mich entschied mir zumindest den Anfang anzuhören. "Amy? Äh, Hallo. Eigentlich bin ich mir nicht sicher was ich dir sagen soll. Nur, ich bin jetzt wieder zu Hause und … naja … ruf … ruf mich bitte an" Unglaublich. Fünf Jahre. Fünf Jahre hatten wir keinen Kontakt. Fünf Jahre hatte er Zeit sich zu überlegen was er mir sagt und das kam dabei raus? Mit einem Schrei warf ich mein Handy an die Wand, welches sich zerlegte. Mein Atem ging rasend schnell und ich war kurz davor zu weinen, als mich eine Kinderstimme davon abhielt.
"Tante Amy?" fragte meine kleine Nichte mit verschlafenen Augen. "Malika. Was machst du denn schon auf?" fragte ich die Kleine und wischte mir über die Augen. "Hast du geweint?" fragte sie mich und kletterte auf meinen Schoss . "Nein, ist schon alles in Ordnung, Süße. Hast du Hunger? Ich mach dir ein paar Pancakes" "Jaaah!" jubelte die sechsjährige und sprang wieder auf ihre Beine. Ich sah ihr kurz nach wie sie in die Küche lief und entdeckte dann meinen Bruder, Kinay, der in der Tür zum Wohnzimmer stand und mich mit wissendem Blick ansah.
Er und Malika lebten seit vier Jahren bei mir im Haus. Nachdem seine Frau umgebracht wurde hatte er seinen Lebenswillen verloren und seine Tochter litt sehr darunter. Also habe ich zuerst nur sie zu mir geholt, doch nach dem er sich wieder halbwegs gesammelt hatte, zog er nun auch zu mir. Und es gefiel mir die beiden da zu haben. Auch wenn ich nicht der allergrößte Menschenfan war, war ich doch ein großer Familienmensch und mochte es nicht, wenn das Haus leer war. Also war ich froh, dass sie hier waren.
