Kapitel 1 - Der Streit

Phoebe und Paige saßen in der Küche. Sie spürten die enorme Spannung die in ihrem Haus war. Piper und Leo stritten sich mal wieder im Wohnzimmer. Das kam in letzter Zeit immer häufiger vor. Phoebe und Paige befürchteten schon, dass die Ehe zum scheitern verurteilt war. Piper stand nun auf der Treppe.

"Leo!", schrie sie ihn an. "Lüge mich nicht an!"

"Ich lüge dich nicht an Piper!", antwortete er ihr mit einem ruhigen Ton.

"Wo warst du denn die letzten Tage, Wochen, Monate?"

"Piper, auch wenn ich es möchte, ich kann es dir nicht sagen! Vertrau mir doch einfach!"

Piper drehte sich von ihm ab und ging die Treppe hoch. Auf dem Dachboden blieb sie dann stehen und schloss die Tür zu. Leo stand an der Treppe und schaute ihr nach. Eine einzelne Träne lief über seine Wange.

"Es tut mir Leid!", flüsterte er kaum hörbar und verschwand.

Phoebe hörte den letzten Satz noch von Leo. Sie stand auf und ging zu Piper auf den Dachboden. Sie klopfte an die Tür. Doch ihre Schwester rührte sich nicht.

"Piper, Liebes, mach auf."

Phoebe hörte zaghafte Schritte die sich der Tür näherten. Der Schlüssel wurde umgedreht und die Tür einen Spalt breit geöffnet.

"Piper, willst du reden?"

Sie machte die Tür ganz auf und ließ Phoebe eintreten.

"Was hat Leo damit gemeint, es täte ihm Leid?"

Piper schaute sie an.

"Das hat er gesagt?"

"Ja, bevor er verschwand!"

Verwirrt schaute Piper ihre Schwester an. Es wurde immer Rätselhafter. Was war bloß los mit Leo?

Piper und Phoebe schauten sich an.

"Denkst du das, was ich denke?", fragte Phoebe.

Piper nickte. "Vermutlich!", sagte sie und trat vor das Buch der Schatten.

"Aber es muss doch noch eine andere Möglichkeit geben!"

"Und die wäre?"

Phoebe schaute Piper nur.

"Siehst du!"

"Aber Piper."

"Phoebe, ich weiß sonst nicht, was ich noch machen soll. Ich komme einfach nicht bei ihm durch. Er ist wie eine Mauer des Schweigens!"

Phoebe schaute skeptisch.

"Und was ist mit dem Verstoß gegen die Regeln, wenn du den Wahrheitszauber aussprichst?"

"Prue hat den Zauber auch bei Andy angewendet, erinnerst du dich?"

"Ja, aber war das nicht was anderes?"

"Wohl kaum!"

Entschlossen blätterte Piper durch das Buch der Schatten, bis die Seite mit dem Wahrheitszauber auf geblättert war. Die Tür öffnete sich und Paige betrat den Dachboden.

"Was macht ihr denn hier?"

"Piper will den Wahrheitszauber aussprechen!"

"Verstößt das nicht gegen die Regeln?"

Piper verdrehte die Augen und antwortete genervt: "Nein!"

Paige schaute Piper ungläubig an.

"Was ist?"

"Piper, ich finde das ist keine so gute Idee!"

"Sondern?"

"Red mit ihm!"

"Ich habe es doch schon mehrmals versucht. Er blockt doch immer nur ab!"

Verzweifelt vergrub Piper ihr Gesicht in den Händen und schluchzte. Phoebe legte tröstend ihren Arm um Piper.

"Wir werden das Kind auch ohne Zauber schon schaukeln!"

Piper schaute auf.

"Seid ihr sicher?"

Phoebe und Paige nickten.

"Komm, Piper!", meinte Phoebe und nahm ihre Schwester in die Arme. Paige legte ihren Arm, ebenso wie Phoebe, um Piper und gemeinsam gingen sie hinab ins Wohnzimmer.

"Komm setz dich!"

Piper setzte sich und Phoebe machte in der Küche einen Tee für sie alle.

In einer anderen Welt

Hier war alles weiß und es gab keine Türen und keine Fenster in den Räumen. Sie waren nur von Nebelschwaden umgeben.

"Leo!", rief jemand und kam durch eine Nebelschwade.

"Ich bin hier!"

Leo drehte sich um und ging auf den Besucher zu. Sie gaben sich die Hand.

"Schön dich zu sehen Leo!"

"Finde ich auch, Ben!"

Leo drehte sich wieder um.

"Leo was ist?"

"Ich brauch deine Hilfe Ben!"

"Worum geht's?"

"Um Piper!"

"Was ist mit ihr?"

"Sie ist in großer Gefahr und alles nur wegen uns!"

"Wie wegen uns? Sprich nicht in Rätseln mit mir! Du bist ja schon genauso schlimm, wie der Hohe Rat!", schnaufte Ben.

"Kannst du dich noch an Litrok erinnern?"

"Der Dämon, der dabei war unsere Existenz auszulöschen?"

Leo nickte traurig mit dem Kopf.

"Er ist wieder da!"

"Oh weh! Das klingt gar nicht gut!"

"Du sagst es."

"Aber warum ausgerechnet Piper? Was will er von ihr!"

"Sich rächen, dafür dass wir ihn verbannt haben!"

"Aber wie konnte er entfliehen?"

"Eine junge Hexe hat ihn befreien können!"

„Auweia!"

"Ich mach mir große Sorgen um sie Ben!"

"Verständlich! Litrok ist stark, sehr stark sogar!"

Ein älterer Mann mit weißem Bart kam hinzu.

"Zu stark, nur Wächter des Lichts, wie ihr es seid, ist es bis dato gelungen ihn zu vernichten."

"Was sollen wir machen, oh hoher Rat?"

"Buch der Schatten!"

Leo und Ben schauten sich an.

"Es wird Zeit für euch!"

Der Hohe Rat verschwand so plötzlich wie er erschienen war und ließ Leo und Ben alleine.

"Ich hol das Buch!", sagte Leo bedrückt.

Ben nickte und verschwand. Leo verschwand ebenfalls aus dem Reich der Wächter des Lichts.