2. Unbekannt Nähe
Als es dämmerte erkundete Darman den Wald nach einem günstigen Rastplatz. Sie waren nur noch wenige Klicks vom RV–Gamma entfernt und wollten dort warten. Während der Nacht hatten Droidentrupps allerdings bessere Chancen, den Soldaten und die Jedi zu entdecken, wenn sie unterwegs wären, denn sie besaßen Nachtsichtbewegungsortungsgeräte. Da die Droiden nun von ihrer Anwesenheit wussten, würden sie sich sicher nachts nicht zur Ruhe legen.
Wenn Etain und Darman aber ein Lager aufschlugen und sich vor den Geräten versteckten, wären sie sicherer.
Sie wählten schließlich eine niedrige Senke und Darman breitete eine Decke als Dach darüber aus. Es hatte angefangen zu nieseln. Etain fror ein wenig, wollte aber irgendwie nicht meditieren, um sich aufzuwärmen, dafür war sie viel zu aufgewühlt. Darman legte ein paar der sperrigen Teile seiner Rüstung ab, um ein paar Stunden zu schlafen. Etain würde Wache halten und ihn zur Ablösung wecken.
Doch in dieser Nacht konnte Darman zum ersten Mal nicht einschlafen. Er war sich Etains Anwesenheit bewusst und wünschte sich, sie würde ihn ansehen. Gleichzeitig wünschte er sie aber davon, um endlich schlafen zu können. Eigentlich konnte er seinen Körper in Sekunden „herunterfahren" und einschlafen, aber an diesem Abend funktionierte es nicht. Er traute sich aber auch nicht, sich umzudrehen und Etain seinerseits anzusehen. Obwohl er das sehr gerne getan hätte.
Schließlich schlief er doch ein.
Etain weckte ihn, als ungefähr die Hälfte der Nacht herum war. Sie war bereits sehr müde, konnte sich aber noch beherrschen. Sie hatte meditiert und über Darman nachgedacht. Aus irgendeinem Grund zog er sie an, sie musste ständig an ihn denken, und vor allem wollte sie nichts mehr, als neben ihm zu liegen.
Als sie aufstand, um ihn zu wecken, war es sehr still im Wald. Kein Vogel war zu hören, keine Tiere, kein Wind und kein anderes Geräusch.
Fi hatte eine Art an sich, die einen Wahnsinnig machen konnte. Atin war sehr komisch, ja. Und Niner vorlaut, aber er meinte es immer gut. Und alle drei waren vorrangig Soldaten. Dachten sie mal an Mädchen? Kannten sie überhaupt die Verlockung?
Keiner der drei hatte bisher so etwas wie Freizeit gehabt, um sich mit Mädchen auseinander zu setzen. Sie scherzten häufig über sie, aber keiner der drei hatte je ein Mädchen näher als ihre eigene Rüstung berührt. Oder sich berühren lassen.
„Dar!", hauchte Etain vorsichtig.
Sie hatte sich dicht über ihn gebeugt und schüttelte sanft seinen Arm.
„Dar!"
Er schnaufte und machte Anstalten, sich auf die Seite zu drehen. Etain schüttelte etwas fester und Darman schlug die Augen auf.
Es hätte die Sonne aufgehen können, es hätte Droiden um sie herum auftauchen können, es hätten Fi, Atin und Niner auftauchen können, Etain und Darman hätten nichts wahrgenommen.
In ihnen schaltete sich plötzlich die Vernunft und das Pflichtgefühl aus.
Darman hob den Kopf etwas, bis seine Nase die von Etain berührte. Sie zuckte etwas zurück, aber nur minimal. Fast im selben Atemzug kam sie näher und ihre Lippen berührten sich.
Noch immer war es sehr still im Wald. Aber nun hörte man den Atem zweier aufgeregter Körper, wenn man aufmerksam lauschte.
Etain legte sich näher an Darman heran, ohne jedoch den Kuss zu unterbrechen. Er legte den Arm um sie und drückte sie an sich. Der Kuss wurde tiefer, inniger, leidenschaftlicher.
Darman war nicht für eine solche Situation ausgebildet worden. Er hatte gelernt, zu kämpfen, zu überleben, zu versorgen und zu gehorchen. Aber er hatte nie gelernt, wie er ein Mädchen anfassen wollte, das er begehrte.
Etain ging es ebenso. Sie wollte Darman, mit Haut und Haaren, aber ihr Meister hatte nie erwähnt, wie man zärtlich war, oder überhaupt was das war. Sie konnte blitzschnell eine Situation ergreifen, konnte einen Gegner mit der Macht manipulieren, konnte foltern, konnte kämpfen. Aber sie hatte nicht gelernt, wie man liebte.
Es war beiden untersagt.
„He Dar!"
Darman drehte sich auf seinem Stuhl um und schaute den General fragend an.
„Schon mal solche Bilder gesehen?"
Der Klonsoldat warf dem verdutzten Darman einen Holoblock zu. Neugierig schaltete er ihn an seinen Computer und ließ das Hologramm vor sich erscheinen.
Und schaltete fast sofort das Holobild in seinen Helm, damit die anderen diese Peinlichkeit nicht sahen.
Eine blauhäutige Frauenkreatur kroch über einen Menschenmann - beide nackt – und stöhnte dabei in seltsamen Lauten. Der Mensch hatte das Gesicht wie im Schmerz verzerrt und stöhnte ebenso. Darman hatte so eine Ahnung, was die Frau mit dem Mann machte. Er hatte schließlich oft genug mit seinen Brüdern geduscht. Er wusste, dass die Frau dem Mann Lust bereitete.
Er sah sich das Holovideo bis zum Ende an und löschte es dann. Eigentlich interessierten ihn solche Aktivitäten nicht. Sicher, einige seiner Brüder konnten mit Frauen umgehen, aber er war lieber Soldat. Von Liebe mit Frauen wollte er nichts verstehen.
