1. Prolog

Ich hatte nie großartig darum gebeten jemand Besonderes zu sein, in einer Welt voll Intrigen und Hass zu leben oder mich unsterblich zu verlieben.
Doch man kann sich die Dinge eben nicht aussuchen und irgendwann kommen alle Geheimnisse ans Licht. Aber ich denke, dass es im Leben nur 3 Dinge gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt.
Und wenn es sich schon nicht lohnt für die wahre Identität oder die eigene Familie zu kämpfen, dann auf alle Fälle für die große Liebe.

Meine Geschichte, meine Geschichte?, darf ich sie denn überhaupt meine Geschichte nennen, wenn ich nicht einmal weiß, wer ich selbst bin? Aber egal, meine Geschichte ist lange, sehr lange und mehr als nur kompliziert, aber wer sie hören will und auf Horrorgeschichten steht, der darf mir gerne folgen. Alles begann am 28. August im Jahre 1990. Was da genau begann, das kann ich euch leider nicht sagen, diese Lücken meines Lebens, versuche ich immerhin gerade zu füllen. Das Erste an das ich mich erinnern kann ist ein sonniger Tag in Stareham Village, meiner Heimat, der Heimat, die nie meine Heimat war. Die Heimat in der ich mit Eltern gelebt habe, die nicht meine Eltern sind und es auch nie waren. Doch das spielt jetzt sowieso keine Rolle mehr, denn jetzt sind sie tot und ich, ich wurde mit den Trümmern meines Lebens einfach so alleine gelassen.

Das Erste, an das ich mich erinnern kann, ist dieser eine sonnige Sommertag in meiner Heimat, als meinen Eltern und die Nachbarsfamilie, ein Picknick veranstaltet haben. Damals war ich ungefähr drei Jahre alt und damals war mein Leben und meine ganze Welt eigentlich noch in Ordnung. Doch mit der Zeit, da kamen immer mehr Probleme hinzu, ob das einfach zum Leben gehört und den wahren Lauf der Dinge widerspiegelt, oder ob ich die besondere Ausnahme bin, auch das kann ich euch nicht sagen. Doch damals hätte ich mir nicht im Geringsten vorstellen können, was einmal passiert, wenn ich aufs College gehe und sich all meine Träume erfüllt haben, okay fast alle. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Doch vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen, bevor ich euch mein Leben im Zeitraffer erzähle. Mein Name ist Juliet Isabella Roseanne Payne, ich werde von allen nur Julie genannt, bin mittlerweile 20 Jahre alt, besuche das College, nachdem ich die High-School mit Bestnoten abgeschlossen habe und bin eine hoffnungslose Romantikerin. Nebenbei jobbe ich noch in einer kleinen Buchhandlung, träume den lieben langen Tag vor mich hin, neige wohl zu Überemotionalität und besitze mehr als nur eine Phobie. Wenn ihr jetzt denkt ich wäre leicht verrückt, dann könnte ich euch das auch nicht verübeln, denn so unrecht hättet ihr damit wohl nicht. Aber jetzt zurück zu meiner Geschichte. An meine frühe Kindheit, habe ich wie schon oben genannt, eigentlich wenige, bis gar keine Erinnerungen, doch die paar, die mir geblieben sind, sind allesamt schöne Erlebnisse, die ich wohl niemals vergessen werde. Doch wer will schon irgendwelche Kindheitsgeschichten einer 20 jährigen Collegestudentin hören?, ihr bestimmt nicht. So belassen wir es einfach dabei dass ich eine schöne Kindheit und Grundschulzeit hatte und springen wir lieber an den Punkt, wo mein Leben richtig interessant wurde.

Richtig interessant, kann man das 1. Jahr an der High-School vielleicht doch nicht nennen, aber wenn es eins war, dann war es spannend und voll neuer Überraschungen, die das Leben mir zu bieten hatte. Endlich, nach all den Jahren, war ich nicht mehr das unauffällige, ärmliche Durchschnittsmädchen, sondern hatte endlich einmal einen Vorteil gegenüber all den anderen. Ich war weder sehr reich, besonders beliebt, besonders hübsch, noch konnte ich irgendetwas besonders gut. Doch schon in der 1. Klasse wurde ich Jahrgangsbeste und hatte endlich etwas gefunden, in dem ich besser war alles alle anderen, dem Lernen.

Ob ich nun als die graue Maus, das schüchterne Mädchen aus dem Dorf oder die super Streberin bezeichnet wurde, das war mir eigentlich gleich. Mir war es wichtig einfach die Zeit, mit den wenigen Freunden die ich hatte, zu genießen und mein Leben zu leben, denn wen interessiert schon die Meinung der anderen? So verbrachte ich 4 wunderschöne, wenn auch etwas anstrengende Jahre, an der Junior High-School, bevor ich 4 weitere Jahre an der Senior High-School von Stareham Village antrat.

Auch diese begannen genauso, wie die der Junior High-School geendet hatten. Der einzige Unterschied bestand wohl darin, dass ich zunehmend andere Interesse als die Schule bekam und nicht mehr so gute Noten wie früher schrieb, jedoch noch immer zur Elite meines Jahrgangs gehörte. Mit zunehmenden Alter wurde ich auch hübscher, also jedenfalls meiner Meinung nach und auch etwas beliebter. So fand ich auch hier die ein oder andere gute Freundin und wurde später sogar gefragt ob ich in der Theater/Musical AG der Schule mitwirken wollen würde. Durch verschiedenste Wettbewerbe, an denen ich schon in der Junior High-School teilgenommen hatte, war ich natürlich bekannt, jedoch eher als Streberin, anstatt als Mädchen mit dem Talent fürs Kreative. Denn nur geheim, ohne dass je jemand etwas mitbekommen hatte, schrieb, sang und schauspielerte ich, wann ich nur konnte um für meinen Traum, eine großen Karriere in Hollywood zu arbeiten. Die Jahre vergingen und es ging eigentlich genauso weiter, bis das 4. und auch letzte Jahr an der High-School für mich anbrach, welches wohl mein ganzes Leben auf den Kopf stellen sollte. Noch heute kann ich mich haargenau an diesen und an einen weiteren Tag erinnern, doch mehr dazu später.

Flashback

Gut gelaunt wie immer, betrat ich nach den erholsamen Sommerferien das Schulgebäude meiner geliebten High-School, um doch etwas wehmütig, das letzte Jahr anzutreten. Doch als es zur ersten Unterrichtsstunde in diesem Jahr klingelte und unsere Klassenlehrerin Mrs. Dunham uns mitteilte, dass dieses Jahr ein paar Austauschschüler von der Westküste ebenfalls bei uns ihren Abschluss machen würden, nahm das Drama seinen Lauf.

Zuerst war ich natürlich nicht weiter beunruhigt, immerhin kam ich zwar nicht schnell mit neuen Leuten ins Gespräch, doch wenn ich sie einmal kannte, dann verstand ich mich soweit mit allen ganz gut. Punkt acht, mit einer 15 minütigen Verspätung, klopfte es an der Tür unseres Klassenzimmers und 5, mehr als nur außergewöhnliche Jugendliche betraten den Raum. Ich achtete nicht genau auf die Neulinge, da ich schon eifrig all die neuen Informationen in meinem Kalender niederschrieb, die uns Mrs. Dunham gerade eben mitgeteilt hatte. Doch als sie endlich die neuen Schüler begrüßt hatte und sie ein paar Worte gewechselt hatten, bat sie um unsere Aufmerksamkeit, um uns unsere neuen Mitschüler genauer vorzustellen.

Erst als sie schon zu sprechen begonnen hatte, hob ich meinen Blick um die Neuen genauer zu betrachten. Die Gruppe bestand, wie ich erst jetzt wahrnahm, aus 3 Mädchen und 2 Jungs. Das erste Mädchen, eine hübsche Blondine, die komplett in Pink gekleidet war, eine kleine Designerhandtasche in ihren Händen hielt und wohl etwas zu viel Make-up aufgetragen hatte, wurde als Patricia Paxton vorgestellt. Kurz blickte ich das noch fremde Mädchen an, bevor ich mich erneut meinen Notizen zuwandte. So wie sie aussah, würden wir wohl nie die besten Freunde werden.

Nach Patricia wurde ein weiteres Mädchen, welches dunkelbraunes, sehr gelocktes Haar hatte, als Mariane Baxter vorgestellt. Mariane sah nicht minder gestylt als Patricia aus, jedoch schien sie im Gegensatz zu ihrer Freundin eher ein Faible für funkelnden Schmuck, als für Make-up, zu hegen. Doch gut, man sollte nie jemanden nach seinem Aussehen beurteilen und ich hatte keine Vorurteile, jedenfalls meist, doch es gab wie heute, auch einmal ein paar Ausnahmefälle.

Als das dritte, ebenfalls braunhaarige Mädchen von Mrs. Dunham vorgestellt wurde, konnte man meinen, sie wäre ein Topstar und würde von nun an im Mittelpunkt stehen. Wie recht ich doch damals damit hatte. Virginia Masters, sie war einfach das geboren Topmodel, ich hatte an unserer Schule, nein in meinen ganzen 17 Lebensjahren, noch kein Mädchen gesehen, welches besser aussah als sie. Man konnte meinen sie aß den ganzen Tag nichts, so schlank war sie, ihre langen, dunkelbraunen, wunderschönen Haare reichten ihr fast bis zur Taille und vor der Höhe ihres Selbstbewusstseins, könnte sich wahrscheinlich sogar der Mount Everest verstecken. Doch das war noch längst nicht alles, das Mädchen wusste sich einfach zu kleiden und wie ich später erfahren sollte, besaß sie sogar eine goldene Kreditkarte und Eltern, die ihrer Tochter jeden Wunsch von den Augen ablasen, kein Wunder, dass sie sich deswegen so perfekt fühlen konnte.

Dass ich und Virginia nicht die besten Freundinnen werden würden, wäre wohl schlicht und einfach gelogen gewesen. Im Laufe des Jahres wurden wir zu Todfeindinnen, denn auch Virginia musste lernen, dass es hier nicht nur ums Geld ging und man mit Talent in Stareham Village noch immer weiter, als mit ein paar Geldscheinen, kam. Doch der eigentliche Moment, der mein ganzes Leben auf den Kopf stellte, der lag noch immer eine Person von mir entfernt. Als die Mädchen endlich vorgestellt waren und noch mehrere Male die gesamte Klasse angelächelt hatten, suchte sich jede von ihnen einen Platz und nur mehr die beiden Jungs blieben übrig.

Da ich mit Jungs bis jetzt nie wirklich viel zu tun hatte, war das Thema neue Austauschschüler für mich beendet, denn ich war bestimmt nicht der Typ Mädchen, den sie sich als neue Freundin vorstellen konnten. So wandte ich mich wieder meinem Notizkalender zu und nahm nur entfernt wahr, wie Mrs. Dunham, den einen Jungen als James Princton und schließlich den anderen als Jason Princton vorstellte, sie waren Zwillingsbrüder. Als auch die Beiden ihre Plätze gefunden hatten, fuhr unsere Klassenlehrerin unbeirrt mit ihrer Rede über das neuen Schuljahr und die wichtigsten Informationen fort, bevor es klingelte und wir alle aus dem Raum stürmten.

Bis zur Mittagspause geschah nichts weiter Auffälliges, außer dass ich von zwei meiner sehr guten Freundinnen erfuhr, dass sie von irgendeinem Mädchen, welches es wieder von einem anderen gehört hatte, welche es auch wieder irgendwo aufgeschnappt hatte, erfahren hatten, dass die 5 Neuen stinkreich waren und der Name Princton wohl für das sündteure Modelabel „Princton Fashion" aus Kalifornien stand. Zusätzlich erfuhr ich noch, dass die 5 von ihren Eltern hierher verfrachtet wurden, da sie in Los Angeles kein Interesse für die Schule, dafür umso mehr für Partys, Shopping und Alkohol, gehabt hatten.

Doch was interessierten mich die Neuen, wenn ich sie so und so nie besser kennenlernen würde? Viel wichtiger war mir, dass ich schnellstens das nächste Klassenzimmer fand um nicht zu spät zum Unterricht zu kommen. Als ich gerade in Gedanken um die nächste Ecke bog, stieß ich plötzlich gegen etwas Festes, obwohl ich mich genau erinnern konnte, dass das hier immer ein freier Gang gewesen war. Noch bevor ich ganz aus meiner Traumwelt aufgetaucht war, fand ich mich auch schon, mit verstreuten Büchern und anderen Utensilien, auf dem Fußboden wieder und blickte in 2 wütende Gesichter.

Es waren die beiden Neuen, James Princton und Mariane Baxter, welche anscheinend bis eben noch knutschend auf dem Gang gestanden hatten, bis ich sie dabei gestört hatte. Wütend kickte der Jungen noch eines meiner Bücher den Gang entlang, bevor er mit seiner Freundin davon stöckelte und ich ihnen stumm nachsah, bevor sie um die nächste Ecke verschwunden waren. Dass es schon längst zur nächsten Stunde geklingelt hatte oder ich meine Sachen wieder aufsammeln sollte, daran dachte ich gar nicht, ich war einfach wie paralysiert.

Nicht einmal die Schritte, die den gefliesten Gang entlang hallten, nahm ich war, bis ich an der Schulter berührt und gleichzeitig angesprochen wurde. Ich erschrak nicht einmal und nahm irgendetwas von helfen und passiert wahr, bevor ich wieder in meine eigene kleine Welt abdriftete. Diese Stimme war einfach der pure Wahnsinn. So etwas Schönes hatte ich bis jetzt noch nicht gehört. Hätte mir meine beste Freundin Megan, auch genannt Meg, nicht erst letztes Frühjahr erklärt, dass man sich nur in Personen verlieben konnte, die man kannte, hätte ich sofort gesagt, dass ich mich in eine unbekannte Stimme verliebt hatte.

Doch prompt wurde ich wieder aus meinen Träumereien in die Realität zurückgeholt, als ich diese wunderbare Stimme, jedoch mit einem besorgten Unterton wahrnahm und mich dann leicht umdrehte um den Unbekannten endlich anzusehen. Gerade als ich den Mund geöffnet hatte um nachzufragen, was er denn von mir wollte, blickte ich ihn zum ersten Mal an und ein Blick in seine Augen genügten, damit ich den Mund wieder schloss und mir es sprichwörtlich die Sprache verschlagen hatte.

Noch immer musterte er mich mit einem besorgten Blick und ich starrte einfach nur, unfähig mich zu bewegen, etwas zu sagen oder gar irgendetwas zu tun, zurück. Nach einer halben Ewigkeit, in der wir uns einfach nur angesehen hatten, erwachte er plötzlich wieder aus seiner Starre und reichte mir die Hand, damit ich aufstehen konnte. Aus einem Instinkt heraus griff ich nach seiner Hand, wodurch sich meine augenblicklich so anfühlte, als würde ich meine Hand auf den Fernseher zu Hause legen. Ich stand eindeutig unter Strom, oder es fühlte sich jedenfalls so an.

Wieder in Gedanken hatte ich gar nicht bemerkt, dass ich leicht rot geworden war und nun wackelig auf beiden Beinen stand. Dass sich meine Beine immer noch so anfühlten, da ich einen kleinen Schock erlitten hatte, bezweifelte ich sehr. Noch immer musterte er mich etwas skeptisch und als er kurz seine Kleidung gerichtet hatte, blickte er mich erneut direkt an und sprach etwas von unhöflich und vorstellen. Mechanisch nickte ich und bekam mit, wie er sich als Jason Princton, der Neue ging es mir durch den Kopf, vorstellte und danach meinen Namen erfragte.

Zuerst bekam ich gar nicht mit, dass diese Frage an mich gerichtet war und grinste etwas dümmlich in der Gegend herum, bevor ich die Frage erneut wahrnahm und erst einmal den Mund öffnete um ihn nur wieder zu schließen. Danach begann ein peinliches Gestotter, bevor ich endlich, nach gefühlten Ewigkeiten meinen vollen Namen, inklusive Rufnahmen herausgebracht hatte.

Mehr als nur rot im Gesicht, bückte ich mich schnell, um meine Bücher aufzusammeln und bekam noch am Rande mit, dass Jason mir anscheinend half. Mit seinem wunderschönen Lächeln im Gesicht, drückte er mir einen geordneten Stapel in die Hand, bevor er mit einem leichten Grinsen „Ach, mein Bruder kann manchmal ein ganz schöner Arsch sein" an mich gewandt sprach und mir noch kurz aufmunternd auf die Schulter klopfte.

Nach einem Nicken meinerseits stammelte ich eine äußerst unglaubwürdige Ausrede von nicht zu spät kommen, bevor ich um die nächste Ecke verschwand und noch schnell einmal zurück blickte um mir sein Lächeln genau einzuprägen.

Flashback Ende

Ihr denkt jetzt bestimmt alle, der Anfang einer ziemlich kitschigen Romanze, nicht? Doch damit hab ihr mehr als nur unrecht. Dieser Tag, war wahrscheinlich einer der schönsten in meinem Leben, doch gleichzeitig der Anfang vom Ende. Wieso?, das werdet ihr noch früh genug erfahren, doch viel wichtiger sind jetzt noch ein paar Fakten, wieso es überhaupt so weit kommen konnte.

Flashback

Als ich schließlich um noch ein paar weitere Ecken gebogen war, setzte ich mich müde und erschöpft auf eine Bank, in der Nähe des nächsten Klassenzimmers. Immerhin konnte ich Meg so vormachen, ich hätte eine kleine Kreislaufschwäche, wie so oft, erlitten, und hatte mich deswegen zuerst auf der Toilette übergeben, bevor ich mich direkt auf den Weg hierher gemacht hatte.

In diesen 30 Minuten waren mir einige Dinge klar geworden.

Ich hatte mich unsterblich in den neuen Austauschschüler verliebt.
Jason Princton war der Erbe des wohl renommiertesten Modeunternehmens der ganzen USA.
Und wenn Jason Princton nicht längst eine Freundin hatte, dann würde der Himmel ab jetzt Pink sein.

Doch einen Spruch, den meine Mum so oft verwendet hatte, rief ich mir dabei immer wieder in Gedanken. „Die Hoffnung stirbt zuletzt."
Also sollte ich mir zuerst Klarheit über die Fakten und Tatsachen verschaffen und dann mein Leben als bescheuert bezeichnen, anstatt sofort alles hinzuschmeißen.

Als es schließlich zur nächsten Pause geklingelt hatte, kam weniger später auch schon eine etwas aufgebrachte und zugleich besorgte Meg auf mich zu, die mich natürlich sofort mit Fragen löcherte. Natürlich kaufte sie mir meine kleine Ausrede nicht ab, immerhin war ich viel zu aufgeregt dafür und rot wurde ich auch nur, wenn mir etwas peinlich war, blass wenn mir übel wurde. Somit blieb mir nichts anderes übrig als Meg die gesamte Geschichte zu erzählen um nur Sekunden darauf, die Antwort bekommen zu haben, die ich nie hätte hören wollen. Mein Leben war eindeutig bescheuert und nicht mehr zu retten. Es war das passiert, was ich nie hätte hören wollen. Virginia Master, ich bin der Star, Topmodel und das Selbstbewusstsein in Person, war passiert.

Denn genau in diesem Augenblick hatte mir Megan erzählt, dass sie wusste, dass Mariane mit James und Virginia, die Anführerin der Girls Clique, mit Jason zusammen war.

Flashback Ende

Von nun an, warf ich Virginia, jedes mal, wenn sie mir über den Weg lief wütende Blicke zu, welche diese wahrscheinlich gar nicht wahrnahm. Genauso wenig wie Jason, nach meinem kleinen Unfall, kein weiteres Wort mehr mit mir gewechselt hatte und Gott sei Dank auch nicht meine Blicke wahrgenommen hatte.

So ging es eigentlich das komplette Schuljahr lang weiter.
Jason und Virginia waren nach wie vor das Paar.
Jason und Ich wechselten manchmal ein paar Worte, die sich jedoch größtenteils auf die Schule bezogen.
Und Virginia und ich, hatten einfach eine natürliche Antipathie gegenüber der anderen Person aufgebaut, weswegen sie und ihre Freundinnen und manchmal auch James, versuchten mir das Leben schwer zu machen. Doch ich überstand ihre ganzen Intrigen, oder eher versuchten Intrigen ganz gut und so kam dann das Frühjahr und schließlich der Sommer. Und natürlich hoffte ich noch immer, auch nach mehr als einem dreiviertel Jahr, mit Jason zusammen zu kommen.

Doch ich hatte einen Plan, auch wenn wir nie zusammen kommen würden, sollte er wenigstens, auch wenn nicht von mir persönlich, erfahren, was ich seit unserer ersten Begegnung wirklich für ihn fühlte.

So setzte ich mich eines Abends, kurz vor unserer dreiwöchigen Abschlussreise, an meinen Schreibtisch, um mehr als nur 100 Blätter Papier zu beschriften und sie dann doch wieder in die Mülltonne zu werfen.

Denn wenn ich ihm meine Liebe schon nicht gestehen konnte, dann sollte er wenigstens, lesen, was ich fühlte. Und eins wusste ich natürlich auch. Unsere Reise ging nach Kalifornien, genauer gesagt in die Nähe von Los Angeles, die Stadt, die die 5 ihre Heimat, oder eher ihre Bühne nennen konnten. Somit würden sie bestimmt nicht nochmals mit uns, nach Stareham Village zurückkehren. Genau aus diesem Grund, musste ich meinen Brief am Tag der Abreise los werden und eins wusste ich auch, vorbereitet sein, war immer besser.

So stand ich mit gepackten Koffern und natürlich meinem Brief im Gepäck, am Tag der Abreise am Flughafen von Albuquerque (New Mexico) und wartete gespannt auf meine Reise, oder eher mein Abenteuer an der Westküste, in Kalifornien. Mit einem Reiseführer im Gepäck überstand ich auch den langen Flug. Diese Reise war wahrscheinlich die beste und wunderbarsten in meinem ganzen Leben, wenn ich die Gedanken an Jason und Virginia beiseite lasse. Wir erlebten so viel, sahen so vieles und es war einfach unglaublich. Ich könnte es schlicht und einfach als das Abenteuer meines Lebens bezeichnen. Doch das wichtigste und allerschönste, ich nenne es noch heute gerne, das Wunder Santa Monica, geschah am Abend vor unserer Abreise.

Flashback

Alle, darunter auch Meg, feierten nochmals ausgelassen in der Hotelbar und verabschiedeten sich natürlich von Virginia, Mariane, Patricia, James und Jason, während ich einige Zeit lang eines meiner Lieblingsbücher auf meinem Zimmer las. Ich stand einfach nicht auf Partys und schon gar nicht auf laute Musik und massenhaft Alkohol. Als mir auf dem Balkon die kühle Abendluft entgegen blies und ich bemerkte, dass es noch nicht einmal dämmerte, entschied ich mich spontan für einen Spaziergang. Wohin ich wollte wusste ich nicht genau, aber ich wollte mich einfach von all dem hier verabschieden, da ich immerhin 3 Wochen meines Lebens hier verbracht hatte und nicht wusste wann und ob ich je wieder einmal hier her kommen würde.

In der Lobby stank es förmlich nach Alkohol und das laute Dröhnen der Musik war nicht zu überhören, weswegen ich schnellstmöglich das Weite suchte und aus dem Hotel verschwand. Als ich schon die Hälfte der Treppen hinter mir gelassen hatte, nahm ich plötzlich, eine mir nur allzu bekannte Stimme wahr und drehte mich etwas überrascht um. Nur fünf Stufen ober mir stand Jason vor dem Hotel, an einem der Aschenbecher und rauchte gelassen eine Zigarette, während ich ganz schön nervös wurde und begann an meiner Unterlippe zu nagen. Auf seine Frage hin, was ich denn um diese Uhrzeit noch vorhatte, antwortete ich ihm schlicht und wahrheitsgemäß, dass ich einen Spaziergang machen wollte.

Nur 3 Sekunden später, wurde ich noch nervöser als ich es schon war und war mir nicht ganz sicher, ob mein Herz, noch mehr als 5 Minuten in seiner Nähe überleben würde. Doch natürlich sagte ich zu, als er sich anschließen wollte, denn dass ihn die Party von Virginia, seiner eigenen Freundin nervte, war doch auf eine gewisse Art und Weise ein schönes Gefühl. Und so spazierten wir 10 Minuten später durch Los Angeles und besahen uns, oder besser gesagt besah ich mir, noch einmal alles genau, um mir jede Einzelheit und jedes Detail haargenau einzuprägen. Jason wohnte hier, wieso sollte er sich irgendetwas genau ansehen, wenn er es doch so und so jeden Tag erneut, in real, betrachten konnte.

Nach einer längeren Phase der Stille, durchbrach er diese und erkundigte sich bei mir, wo ich denn eigentlich hin wolle. Wieder antwortete ich ihm wahrheitsgemäß, dass es mir im Hotelzimmer schlicht und einfach zu langweilig gewesen war, ich auf die Party mit Virginia und dem Rest keine Lust gehabt hatte und mich einfach von meinen Füßen dahin tragen lassen wollte, wo sie mich hinführten. Grinsend bejahte Jason meine Erklärung und marschierte dann neben mir her.

Nach weiteren 20 Minuten in denen wir nichts gesprochen hatten, kamen wir an einem kleinen, verlassenen Fleckchen Strand an und ich musste grinsen, als ich kurz auf meine Füße, dann zu Jason und schließlich über den Sandstrand zum Meer, auf den wunderschönen Sonnenuntergang blickte.

Kurze Zeit sagten wir gar nichts, bevor er den Vorschlag machte etwas den Strand entlang zu spazieren, ich dies natürlich bejahte und wir uns über das vergangene Schuljahr und besonders über unsere drei wöchige Reise hier unterhielten. Erst jetzt bekam ich mit, dass nicht nur ich wehmütig auf unser Abschlussjahr und besonders die letzten drei Wochen zurückblickte, ihm erging es genauso. Immerhin würden wir alle wieder zurück nach Stareham Village fliegen und danach jeder sein Leben in die Hand nehmen und seinen eigenen Weg gehen. Auch ich wusste schon, was ich nach der High-School machen wollte. Ich würde erst einmal aufs College gehen und Geschichte und Kunst studieren, bevor ich mich meinen Hobbies, dem Gesang, der Schauspielerei und dem Schreiben, widmen würde. Jason erging es nicht anders, seine Familie erwartete von ihm, dass er Management studierte, um später einmal die Firma zu übernehmen und nach seinem Studium, seinem Vater, als Juniorchef, unter die Arme zu greifen. Wenigstens war ich so nicht die einzige, die diese wunderbare kleine Welt, in der wir drei Wochen, abgeschieden von unserem Leben, verbracht hatten, vermissen würde.

Als wir danach wieder einige Zeit unseren Gedanken nachhingen und es um uns herum immer dunkler wurde, bis schon die Sterne am Horizont leuchtete, blickte wir beide gedankenverloren aufs Meer hinaus. Plötzlich blieb Jason stehen und ich wollte gerade überrascht nachfragen, was los sei, als er mich etwas wehmütig anlächelte und schließlich fragte, ob wir uns nicht setzen wollen.

Leicht lächelnd nickte ich und bejahte schließlich seinen Vorschlag und schon kurz darauf saßen wir auf einer ehemaligen kleinen Mauer, die sich den ganzen Strand mehr oder minder, entlang zog.

Wir unterhielten uns noch über eine Stunde, über die unterschiedlichsten Themen und kamen jedoch immer wieder darauf zu sprechen, wie schade es doch war, dass das Schuljahr und besonders die Abschlussreise heute endete und wir ab Morgen alle getrennte Wege gehen würden. Mit einem Grinsen im Gesicht meinte Jason schließlich „Dann mal auf ein unvergessliches Schuljahr und eine noch unvergesslichere Abschlussreise", bevor er 2 Flaschen, mit irgendeinem alkoholischen Cocktailmix aus seiner Tasche zog und mir eine davon reichte. Grinsend stießen wir zusammen an und tranken danach etwas, bevor mir schließlich eine Idee kam. Ich kramte in meiner Tasche, nur um kurze Zeit später meine kleinen MP3 Player in Händen zu halten und „dann feiern wir eben unsere eigene Party" zu murmeln. Kurz darauf hatte ich schon einen meiner Lieblingssongs angeschaltet und musste lachen, wenn ich nur daran dachte, was Virginia bloß zu unserer kleinen Strandparty sagen würde.

Während wir unseren Cocktailmix tranken, der Musik lauschten und uns leise unterhielten, lief der MP3 Player unbeirrt weiter, bis er meinen absoluten Lieblingssong, Soul Reason, abspielte und ich in den dunklen, von Sternen übersäten Nachthimmel blickte. Aus einem Impuls heraus, lies ich meinen Kopf am Beginn des Refrains wieder sinken und summte den Song mit, bevor ich durch eine Berührung an meinem Arm leicht erschauerte und ruckartig den Kopf in Jasons Richtung wandte. Nur ein Blick in seine Augen genügte, um mich vollkommen aus dem Konzept zu bringen, so dass ich plötzlich aufhörte weiter zu meinem Lieblingssong zu summen, da ich keine Ahnung mehr hatte, wie man bloß einen Ton aus dem Mund bekommen konnte. Als der Refrain erneut ertönte, hatte ich mich noch immer nicht von seinen Augen losreißen können und auch er starrte mich unaufhaltsam an, so dass mir fast schon etwas unwohl wurde. Plötzlich und ohne Vorwarnung kam er immer näher und ich saß noch völlig erstarrt da und blickte ihn an, bevor ich seine Lippen auf meinen spürte und ich ein Gefühl verspürte, dass mich so glücklich wie noch nie machte. Jedoch wurde mir zeitgleich total übel und ich konnte nichts tun. Nur wenige Sekunden hatte der Kuss gedauert und doch war ich mir sicher, dass ich ihn niemals vergessen würde und ich hatte recht behalten.

Gerade als Jason zu einer Entschuldigung ansetzen wollte, nein er stammelte eher, Jason Princton stammelte, erreicht mich erneut ein Impuls, der bestimmt nicht von meinem Gehirn ausgesandt wurde und ich küsste zum ersten Mal in meinem Leben, von mir aus, jemanden. Heute war mein letzter Abend, der letzte Tag, an dem ich Jason wahrscheinlich sehen würde. Heute hatte ich wirklich keine Zeit und auch keine Lust über die Folgen meines Handelns nachzudenken.

Gerade als ich den Kuss abbrechen wollte, da Jason ihn von sich aus, nicht erwiderte, spürte ich dass er es doch tat und schob die pessimistischen Gedanken an Virginia und Morgen wieder beiseite.

So saßen wir bestimmt mehrere Minuten auf dieser kleinen Steinmauer und küssten uns, zu meinem absoluten Lieblingssong, ohne nachzudenken, bevor wir uns wieder langsam von einander lösten und keiner wirklich wusste was er sagen sollte.

Peinlich berührt, und ich natürlich wieder rot angelaufen, wie eine Tomate, sahen wir in jeweils andere Richtungen, bis ich nach einiger Zeit, das erneute Schweigen brach. Langsam blickte ich etwas in seine Richtung und flüsterte daraufhin „Wwwas war das gerade?" Etwas noch dämlicheres war mir wohl in diesem Moment nicht eingefallen, doch als Jason rein gar nichts darauf erwiderte, fragte ich erneut „Was ist das jetzt zwischen uns?", bevor er mir schließlich ehrlich antwortete und zugab dass er keine Ahnung hatte. Etwas müde lehnte ich mich an seine Schulter und wartete darauf, dass er mir endlich eine klare und ehrliche Antwort gab.

Doch anscheinend hatte er keine parat und so wurde mir alles zu viel. Als ich langsam spürte, dass sich in meinen Augenwinkeln Tränen bildeten sprang ich von der kleinen Mauer und stolperte mit tränenverschleiertem Blick den Strand entlang. Erst jetzt riss sich Jason aus seiner Starre los, schnappte sich meine Handtasche und steckte meinen MP3 Player ein, bevor er mir schnellstens nachlief.

In diesem Moment interessierte mich das ganze herzlich wenig und so bleib ich erst stehen, als er mich gewaltsam festhielt und mich zwang, mich zu ihm umzudrehen. Traurig blickten wir uns beide in die Augen, bevor er mir meine Tasche reichte und schließlich erneut zu sprechen begann. „Julie, was soll ich sagen, was würde es bringen, würde die Wahrheit uns beiden nicht mehr schaden, als eine Lüge?" Ich verstand natürlich nicht wirklich worauf er hinaus wollte und blickte ihn etwas skeptisch an, bevor ich leise „Also ich bin immer für die Wahrheit" murmelte, nur um dann erneut abzuwarten.

Normalerweise und das stimmte, war ich immer dafür, dass man die Wahrheit sagte, doch in diesem Moment traf sie mich mit so einem Schlag, dass ich mir gewünscht hätte, er würde mich anlügen.
Noch heute kann ich mich haargenau an die Worte erinnern, die mich in diesem Moment wahrscheinlich gleichzeitig zum glücklichsten und zum unglücklichsten Menschen der Welt gemacht hatten. „Du wolltest die Wahrheit, also bekommst du sie, immerhin hast du wenigstens das verdient, auch wenn es nicht viel helfen wird." Er machte eine kurze Pause. „Seit unserer ersten Begegnung damals am Gang warst du mir nicht mehr egal, was denkst du wer die ganzen Intrigen von Virginia abgeschwächt hat, weil sie dein Leben zerstören wollte? Ich hab mir das ganze Jahr lang über, obwohl ich es so genau wusste, eingeredet, ich würde in dir nicht mehr als ein Opfer Virginias Intrigen sehen. Doch heute, heute ist die Situation wohl eskaliert." Er machte wieder eine Pause und musste tief durchatmen, bevor er holprig weiter sprechen konnte. „Juliet, ich liebe dich seit dem ersten Tag an dem wir uns gesehen haben und doch weiß ich, dass alles was ich mir je vorgestellt habe, nicht mehr als ein Traum, ein unerfüllter Traum, bleiben wird." Erneut hatten sich Tränen in meinen Augen gebildet, denn ich wusste so genau, was das zu bedeuten hatte. Ich nickte schwach, bevor ich noch seine Worte „Wir kommen aus zwei verschiedenen Welten Julie, das wäre nie gut gegangen zwischen uns" wahrnahm und zum letzten Mal seine Lippen auf meinen spürte. Das war nicht der Selbe Kuss wie vorhin, das war ein Kuss der Verzweiflung, denn wir beide wussten, wenn wir zurück im Hotel waren, dann würden wir unsere Rollen wieder einnehmen müssen.

Ich die der unauffälligen Streberin und er der die des reichen Schnösels, welcher mit Virginia verlobt war. So würden unsere beiden Leben weiterlaufen, miteinander verbunden und doch so stark von einander getrennt.

Als eine kleine Windböe über uns hinweg zog und ich leicht zu zittern begann, löste er sich abrupt von mir und hielt mir seine Jacke hin mit den Worten „Es wird kalt, wir sollten gehen" hin. Erneut nickte ich mechanisch und fand auf dem Heimweg noch eine wunderschöne Muschel die ich in die Pullovertasche steckte, bevor wir im schnellen Tempo zurück zum Hotel marschierten. Meiner Meinung nach kamen wir natürlich viel zu schnell dort an. Als Jason sich am Eingang schon von mir verabschieden wollte, gab ich ihm einen kurzen und überraschenden Kuss und legte eine der Muschelhälften in seine Hand, bevor ich mit den Worten „Damit du diesen Abend niemals vergisst" durch die Lobby, nach oben in mein Zimmer verschwand.

Oben angekommen, schloss ich die Tür hinter mir, sperrte ab und warf danach den Schlüssel mit voller Wucht gegen einen Kasten, wo er knallend zu Boden fiel. Währenddessen begann ich hemmungslos zu schluchzen und rutschte an der Tür hinunter, wo ich auch am nächsten Morgen aufwachte.

Mehr als nur panisch blickte ich auf meinen kleinen Wecker und stellte erschrocken fest, dass in einer halben Stunde Abfahrt war. Erst jetzt fiel mir auf dass Jason noch meinen MP3 Player und ich seinen Pullover hatte und der Brief, den hatte ich ihm auch noch gar nicht zugesteckt. Was für ein Glück, dass ich immer schon am Vortag meine Sachen packe. So stopfte ich schnellstens, alle noch ausgepackten Utensilien in meinen Koffer, legte den Brief und den Pullover ganz oben auf und beeilte mich schließlich in die Lobby zu kommen um erst einmal mein Gepäck abzustellen.

Dort sah ich mich nach Jason, seinen Freunden oder deren teuren Louis Vuitton Koffern um. Als nichts davon zu sehen war, lies ich schon die Schultern hängen und doch rannte ich plötzlich panisch durch die Lobby vor das Hotel, da ich dort ein noch geöffnetes Taxi und Louis Vuitton Koffer gesehen hatte. Da anscheinend gerade niemand anwesend war, öffnete ich die Tasche mit dem Etikett von Jason leicht und lies den Brief hinein gleiten. Als ich mich eben an den Koffer machen wollte, hörte ich Schritte und versteckte den Pullover hinter meinem Rücken.

Virginia musterte mich mit einem skeptisch, verachtenden Blick und all ihre Freunde taten es ihr gleich, bevor sie ins Taxi stiegen und Jason stumm an mir vorbeiging und ein kleines Schächtelchen fallen ließ. Gerade als ich es aufgehoben hatte und ihm nachrufen wollte, er hätte etwas verloren, fuhr das Taxi los und ich konnte ihm nur noch wehmütig hinter her sehen, bevor ich mich wieder ins Hotel, zu meinem Gepäck begab. Mein MP3 Player war in diesem Moment vollkommen vergessen und den Pullover samt Schächtelchen stopfte ich in meine Reisetasche und wartete nur noch auf den Rückflug.

Zu Hause öffnete ich das kleine Kästchen und zum Vorschein kam eine wunderschöne Herzchenkette, die in allen möglichen Rosa- und Pinktönen schimmerte und auf deren Rückseite mein Name eingraviert war. Seit diesem Tag trage ich sie zusätzlich zu meiner Glückskette, welche ich seit meiner Geburt besitze. Somit wusste ich, dass Jason es schon länger vorgehabt hatte, mir etwas zum Abschied zu schenken. Die Muschelhälfte bekam einen Ehrenplatz auf meinem Nachttisch und der Pullover liegt heute noch in meinem Bett rum. Mit der Zeit wurde es besser, jedoch hab ich diesen Abend und Jason niemals vergessen.

Flashback Ende

Dinge die ich niemals erfahren werde sind, dass Jason seine Muschelhälfte ebenfalls als Glücksbringer verwendet, er früher andauernd und später seltener die Musik auf meinem MP3 Player gehört hat und dass er mich ebenfalls nie ganz vergessen hat.

Doch wieso er mich, nie angerufen hat, wie ich ihm in meinem Brief mitgeteilt hatte. Ich zitiere „Wenn du mich wirklich liebst und denkst, dass das alles mit uns nur zu 0,00001% Zukunft haben könnte, dann ruf mich an", kann ich mir bis heute nicht erklären.

Was ich jedoch nicht wissen konnte, ist, dass Virginia den Brief gefunden hatte und sobald sie die Gelegenheit sah, ihn in der nächsten Mülltonne verschwinden lassen hatte.

Mittlerweile sind 2 Jahre vergangen. 2 Jahre in denen in meinem Leben nichts Aufregendes passiert ist, außer dass ich mit Bestnoten am College Geschichte und Kunst, wie ich mir vorgenommen habe, studiere. Jason habe ich seit dem nicht wieder gesehen.

Doch vor kurzem sind meine Eltern, nein meine Pflegeeltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Der Tag der mein ganzes Leben verändert hatte. Nicht schon genug, dass ich an einem Tag meine beiden Eltern verliere, nein ich muss auch noch herausfinden, dass meine Blutgruppe mit keinem der Beiden kompatibel ist und ich somit nicht ihre leibliche Tochter bin.

Doch das verrückteste an der ganzen Sache ist, dass sie überall als meine Eltern angegeben sind und nirgends etwas von Adoptionspapiere oder sonstigen Informationen zu finden ist.

Genau aus diesem Grund habe ich mein Studium auf Eis gelegt, erst einmal alle Zelte in Stareham Village abgebrochen und mich auf den Weg nach Los Angeles, auf den Weg in die Stadt meiner Geburt gemacht, um Antworten zu finden.

Genau aus diesem Grund sitze ich nun im Flugzeug und fliege ins Ungewisse um das wahrscheinlich größte Abenteuer meines Lebens zu erleben.

Genau aus diesem Grund, werde ich den fast vergessenen Erlebnissen von damals wieder so nahe sein, dass ich mir wünschen werde, nie in dieses Flugzeug gestiegen zu sein.

Das war meine Geschichte und wenn ihr mich jetzt immer noch immer nicht für verrückt haltet, dann weiß ich auch nicht weiter.

Doch jetzt, jetzt lehne ich mich erst einmal zurück und schlafe etwas, immerhin dauert der Flug noch eine ganze Weile und andauernd in meinen Gedanken und meiner Vergangenheit zu versinken, das ist bestimmt auch nicht gut für mich.