Wandertour mit Hindernissen
Ich bog um die letzte Ecke, die zu Isabellas Haus führte. Automatisch entfuhr mir ein Stöhnen und ich trat schneller in die Pedale.
Bella lief gerade über die Straße in Richtung Wald, als sie mich jedoch sah, bremste sie abrupt ab und blieb dann auf der anderen Straßenseite stehen. Sie trug einen Rucksack auf dem Rücken und hatte, genau wie ich, eine Regenjacke und Gummistiefel an.
Mein Bauchgefühl hatte mich also nicht getäuscht, sie wollte sich ohne mich aus dem Staub machen.
Ich stellte mein Fahrrad an die Hauswand und ging dann lässig auf sie zu.
Was dachte sich dieses Mädchen eigentlich? Sie sich mit tausendprozentiger Wahrscheinlichkeit verlaufen oder wäre von einem Bären, einem Wolf oder was weiß ich gefressen wurden.
Ich war bedacht darauf nicht mit ihr zu reden, bis ich bei ihr war.
Ihr Blick ruhte auf mir. Sie wirkte sauer darüber, dass ich eher hier war als verabredet und ihre Rechnung somit nicht aufging.
„Hallo Edward.", würgte sie hervor und versuchte dabei locker zu klingen. Naja, wenigstens nennt sie mich beim Vornamen, es könnte schlimmer sein.
„Überrascht mich zu sehen?", entgegnete ich nur und musterte sie mit zusammengekniffenen Augenbrauen.
„Überrascht? Nein, wieso sollte ich?", stellte sie die Gegenfrage und mimte so das Unschuldslamm. Aber ihre Nervosität war dennoch nicht zu übersehen.
Sie ist manchmal schon fast zu leicht durchschaubar, aber manchmal auch überhaupt nicht.
„Ich weiß nicht. Es sah gerade so aus, als wolltest du ohne mich losgehen.", sprach ich meinen Verdacht laut aus.
„Nein, wollte ich nicht. Ich wollte nur schon mal rauskommen.", versuchte sie sich rauszureden.
Na sicher. Unwillkürlich fragte ich mich: Wer würde ihr das abkaufen?
„Wieso?", fragte ich.
„Damit du nicht klopfen musst.", versuchte sie es weiter mit ihrer Erklärung.
Dachte sie wirklich ich wäre so dumm und würde darauf reinfallen?
„Warum sollte ich nicht klopfen?", bohrte ich weiter.
Sie überlegte kurz, nicht länger als zwei Sekunden, aber dennoch fiel es mir auf. Sie suchte einen weiteren Teil ihrer Ausrede.
„Schon vergessen, dass mein Dad hier Polizeichef ist.", sagte sie schnippisch, als würde das alles erklären.
Ich wusste, dass Isabella mit ihrem Dad allein wohnte. Allerdings war ihre Mom, nicht wie mein Dad verstorben. Ihre Eltern hatten sich einfach nur irgendwann scheiden lassen, dass war bevor ich hier her kam. Ich kannte die Gründe dafür nicht. An sich wusste ich nicht viel über ihre Familiengeschichte, außer das sie die erste Zeit bei ihrer Mom lebte, bis diese wieder geheiratet hat, dann kam sie wieder her.
„Was hat das mit deinem Dad und der Polizei zu tun?", fragte ich verwirrt. Ich wusste, dass sie diese Fragerei nicht leiden könnte, vermutlich würde sie platzen wenn ich weiter so machen würde. Vermutlich würde sie mir diese Wanderung mit ihren Zickerein zur Hölle machen. Mittlerweile konnte ich jedoch gut damit umgehen, ich war daran gewöhnt.
Das war mal anders, ich kannte es nicht das Leute mich nicht mochten, nicht das es mich großartig interessierte, aber dennoch ist mir noch Keiner entgegengetreten, der mich so sehr ablehnte wie Bella. Außerdem konnte ich auch keinen Grund dafür finden, so lange ich auch suchte ich blieb bei null.
„Er traut Jungs, und besonders dir, nicht über den Weg.", antwortete sie und ich spürte wie ihre Wut sich immer mehr an die Oberfläche kämpfte.
Sie war eine verdammt schlechte Lügnerin. Selbst wenn ich nicht wüsste, dass ihr Vater mich eigentlich mochte, würde ich ihr kein Wort glauben.
Vor einiger Zeit war ich Zeuge eines schweren Verkehrsunfalls und musste vor ihm aussagen, was ich gesehen hatte. Er war sehr freundlich zu mir. Er zeigte keinerlei Antipathie mir gegenüber, im Gegensatz zu seiner Tochter. Nach der Verhörung hatten wir uns noch unterhalten.
Unser Gespräch endete dann mit den Worten: „Edward, du bist ein anständiger Junge."
Außerdem grüßt er mich auch stets mit einem Lächeln auf dem Gesicht, wenn er mich sah.
Also war es alles in allem sehr unwahrscheinlich, dass er es als belästigend oder unpassend empfand, wenn ich an seiner Haustür klopfen würde, um seine Tochter wegen eines Biologieprojektes abzuholen.
Ich ließ das Thema jedoch mit den Worten „Wer es glaubt." fallen und fügte ein „Lass uns gehen, damit wir es hinter uns haben." hinzu.
Ich hatte jetzt schon genug von ihr und ihrer sturen Art, dabei hatten wir den Wald noch nicht mal betreten.
Ich stapfte lautlos vor ihr durch den Wald und hang dabei meinen Erinnerungen nach.
Ich suchte wieder einmal nach dem Grund, warum Bella mich auf den Tod nicht leiden konnte. Die Tage an denen sie freundlich zu mir war konnte man an einer Hand abzählen, es war genau ein Tag und das war mein erster Schultag. Sie begrüßte mich freundlich und wünschte mir mit einem strahlenden Lächeln, einen guten Start in Forks.
Doch schon am zweiten Tag wendete sich das Blatt und es ging rapide Bergab. Ich konnte es hin und her wenden, meinen ganzen Kopf nach den Ursachen durchsuchen, aber was ich fand war Nichts.
Sie hatte keinen offensichtlichen Grund mich zu hassen, es konnte einfach nur pure Unsympathie für mich sein und das konnte ich ihr nicht verübeln. Ich war kein Mensch, der großartig Anerkennung verdiente. Ich hatte nichts Besonderes auf die Beine gestellt, um diese Achtung, die die meisten mir entgegenwarfen, zu verdienen. Vermutlich war sie einfach nur die Einzige die das wusste und die mich dann schon deswegen nicht mochte, weil mir alle hinterherliefen, ohne einen Grund.
„Wo willst du überhaupt hin?", holte mich Bellas Stimme wieder in die Realität zurück.
Ich drehte mich kurz zu ihr um und sah, dass sie einige Meter hinter mir herstolperte.
Ich hatte vielleicht vergessen zu erwähnen, dass Bella neben der Orientierungslosigkeit noch eine weitere Schwäche hatte. Ihr Koordinationssinn war schlecht, wenn sogar nicht vorhanden.
Ja, Bella ist ein Tollpatsch hoch zehn.
Im Sportunterricht fiel sie regelmäßig hin und für ihre Mitschüler war sie sogar eine Art Gefahrenherd.
Ich war beim Basketball einmal mit ihr in einem Team. Ich glaube ich hatte in meinem Leben noch nie so sehr Kopfweh, wie nach dieser Sportstunde. Ich hatte irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich den Ball an den Kopf bekommen habe.
Jedoch konnte ich mir durchaus vorstellen, dass nicht jeder Treffer ausversehen war. Ich blieb jedoch ruhig und zog sie nur hin und wieder mit ihrer schlechten Trefferquote auf.
„Ich will ein bisschen tiefer in den Wald.", antwortete ich.
„Wieso? Hier gibt es auch Erde.", stellte sie fest.
Eindeutig ein Wandermuffel.
„Damit wir verschiedene Bodenarten finden. Hier ist es zu steinig.", erklärte ich geduldig.
„Ja, dass merkt man.", murmelte sie zu sich selbst, was mich zum kichern brachte.
„Ja Mr. Olympic hat gut Lachen.", zickte sie.
Ich blieb stehen und wartete bis Isabella auf meiner Höhe war.
Ihr Blick lag verdutzt auf mir und auch sie blieb stehen.
„Was?", fragte sie mit Nerven so dünn wie Angelsehne.
Ich schnaufte und wusste, dass sie mich dafür umbringen würde, aber in dieser Geschwindigkeit würde sich das hier alles noch länger hinziehen. Ich griff nach ihr und schleuderte sie über meine Schulter. Sie hang da wie ein Schluck Wasser und ich ging los.
Wie ich vermutet hatte, wog sie nicht viel mehr als ein Zwerghamster.
Sie brauchte eine Weile um zu realisieren, was ich gerade tat, dann fing sie an sich zu wehren und zu wettern.
„Halt still, sonst fallen wir beide hin und das wird für dich mindestens genauso schmerzhaft wie für mich.", erläuterte ich ihr.
„Du würdest meinen Aufprall abfangen.", stellte sie fest und zappelte weiter.
„Ganz sicher nicht. Ich werde mich so schnell drehen, dass ich auf dir lande.", witzelte ich.
„Das hättest du wohl gern.", giftete sie und schlug gegen meinen Rücken, was aber mehr kitzelte als wehtat.
„Ganz sicher nicht. Aber ich könnte ja Mike bei Gelegenheit mal auf dich draufschupsen, der würde sich sicherlich freuen.", sagte ich augenrollend.
„Lass mich jetzt verdammt nochmal runter.", knurrte sie mich an.
Verdammt, wieso hatte ich nicht daran gedacht Oropax einzupacken, dann hätte ich ihr Genörgele einfach auf diese Weise abschalten können.
„Ich lass dich runter, wenn der Boden wieder eben ist. Obwohl die Wahrscheinlichkeit das du dann nicht auch hinfällst verhältnismäßig gering ist.", zog ich sie auf.
„Lass mich runter.", sagte sie und zog an meinen Haaren.
„Nein. Sei jetzt vernünftig, wenn du hinfällst und dir was brichst, dann muss ich dich nämlich den ganzen Weg tragen. Also kusch.", animierte ich sie zum schweigen.
„Kusch? Bin ich eine Katze oder wie?", fragte sie sarkastisch.
„Ich glaub mit einer Katze die Proben zu suchen wäre angenehmer. Die würde wenigstens den Mund halten.", gab ich zurück und mein Gott, ich meinte es tot ernst.
Ich wäre so ziemlich mit jedem anderen lieber hier, okay ausgenommen Mike Newton.
Sie machte ein fauchendes Geräusch und ich musste schmunzeln.
Als der Boden wieder halbwegs eben war setzte ich sie ab. Sie hatte irgendwann aufgegeben sich gegen mich zu wehren.
„So Madam, dann beweis mir mal ob du laufen kannst ohne dir einen blauen Fleck zu holen, dir was zu prellen oder zu brechen.", erklärte ich sarkastisch.
„Endlich.", sagte sie sauer und stapfte vor mir davon. Meine Augen rollten heute zu wiederholten Mal.
Wir sammelten in der nächsten Stunde Bodenproben und gingen immer tiefer in den Wald.
„Vier haben wir.", stellte ich freudig fest.
Ich hatte es bald überstanden.
„Fünf korrigierte sie.", und bückte sich gerade zum Boden.
„Nein. Aus dem Bereich hab ich schon eine.", sagte ich zu ihr.
„Na und?", fragte sie mich und schaute mich an.
„Na und? Hast du nicht gehört, was Mr. Banner gesagt hat? Fünf verschiedene Proben.", erklärte ich ihr.
„Ist es doch. Das hier ist Sandboden.", versuchte sie mich zu überzeugen.
„Nein, ist es nicht. Die Erde ist nur ein wenig trockener als die Andere.", erklärte ich ihr.
„Ach komm schon. Ich will nach Hause.", quängelte sie.
„Glaub mir, ich wünsche mir im Moment nichts sehnlicher.", gab ich zu und dachte an die Pizza meiner Mutter, was mich schmunzeln ließ „Schau mal da vorne ist eine Lichtung, da nehmen wir eine Probe und dann gehen wir nach Hause.", versuchte ich es freundlich.
„Na gut, aber schnell. Mein Dad wartet und weiß Gott was er mit seiner Schrotflinte macht, wenn er nach Hause kommt und ich nicht da bin.", sagte sie ein wenig hektisch.
Hatte sie bemerkt, dass sie sich gerade selbst verraten hatte? Ihre Lüge selbst offenbart hatte?
„Ich dachte er wäre schon zu Hause?", hakte ich nach.
Ihre Augen weiteten sich kurz und dann räusperte sie sich, bestimmt um den Kloß in ihrem Hals auf diese Weise wegzubekommen.
„Wie kommst du denn darauf?", fragte sie scheinheilig.
„Naja, schließlich warst du schon draußen, damit ich nicht klopfe und dein Dad auf diese Weise nicht mitbekommt, das du mit dem äußerst gefährlichen Edward Masen unterwegs sein wirst.", antwortete ich deutlich sarkastisch.
„Ja… naja… er wäre sicherlich nicht erfreut gewesen uns zu sehen, wenn er da gewesen wäre.", versuchte sie es.
„Ja, aber er war doch nicht da, wie sollt er da sauer sein?", bohrte ich erneut.
‚Edward hör lieber auf, bevor sie dich erschlägt und deine Leiche im Wald verbuddelt.', mahnte ich mich selbst.
„Ich wollte eben schnell weg, für den Fall das er eher nach Hause kommt.", versuchte sie es auf die Tour.
Jeder andere, der Charlie den Polizeichef nicht kannte, würde an dieser Stelle vermutlich ein Indiz dafür sehen, dass Bella Angst vor ihrem Vater hatte. Aber jeder der ihn kannte, wusste dass er seine Tochter liebte, er sie versuchte zu schützen, freundlich, beherrscht und sehr ruhig war.
Wieso er Polizeichef war? Keine Ahnung, vermutlich könnte er nicht mal einen Verbrecher erschießen, wenn dieser ihn mit einer Waffe bedrohen würde. Aber soweit würde es hier sicherlich in dem beschaulichen Örtchen Forks nie kommen.
„Aus Angst um mich oder aus Angst um dich selbst?", fragte ich und verkniff mir ein Lachen.
„Soll er dich doch mit der Schrotflinte erlegen.", giftete sie „Ich habe nur keine Lust auf einen Keuschheitsgürtel."
Ich prustete los vor Lachen, doch sie funkelte mich böse an, was mich vermuten ließ, dass sie das wirklich zu glauben schien.
„Ich würde mir wünschen mich würde gleich jemand erschießen, dann müsste ich das nicht mehr ertragen.", murmelte ich.
„Was hast du gesagt?", fragte sie mit zusammengezogenen Augenbrauen.
„Nichts von Bedeutung für dich.", antwortete ich „Los, lass uns die Probe holen und gut ist."
Sie stampfte davon, ja sie stampfte wirklich. Sie war wieder einmal richtig sauer.
Ich verstand einfach nicht was ihr Problem war.
Wenn man sie in der Cafeteria beobachtete wirkte sie total gelöst, alberte und lachte mit ihren Freundinnen. Sie war immer locker, bis zum Biologieunterricht. Sobald sie den Raum betrat und mich sah, verkrampfte sie und legte ihre Abwehrhaltung mir gegenüber an den Tag.
Ich hatte eine Weile überlegt, ob ich ihre beste Freundin Angela mal darauf ansprechen sollte, entschied mich aber im Endeffekt doch dagegen.
Angela wirkte auf mich wie ein sehr nettes Mädchen: schüchtern, klug und freundlich.
Im Gegensatz zu Bella, verabscheute sie mich nicht und sie sabberte mir auch nicht hinterher wie die meisten anderen Mädchen. Sie war einfach nur ein höffliches Mädchen und hatte außerdem nur Augen für Ben Cheney und er auch für sie. Dennoch waren beide zu schüchtern einen Schritt aufeinander zuzumachen.
Im Wald war es die ganze Zeit sehr dunkel gewesen, als ich jedoch auf die Lichtung trat trafen mich die warmen Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne.
Ich ließ Bella hinter mir, die gerade eine Bodenprobe sammelte und stellte mich genau mittig auf die Lichtung, um in den roten Himmel zu schauen.
Einen Augenblick später spürte ich, dass ich nicht allein war. Ich senkte meinen Blick und sah SIE.
Ich hatte oft genug darüber gelesen um zu erkennen, was Sie waren. Ich hätte aber nie gedacht, dass es Sie wirklich gab.
„Isabella. Lauf.", schrie ich und rannte ebenfalls los, aber in dem Moment wusste ich, dass wir schon verloren waren.
Also ihr lieben Leser,
dass war Kapitel zwei. Ich hoffe ihr hattet so viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben. Im Allgemeinen wäre dieses Chapter sicherlich länger geworden, aber da ich es ja spannend halten wollte, habe ich es an dieser Stelle enden lassen. =)
So ich bin gespannt, was ihr vermutet was oder wer da ist. =D
Es geht bald weiter.
Lasst fleißig Reviews da und sagt mir eure Meinung. Ich bin sehr gespannt, wie die Story ankommt.
GLG
Anja
P.S.: Knutscher an: Kellion, Taylia, Jaddy und Jules. Lieb euch! =)
