Und hier ist wie versprochen Kapitel 2. Viel Spaß
Kapitel 2
Grobian wirft einen Blick nach draußen und erkennt sofort die Dringlichkeit der Situation.
„Halt du die Stellung, Hicks! Die brauchen mich da draußen."
Ich kann mein Glück kaum fassen. Ich bin Grobian los und kann mich auf die Socken machen.
Nachdem er seine Zange gegen eine Axt eintauscht, läuft er hinaus. In der Tür dreht er sich noch einmal um.
„Keinen Mucks! Klar? Du weißt, warum!"
Dann brüllt er und ist verschwunden.
Ich renne augenblicklich zu meinem Katapult und mache es fahrbereit.
„Denk gar nicht erst dran!", höre ich eine warnende Stimme. Mist. Stimmt ja. Hilja war ja auch noch da.
„Das ist meine Chance! Ich muss mich endlich beweisen", versuchte ich, sie zu überzeugen.
„Grobian hat gesagt, du sollst bleiben, also bleibst du", wies sie mich an.
Ich schüttelte den Kopf. „Du verstehst das nicht. Ich muss das tun!"
Mit diesen Worten schnappte ich mir mein Katapult und rannte aus der Schmiede.
Im Getümmel der Kämpfenden hörte ich Sätze wie „Hicks, wo willst du hin?" und „Geh wieder rein!". „Jaja, schon klar. Bin gleich zurück!" war meine einzige Antwort. Ich lief weiter und hielt erst an, als ich eine einsame Hügelkuppe erreichte. Dort machte ich mein Gefährt schussbereit und wartete geduldig.
„Bitte … Ich muss ihn erwischen, ich muss ihn erwischen."
Hinter mir hörte ich ein Schnaufen, ließ mich aber nicht ablenken, als ich einen Schatten am Himmel sah. Eines der Katapulte ging in Flammen auf und ich schoss die Bola ab. Der Rückstoß warf mich zu Boden, aber ich rappelte mich schnell wieder auf und sah, wie meine Bola ihr Ziel traf und der Drache im Wald abstürzte.
„Du hast ihn echt getroffen?"
Hilja. War ja klar. Ich ignorierte sie und führte ein Freudentänzchen auf.
„Ich hab ihn getroffen! Hat das irgendwer gesehen, hä?"
Plötzlich schrie meine Schwester auf. Ich drehte mich zu ihr um und sah, wie ein Riesenhafter Alptraum mein Katapult zertrat und nach Hilja schnappte.
„Außer dir, meine ich ..."
Wir liefen gleichzeitig los, Hilja in die eine Richtung und ich in die andere. Der Alptraum verfolgte mich, großartig …
Ich rannte schreiend den Hügel wieder hinab und ging auf der Plaza hinter einem der Pfähle in Deckung. Gerade noch rechtzeitig, denn der Drache schoss nun seine Flammen auf mich. Ängstlich versuchte ich durch die Flammen etwas zu erkennen, als ein Schatten an mir vorbeijagte und den Alptraum angriff.
Ich erkannte Haudrauf, der auf den Drachen einschlug, bis dieser nur noch kläglich wimmerte und einige Tropfen einer brennenden Flüssigkeit aus seinem Maul liefen.
„Nun hat sich's ausgeglüht." Er versetzte dem Drachen einen letzten Schlag und vertrieb ihn dadurch. Und das war natürlich der Moment, in dem sich der Pfahl entschied, umzufallen. Die Fackel, die oben drauf befestigt war, rollte einmal durchs Dorf und ließ Trümmer auf ihrem Weg zurück. Ich zuckte jedes Mal zusammen, wenn die Fackel irgendwo anstieß.
„Ach, ähm … Eins hab ich noch vergessen zu erwähnen ..."
Auf ihrem Weg rollte die Fackel über ein Netz gefangener Naddern, welche sich rasch aus den glühenden Resten befreien. Der Angriff der Drachen ist vorüber. Die Tiere fliehen, aber nehmen beinahe alles an Lebensmitteln und Tieren mit.
Ich blicke auf „Tschuldige, Vater … Dafür hab ich aber 'n Nachtschatten erwischt."
Er packt mich am Kragen und zieht mich ins Dorf. Ich versuche, ihn irgendwie zu überzeugen.
„Es, es ist nicht wie die letzten paar Male, Vater. Ich hab ihn wirklich, echt getroffen! Ihr wart beschäftigt und ich habe direkt auf ihn gezielt. Hilja hat es auch gesehen. Er ist abgestürzt, gleich neben dem Krähenkliff. Wir müssen einen Suchtrupp da rausschicken, bevor ..."
Vater unterbricht mich: „Schluss damit! Schluss – damit. Wann immer du das Haus verlässt, gibt es eine … Katastrophe! Verstehst du nicht, dass ich größere Probleme habe? Der Winter steht vor der Tür und ich habe ein ganzes Dorf durchzufüttern!"
„Also mal unter uns … Ein bisschen weniger Futter täte dem Dorf ganz gut, findest du nicht?"
Mein Sarkasmus kommt nicht wie erwünscht an.
„Das ist kein Witz, junger Mann." Er stöhnt. „Wieso tust du nicht einfach, was man dir sagt?"
„Ich kann mich nicht brensen! Wenn ich einen Drachen sehe, dann muss ich ihn einfach … töten. Verstehst du, so … bin ich nun mal, Vater."
Er schüttelt nur den Kopf.
„Du magst vieles sein, mein Sohn, aber ein Drachentöter ganz bestimmt nicht. Abmarsch nach Hause."
Jetzt wendet er sich an Grobian.
Und du sorgst dafür, dass er da ankommt! Ich muss das Schlachtfeld hier aufräumen."
Er seufzt und wendet sich zum Gehen. Ich hätte am liebsten noch was gesagt, aber Grobian zieht mich einfach mit. Wir kommen an den anderen Jugendlichen vorbei, die natürlich über mich herziehen.
„Die Show war der Hammer", ruft mir Taffnuss hinterher. Rotzbakke schließt sich an:
„Ich hab noch nie jemanden so abkacken sehen. Warst 'ne große Hilfe."
Ich starte einen Versuch ihm zu antworten.
„Danke, danke. War 'n Versuch … das heißt ..."
Grobian schiebt Rotzbakke weg. „Au." Dann lacht er sich kaputt.
Mittlerweile sind wir Zuhause angekommen. Ich versuche, Grobian zu erklären, was passiert ist.
„Ich hab wirklich einen getroffen."
„Na klar, Hicks ..."
„Er hört einfach nie zu!"
„Das liegt in der Familie."
„ … und wenn er mal zuhört, dann immer mit so 'nem enttäuschten Blick, als hätte ihm jemand zu wenig Speck auf sein Brot getan."
Ich versuche, meinen Vater zu imitieren.
„'Tschuldigung, Frau Wirtin. Sie haben mir hier eben gerade den falschen Nachwuchs serviert. Ich hatte 'n extra großen Burschen mit fetten Muckis bestellt. Diesen kühnen Helden von der Tageskarte! Dieser – Hänfling da ist doch nur 'ne halbe Portion."
Mir brach die Stimme weg. Den Schmerz länger zu verbergen, war eh nicht mehr nötig. Grobian versuchte, mich wieder zu beruhigen.
„Hör mal, Junge, du verstehst da was grundlegend falsch. Es ist nicht unbedingt dein Äußeres .. Es ist dein Inneres, was er nicht ausstehen kann."
Du hast falsch angesetzt, mein Lieber. Ich konterte mit meinem üblichen Sarkasmus.
„Ja. Schön, dass wir darüber gesprochen haben ..."
„Kurz gesagt: Hör auf, etwas sein zu wollen, was du nicht bist."
„Ich will doch nur mit dazu gehören ..."
Ich drehte mich um und betrat das Haus.
Drinnen wartete Hilja auf mich. Sie war wohl nach dem Angriff des Riesenhaften Alptraum hierher in Sicherheit geflohen.
„Was hat so lang gedauert?" Sie klang besorgt.
„Vater hat mich erwischt und mich mal wieder vor dem ganzen Dorf bloßgestellt." Sie nickte.
„Ich hab dich und Grobian reden hören. Das scheint dich alles ganz schön zu treffen."
„Was? Dass Vater mich entweder ignoriert oder total enttäuscht aussieht? Dass außer dir und Grobian keiner im Dorf normal mit mir redet?"
Sie nickte. Ganz tief in mir drinnen wusste ich, dass sie mir nur helfen wollte, aber manchmal machte sie es einfach nur schlimmer.
„Ich geh jetzt", waren meine einzigen Worte, bevor ich durch die Hintertür ging und meine Schwester zurückließ.
Sie rief mir noch irgendwas nach, aber ich konnte die Worte nicht mehr verstehen.
Hier am Anfang hab ich noch nicht so viele Geschwister-Momente, ich verspreche aber, dass das noch mehr werden. Und später kommen auch ein paar kleine Änderungen in der Geschichte, die aber die Handlung nicht großartig beeinflussen.
Ich suche übrigens noch nach einem Drachen für Hilja. Ich hab schon alles geplant, wie die beiden sich kennen lernen, aber ich bin mir einfach mega unsicher, welche Spezies am besten zu ihr passen würde. Also wer Vorschläge hat: Immer her damit!
