Titel: D.A. Maxwell, Privatdetektiv
Autoren: Zanna & Laren (ZaLa)
Disclaimer: siehe Prolog

Kommentar: Schön daß euch der Prolog gefallen hat. Da diese Frage doch des öfteren vorkam, möchten wir hier bekannt geben, daß die Frau, deren Rolle Heero sozusagen übernimmt, Laura hieß. Aber Relena ist definitiv NICHT Mildred. Wir hätten auch am liebsten Mildred gehabt, aber keine der GW-Figuren hätte da gepasst, und wenn wir die "echte" Mildred genommen hätten, wäre es wieder zu nah an der Serie gewesen. Stattdessen haben wir Murphys Rolle (für alle die sich an die Anfänge der Serie erinnern, Murphy war da Lauras Kollege) auf Relena und Wufei aufgeteilt.


Kapitel 1

Heero ließ seinen Blick durch die imposante Hotelrezeption wandern. Man konnte ja sagen, was man wollte, aber das First Regent verdiente seinen Ruf als erstes Haus am Platze sicher. Hier hielten sich nur die Reichen und Schönen auf. Kein Wunder also, dass ihr Auftraggeber seine berühmten Benefizgalas immer hier ausrichtete.

Bei dem letzten Gedanken zogen sich Heeros Mundwinkel leicht nach oben. Wenn sie diesen Auftrag zu aller Zufriedenheit ausführten – und daran hegte Heero keinen Zweifel, dann könnten sie in Zukunft damit rechnen mehrmals im Jahr engagiert zu werden.

Sicher, es ging hier nicht um einen wirklich wichtigen Fall. Es war ihm auch lieber einen echten Kriminalfall aufzuklären, aber Verbrechensverhinderung war schließlich auch wichtig. Und sie bezahlte sich sehr gut, davon einmal abgesehen, dass der Name ihrer Detektei in aller Munde war. So eine Werbung machte sich immer bezahlt. Es würden weitere Fälle aus der High Society folgen. Dessen war Heero mehr als sicher.

In dem Moment sah er ihren Auftraggeber zielstrebig auf sie zukommen. Heero setzte seine ‚Begrüß den Kunden' Miene auf und ging dem Mann entgegen. „Mr. Huntington. Wie schön sie zu sehen," erklärte er und reichte dem Mann seine Hand.

Edward Huntington III erwiderte Heeros Händedruck. „Mr. Yuy. Pünktlich auf die Sekunde. Und habe ich die Ehre mit Mr. Maxwell?" Er drehte sich fragend zu Wufei um.

Heero schüttelte leicht den Kopf. „Es tut mir leid, Mr. Huntington. Mr. Maxwell ist leider zurzeit unabkömmlich. Darf ich Ihnen meinen Kollegen Chang Wufei vorstellen? Er ist unser Sicherheitsexperte und wird Ihre Alarmanlage auf Herz und Niere prüfen."

Edward Huntington III, ein mittelgroßer Mann mit schütterem hellbraunem Haar sah für einen Moment sehr erstaunt drein. Dann begrüßte er auch Wufei aufs herzlichste. „Erfreut Sie kennen zu lernen," erklärte er.

Doch nachdem alle Begrüßungsformalitäten erledigt waren, wandte er sich wieder an Heero. „Mr. Yuy, ich hatte allerdings erwartet heute endlich Ihren berühmten Chef kennen zu lernen."

Heero seufzte innerlich. Diesmal war ihr Auftraggeber wirklich sehr renitent. Die meisten anderen ließen sich sehr viel leichter davon abbringen den berühmt berüchtigten D. A. Maxwell von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen. Normalerweise reichte es vollkommen, wenn Heero oder Wufei sich um ihre jeweiligen Kunden kümmerten und ihnen immer etwas von ihrem Chef ausrichteten. Kaum einem war jemals aufgefallen, dass sie D. A. Maxwell tatsächlich nie begegnet waren. Und im Endeffekt war das ja auch egal. Bisher hatten Wufei und er jeden Fall gelöst – und das war was wirklich zählte.

Aber Edward Huntington III war von einem etwas anderen Kaliber. Schon während der ersten Vorbesprechungen hatte er immer wieder erwähnt, dass er unbedingt D. A. Maxwell kennen lernen wollte – hatte das sogar zur Bedingung gemacht um ihnen überhaupt diesen Auftrag zu geben. Heero hatte gehofft, dass er den Mann lang genug hinhalten konnte, um alles unter Dach und Fach zu bringen. Aber scheinbar biss er sich an diesem Kunden die Zähne aus.

„Wie gesagt, Mr. Maxwell ist gerade unabkömmlich. Aber kein Grund zur Besorgnis alles wird zur Ihrer vollsten Zufriedenheit verlaufen," erklärte in diesem Moment Wufei mit einem sehr zuversichtlichem Lächeln.

Ihr Kunde blickte von einem zum anderen. „Das mag zwar sein, Mr. Chang, aber ich habe immerhin D. A. Maxwell engagiert. Da kann ich doch wohl erwarten, dass sich Ihr Chef zumindest um meinen Fall kümmert. Schließlich zahle ich ein ziemliches Sümmchen für seine Fähigkeiten."

Heero blickte selbstsicher drein – er hatte sehr schnell in diesem Job gelernt, dass man mit so gut wie jeder Lüge durchkam, solange man dabei nur vor Selbstbewusstsein strotzte. „Ich verstehe Sie vollkommen, Mr. Huntington. Aber lassen Sie sich versichert sein, dass unser Chef die ganze Sicherheitsmaßnahme für Ihre Gala selbst geplant hat. Alles ist seinem genialen Sachverstand entsprungen. Mr. Chang und ich sind nur die ausführenden Organe."

Täuschte sich Heero, oder hatte er tatsächlich ein leichtes Schnauben aus Wufeis Richtung gehört? Er war versucht seinem Freund und Kollegen den Ellenbogen in die Rippen zu stoßen. Aber das hätte Huntington erst Recht bemerkt.

„Sehr beruhigend. Trotzdem, ich muss darauf bestehen, dass Mr. Maxwell präsent ist. Immerhin, noch nie zuvor ist es jemandem gelungen die berühmte Claire de la Maire dazu zu bringen ihre Juwelen der Öffentlichkeit preis zu geben. Der rein materielle Wert der Exponate ist schon atemberaubend. Wenn man dann noch den Sammlerwert bedenkt – nun sagen wir, diese Ausstellung ist DAS lohnende Objekt für jeden Juwelendieb. Es wäre eine Katastrophe wenn irgendeinem der Stücke etwas zustoßen würde!"

„Das wird nicht geschehen. Darauf haben Sie D. A. Maxwells Ehrenwort," erklärte Heero.

„Gut. Aber wie gesagt, ich erwarte seine Anwesenheit. Morgen werden die Juwelen geliefert und die Gala öffnet am Wochenende ihre Tore. Spätestens ab Morgen erwarte ich Ihren Chef hier vor Ort."

„Wie schon gesagt, er ist zurzeit unabkömmlich."

Huntington winkte ab. „Dann soll er sich frei machen. Oder ist er mit einem anderen Fall beschäftigt? Gleichzeitig mit meinem?" Die Stimme ihres Auftraggebers klang ziemlich aufgeregt.

Und Heero erkannte, dass es Huntington völlig aufregen würde wenn er zugeben würde, dass D. A. Maxwell einen anderen Fall bearbeitete. Der gute Mann sah so aus, als würde er jede Sekunde explodieren. „Nein, nein," erklärte Heero deshalb schnell. „Mr. Maxwell wird seine volle Aufmerksamkeit nur Ihrem Fall widmen."

„Gut," der Manager nickte. „Ich werde dann veranlassen, dass eine Suite für Mr. Maxwell vorbereitet wird. Es ist sicherlich am einfachsten, wenn er die nächsten Tage über hier im Hotel wohnt. Macht sich auch sehr gut als Publicity."

„Ich werde es meinem Boss ausrichten," sagte Heero ergeben.

„Sehr schön. Dann werde ich ihn ja morgen endlich kennen lernen. Bis dahin sollten Sie vielleicht noch einmal mit dem Agenten der Versicherung sprechen. Wyndam-Price ist sein Name. Ich habe ihn vorhin im Speisesaal gesehen. Er hatte noch einige Fragen die für die Police relevant sind. Und die Alarmanlage kann im Ausstellungsraum jederzeit besichtigt werden." Huntington blickte von einem zum anderen. Dann nickte er erneut. „Meine Herren, ich muss Sie leider jetzt verlassen, die Pflicht ruft." Er schüttelte noch einmal Heeros und Wufeis Hand und ging dann in Richtung Rezeption.

„Scheiße," murmelte Wufei, als ihr Auftraggeber außer Hörweite war. „Da hast du uns ja ganz schön was eingebrockt Heero. Wieso hast du ihm gesagt, dass er Maxwell morgen kennen lernen kann?"

„Er wäre uns sonst abgesprungen Wufei. Der lässt sich einfach nicht davon abbringen. Ich hab schon alles versucht."

Wufei zuckte mit den Schultern. „Dann wäre er halt abgesprungen. Es gibt interessantere Fälle."

„Das schon. Aber keine die so gut bezahlt sind und die uns soviel exklusive Folge-Klienten einbringen wird. Irgendwas wird uns schon einfallen"

Wufei rieb sich unsicher das Kinn. „Aber was? Ab morgen soll Maxwell sogar hier wohnen."

Heero zuckte mit den Schultern. „Lass uns darüber nachher in Ruhe nachdenken. Entweder wir bluffen weiter, oder wir engagieren jemanden der Maxwell darstellt. Einen unbekannten Schauspieler oder so. Muss doch möglich sein für ein paar Tage." Es gab sicherlich da draußen einen Mann Mitte 50, der mit graumelierten Haaren und einer Pfeife im Mund ihren Chef spielen konnte.

„Das wird nur Probleme verursachen Heero. Was wenn das rauskommt? Oder der Typ uns dann erpresst?"

Heero winkte ab. „Im schlimmsten Fall könnten wir immer noch behaupten, dass es nur ein Ablenkungsmanöver war, damit unser Chef sich ungestört im Hotel bewegen kann. Irgendwas wird uns schon einfallen."

„Mir gefällt das nicht Heero," erklärte Wufei.

Heero seufzte tief. „Dann denk du dir doch etwas aus. Ich werde jetzt mit dem Versicherungsagenten sprechen."

Wufei grummelte noch etwas, ging dann aber in Richtung Ausstellungsraum. Heero blickte ihm nach. Er machte sich keine Sorgen. Sein Partner grummelte öfters, aber er war immer mit vollem Elan bei der Sache. Und für das D. A. Maxwell Problem würde ihnen gemeinsam auch schon noch eine Lösung einfallen.

Dann atmete Heero tief durch und machte sich in Richtung Speisesaal auf. Im Geiste rekapitulierte er noch einmal alle Daten für diesen Auftrag. Er würde dem Versicherungsagenten sicher ohne Probleme alle Fragen beantworten können.

Im eleganten Speiseraum angekommen, fragte Heero den Maitre nach Mr. Wyndam-Price, woraufhin der Maitre in eine der Ecken des Raumes deutete und Heero erklärte, dass es sich um den Gentleman handelte, der dort alleine an einem Tisch saß. Heero nickte dem Mann dankend zu und ging in die gedeutete Richtung.

Je mehr sich Heero diesem Tisch näherte, desto verwunderter wurde er. Er hatte in seiner Karriere schon so manchen Versicherungsagenten getroffen. Und normalerweise hatten sie auf ihn eher wie farblose, verhuschte Menschen gewirkt. Wyndam-Price war das genaue Gegenteil. Und das lag nicht einzig und allein an seiner doch sehr extravaganten Frisur. Der ganze Mann schien vor Selbstsicherheit zu vibrieren.

Heero räusperte sich kurz. „Mr. Wyndam-Price? Ich bin Heero Yuy, die rechte Hand von D. A. Maxwell. Wir sind für die Sicherheit der ausgestellten Exponate der Wohltätigkeitsgala verantwortlich. Man sagte mir, Sie hätten noch ein paar Fragen?"

Amethystblaue Augen strahlten Heero an, schienen dabei aber auch jeden Zentimeter von ihm genau abzuschätzen. Dann warf sein Gegenüber mit einer schnellen Bewegung seinen kastanienbraunen, langen Zopf über die Schulter. „Oh stimmt, ich hab ein paar Fragen. Es freut mich sehr Sie kennen zu lernen." Er reichte Heero seine Hand und nach einem festen Händedruck fuhr er fort, „Bitte setzten Sie sich doch zu mir und bestellen Sie sich auch etwas. Ich denke wir haben viel miteinander zu bereden."

Das Strahlen im Gesicht seines Gegenübers ließ Heero unwillkürlich lächeln. Ohne groß zu überlegen setzte er sich an den Tisch des Versicherungsagenten. Dies schien eine Unterhaltung ganz nach seinem Geschmack zu werden.