Kapitel2

„Meister Kenobi, fühlt Ihr euch nicht gut? Wir wissen, dass Euch der Tod Meister Yodas sehr nahe ging, aber wir dachten, inzwischen sied Ihr darüber hinweg. Vielleicht solltet ihr unsere Heiler aufsuchen?"
„Meister, das muss ein Irrtum sein, vor zwei Wochen saßen wir doch hier zusammen mit Yoda und haben über die neueste Mission von Anakin und mir geredet! Ihr müsst euch doch daran erinnern können, wie Meister Yoda seine Bedenken äußerte!" Er erntete nur besorgte Blicke.
„Obi-Wan vielleicht solltest du dich erstmal ein bisschen ausruhen und danach die Heiler aufsuchen. Ich denke, danach wird es dir wieder gut gehen."

Obi-Wan überlegte kurz, was er tun sollte. Hatte es einen Zweck, hier weiter zu machen? Sollte er nicht einfach tun, was man ihm gesagt hatte, um dann in Ruhe nachdenken zu können? „Sicher habt Ihr Recht. Ich werde mich jetzt in mein Quartier zurückziehen und mich ein wenig ausruhen. Es war alles ein bisschen viel in letzter Zeit." Mit diesen Worten verließ er den Ratssaal und machte sich auf den Weg zu seinem Quartier.

Als er an seinem Zimmer ankam, war die Tür verschlossen und sein Schlüssel passte nicht. Hervorragend. Und was kommt als nächstes? Er beschloss, sich davon nicht abhalten zu lassen und öffnete die Tür per Geisteskraft. Zuerst würde er sich eine schöne kalte Duschen genehmigen und dann über alles nachdenken.

Als er das Badezimmer betrat, lief er geradewegs in die Arme einer sehr nackten jungen Jedi, die erschrocken aufkreischte und hastig versuchte, sich mit einem Handtuch zu bedecken. „Was macht Ihr meinem Zimmer?", herrschte sie Obi-Wan empört an.
„Nun, das wollte ich Euch gerade fragen. Das hier ist mein Zimmer!" Obi-Wan wusste nicht so Recht, was er denn jetzt tun sollte, hin und her gerissen zwischen Scham und Belustigung. „Das ist ja wohl unerhört! Schaut Euch doch mal um, gehört hier irgendetwas Euch. Wahrscheinlich habt Ihr als Ratsmitglied so wahnsinnig viel zu tun, dass Ihr noch nicht einmal Euer eigenes Zimmer findet. Wollt Ihr jetzt nicht gehen oder starrt Ihr mich noch weiter so an, Meister Kenobi?"

Eilig suchte Obi-Wan das Weite, jedoch völlig ratlos, was er denn jetzt tun solle. Er wusste ganz genau, dass das sein Zimmer war, aber warum sollte eine Jedi einfach so seine Sachen aus- und ihre einräumen. Das machte absolut keinen Sinn. Allerdings konnte er auch schlecht jemand anderen fragen, wo denn sein Zimmer ist. Er hatte durch diese kleine „Affäre" vermutlich demnächst schon genug Ärger am Hals.

Kenobi entschied sich, Anakins Zimmer aufzusuchen und hoffte auf dem Weg dorthin, dass es sich bei dem Zimmer auch wirklich um Anakins handelte, denn nach allem, was bis jetzt passiert war, konnte er sich dessen vermutlich nicht so sicher sein.

Endlich angekommen, klopfte er zaghaft an die Tür. Zu seiner großen Erleichterung öffnete doch tatsächlich Anakin die Tür und schaute ihn fragend an.
„Hallo, Anakin. Darf ich hereinkommen?"
„Natürlich, Meister Kenobi." Meister Kenobi? Was war denn in Anakin gefahren. Voller Erfurcht machte Anakin Obi-Wan Platz, damit er eintreten konnte.
„Was verschafft mir die Ehre, Meister?"
„Ähm, Anakin, seit wann redest du so mit mir?"
„Wie wünscht Ihr denn, dass ich mit euch reden soll, Meister?"
„Na, so wie immer! Aber egal, kommen wir zum Thema. Wie kommst du mit dem Tod Meister Yodas zu recht?" Erstaunt blickte Anakin ihn an.
„Es war ein großer Verlust für die Jedi, aber ich persönlich hatte eher wenig mit ihm zu tun, deshalb traf es mich vermutlich nicht so schwer wie andere. Wieso interessiert Euch das?"

Je mehr Anakin sagte, desto deutlicher wurde es für Obi-Wan, dass die Person die vor ihm stand, nicht der Anakin war, den er kannte. Das ganze wurde immer mysteriöser und so langsam begann Obi-Wan sich Sorgen zu machen. Einer dunklen Vorahnung folgend fragte er: „Wie bewertest du deine Ausbildung?" Gespannt wartete er auf die Antwort.
„Nun, Meister Cendora ist ein hervorragender Mentor. Ich habe sehr viel von ihm gelernt." Obi-Wan lief ein eiskalter Schauer über den Rücken.

Fluchtartig verließ er den Raum, einen verdutzten Anakin zurücklassend, doch das war ihm im Moment egal. Was zur Hölle ging hier vor. Er kam sich vor, wie in einer anderen Welt, wie in einem kuriosen Traum, bei dem man hinterher aufwacht und sich fragt, was für merkwürdige Dinge man sich im Unterbewusstsein vorstellen kann.