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Christin lief gerade mit ihrer besten Freundin Lilly über den Flohmarkt, welcher jeden Sonntag auf dem Parkplatz des Supermarktes, zwei Querstraßen weiter von Christins Wohnhaus, statt fand. Lilly war eine bildhübsche, hochgewachsene, großbusige und naturblonde Schönheit die wirklich jeden Mann haben konnte. Daher hatte sie auch bereits schon jeden Mann gehabt der ihr gefiel.

Ihr zauberhaftes Puppengesicht mit dem kleinen Mund, welcher jedoch schöne volle Lippen aufwies, den großen ozeanblauen Augen und der makellosen Haut ließ jeden Mann dahin schmelzen. Zu mal Lilly ein typisches Mädchen war das nur zu gerne mit ihren Reizen spielte, um so den Mann für sich zu gewinnen. Sie ließ den Mann gerne den Beschützer spielen und sagte ihm dennoch was ihr gefiel und was nicht, da sie es verstand einen Mann so zu manipulieren, dass er tat was sie wollte.

Lilly kümmerte sich am liebsten um ihr gutes Aussehen, kaufte gerne hübsche Kleidung, schminkte sich meist viel zu viel und achtete stets darauf gut gestylt das Haus zu verlassen. Vermutlich waren es einfach diese absoluten Gegensätze die Lilly und Christin zu besten Freundinnen machten. Lilly war auch ein Partymäuschen, trank auf Partys mit Vorliebe Alkohol, hatte nach jeder Party einen neuen Liebhaber gehabt und konnte schon auf sehr viel sexuelle Erfahrung zurück blicken.

Aber so unschuldig wie sie aussah, war sie definitiv nicht. Sie nutzte die Männer für ihren Spaß aus und schoss sie in den Wind, wenn sie ihr langweilig wurden. Männer waren für Lilly nur Spielzeuge, denn die meisten Männer sahen dasselbe in den Frauen, weshalb sie den Spieß umgedreht hatte.

Lilly zog auf dem Flohmarkt bereits schon wieder jegliche Aufmerksamkeit des männlichen Geschlechts auf sich, da sie in einem kurzen hellblauen Jeansrock, offenen und schwarzen Absatzschuhen und einem bauchfreien und pinken Trägerhemd über den Flohmarkt lief. In ihrer Hand baumelte ihr gelbes kleines Ledertäschchen in dem sie ihre Geldbörse, ihr Smartphone und ihr Make-up aufbewahrte. In der Regel schminkte Lilly sich sofort nach, wenn sie einen Spiegel oder eine Damentoilette entdeckte.

Ganz bodenständig hingegen lief Christin neben ihrer besten Freundin her, welche nur eine schwarze und etwas enger sitzende Stoffcaprihose, die nur so eng saß weil sie diese aus Versehen mal zu heiß gewaschen hatte, ein schwarzes Shirt mit etwas großzügigem Ausschnitt, weiße Socken in schwarzen Chucks und ihre schwarze Umhängetasche von 'Nightmare before Christmas' trug. Ihr Haar trug sie offen, denn beim zusammenbinden ihrer Haare, vorhin auf dem Weg von ihrer Wohnung hier her, war ihr liebster Haargummi kaputt gegangen. Blöder Weise hatte sie auch nur diesen einen dabei gehabt und nahm nun ihr Schicksal hin das sie mit offenem Haar über den Flohmarkt gehen musste.

Lilly strich sich durch ihr schulterlanges und nahezu perfekt geföntes Haar, zwinkerte einem attraktiven, jungen und braunhaarigen Mann zu und blickte anschließend zu ihrer besten Freundin. Christin jedoch betrachtete, mit suchendem Blick, die Stände, musterte neugierig die Ware und ließ das Aussehen der, meist Mitte fünfzig-jährigen, Verkäufer auf sich wirken. Viele von ihnen wirkten von der Kleidung her tüdelig, eigenwillig und altmodisch, genauso wie die Waren die sie anboten. Christin war in der Hoffnung hier jemanden zu finden der einen alten Fernseher günstig zu verkaufen hatte.

Ihrer hatte nämlich vor zwei Tagen endgültig den Geist aufgeben. Das Bild war nicht mehr als ein Flimmern gewesen und man konnte daraus nur noch ein lustiges Rätsel machen, was da gerade auf dem Bild passierte. Der Sound war wenigstens noch auf monoton gelaufen, doch seit Vorgestern hatte sich auch die letzte Box dazu entschieden keinen Mucks mehr von sich zu geben.

Somit war klar das seine zwanzig Jahre sich nun langsam bemerkbar machten und es Zeit wurde ihn in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken. Nun brauchte das Christin einen neuen Fernseher.

Obwohl, neu musste er definitiv nicht sein. Christin konnte sich absolut keinen niegelnagelneuen Fernseher leisten konnte, nicht mal auf Ratenzahlung. Außerdem war sie auch nicht besonders erpicht auf diese hyper modernen Flatscreens Die Hauptsache war für sie dass er funktionsfähig war, Stereosound besaß und sie sich bewegte und bunte Bilder darauf anschauen konnte. Mehr wollte sie gar nicht.

Sie war in diesem Punkt wirklich sehr genügsam, was damit zusammen hing dass Luxus ihr nie sehr wichtig war. Daher hoffte Christin inständig einen Verkäufer zu finden der einen alten und funktionsfähigen Fernseher abzugeben hatte. Sollte sie auf dem Flohmarkt keinen finden, so würde sie sich bei ebay einen kleinen Fernseher raussuchen müssen und zu Gott beten das sie die Auktion gewann. Das war auf dieser Internetplattform schließlich immer so eine Sache mit dem Gewinnen der Auktionen. Entweder hatte man dort nur noch Händler oder die Auktionen gingen zu lange und waren so beliebt das der Preis für den Gegenstand unerhört in die Höhe getrieben wurde.

"Wow! Hast den gerade gesehen, Chris?!", kam es begeistert von ihrer besten Freundin, weshalb Christin sofort zu ihr sah und versuchte zu verstehen was sie mit ihrem Ausruf meinte. Sie war voller Hoffnung gewesen das Lilly einen kleinen günstigen Fernseher gesehen hatte und sie darauf aufmerksam machen wollte: "Was hab ich gesehen, Lil? Mach es doch nicht so spannend."

Lilly blieb ruckartig stehen, schlang den Arm um Christins Schulter, wandte sich mit ihr gemeinsam um und zeigte in die Richtung hinter ihnen. Augenblicklich suchte sie mit ihren Augen die Waren der Stände, an welchen sie bereits vorbei gegangen waren, nach einem Fernseher ab. "Na der Typ!", gab Lilly fast schon quietschend von sich, deutete mehrere Male in ein und dieselbe Richtung und war vollkommen hin und weg von dieser einen Person.

Mit den Augen rollend seufzte Christin entnervt auf, schüttelte leicht den Kopf und fragte etwas angesäuert: "Was denn für ein Typ?"

Wieder deutete Lilly, fast schon hysterisch, mit ausgestreckten Arm und Zeigefinger in dieselbe Richtung, so das Christin sich bereits fragte ob die Leute die Beiden bereits komisch anstarrten. "Na der da hinten mit den engen blauen Jeans und dem blau-weiß karierten Hemd! Der Blonde! Hast du sein Gesicht gesehen? Hast du seinen geilen Arsch gesehen?", sprudelte es ganz angetan aus ihr heraus, ehe sie träumerisch aufseufzte und sich erst wieder mit Christin umwandte als dieser aus Lillys Blick entschwunden war.

Zumindest ging Christin davon aus, da sie den 'Typ' nicht entdecken konnte und daher sich nur ein Bild in ihrem Kopf von einem Mann bildete. Dieser stand mit dem Rücken zu ihr, hatte blaue Jeans, ein blau-weiß kariertes Hemd, blondes kurzes Haar und einen wohlgeformten Po.

Verdrießlich zuckte sie daraufhin mit den Schultern, schob das Bild dieses Unbekannten von sich und ging mit Lilly weiter. Immerhin hatte sie ein Vorhaben und dieses wollte erfüllt werden, denn noch hatte sie nicht jeden Winkel und Stand nach einem Fernseher auf diesem Flohmarkt durchsucht.

"Nein, habe ich nicht. Ist mir auch egal.", kam es fast schon patzig von Christin, da ihr Herz eh nur für einen einzigen Mann schlug. Egal welcher Mann bei ihr vor der Tür stehen und um ihre Hand anhalten würde, sie würde ihn davon schicken so lange es nicht ihr geliebter Tim war. Doch da diese Vorstellung niemals wahr werden konnte, hatte sich Christin bereits damit abgefunden für immer alleine, ungeküsst und unberührt zu sein.

Allerdings kam sie erstaunlich gut damit klar, denn in ihrer Fantasie war sie Tag und Nacht mit ihrem Schwarm zusammen. Das war ein guter Trost für sie und das Schönste war, dass in ihrer Traumwelt keine Mädchen waren die erst seit dem Film von Steven Spielberg auf Tim und Struppi aufmerksam geworden waren.

Dort gab es keine Mädchen, die ihn nur wegen seines tollen neuen Aussehens wollten. Nein! Christin hatte ihren Tim dort ganz für sich alleine, war mit ihm liiert und überglücklich. Es gab keine Andere die ihr den hübschen Reporter wegnehmen konnte und das war ihr größter Trost. In ihrer Traumwelt gehörte er ihr ganz alleine und das würde für immer so bleiben.

Lilly hatte auf die Worte ihrer besten Freundin mit einem fragenden Blick reagiert, legte den Kopf schief und griff nach ihrer Hand. Ruckartig zog sie Christin zu sich, legte ihre Hände an ihre Schultern und fragte etwas entgeistert: "Dir egal? Christin!"

Diese fuhr bei der Aussprache ihres vollen Vornamens zusammen. Dies wurde meist nur getan, wenn sie Mist gemacht hatte oder zur Ordnung gerufen wurde.

"Wie kannst du nur sagen das es dir egal ist? Bei dem Arsch den er hatte?!", endete Lilly entrüstet und blickte ihre beste Freundin mit entsetztem Gesichtsausdruck an. Langsam und mit etwas freundlicherem Blick löste Christin sich von ihrer Freundin, strich ihr Shirt an den Ärmeln wieder zu Recht und meinte ehrlich: "Weil ich kein Interesse an einem anderen Mann habe."

Mit diesen Worten wandte sie sich von Lilly ab, ging ein paar Schritte weiter und hörte wie diese ihr folgte. "Kein Interesse? Oh, warte.", fragte sie irritiert, doch ihr Blick hellte sich schlagartig auf und auch ihr Tonfall wurde wieder freundlicher: "Dann hast du also endlich einen festen Freund?".

Nun wirkte Lilly viel interessierter und neugieriger, wobei ihre Lippen nun ein freches Grinsen schmückte. Auf Christins Gesicht legte sich nun ein verliebter Ausdruck und sie spürte ganz deutlich ihr Herz höher schlagen, denn ihre Gedanken kreisten wieder um den hübschen und rothaarigen Reporter.

Tief seufzte sie auf, schüttelte leicht den Kopf und antwortete mit verträumter Stimme: "Nein, aber wenn er real wäre, dann hätte ich ihn schon längst geheiratet." Oh ja, das hätte sie wirklich schon längst getan, denn sie wollte das Tim ihr gehörte und sie für immer zusammen waren. Natürlich wollte sie ihn heiraten und seine Frau sein, wobei ihre Eheringe klare Zeichen dafür waren dass sie nur einander gehörten.

Lilly sah nach wie vor interessiert zu ihr, betrachtete wie sich ihr Blick zum Verträumten veränderte und rollte bei ihrer Antwort gerade zu entnervt mit den Augen, ehe sie wieder an Christins Schultern griff und diese zu sich zog. Aus ihrer Traumwelt gerissen und mit erschrockenen Blick fand sie sich dicht vor Lilly wieder, sah in ihre blauen Augen und vernahm ihre entsetzten Worte: "Du willst mir doch nicht wirklich erzählen das du immer noch in diese Comicfigur verknallt bist oder?"

"Rede gefälligst nicht so abfällig von Tim.", fauchte Christin mit bösem Blick, zog sich sofort und empört aus Lillys Griff, richtete ihre Umhängetasche und konnte nicht fassen das Lilly noch immer so wenig Toleranz dafür besaß.

Lilly schüttelte entrüstet den Kopf, sah ihre beste Freundin fassungslos an, seufzte lautlos und meinte etwas ruhiger: "Chris, du weißt er wird nie real sein. Er ist nicht echt. Er wird niemals deine Liebe erwidern, weil er nur fiktiv ist." Eigentlich wollte Lilly sie nur vor einem Unglück bewahren, doch Christin fühlte sich persönlich sehr stark angegriffen, da sie Hals über Kopf in Tim verliebt war und das seit sie sechs Jahre alt war.

Langsam füllten sich ihre Augen mit Tränen, denn tief in ihrem Herzen wusste Christin das Lilly Recht hatte. Sie wollte es jedoch nicht wahr haben. Sie wollte die Wahrheit nicht sehen und lieber weiterhin in ihrer Traumwelt mit Tim zusammen sein.

"Ich liebe ihn, Lilly. Und daran wird sich nie etwas ändern.", sagte Christin leise, mit bebender Stimme und war in diesem Moment sehr bemüht nicht zu weinen, denn der Schmerz über diese Erkenntnis war, wie jedes Mal, sehr hart. So oft hatte diese Erkenntnis sie schon eingeholt und doch hielt dieser Schmerz nur noch wenige Augenblicke an, ehe er wieder verschwand und die innige Liebe zu dem fiktiven Reporter wieder hervor kam und bei jedem Mal noch stärker erblühte.

Mit einem schwermütigen Blick, seufzte Lilly leise auf und meinte mit ganz liebevoller Stimme: "Okay, Süße. Tut mir Leid, ich werde daran nicht mehr zweifeln - versprochen." Christin blickte ihre beste Freundin noch immer relativ wütend an, da sie sich mit ihrer Aussage sehr angegriffen gefühlt hatte. Sie liebte Tim von ganzem Herzen und konnte es nicht ertragen, dass ihre beste Freundin dafür so wenig Toleranz zeigte. Immerhin hatte sie niemals an Lilly herumgenörgelt und würde ihr nie sagen das sie eine männerfeindliche Tussi sei. Immerhin sah Christin Lilly mit anderen Augen.

Sie hatte hinter die Fassade geblickt und wusste als Einzige warum Lilly war wie sie war. Ihre beste Freundin war das Opfer einer unglücklichen Liebe geworden, in welcher der Mann ihr oft sagte sie sei hässlich und ihr deswegen fremd gegangen war. Aus diesem Grund war Lilly so männerfeindlich geworden, nutzte die Männer nur noch als Liebesspielzeuge und stylte sich so übertrieben.

Christin hatte das nie an ihr bemängelt, sondern immer gesagt das es egal war wie andere sie sahen und was diese von ihr hielten, denn sie hatte Lilly sehr gern und zwar so wie eine Schwester. Deshalb hatte sie gehofft dass ihre Liebe zu Tim bei ihr ebenfalls Toleranz hervorrufen würde, doch diese Worte hatten sie gekränkt. Tief in ihrem Inneren wusste sie jedoch wie Recht Lilly hatte. Christin wollte dies dennoch nicht hören. Schließlich reichte ihre Liebe zu Hergés Fiktion tiefer, als jedes vernünftige Argument auch nur Ansatzweise dringen konnte.

Langsam verschwand das böse Funkeln in Christins Augen und ein kleines Lächeln schlich sich auf ihre vollen Lippen, ehe sie nickte und ruhig sagte: "Schon okay. Du meinst es nur gut, aber du solltest wissen das es verschwendete Worte sind." Sie wandte sich von Lilly ab, ging ein paar Schritte und hörte ihre Freundin seufzen und sanfter sagen: "Stimmt, aber ich hatte Hoffnungen." Ein Lachen entfloh bei diesen Worten Christin, sie blickte zu Lilly und meinte ehrlich: "Gib diese Hoffnung lieber auf." "Und ich hatte so gehofft dich zur Vernunft zu bringen.", sagte Lilly gespielt beleidigt, hob eine Braue und warf ihr einen übertrieben empörten Blick zu, während sie weiter über den Flohmarkt liefen.

Christin schüttelte belustigt den Kopf, stupste sachte ihre Freundin an der Schultern an und erwiderte: "Du Dummerle, dabei ist das reine Zeitverschwendung." Mit einem Nicken stimmte Lilly zu, begann zu lächeln und gestand wieder mit lockerer Stimmung: "Ich hätte es wissen müssen." "Aber wirklich.", pflichtete Christin zufrieden bei, lächelte glücklich und war in diesem Moment froh das sie nun wohl doch Toleranz dafür aufbringen konnte. Hoffentlich würde das für immer so bleiben, denn sie wollte nicht in ferner Zukunft wieder so mit Lilly aneinander geraten, weil diese kein Verständnis für ihre etwas andere Liebe hatte.

Gemeinsam schlenderten die beiden Freundinnen weiterhin über den Flohmarkt und Christin suchte jeden Winkel und Stand nach einem Fernseher ab, der zum Verkauf stand. Doch jedes Mal wandte sie ernüchtert den Blick von dem Stand ab und suchte bereits in der Ferne einen weiteren Stand, welcher mehr Hoffnung in ihr weckte. Christin wollte einfach nicht sinnlos viel Geld ausgeben, damit sie sich bewegte Bilder auf einem Bildschirm anschauen konnte.

Sicher stand die Option des Internets noch offen, doch bei ebay kaufte man grundsätzlich die Katze im Sack, zumindest war das bei ihr stets so gewesen und andere Gebrauchtwarenplattformen gab es nicht. Zumindest wenn man nicht die Absicht hatte ein Auto zu kaufen, denn einen Wagen hatte sie bereits. Es war ein hübscher, alter und dunkelgrüner Mini Cooper, welcher zwar manchmal zu klein war aber im Großem und Ganzem vollkommen für sie ausreichte.

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Schließlich waren Lilly und Christin auf der anderen Seite des Flohmarkts angekommen und voller Ernüchterung hatte sie feststellen müssen, dass keiner der Verkäufer einen alten Fernseher im Angebot hatte. "Tja, du wirst wohl in den sauren Apfel beißen und entweder zu Media Markt oder Saturn oder einen Fernseher über Amazon bestellen müssen.", stellte Lilly mit ernsterem Ton fest, verschränkte die Arme vor der Brust und ließ noch einmal den Blick über den Flohmarkt schweifen.

Christin stand direkt neben ihr, verzog die Lippen zu einer entrüsteten Schnute, sah entnervt zur Seite und strich sich durch ihr Haar, während sie den Worten ihrer besten Freundin lauschte. Schwer und laut seufzte sie auf, ließ Kopf und Schultern hängen und murmelte leise: "Ich hoffe ich kann mir die monatliche Rate bei Media Markt oder Saturn leisten. Zu mal ich da erst mal nen Fernseher brauche der günstig ist." "Ach da gibt es schon ein paar günstige ab 250€.", kam es prompt von Lilly, während sie Christin aufmunternd die Schulter tätschelte und freundlich lächelte. Diese sah mit unglücklichen Blick auf, seufzte erneut und nickte schließlich leicht.

Ihre Gedanken überschlugen sich da sie sich fragte wie sie es finanzieren sollte, da ihre Arbeit als Betreuerin, bei Projekttagen, für Hortgruppen und Schulklassen nicht besonders viel Geld einbrachte. Sicher es reichte vollkommen aus, um gut Essen und Trinken zu können, allerdings durfte sie sich dennoch keine enormen Ausgaben erlauben.

Christin ließ ihren Blick ein letztes Mal über den Flohmarkt schweifen und erblickte keine zwanzig Meter von sich und Lilly, zu ihrer Linken, einen Stand der vor wenigen Augenblicken noch nicht da gestanden hatte. Zumindest war er ihr bis zu diesem Moment noch nicht aufgefallen. Eigentlich seltsam bei seiner, doch sehr auffälligen Aufmachung. Dieser Stand war ein typischer Budenanhänger, doch dieser hatte ein ähnliches Aussehen wie ein typischer Festivalwagen. Er besaß einklappbare Läden, welche mit Airbrusch-Bildern verziert waren die eine Art Zauberwald mit Feen, Einhörnern, fantastischen Pflanzen und anderen Tieren darstellten, während die Leuchttafel des Standes die Aufschrift "Fips' fantastische Fernseher" besaß. Man konnte sich diesen Stand fast schon ein bisschen wie den aus dem Film 'Das Kabinett des Dr. Parnassus' vorstellen. Er war auffällig, er war bunt und er hatte jede Menge Fernseher im Angebot!

Christins Augen begannen regelrecht zu leuchten, als sie diesen Stand erblickte. Mit ausgestrecktem Arm deutete sie in die Richtung des Wagens und streckte den Zeigefinger zusätzlich aus. "Sieh nur, Lil. Der war gerade eben aber noch nicht da oder?", kam es mit fasziniertem und freudigen Ton von ihr, woraufhin ihre beste Freundin dem Fingerzeig sehr interessiert folgte.

Lilly musterte den Stand, weitete bei dem Angebot und der Aufmachung des Wagens die Augen und gab etwas irritiert von sich: "Definitiv nicht. Der hätte uns gleich auffallen müssen." Christin wandte sich in die Richtung des Standes, richtete ihre Tasche, blickte über die Schulter zu ihr und meinte lächelnd: "Lass uns doch mal gucken was er so für Fernseher im Angebot hat. Vielleicht kann ich mir von diesen einen leisten."

Freudig setzte sie sich mit langsamen Schritten in Bewegung, musterte den Wagen immer wieder und ließ dabei ihre braunen Augen über die Fernseher gleiten, welche im Angebot waren. Mit interessiertem Blick war Lilly ihr gefolgt, lief nun wieder neben Christin her und ließ ebenfalls ihre Augen über den Stand schweifen. Allerdings lag Lillys Blick eher auf den Angestellten und dem Verkäufer.

Christin stoppte, als sie vor dem Wagen standen, sah sich die Waren an und war begeistert was der Verkäufer alles im Sortiment hatte. Es gab Fernseher in Hülle und Fülle und das Bewundernswerte daran war dass jedes Baujahr mit jeweils drei Exemplaren vertreten war.

Das Prunkstück des Standes war ein Flatscreen, welcher so groß war das Christin seine Diagonale auf mindestens 1,50 Meter schätze, was eine Zollgröße von ungefähr 70 ergab. Er war wirklich riesig. Sogar so dass Christin locker vor diesem stehen und sich in kompletter Größe darin sehen konnte.

Aber dieser kostete bestimmt ein Vermögen, weshalb sie ihren Blick von diesem Gerät wieder abwandte und sich die älteren Baujahre ansah und hoffte etwas in ihrer Preisklasse zu finden. Immerhin war ihr Budget begrenzt. Aus diesem Grund war es ihr nicht möglich sich ein Gerät zu kaufen, was so riesig war.

Christin betrachtete gerade einen kleinen und schwarzen Röhrenfernseher, welcher so groß war das man diesen hätte locker unter dem Arm klemmen können. Bei diesem Gerät war sie stark am überlegen, diesen zu kaufen. Er würde gut in ihre kleine Kuschelecke passen in der sie las, zeichnete, mit ihrem Laptop surfte und wie sonst auch fern sah. Es war Lilly die sie aus ihrer Überlegung riss, als sie ihrer besten Freundin sachte an die Schulter griff und ihr zu flüsterte: "Ist dir aufgefallen das an keinem Gerät auch nur in irgendeiner Form Preise stehen?"

Für den Moment sah Christin aus dem Augenwinkel zu ihr, hörte ihren Worten zu und zog skeptisch eine Braue hoch. Jedoch stellte sie keine Fragen oder gab Widerworte, sondern ging dieser Aussage direkt auf den Grund und betrachtete, von ihrem Standpunkt aus, jeden Fernseher ganz genau.

Lilly hatte Recht! An keinem der Fernseher war auch nur irgendein Preisschild zu sehen, woraufhin ihr der Blick misstrauisch wurde und sie sich begann zu fragen welche Preise der Verkäufer für diese Geräte verlangte. Vermutlich würde er unerhört hohe Preise für die Fernseher nennen und darauf wollte sie sich nicht einlassen. Tief seufzte sie auf, linste für einen Augenblick zu Lilly und sagte leise: "Okay, lass uns zu Media Markt gehen." Wieder tätschelte Lilly ihrer besten Freundin die Schulter, sah in ihr Gesicht und meinte aufmunternd: "Ich spendier danach ein Schokoeis." Auf diese Worte hin sah Christin leicht lächelnd in Lillys große blaue Augen und nickte zustimmend.

Die zwei Mädchen wandten sich anschließend zum Gehen um und erschraken fürchterlich, als ein mittelgroßer alter Mann mit einem schmalen Gesicht, freundlichen grünen Augen, einer großen Knollnase, einem großen Mund, einem schneeweißen Spitzbärtchen und kurzem grauem Haar vor ihnen auftauchte. Er hatte ein freudiges Lächeln auf den Lippen, trug einen feinen violetten Anzug, schwarze Lackschuhe und einen großen violetten Zylinder auf dem Kopf. Ein bisschen musste Christin bei der Farbwahl und des Anzuges an Willi Wonka denken, wobei sie fast geschmunzelt hätte, doch der Schock saß noch tief in ihren Knochen.

"Puh... mein Herr. Sie haben uns ganz schön erschreckt.", kam es in einem freundlichen Ton von Lilly, als diese sich von dem Schrecken erholt hatte und von dem offenherzigen Lächeln des Mannes angesteckt wurde.

Man konnte bei seinem Anblick gar nicht anders als zu lächeln, da er dies mit so viel Freude, Überzeugung und aus ganzem Herzen tat. Als Christin ihn so betrachtete verschwand der Schrecken recht schnell und ein angenehm warmes Gefühl durchflutete ihren Körper. Irgendwie hatte sie bei diesem Mann von Anfang an ein gutes Gefühl. Besonders als sie seine freundliche und warme Stimme vernahm bestätigte sich ihr gutes Gefühl: "Verzeiht mir, das war nicht meine Absicht. Ich wollte mich nur erkundigen ob ihr schon etwas gefunden habt oder ich euch beraten darf." Er war also der Verkäufer und Besitzer des Standes, woraufhin sie noch einmal kurz über die Schulter zu dem kleinen Fernseher sah.

Lilly wollte gerade den Mund aufmachen und sein Angebot ablehnen, als Christin ihr zuvor kam, auf das Minigerät deutete und freundlich fragte: "Das ist lieb von ihnen. Können Sie mir bitte den Preis für dieses kleine Gerät nennen?" Sie fing sich von ihrer besten Freundin einen tadelnden Blick ein, doch das ignorierte sie sehr gekonnt, blickte den älteren Mann hoffnungsvoll lächelnd an und wartete seine Antwort ab. Der Ältere war mit seinen freundlichen grünen Augen ihrem Fingerzeig gefolgt, hatte gesehen auf welches Gerät sie gedeutet hatte und begonnen herzhaft zu lachen.

Bei seinem Lachen schwand das Lächeln und die Hoffnung aus ihrem Blick und sie seufzte leise auf, da es für sie wirkte als würde er ihr gleich einen saftigen Preis nennen. Wenn das so weiterging würde sie für die nächste Zeit ihren Lieblingsfilm und ihre Lieblingszeichentrickserie, welches Beides 'Tim und Struppi' war, eine lange Zeit nicht mehr anschauen können. Somit würde sie nur die wenigen hübschen Bilder von Tim bei der Google Bildersuche und auf ihrem Laptop haben, die sie anhimmeln konnte. Natürlich würden auch andere Serien und Filme wegfallen, doch um diese trauerte sie am meisten.

Sachte legte der Mann seine Hand auf ihre Schulter, ließ Christin so wieder in sein Gesicht blicken und sagte mit sanftmütigen Ton: "Das kommt gar nicht in Frage. Für dich habe ich ein ganz spezielles Gerät." Lilly wollte protestieren, als der Ältere ihre beste Freundin mit sanfter Gewalt umwandte und zu einem anderen Gerät führte, bis ihr ein Assistent des Mannes über dem Weg lief dem sie nicht widerstehen konnte.

Sein muskelgestählter Körper, sein markantes Gesicht, sein langes schwarzes Haar und die Tatsache das er nur mit engen blauen Jeans und schwarzen Sneakers bekleidet war erregte ihre volle Aufmerksamkeit. Vergessen war der Protest. Vergessen war der ältere Mann. Vergessen war Christin. Lilly folgte dem hübschen Schwarzhaarigen, tippte ihm auf die Schulter und verwickelte ihn rasch in ein eindeutig zweideutiges Gespräch, während der Verkäufer sich um Christin kümmerte.

Er war mit ihr vor den Blickfang des Wagens getreten, musterte mit ihr zusammen den riesigen Flatscreen und sagte mit warmherzigen Ton: "Dieses Gerät ist für dich geschaffen, Christin." Allein die Tatsache das er sie zu diesem Gerät geführt hatte ließ Christin etwas duselig im Kopf werden. Wollte er ihr etwas dieses Gerät verkaufen? Oh Gott! Das konnte sie sich doch nie im Leben leisten, weshalb sie den Entschluss fasste ihn darüber rasch in Kenntnis zu setzen, doch dazu kam sie erst gar nicht.

Er hatte bereits wieder begonnen zu sprechen und als er ihren Vornamen aussprach verkrampfte sich ihr Magen und ein eiskalter Schauer lief ihren Rücken hinunter. Woher kannte er ihren Vornamen? Wie war das möglich? Schnell ließ sie den Aufenthalt vor diesem Stand mit Lilly Revue passieren und stellte dabei geschockt fest das er ihren Namen nicht gehört haben konnte. Lilly hatte ihn nicht erwähnt!

Christin schluckte hart, sah den Verkäufer mit großen Augen an und blickte in sein belustigt lächelndes Gesicht, weshalb sie nun gar nicht mehr wusste was sie von dieser ganzen Situation und von ihm halten sollte. "An deinem Gesichtsausdruck lese ich ab, dass du keine Ahnung hast wie ich auf deinen Namen komme. Dabei ist die Antwort so simpel wie genial.", antwortete der Ältere höflich, legte den Arm um ihren Rücken und sah nun freundlich, aber auch eindringlich, in ihre braunen Augen.

Wieder schluckte sie und versuchte zu verstehen was er ihr sagen wollte, doch so ganz wollte es einfach nicht in ihren Kopf. Was war daran simpel? Was war daran genial? Woher, in drei Teufelsnamen, kannte er ihren Vornamen?

Noch immer schwieg sie ihn an, weshalb er nun wieder das Wort ergriff und freundlich sagte: "Ich besitze die Gabe in deine Seele sehen zu können. Du besitz etwas das heutzutage von großem und unschätzbarem Wert ist." "U-und was... wäre das?", wollte Christin nun mit unsichrer Stimme wissen, denn ihre Neugier war geweckt und sie wollte unbedingt erfahren woher er ihren Namen kannte. So etwas war ihr in ihrem ganzen Leben noch nie passiert und so schlich sich nun eine gewisse Panik bei ihr ein.

Der Verkäufer sah weiterhin in ihre Augen, drückte freundlich ihre Schulter, lächelte aufrichtig und antwortete ehrlich: "Du hast ein reines Herz, Christin. Du bist weder anspruchsvoll, weder gehässig noch hinterlistig anderen Menschen gegenüber. Selbst deinen Eltern, welche dich im Stich ließen, kannst du keine bösartigen Gefühle gegenüber aufbringen. Wut und Enttäuschung, ja, aber von Hass bist du meilenweit entfernt. Du bist frei von böswilligen Absichten und denkst zu erst an andere bevor du an dich denkst. Für deine Freunde würdest du dein Leben geben, wenn es sein müsste. Daher ist dieses Gerät für dich geschaffen."

"Oh... okay...", kam es fassungslos von Christin und in einem ehrfürchtigen Tonfall, da es sie faszinierte und auch ängstigte das dieser Mann so tief in ihr Inneres sehen konnte. Angeblich konnte er in ihre Seele sehen und seine Aussage über ihre Eltern hatte ihr dies nur bestätigt. Das Christin mit ihrer Mutter nach dem Verschwinden ihres Vaters nicht mehr klar kam, war der Grund warum sie mit achtzehn von zu Hause fluchtartig auszog und in die erst beste Ein-Raum-Wohnung zog die von der Miete her bezahlbar war.

Im Nachhinein hatte sie aus dieser Wohnung ihr eigenes kleines Paradies gemacht, welches sie sich mit ihrer schwarz-beigefarbenen Mopsdame Betty und ihrem pechschwarzen Kater Bagira teilte. Vielleicht war es naiv dem Älteren so einfach zu vertrauen und nicht davon zu laufen, doch auf irgendeine bizarre Art und Weise fühlte sie sich bei ihm in guten Händen. Es war eine verquere Situation und doch war sie berührt davon gewesen wie er sie sah und das er, trotz ihrer kurzen Bekanntschaft, so viel Gutes von ihr hielt.

Ein kleines Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie seine Aussage auf sich wirken ließ und sie festgestellt hatte dass er mit seinen Worten nicht Unrecht hatte. Natürlich war Christin kein perfekter Mensch, denn sie hatte auch ihre Schwächen, schlechten Eigenschaften und konnte manchmal wirklich unausstehlich sein. Doch im Grunde ihres Herzens würde sie nie mutwillig und bewusst jemanden weh tun und es stimmte auch das sie für ihre Freunde durchs Feuer gehen würde. Immerhin waren diese und ihre Liebe zu Tim das Einzige was sie über all die Jahre aufgebaut hatte.

Allerdings fragte sie sich noch immer was er mit 'Das Gerät ist nur für dich geschaffen' gemeint hatte? Das war ihr ehrlich gesagt noch ein Rätsel, doch vielleicht war das auch nur ein Spruch der zum Kaufen anregen sollte. Wenn ja, woher wusste er dann all diese Dinge? Nein, das brachte nichts darüber nachzudenken, das würde ihr nur Kopfschmerzen machen, weshalb sie diese ganze Sache einfach auf sich wirken ließ.

Als der Verkäufer ihr Lächeln bemerkte, nickte er ruhig, sah zum Fernseher und vernahm ihre zaghafte Frage: "Was soll der Fernseher denn kosten?" "Dieses Schmuckstück?", er zeigte auf den großen Fernseher, holte sich ihre Bestätigung ein, die sie ihm mit einem Nicken zu verstehen gab, begann zu lächeln und drückte erneut sanft ihre Schulter. "Ich schenke ihn dir, reines Herz. Er hat nur auf dich gewartet und ist nun bereit dir deinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen.", antwortete der Verkäufer freudig lächelnd, löste sich von Christin und pfiff zwei muskelbepackte junge Männer zu sich, die er mit den Auftrag versorgte das Prunkstück einzupacken und mit Christin zu ihrer Wohnung zu fahren. Sie hatte nicht einmal die Möglichkeit gehabt zu widersprechen, da die Männer sich sofort ans Werk machten, den Fernseher anhoben und zu einem kleinen Sprinter trugen, woraufhin sie ihn sehr vorsichtig einluden.

Sehnlichster Wunsch? Ein Fernseher? Geschenk? Christin war in diesem Moment ein klein wenig mit der Situation überfordert. Ein Fernseher, hallo?! Wie sollte er ihr ihren sehnlichsten Wunsch erfüllen? Woher sollte das Gerät überhaupt wissen was ihr sehnlichster Wunsch war? Gut, schwer zu erraten war das nicht, zumindest nicht wenn man Christins obsessive Liebe zu Tim kannte.

Aber wie sollte das ein Fernseher wissen? Vor allem wie sollte er ihr diesen Wunsch erfüllen? Fragen über Fragen prasselten auf sie nieder und sie hatte keine Möglichkeit auch nur eine einzige zu stellen, zu mal ihre Freude über diese, wahrlich kostengünstige, Errungenschaft sie gerade auf einen mentalen Höhenflug schickte.

Mit einem überglücklichen Lächeln wandte sich der Verkäufer wieder der verblüfften Christin zu, legte den Kopf schief und hörte sie voller Herzlichkeit und Freude sagen: "Ich danke Ihnen, vom ganzem Herzen."

"Nicht doch. Ich danke dir das ich dich kennen lernen durfte, reines Herz.", erwiderte der Ältere voller Dankbarkeit, griff nach ihren Händen, drückte diese fest und sah mit seinen warmherzigen grünen Augen in ihre. Wie ein Vater strich er über ihre Wange, atmete tief durch und fügte hinzu: "Pass gut auf dich und dem Prunkstück auf, reines Herz. Du darfst nicht zu lassen das der Fernseher Schaden nimmt, sonst zerplatzt die Erfüllung deines Wunsches wie eine Seifenblase."

Christin lächelte voller Glück, vernahm sehr deutlich seine Worte und versprach ihm fest: "Ich werde gut auf den Fernseher und auf mich aufpassen. Danke, mein Herr." Mit diesen Worten ließ er ihre Hand los, wandte sich mit einem sehr zufriedenen Blick um und entfernte sich von jetzt fiel Christin auf das der Mann sie ständig 'reines Herz' genannt hatte, woraufhin sie schmunzeln musste. Das erinnerte sie an die Tatsache dass ihr geliebter Tim in einer Episode, welche den Namen 'Tim in Tibet' trug, ebenfalls 'reines Herz' genannt wurde.

In dieser Folge hatte er fest daran geglaubt dass sein guter Freund Tschang einen tödlichen Flugzeugabsturz in einem tibetanischen Gebirge überlebt hatte und war somit aufgebrochen, um ihn zu suchen. Ob das Absicht vom Verkäufer war? Ach was! Das war bestimmt nur ein Zufall.

Lilly erschien im nächsten Augenblick mit einem breiten Grinsen auf den Lippen bei ihrer besten Freundin, strich sich durch ihr blondes Haar und sagte etwas kichernd: "Der Typ war der Hammer. Er konnte ja so verdammt gut küssen und sein Ding war ein echtes Schmuckstück. Selten hab ich so ein Riesending gehabt." Die Wangen Christins färbten sich etwas rosa, als Lilly so von dem Gemächt des, für Christin gänzlich unbekannten, Mannes schwärmte.

Allerdings fiel ihr jetzt erst auf, dass Lilly die ganze Zeit nicht zu sehen war, während der Verkäufer mit ihr gesprochen hatte. Auf der anderen Seite war es nur typisch für ihre beste Freundin gewesen mit einem Mann ihrer Wahl für kurze Zeit zu verschwinden und danach vollkommen ausgelastet wieder zu erscheinen. Von daher gab Christin darauf nicht besonders viel, sondern erzählte Lilly nur das sie einen Fernseher bekommen hatte und sie nun mit den Männern, welche ihr den Fernseher zu ihrer Adresse bringen und in ihre Wohnung tragen sollten, mitfahren würde.

Jedoch hatte sie ihr noch nicht gesagt unter welchen Umständen sie den Fernseher bekommen hatte. Sofort hatte Lilly sie umarmt, beglückwünscht und sich für sie, von ganzem Herzen, gefreut. Christin erwiderte die Umarmung und deutete anschließend auf den weißen Transporter an dem die zwei Männer lehnten. Lilly war dem Fingerzeig ihrer besten Freundin mit ihren hungrigen blauen Augen gefolgt und hatte prompt die zwei muskelgestählten Männer entdeckt, die auf Christin warteten.

Genüsslich leckte sie sich die Lippen, sah Christin an und meinte geradeheraus: "Ich komme natürlich mit. Die zwei kann ich mir nicht entgehen lassen." Natürlich konnte sie sich die beiden Männer nicht entgehen lassen, da Christin sonst hätte fragen müssen ob Lilly krank sei. Schließlich ließ sie sonst Nichts anbrennen, weshalb Christin ihre Aussage nur mit einem Lächeln quittierte.

Gemeinsam mit Lilly wollte Christin gerade zu dem Sprinter gehen, als ihr der Verkäufer noch einmal über den Weg lief, sie herzlich anlächelte und ihr mit sanfter Stimme sagte: "Er wartet bereits darauf dich endlich zu sehen, Christin."

Das Wort 'er' betonte er sehr stark, weshalb dies ein neues Rätsel für sie aufwarf. Trotzdem lächelte sie ihn dankbar an und neigte respektvoll den Kopf. Sie war überglücklich mit Lilly hier her gekommen zu sein und auf ihre Neugier gehört zu haben. Ohne diese wäre sie niemals auf den Stand zugegangen und hätte diesen großartigen älteren Mann niemals kennen gelernt.

Plötzlich griff Lilly nach ihrer Hand, zerrte an dieser und zog ihre beste Freundin in die Richtung des Wagens, in welchem ihr neuer Fernseher lagerte. "Komm schon, wir wollen keine Zeit verlieren.", sagte sie eifrig, zog Christin hinter sich her und stieg kurz darauf mit ihr in den Transporter. Im Wagen hatte Christin dem Fahrer ihre Adresse genannt, welcher nur genickt hatte.

Während der kurzen Fahrt und der Zeit, wie die Männer ihr den Fernseher in die Wohnung trugen, dachte sie über die letzten Worte des Verkäufers nach; Er wartet bereits darauf dich endlich zu sehen, Christin.
Aber wer wartete auf sie?

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