Leo sagte er fühle sich nicht gut und bräuchte etwas Luft. Er ging weit weg vom Trainingsraum, weg von ihrem Zuhause und versteckte sich hinter verwinkelten Ecken der Kanalisation. "Shit," zischte er und begann sich schnell zu berühren. Er hatte nicht bemerkt das ihm Jemand gefolgt war bis es schon zu spät war. "Raph!" Er wandte sich mit hochrotem Kopf ab doch er war zu paralysiert und zu leider auch erregt um irgendetwas zu sagen. Raph stand da wie ein Fels und musterte ihn eine Weile mit starrem, urteilendem Blick. Er würde ihn gleich schelten oder etwas herablassendes sagen so wie er ihn ansah ohne auch nur zu blinzeln. Oder konnte er sich nicht satt sehen? Nein Unsinn! Was bild ich mir da ein?

Vor Nervösität und Erregtheit flach atmend, lehnte Leo gegen die Wand. Leo konnte nicht sagen ob Raph enttäuscht oder wütend war denn sein Blick war zwar intensiv aber so unergründlich wie ein schwarzes Meer. Dann kam er auf ihn zu. Leo wusste nicht was er tun sollte. Was passiert jetzt?

Er erwartete Worte von seinem Bruder doch als er vor ihn trat blieb er nicht stehen und quetschte Leos Körper zwischen sich und der Wand ein. Er sah Leo in die vernebelten Augen und dann an ihm runter. Er musterte seinen Körper. Er sah ihn heute nicht zum ersten mal so starren. Raphael hatte diesen teuflischen Blick auch kurz bevor er Jemanden angriff doch etwas war anders. Er hatte nichts drohendes sondern etwas... er wusste es nicht. Leo, immer noch unfähig etwas zu sagen, stand einfach nur da und sah Raph dabei zu wie seine Augen über ihn wanderten. Er fühlte seinen Blick. Dann fixierte er einen Punkt auf Raphs Brustpanzer und starrte in die Leere.

Er war zu schamerfüllt um ihm in die Augen zu sehen. Unvollendete Fragen schossen ihm durch den Kopf gestellt von einer heiseren Stimme.Seiner Stimme. Er stöhnte in seinen Gedanken.

Du brauchst es. Raph schob sein Bein zwischen Leos und rieb damit an seinem Schritt. Eine Hitze tat sich ihn ihm auf und vernebelte seine Gedanken vollständig. Unwillkürlich stöhnte er leise auf.

Was geschieht hier? Er wollte nicht wissen was hier geschieht. Aber warum? Was-Ist doch egal. Es fühlt sich gut an, sagte die Stimme. Genieße.

Er sah Raph immer noch nicht in die Augen. Berühr mich... fass mich an... sagte etwas in seinem Kopf lüstern. Er schien seine Gedanken wohl unbewusst geberdet zu haben denn Raphs Hand legte sich angenehm aufdringlich auf seine verborgene Männlichkeit. Blut rauschte blitzartig durch seinen Körper und schien seinen Geist mit sich zu reißen.

Er ließ ein erleichtertes Seufzen hören und legte genussvoll den Kopf in den Nacken.

Von fremden Händen berührt zu werden war ein Genuss jenseits von allem. Die Lust legte sich um ihn wie eine undurchdringliche Wand die ihn von der Außenwelt abschottete. Nichts existierte mehr. Es fühlte sich an als würden Stunden vergehen in denen er einfach nur Raphaels Berührungen genoss. Wie er an ihm rieb und ihn mit seinen Blicken durchbohrte- Es war honigsüß. Seine Atmung hatte sich zu keiner Sekunde beruhigt und das sorgte dafür das ihm schwindelig wurde. Seine Fingerspitzen zitterten und es schien ihm so als würde seine Zungenspitze leicht kribbeln und vibrieren. Es war ein sündhafter Genuss und er wollte das es ewig so weiter geht.

Die Stimme in seinem Kopf sagte wieder lüsterne Dinge und diesmal war das wonach sie sehnte ein so unausweichliches Verlangen dass er gar nicht versuchte dagegen anzukämpfen.

"Raph... schlag mich!..."

Raphael hörte auf mit dem was er tat und sah ihn verwirrt an. Der Nebel in Leos Kopf lüftete sich und er bereute Raph unterbrochen zu haben.

"Was?" Seine Stimme klang gefestigt, in der Realität verankrt. Er nahm alles was grade passierte klar wahr doch Leos Kopf war zu weit in den hitzigen, wabernden Wolken als das ihn das hätte nervöß machen können.

"Schlag mich...bitte," brachte Leo mit zittriger Stimme hervor und diese Worte kamen aus seinem tiefsten Innersten.

Raph sah ihn an.

Dann hob er die Hand und mit zusammen gezogenen Augenbrauen klapste er Leo leicht auf die Wange als würde er damit versuchen ihn wieder zu Vernunft zu bringen.

Leo lachte. "Vergiss es."

"Ich glaub nicht das ich das kann," gab Raph zu. "Warum willst du das ich dich schlage?"

"Ich dachte nur... es ... Ach nein, vergiss es."

Schon wieder dieser bohrende Blick. "Ich dachte nur es fühlt sich vielleicht gut an... wenn du's nicht zu doll machst meine Ich."
Jetzt lachte Raph. "Du stehst auf sowas?"

Leo wusste nicht recht was er sagen sollte. Die Tatsache dass das was passierte grade passierte hat er immer noch nicht ganz verdaut und das Raph nun mit ihm sprach entriss ihm die Vermutung das es nicht real war. Das gab allem eine ganz andere Note.

"Vielleicht," sagte er, sich selbst gegenüber unsicher. Raph sah ihn einfach nur weiter wie versteinert in die Augen mit einem Blick den er nicht deuten konnte. Ein Moment verstrich, dessen Spannung Leo anfangs gar nicht bemerkte.

Er sah eine Hand auf sein Gesicht zuschnellen und in nächsten Moment brannte seine Wange. Ein sattes Echo hallte von den Wänden wieder. Er hatte nicht geschrien, nicht mal groß gezuckt. Als hätte die Ohrfeige für einen Moment alles ihn ihm angehalten. Er atmete gepresst aus. Er fühlte sich als ob ein Staudamm brach und war auch immer es war was heraus floss es machte ihn bereit und willig für mehr.

Sie sahen sich an. In Raph Augen war wieder dieses Feuer, kaum zu sehen hinter seiner undurchdringlichen Art doch die hitze war förmlich zu spüren. Diesmal blinzelte auch Leo nicht.

Vorsichtig gewöhnten sie sich an die Tatsache das es ihnen gefiel.

Es wird nicht das letzte mal sein.

Die Einsamkeit die sie an manchen Tagen durchmachten hatte ihn sich schon oft fragen lassen ob sowas je passieren würde. Das sie sich die Zuneigung die sie brauchten aus Neugier, Langeweile oder Verzweiflung bei einander holen würden. Er hätte nicht gedacht das es so passieren würde und schon gar nicht hatte er damit gerechnet das er solche Sachen...

Es war ein bisschen viel auf einmal doch sie waren nicht allein in diesen neuen perversen Abgründen.

"Hier seid ihr!" Leos Herz schien vor schreck zusammen zu zucken. "Ich such euch schon überall! Splinter will das ihr zurück kommt," teilte ihnen Mikey mit der Leo mit seiner lauten Stimme wieder in die Realität riss.

"Wir kommen," sagte Raph knapp ohne die Augen von Leo abzuwenden. Mikey schenkte seinem merkwürdigem Verhalten wenig Beachtung. Wahrscheinlich dachte er sie haben wieder gestritten. "Wer letzter ist, kriegt keine Pizza!" Und so schnell wie er gekommen war, war er auch wieder, wenn auch nicht grade leise, in den Tunneln verschwunden.

Ist das grade wirklich passiert? Leo rief sich die letzten Erinnerungen ins Gedächtnis. Sie wirkten unwirklich aber ungetrübt. Es muss wohl wirklich passiert sein...

Dieses Geheimnis würde fortan wie ein unsichtbarer Freund zwischen ihnen existieren. Ungesehen vom Rest der Welt doch ganz deutlich für sie beide. Er schmunzelte in sich hinein. Ihm gefiel es dieses Geheimnis zu tragen. Er wurde aus seinen Gedanken gerissen als er bemerkte das Raph nicht mehr vor ihm stand. Er blickte ihm einen Moment hinterher und rannte ihm dann nach. Sie hörten Mikey aus den Tunneln schreien: "Wo bleibt ihr denn?!"

Und in sich hinein grinsend lieferten sich die beiden ein kleines Wettrennen.