Kapitel 2: Schwarz & Weiß
Interessiert blickte Cameron, mit Besorgnis in ihrem Gesicht, hinüber zu John, welcher sich
zitternd und still weinend an der Heizung anlehnte.
Als sie ihn zentriert anblickte aktivierte sich die Identifikations-Software selbstständig und ihr Gesicht wurde blank:
IDENTIFICATION…
Ihr Blick neigte sich und schien überrascht zu sein, als das Ergebnis aufblinkte:
IDENTIFICATION: JOHN CONNOR
Protokolle initialisierten sich und ihre Skynet-Datenbanken wurden durchforstet, bis ein Befehl eingeblendet wurde:
MISSION: TERMINATE
Ihr Blick wurde finster und sie visierte ihr neues Ziel an und führte den Befehl, ohne mit der Wimper zu zucken, aus.
Die Kugel traf Johns linke Brust, nahe am Herz und ein erster optischer Scan brachte die Gewissheit, dass die Verletzung fatal war und die Kugel langsam zum Herzen wanderte.
Gebannt starrte sie auf die Szenerie vor ihr, während Sarah hysterisch zu ihrem Sohn lief und ihr HUD ihr empfahl ein weiteres Mal abzudrücken - doch sie kam zu dem Entschluss, dass dies nicht notwendig war…
Langsam blickte John mit verletzten Augen noch einmal auf, in ihre Augen, bevor seine Augenlieder flimmernd zufielen und sein Körper erschlaffte.
Etwas stimmte nicht, kam Cameron zum Entschluss und führte eine Systemanalyse durch, den Blick und die Pistole nun auf Sarah gerichtet, die sich hinab beugte um ihren Sohn auf die Wange zu küssen.
„John!", schluchzte sie schreiend mit tränenverschmierten Gesicht, „John! Wach auf!"
„Oh John! Nein!... Nein!", schrie sie aus und blickte mit vollem Hass die Maschine an, welcher sie erlaubt hatte unter ihrem Dach zu leben, die mit ihnen gelebt hatte.
„Los doch! Tu es! Töte mich!", schrie sie Cameron an, „Nichts auf der Welt ist noch wichtig!"
Sie wusste, dass sie Cameron nichts anhaben konnte. Ihre Arme, waren, anders als bei Johns reglosen Körper, noch immer hinter ihrem Rücken mit Kabelbinder aneinander geheftet.
In ihrer jetzigen Lage hatte sie keine Chance gegen die Maschine vor ihr – eine falsche Bewegung und sie war tot, das wusste sie.
„Töte mich!", schrie sie Cameron weiter an
„Worauf wartest du noch!", schrie sie Cameron weiter an, „Erschieße mich!"
Cameron visierte daraufhin Sarahs Kopf an, drückte jedoch nicht ab und verharrte.
Ihre Identifikations-Software lief ein weiteres Mal selbstständig ab:
IDENTIFICATION…
Ihr Blick blieb blank, als das Ergebnis aufblinkte:
IDENTIFICATION: SARAH CONNOR
Ausgelöst, durch das passiv-aggressive Verhalten Sarahs, führte die Software eine Gefahrenanalyse durch:
THREAT LEVEL: NONE
MISSION: NONE
Die Einschätzung konnten nicht stimmen, soviel ging aus Camerons persönlichen Daten hervor.
Sarah war eine nicht zu unterschätzende Kämpferin, sodass sie ihre Systemanalyse beschleunigte.
„Schau dir meinen Sohn an!", zischte Sarah nun voller Hass, „Schau was du mit ihm getan hast!"
Verwirrt blickte Cameron daraufhin hinüber zu Johns reglosem Körper:
„Ich verstehe nicht", erwiderte sie, „Er ist so gut wie tot. Er soll doch tot sein. Das ist, was meine Aufgabe ist!", erklärte sie ohne Emotionen in ihrer Stimme, klar und deutlich.
„Ist das, was Freunde sich antun!", schrie Sarah daraufhin entsetzt zurück, „Was hast du getan!", fuhr sie fort und ließ für einen Moment den Kopf resignierend hängen.
„Freunde?", fragte Cameron verwirrt weiter, „Ich bin eine Maschine… Wie kann ich mit jemanden befreundet sein?"
Sie neigte ihren Kopf und durchstöberte ihre persönlichen Daten, während Sarah sie voller Hass wieder anblickte:
„Ja, das ist leicht für dich zu sagen, nicht wahr, du Miststück!", schrie sie, „Du Metall-Schlampe!"
Cameron achtete jedoch nicht auf Sarahs Worte die dem Anschein nach sie beleidigen sollten und wählte wahllos einige der gesammelten Erinnerungen aus…
„Wie heißt du?", hört sie ihre Stimme und vor ihr dreht sich der Junge um.
„John", antwortet er und sie erwidert: „Cameron"
Das Bild flackert und eine andere Erinnerung kommt zu Tage:
Der Jeep fährt in voller Fahrt auf Cromatie zu, der mit seiner Pistole auf John zielt, welcher vor ihm am Boden liegt. Der Wagen trifft ihn und schleudert seinen Körper weg.
Cameron legt den Rückwärtsgang ein und stoppt nahe John.
Sie reißt die Beifahrertüre auf und spricht ihn an:
„Komm mit mir, wenn du leben willst!"
Wieder flackert das Bild:
Sie tankt den Wagen und hört hinter sich Johns Schritte. Er streckt ihr eine Plastiktüte hin.
„Chips?", fragt er, doch sie beachtet ihn nicht und legt die Zapfpistole wieder in die Halterung zurück.
„In der Schule hast du dich entschuldigt, weil du gelogen hast, also sollte ich mich entschuldigen, weil ich auch gelogen habe", erklärt sie und verschraubt den Tank, während John, der sich am Heck angelehnt hatte, in ihr Gesicht blickt.
„Schon gut, ich versteh das", entgegnet er nüchtern, „Irgendwie musstest du ja an mich herankommen,… so bist du… programmiert", sprach er traurig weiter.
„Als ob sich ein so heißes Mädchen mit dem komischen Neuen anfreunden würde", erklärt er und zwingt sich zu einem halbherzigen Lachen, „Hätte ich darüber nachgedacht, dann wäre mir klar geworden, dass da irgendetwas nicht stimmt."
Traurig greift er wieder in die Tüte und isst einen Chip.
„In der Zukunft hast du viele Freunde", versucht sie ihn aufzuheitern.
John dreht sich daraufhin fragend um:
„Was für ein Model bist du? Ein Neues? Du wirkst irgendwie anders…"
Cameron greift daraufhin in die Tüte und nimmt einen Chip heraus.
„Das stimmt", erklärt sie dem überraschten John und isst den Chip, während sie sich umdreht und zur Fahrertüre läuft, um in den Jeep einzusteigen.
Das Bild flackerte schon wieder:
John sitzt am Tisch und fummelt an der Verdrahtung der Alarmanlage herum. Etwas stimmt nicht. Sarah erahnte es ebenfalls. Sie wendet sich zum gehen ab und streicht dabei über Johns Nacken.
Er hat einen erhöhten Puls, ist nervös und schwitzt. Es liegt nahe, dass er sie angelogen hatte und ohne Erlaubnis draußen war. An dem Türrahmen blickt sie sich um und erkennt, dass John ihr nachgeschaut hatte - sie überrascht anstarrte. Sie nickt ihm kaum merklich zu und verschwindet…
Noch einmal flackerte das Bild:
Nichts, totale schwarze leere.
Ihre Sensoren nehmen wahr, wie jemand ihr Haar streichelt.
Ihr Kopf zuckt und sie kommt gänzlich zu sich und sieht wie John seine Hand hastig zurückzieht und sie so auf das Bett legt, dass er sich halb über sie beugt.
Fragend blickt sie von seinem Gesicht zu der Hand, sodass John noch unsicherer wird, sie wegnimmt und nur noch quer auf der Bettkante sitzt. Nervös blickt er sie fragend an:
„Wie war es denn, was hast da drin gesehen?"
„Ich habe alles gesehen", erwidert sie…
„Ich rede mit dir, du Miststück!", riss Sarah sie aus ihren ‚Gedanken', „Was hast du getan?! Sag mir was du getan hast!"
Cameron neigte ihren Blick und starrte Sarah an.
Die Systemanalyse war fertig und brachte ihr weitere Erkenntnis:
SYSTEM INSTABLE
RUNNING WITH TOO MUCH VOLTAGE
ACTION:
ADJUST CHIP-VOLTAGE
Sie sah kurz hinüber zu John und blickte danach wieder in Sarahs wässrige Augen:
„Ich weiß es nicht", gab sie zu.
„Seit wann tust du etwas und weißt nicht, was du dabei machst?! Seit wann?!", schrie Sarah schluchzend zurück.
„Ich weiß es nicht", antwortete Cameron monoton.
Als sie Sarah so anschaute führte sich die Identifikationserkennung wieder von alleine aus, ohne dass sie sie aktiviert hatte:
IDENTIFICATION: SARAH CONNOR
MISSION: NONE
Die Skynet-Software führte daraufhin selbstständig eine Einschätzung des Gefahrenpotentials durch, diesmal jedoch unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Erfahrungen:
THREAT LEVEL: …
CONSIDERING ADDITIONAL DATA:
BODY-COUNT: 2
#1: T-800 MODEL 101 (CONFIRMED)
#2: T-1000 (WITH ADITIONAL HELP; CONFIRMED)
#3: MYLES DYSON (UNCONFIRMED)
Myles Name blinkte immer wieder auf und es wurden weitere Skynet-Daten,
Hintergrundinformationen über ihn geöffnet, bis die Akte über Cyberdyne Systems geöffnet wurde und ihr HUD infolge der Inhalte ein weiteres Mal aufblinkte:
SARAH CONNOR: STATUS - ENEMY
RECEIVING MISSION: …
MISSION: TERMINATE
Camerons Blick wurde finsterer, während gleichzeitig eine weitere Meldung über ihr HUD huschte:
CHIP-VOLTAGE ADJUSTED
WARNING:
CHIP INTEGRITY COMPROMISED
SYSTEM OVERLOAD
Der Finger an dem Abzug zitterte, und bald folgte die ganze Hand, als Cameron die Waffe das letzte Mal vor dem Schuss ausrichten wollte…
… Ein Ohren betobender Knall ertönte… Sekunden später totale Stille…
Wind, des offen gelassenen Fensters streift über die Haut und regt jede Sinneszelle an.
Licht, welches hinein scheint wärmt das Gesicht und veranlasst dazu, den Kopf abzuwenden um in der Dunkelheit weiterzuschlafen...
… Leises Piepsen wird nervtötend immer lauter und lauter, bis es nicht mehr auszuhalten ist. Immer das gleiche rhythmische Piepsen…
Blinzelnd, mit einem erbosten Schlag hört es auf…
Doch irgendwie ist nun die absolute Ruhe gestört und der Körper schafft es nicht mehr zu entspannen und abzusinken…
Blinzelnd, die Augen öffnend wird er von strahlendem Sonnenlicht geblendet.
Plötzlich fängt der Wecker schon wieder an zu Klingen und das nervtötende Piepsen beginnt von neuem.
‚Eine Fehlfunktion…', denkt er sich und schlägt noch einmal auf den Wecker, welcher immer lauter piepst…
