Hallo, Ihr Süßen! Da das erste Kapitel dieser Story ja offenbar eingeschlagen hat wie eine Bombe, hat unsere Bine darauf bestanden, dass ich Euch mit IHREM persönlichen Marauder etwas näher bekannt mache ... Also geht es schon heute weiter, während sie inzwischen fleißig an Kapitel 42 für MdD strickt. Schickt Ihr ein paar Grüße, okay? Damit die Muse ihr treu bleibt! Und jetzt viel Spaß!
Ausnahmen und Sondergenehmigungen
Summary:
Von Verrätern, denen man es gar nicht zugetraut hätte, ländlicher Idylle, die nicht gewürdigt wird, und einer Frau, die schon immer Mal Kandidatin bei der ‚Versteckten Kamera' sein wollte...
Cornelius Fudge warf die Tür zu seinem Büro wütend hinter sich zu. Verflucht! Diese dummen, unnützen Muggel! Sie taten grade so, als spreche er chinesisch! Wenn er nur noch einen Sekunde länger in das dümmliche Gesicht des Muggel-Premier-Ministers Blair hätte blicken müssen, wäre er zu einem Avada Kedavra fähig gewesen! Und scheiß auf Askaban ...
‚Muggel sind so wichtig, Cornelius! Der Schlüssel! Bla, bla, bla!'
Er verzog angewidert das Gesicht! Wenn von denen das Überleben der Menschheit abhing, dann waren sie alle verloren! Aber Dumbledore wollte sie auf ihrer Seite. Und wer musste sich mit diesen beschränkten Individuen in endlosen Grundsatz-Debatten herumschlagen! Natürlich er!
Albus als neuer Zaubereiminister war sich nämlich offensichtlich zu schade dazu. Und das, nachdem er nie müde wurde zu betonen, dass die Muggel ach so wichtige Verbündete wären.
Wichtige Verbündete! Ja, klar! Und Drachen waren kuschelige Haustiere!
Kaum hatte der alte Zausel Fudges Amt – SEIN Amt – übernommen, hatte er mit der vollkommen dümmlichen Verquickung der beiden Welten begonnen. Und das, wo er, Fudge, so viel Energie darauf verwendet hatte, die strikte Trennung aufrecht zu erhalten. Manchmal glaubte er fast, das Voldemort der einzig klare Geist in dieser magischen Gesellschaft war! Dumbledore hätte jedenfalls lieber in Hogwarts bleiben sollen, wo er seine liberalen Methoden an Halbwüchsigen ausprobieren konnte. Aber eigentlich war selbst das schon viel zu gefährlich!
Hier, direkt im Zaubereiministerium, gab es jetzt sogar so ein Muggeldings ... wie hieß das doch gleich? Ach ja, Computer! Und diese andere komische Erfindung – Elektrizität! So ein verfluchter Unsinn! Wer brauchte schon so etwas, wenn man Magie hatte?
Und als ob dies´ nicht schon genug wäre, hatte er selbst jetzt auch noch Dumbledores verdammten Orden auf den Fersen, der verzweifelt nach der undichten Stelle suchte, durch die diese bescheuerten Muggel von Harry Potter und Lord Voldemort erfahren hatten! Aber diese Dummköpfe kämen natürlich niemals auf die Idee, ihn zu verdächtigen, dieser Mrs. Rowling all die pikanten, kleinen Einzelheiten in den Kopf gepflanzt zu haben.
Er hatte geplant daraus Kapital zu schlagen. Reich zu werden – stinkreich. In dem er einfach jemand anderen für sich arbeiten ließ. Muggel waren schließlich so leicht lenkbar! Ein gezielter partieller Oblivate und die Gute würde vollkommen vergessen, dass sie eigentlich ein paar Millionen Muggel-Dollar auf dem Konto haben müsste. Schließlich musste er nach dieser völlig ungerechtfertigten Amtsenthebung, die er ganz sicher diesem ... diesem Verräter Dumbledore zu verdanken hatte, zusehen, wie er zukünftig über die Runden kam.
Hihi, Magie war einfach etwas Wunderbares. Und wenn er sie schon einmal besaß wäre er doch verdammt blöd, sie nicht auch zu seinem Vorteil zu nutzen, nicht wahr? Wie zum Beispiel nach der Unterhaltung mit der guten, herrlich naiven Mrs. Rowling. Ein paar Worte hier und da, ein partieller Obliviate dort ... So hatte er es schließlich geschafft ihr einzureden, dass Harry Potter ein aus ihrer Phantasie entsprungener Romancharakter sei. Und sie dazu gezwungen zu vergessen, dass er ihr all die Details erzählt hatte. Nur Kleinigkeiten hatte er abgeändert und gehofft, dass die Bücher, die diese Muggel für ihn schreiben würde, genügend Geld abwarfen, um ihm den gewünschten Lebensstandart zu ermöglichen. Den Lebensstandart eines Ministers, nein, eines Königs!
Nun, das hatte sie auch getan – allerdings hatte er nicht erwartet, dass unter den Nicht-Magiern ein solcher Hype entstehen würde, dass es nicht mehr vor den anderen Ministeriums-Mitgliedern zu verheimlichen sein würde. Merlin, es gab doch noch tausend andere Bücher über Magie! Die sich alle ausreichend verkauften, um ihm ein angenehmes Leben ermöglichen zu können, ohne das er viel tun musste. Aber so hatte die ganze Geschichte zu viel Aufsehen erregt. Und der Orden suchte nun fieberhaft nach der undichten Quelle. Kingsley Shacklebolt und Nymphadora Black schnüffelten schon die ganze Zeit hier herum.
Fluchend warf er seinen Bowler auf den Schreibtisch und raufte sich die Haare. Wenn er immer noch Ministeriumsangestellter wäre, dann wäre alles in Ordnung! Dann müsste er sich nicht mit dummen Muggeln abgeben! Bekäme endlich, was ihm zustand! Und er würde verdammt noch mal nicht tagtäglich in diesem winzigen, schlecht beleuchteten Büro hocken, während Dumbledore in dem großen, hellen Raum residierte, der eigentlich IHM zustand!
Das würde er diesem Verräter und Muggelfreund heimzahlen! Komme, was da wolle!
Und er würde sofort damit anfangen! Es wäre bestimmt ganz interessant zu erfahren, worüber der senile alte Zausel heute morgen so lange mit diesem Askaban-Relikt Black und dieser finsteren Kreatur Lupin gesprochen hatte, bevor die beiden mit unbekanntem Ziel appariert waren ...
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Etwas ratlos stand der gutaussehende, dunkelhaarige Mann am Apparationspunkt etwas außerhalb von Düren. Diese überpeniblen Deutschen! Für alles gab es Vorschriften und Verbote und diese Unart hatte sich auch auf die deutsche Zaubererwelt ausgewirkt. Apparationen waren nur von ganz bestimmten Punkten zu wiederum fest vorgegebenen anderen Punkten erlaubt. Und „wildes Apparieren", also die Nutzung des magischen „Gummischlauches" – nun mal ehrlich, war diese Rowling nicht DER Hammer – außerhalb dieser Orte, stand unter Strafe. Wenn die Zeitersparnis nicht dennoch beträchtlich gewesen wäre, hätte ‚Zauberer' ruhig auch den Bus nehmen können!
Natürlich gab es Ausnahmen und Sondergenehmigungen, zu beantragen im deutschen Zaubereiministerium in dreifacher Ausfertigung und mit ausführlicher Begründung. Bearbeitungszeit etwa sechs Wochen. Zum Haare raufen!
Okay, er hatte einen solchen Wisch dennoch in der Tasche, dafür hatte Dumbledore gesorgt, allerdings erst für den Rückweg zum Grimmauldplatz Nummer sieben. Eine Apparation, zwei Personen, nur Handgepäck. Diesen würde er nutzen, wenn er seine Zielperson gefunden haben würde.
Und das war diesmal nicht ganz so einfach.
Über diese Miss Winter hatten Tonks und Hermine auf der Fanfiction-Seite im Internet immerhin einige Informationen zusammentragen können. Sie lebte in Wernigerode, hatte drei Kinder, einige Haustiere und einen versoffenen Ehemann, den sie offenbar gerade mit einem saftigen Tritt in den Hintern aus ihrem Leben befördert hatte, und betrieb einen Copy-Shop in der Nähe der dortigen Hochschule. Leicht zu finden. Aber er stand hier vor einem ganz anderen Problem! Wie sollte er eine Nachsorge-Hebamme (so etwas wie eine Heilerin, die sich speziell mit jungen Müttern und deren neugeborenem Nachwuchs beschäftigte, wie Hermine ihm vor seinem Aufbruch erklärt hatte) ausfindig machen, von der er nur wusste, dass sie Lena Soller hieß und irgendwo in Düren lebte. Sie stand ja nicht einmal in einen dieser komischen Muggeltelefonbücher! Er konnte doch wohl kaum durch die Straßen laufen, jede Frau mit einem Kinderwagen ansprechen und hoffen, auf diese Weise einen Zufallstreffer zu landen, oder? Mal ganz davon abgesehen, dass sein Deutsch wirklich nicht das Beste war und er ohnehin keine Ahnung hatte, wie er diesen Namen mit dem fehlenden Vokal richtig aussprechen sollte...
Der Zwei-Wege-Spiegel in seiner Tasche summte und er zog ihn nach einem vorsichtigen Blick in die Runde, mit dem er sich vergewisserte, dass er nicht beobachtet wurde, hervor. Er hatte eigentlich mit Remus' Gesicht gerechnet, aber es war Dumbledore, der ihm daraus entgegenblickte.
„Ich habe eine Adresse für dich, Sirius. Miss Soller wohnt in einem Vorort von Düren. Und sie sollte im Moment zu Hause sein, weil sie heute nämlich keine Patientinnen hat."
Sirius verzichtete darauf nachzufragen, woher Dumbledore diese Informationen hatte. Er konnte es sich denken. Vermutlich hatte Moony seine Zielperson bereits auf seine typische, pflichtbewusste Weise im Grimmauldplatz abgeliefert und der alte Schulleiter hatte ihr geschickt alles entlockt, was sie wissen mussten. Und selbst wenn sie ihm nicht all diese Informationen gegeben hatte – den Leglimentikkünsten des Professors waren Muggel in der Regel nicht gewachsen. Es war also gut möglich, dass sie nur eine gemütliche Unterhaltung geführt hatten und Miss Winter nicht den blassesten Schimmer hatte, welche Bilder ihr Gesprächspartner inzwischen in ihrem Kopf gesehen hatte...
Ein Vorort also. Nicht, das es hier mindestens dreihundertfünfundzwanzigtausend davon gäbe … Merlin sei Dank war er immer noch am Apparationspunkt! Wieso hatte er Moony eigentlich begleiten müssen und musste selbst nun alleine suchen?
Er ließ den Zwei-Wege-Spiegel in seine Tasche zurückgleiten und zog stattdessen eine magische Karte hervor. Hm, es war nicht besonders weit bis zum nächsten Dorf. Und vielleicht hatte er ja Glück. Irgendwo musste er schließlich anfangen. Na dann mal los!
Ein weiterer vorsichtiger Blick in die Runde, ein Moment der Konzentration, und schon materialisierte sich um ihn herum der neue Apparationspunkt. Eine eindeutig ländliche Gegend. Und auf der Karte war der Weg – hey, gute Idee von Dumbledore, die magische Karte nicht nur mit dem Muggel-Telefonbuch sondern auch noch mit den Informationen, die er von dieser Miss Winter bekommen hatte zu vernetzen - den er jetzt nehmen musste, rot markiert. So konnte er nicht nur die einzelnen Personen mit dem Namen „Soller" auf seiner Liste leichter finden, sondern die Ziele auch gleich noch mit den Erinnerungen der Wernigeröderin abgleichen. Ein Kinderspiel – die erste Straße links und gleich darauf die nächste rechts. Das letzte Haus auf der linken Seite. Ganz einfach.
Die Frau, die ihm die Tür öffnete, war eine äußerst angenehme Überraschung. Sie war relativ groß und glücklicherweise auch keine von diesen auf Barby gestylten Hungerhaken, die man im Muggelfernsehen so häufig zu sehen bekam und die auf ihn immer ziemlich unheimlich wirkten – so als wären sie gar keine richtigen Menschen, sondern eher solche Virtual-Reality-Produkte, die manche Muggel an ihren Computern erzeugen konnten. Diese Frau hier war echt. Ja, das war genau der richtige Ausdruck. Sie war echt und lebendig und einfach wunderschön mit dem hellbraunen Haar und den glänzenden blaugrauen Augen! Und erst das Lächeln ...
‚Merlin, lass sie die Richtige sein! Sonst muss ich später noch einmal wieder kommen!', schoss es ihm durch den Kopf.
Einen Augenblick war er von ihr so gefangen, dass er beinahe seinen Auftrag vergessen hätte. Erst als ihr bis dahin anerkennender Blick – die Frau hatte also eindeutig auch Geschmack, wie er ihr selbstzufrieden grinsend bescheinigte – fragend wurde, besann er sich auf den Grund seines Hier seins.
„Miss Soller?" Er hatte sich die von Dumbledore verwendete Aussprache des für einen Engländer ungewöhnlichen Namens genau eingeprägt. Und jetzt hoffte er nur noch inbrünstig, dass es um ihre Englischkenntnisse besser bestellt war, als um sein Deutsch.
„Ja?" Lena Soller musterte den Mann, der da plötzlich vor ihrer Tür stand, mit deutlichem Interesse im Blick. Gott, sah der guuuuut aus! Groß, durchtrainiert und dunkelhaarig. Ein deutlich appetitlicher Mann. Und dazu dieses markante Gesicht – wie ein gefallener Engel. Was immer er ihr auch verkaufen wollte – dieses Gesicht und das Lächeln dazu waren die beste Werbung! Sie würde gleich fünf nehmen.
Ein weiteres charmantes Lächeln, sein charmantestes überhaupt, immerhin war diese Frau wirklich ein echter Hingucker, und er legte los. „Mein Name ist Sirius Atair Black. Ich bin ein englischer Zauberer und im Auftrag des Ordens des Phönix' hier, weil Professor Dumbledore gern mit Ihnen reden würde..."
Lena maß ihn erst überrascht, dann mit einer spöttisch hochgezogenen Augenbraue. „Ja klar! Ha, ha! Sehr witzig! Welcher von meinen total verrückten Freunden hat Sie für diesen Auftrag engagiert? Stella?" Die war eindeutig irre genug für eine solche Nummer...
„Miss Soller, ich versichere Ihnen, dass es sich hierbei um keinen Scherz handelt. Miss Winter befindet sich mittlerweile selbst in London. Die intimen Kenntnisse, die Sie beide über den Orden und seine Mitglieder haben, und die Sie in diesem ... äh ... Internet verbreiten, haben uns in eine ziemlich unangenehme Lage gebracht. Das Geschreibsel von dieser Mrs. Rowling kratzt nicht einmal an der Oberfläche der Realität, weswegen es auch niemand ernst nimmt, aber was Sie und Ihre Freundin veröffentlicht haben ... Professor Dumbledore braucht dringend Ihre Mithilfe, um die Interessen des Ordens auf absolute Geheimhaltung wahren zu können... Ich muss Sie daher bitten, mich zu begleiten!"
Lena verschränkte die Arme vor der Brust, damit sofort klar wurde, was sie von diesem üblen Scherz hielt. „Natürlich. Was tun Sie, wenn ich mich bereit erkläre, Sie nach London zu begleiten, Mr. Black? Zaubern Sie dann einen Feuerblitz unter Ihrem Umhang hervor, packen mich und flüchten mit mir auf diesem? Über einen Kamin, noch dazu einen mit Anschluss an Ihr Floh-Netz, verfüge ich nämlich nicht!"
Ein weiteres, ebenso charmantes Lächeln. „Das könnte in Anbetracht der enormen Strecke etwas unbequem werden, fürchte ich. Ich dachte da eher an Apparation. Das geht bei weitem schneller und ich versichere Ihnen, dass Ihnen auch ganz sicher nicht übel wird. Und bequemer", er streifte ihren Po mit einem bezeichnenden Blick und hätte angesichts der verlockenden Rundung beinahe seinen restlichen Text vergessen, „ähm ... ja ... bequemer ist es außerdem..."
Kopfschüttelnd lehnte Lena sich in den Türrahmen. Himmel, der Kerl war wirklich gut! Wer noch würde diesen Romaninhalt so überzeugend rüberbringen? Und er sah auch tatsächlich genauso aus, wie sie sich ihre Lieblings-Romanfigur immer vorgestellt hatte. Groß, dunkel und wahnsinnig sexy. Wer immer ihn engagiert hatte, um diese Show hier abzuziehen, er hatte eine glückliche Hand bei der Wahl seines Schauspielers bewiesen! Vielleicht sollte sie einfach mitspielen und sehen, wohin das Ganze führte ... Hoffentlich GAAANZ weit!
Herausfordernd blickte sie ihn an. „Okay, überzeugen Sie mich! Beweisen Sie mir, dass das hier kein blöder Scherz ist!"
„Kein Problem!" Er trat auf sie zu und schlang so schnell und bestimmend die Arme um ihre Taille, dass sie keine Chance zum Ausweichen hatte. Und selbst wenn sie es gewollt hätte ... er roch einfach wunderbar! Nach Mann und Leder und Sonnenschein. Und die festen Muskeln, die sie unter ihren Handflächen fühlte, weil sie die Hände instinktiv gegen seine breite Brust gepresst hatte, bildeten einen beinahe atemberaubenden Kontrast zu der beinahe zärtlichen Art, mit der er sie noch näher an sich zog ...
„Festhalten!", murmelte er so dicht neben ihrem Ohr, dass sie unwillkürlich erschauerte, und sie folgte instinktiv dieser Anordnung. Und dann quietschte sie erschrocken auf, als die Welt um sie herum plötzlich verschwamm und sie durch irgendeine Kraft noch um einiges fester an ihn gepresst wurde – so fest, dass noch nicht einmal ein Atemzug zwischen ihnen Platz gehabt hätte. Sie spürte noch, wie er ihr beruhigend über den Rücken strich, realisierte mit einiger Verblüffung etwas Längliches, Hartes an ihrer Hüfte ... Dann materialisierte sich plötzlich ein fremder, düsterer und wenig einladender Raum um sie herum.
Und als Sirius Black dann auch noch mit rauer, sinnlicher Stimme die Worte „Herzlich willkommen im Grimmauldplatz!" in ihr Ohr raunte, wäre sie tatsächlich beinahe ohnmächtig geworden.
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Wie konnte eine Frau, die nahe daran war zu hyperventilieren, so wahnsinnig sexy sein?
Sirius konnte nur über sich selbst den Kopf schütteln, während er zusah, wie diese Miss Winter ihrer Freundin, die er noch immer in den Armen hielt, weil ihre Beine ihr noch nicht wieder gehorchten, etwas Luft zufächelte, während sie leise auf sie einsprach. Offenbar versicherte sie ihr gerade, dass sie nicht in irgendein Kaninchenloch gestürzt war und auch nicht ihren Verstand verloren hatte, sondern sich tatsächlich in der Welt der Zauberer befand. Zumindest war es das, was er sich mittels seiner recht mangelhaften Deutsch-Kenntnisse aus der leisen, ziemlich einseitigen Unterhaltung zusammenreimte.
Und verdammt, auch wenn er in dieser Sprache bewanderter gewesen wäre, zum Beispiel als so ein Bildungsfanatiker wie Moony, hätte er der Unterhaltung vermutlich nicht problemlos folgen können. Welcher Mann würde das schon schaffen mit völlig unterversorgtem Hirn, weil das ganze Blut sich unterhalb der Taille zu sammeln schien und eine wahre Mördererektion hervorrief?
Grins verdammt noch mal nicht so dämlich, Remus! Ich habe genau gesehen, wie du vorhin diese Miss Copy-Shop angesehen hast!
Ja, zum Teufel, er hatte einen Ständer! Und was für einen! In der Zeit der Höhlenmenschen hätte er jetzt vermutlich seine Keule geschwungen, sämtlichen konkurrierenden Männchen eins auf die Birne gegeben und die Frau anschließend an den Haaren auf sein Lager gezerrt, um sie dort gründlich …
Großer Gott, was war er? Ein wildes Tier?
Er hatte doch bisher nie Probleme damit gehabt, seine Triebe unter Kontrolle zu halten, wenn ihm eine Frau gefiel! Im Gegenteil, er hatte sie mit seinem Charme bezaubert und mit seinem Lächeln betört, bis sie ihm wie reife Früchte in die Hände gefallen waren. Sie hatten allesamt geseufzt, ekstatisch unter ihm gezittert und um mehr gefleht – und waren nicht vollkommen verängstigt gewesen. Und er hatte auch noch bei keiner dieses heftige Bedürfnis gespürt, ihr jedwede Angst zu nehmen.
Merlin, noch nie war ihm eine Frau so unter die Haut gegangen! Die Vorstellung, sie gleich loslassen zu müssen, schließlich würde sie sich irgendwann von dem Schock erholt haben, den er ihr mit seiner absichtlich unangekündigten Apparationsvorführung versetzt hatte, behagte ihm überhaupt nicht. Eher weckte es in ihm den Wunsch sich in Padfoot zu verwandeln, sie in eine Ecke zu drängen, zu knurren und jeden wegzubeißen, der versuchte in ihre Nähe zu kommen.
Spaß beiseite … Vermutlich würde sie sich, sobald er sie losließ, rasend vor Zorn umdrehen und ihm eine schallende Ohrfeige versetzen. Verdient hätte er es jedenfalls. Oder noch schlimmer, sie würde nie wieder im Leben ein einziges Wort mit ihm sprechen. Alles was er wollte war, sie in den Armen zu halten. Aber so wie die Dinge im Augenblick standen würde er nie herausfinden, ob ihre Lippen wirklich so weich und köstlich waren, wie sie aussahen, und wie sich ihr warmer, weicher Körper unter ihm anfühlen würde, wenn er sich in ihre flüssige Glut versenkte …
Padfoot, AUS!
Oh Himmel, Süße, tu mir den Gefallen und beweg dich jetzt bitte einem Augenblick lang nicht, okay? Sonst komme ich nämlich in der Hose …
Eines stand jedenfalls unumstößlich fest: Sofern Miss Soller nicht absolut deutlich machte, dass sie seine Nähe nicht ertragen konnte, würde er all seinen Charme spielen lassen, um sie für sich zu gewinnen. Und das würde er auch schaffen! Schließlich war er Sirius Black, Charmeur und Traum unzähliger Frauen zwischen 16 und 100 …
„Erde an Padfoot! Du kannst Miss Soller jetzt loslassen, Kumpel." Remus' Grinsen war vermutlich noch nie so breit gewesen.
Sirius metzelte seine aufkommende Verlegenheit entschlossen nieder und schenkte der Frau in seinen Armen sein unschuldigstes Lächeln. „Muss ich wirklich?"
„Sofern Sie nicht wollen, dass Professor Dumbledore uns für siamesische Zwillinge hält …"
Offenbar hatte sie den Schock inzwischen tatsächlich überwunden und ihren Biss wieder gefunden, denn ihre Augenbraue wanderte herausfordernd in die Höhe. Was für eine Frau!
„Professor Dumbledore", erklärte eine andere Männerstimme von der Tür des Salons her, „würde höchstens glauben, dass unser Freund Sirius mal wieder seine Manieren vergessen hat. Und sich nicht wirklich darüber wundern …"
Lena drehte sich um und entdeckte einen älteren Herren mit weißem Haar und Bart, der sie väterlich anlächelte. Die freundlichen blauen Augen zwinkerten sie fröhlich an und verrieten ihr augenblicklich, dass sie sich gerade dem Schulleiter von Hogwarts gegenüber sah. Albus Dumbledore! Allerdings sah er wesentlich moderner aus als Joanne K. Rowling und Warner Bros. dem Publikum weismachen wollten.
Wenn sie allerdings erwartet haben sollte, dass der Mann, der sie jetzt tatsächlich endlich losließ, so etwas wie Verlegenheit erkennen lassen würde, täuschte sie sich gründlich. Er zwinkerte ihr lediglich herausfordernd zu und grinste: „Lassen Sie sich von dem alten Charmeur nicht einwickeln, Süße. Ich habe ältere Rechte!"
Sprach's, warf ihr eine Kusshand zu und verschwand in Richtung Treppe.
Lena sah ihm vollkommen perplex nach. Der hatte vielleicht Nerven! Apparierte mit ihr über den Ärmelkanal und ließ sie dann einfach ohne wirkliche Erklärung stehen?
Tausend Gedanken tanzten durch ihren Kopf, sodass ihr fast schwindlig wurde. Heute Morgen noch war sie aufgestanden und hatte ihr Frühstück verzehrt, mit einem leisen Seufzer, weil dies´ ein genauso langweiliger Tag zu werden versprach wie jeder andere.
Und jetzt? Jetzt stand sie mitten in einer Romanwelt, die eigentlich gar nicht existieren konnte. Umringt von Menschen, die es eigentlich gar nicht gab, wie ihr die winzige Stimme der Vernunft einzuflüstern versuchte. Aber Himmel, sie STAND hier! Hatte in Sirius Atair Blacks Armen gelegen und ihn gefühlt! Sehr nahe! Sehr genau!
War der scharf!
Lena schüttelte den Kopf und kniff die Augen zusammen. ‚Konzentrier Dich auf die wichtigen Dinge, blöde Kuh!'
Was hatte er gesagt?
Er sei Sirius Atair Black.
Aber warum eigentlich Atair? Dieser Zweitname war nirgendwo in den Rowling-Büchern je gefallen. Vielmehr hatte sie selbst Stella diesen Namen vorgeschlagen, als sie einen suchte für das gemeinsame Kind von Sirius und einer ihrer OC´s! Wieso trug er ihn also?
Sie war vollkommen verwirrt! Mein Gott, Sirius Black schien so real, wie sie selbst. Und er sah so guuuuut aus! Besser sogar noch, als sie erwartet hätte, genau so wie in ihren geheimen Träumereien, wenn sie nachts allein im Bett lag und ihm höchstens in ihrer Vorstellung eine enge, dunkle Boxershorts als Kleidung zugestand ...
Okay, genug davon! Er warf jedenfalls die gesamte Bücherwelt von JKR vollkommen über den Haufen! Denn er hatte nichts von ihr – bis auf die Tatsache, dass er offensichtlich ein Meister in der Kategorie „Wie mache ich Frauen schwach" war.
Seine Haare waren viel kürzer als sie erwartet hätte – und das, wo sie sich - nur für ihn - endlich mit langhaarigen Männern angefreundet hatte! Sein Gesicht trug eindeutige männliche Züge und war nicht hager wie das eines Gespenstes. Ein markantes Kinn, eine grade, aristokratische Nase. Kein Stück Gary Oldman! Er war im Gegenteil so sexy, das es eigentlich verboten werden müsste!
Dumbledore unterbrach sie in ihrem Gehechel, in dem er ihr eine Hand flach in den Rücken legte und sie anlächelte. Sie zuckte zusammen und lief puterrot an unter seinem Blick.
„Es wäre mir eine Ehre, Miss Soller, wenn Sie mir bei einer guten Tasse Tee Gesellschaft leisten würden", erklärte er zwinkernd – und für Lenas Geschmack war sein Lächeln ein klein wenig ZU wissend.
Kommis für unsere sexy Lena bitte, okay? Sie ist doch schon ganz heiß darauf ...
